Am 04. August 2010 war es wieder so weit: Das größte Metalfestival der Welt jährte sich zum 21. Mal. Wir bepackten also unser Auto und fuhren in den hohen Norden nach Wacken.

Am 04. August 2010 war es wieder so weit: Das größte Metalfestival der Welt jährte sich zum 21. Mal. Wir bepackten also unser Auto und fuhren in den hohen Norden nach Wacken.

Donnerstag morgen um 6 Uhr kamen wir an und zum ersten Mal nutzten wir unsere Chance und campten auf dem Presseplatz. Die Party ist nicht ganz so groß wie auf dem normalen Campground, aber da die meisten Leute im VIP Campground kleine Fische sind, die wie wir auch jederzeit nach Wacken fahren würden, wenn sie nicht die Chance hätten, von diesem großen Event zu berichten, war die Stimmung doch zumindest ähnlich. Also lernten wir zunächst unsere direkten Nachbarn kennen, die, wie sollte es anders sein, fast hauptsächlich aus dem Ruhrgebiet stammten. Man findet doch immer wieder zueinander.

Ein kleines Kuriosum lief uns dann auch noch in Form eines Filmteams über den Weg, das einen Werbefilm für das Reinungsmittel Schmutzex drehte. Deren Hauptdarsteller dürfte der einzige Festivalbesucher in Anzug und Krawatte gewesen sein.

Nach dem ersten Bier legten wir uns noch kurz schlafen um Kraft zu tanken, für alles was da folgen sollte. Los ging es für uns mit Alice Cooper. Bisher war er für uns nur eine Legende, jetzt wissen wir, es gibt ihn wirklich. Auf der Bühne zog er das volle Programm durch, von Erhängen bis zur Guillotine war alles dabei. Dafür bedankten wir uns indem wir uns natürlich demütig in den Staub warfen und riefen: „Wir sind unwürdig.“

Torfrock wollten wir sehen, konnten es aber nicht. Die Wackinger-Bühne, war dermaßen gut besucht, dass wir nicht mehr auf das Gelände kamen. Und das obwohl der Bereich für dieses Jahr bereits vergrößert wurden. Uns wurde berichtet, dass bereits am Mittwoch zum Konzert von Fiddlers Green ein solcher Andrang herrschte. Wir denken, diese Bühne ist auf jeden Fall noch ausbaufähig.

Später am Nachmittag waren dann Mötley Crüe dran, deren Auftritt sich schon vorher durch die zahlreichen farbenfrohen und spandexbehosten Fans ankündigte. Mit Songs wie „Girls, Girls, Girls“ heizten „The Crüe“ dann auch ordentlich ein und lieferten eine gute Show.

Iron Maiden machten ihre Sache ebenfalls gut. Jedoch nicht so gut, wie man es erwartet hätte. Auf der Bühne ging es geradezu gesittet zu. Enttäuscht haben sie zwar nicht. Von Iron Maiden erwartet man aber irgendwie immer ein bisschen mehr als von anderen Bands. Die richtigen Knaller kamen erst im Zugabenteil. Dort legten Maiden dann aber unter anderem mit „Hallowed Be Thy Name“ und einem Gitarre spielenden Eddie so richtig los.

Der Freitag begann für uns mit einem Gang über den Metalmarkt. Viele kuriose Läden, darunter wieder einmal der Holzdildoschnitzer, dessen Stand erstaunlicherweise von einer Traube Männer umringt war.

Danach besuchten wir nun endlich das nicht mehr ganz so voller Wackinger Gelände. Mittelaltermarktatmosphäre vom Feinsten. Gewandung, Gaukler und Spiele. Natürlich auch Speis und Trank in zahlreicher Variation (Hier gibt es unter anderem auch das unserer Meinung nach beste Knoblauchbrot des ganzen Festivals: Frisch gebacken und zum selber Belegen). Ein wirklich schöner Ort auf dem Festival zum Ausspannen.

Da wir - schusselig wie wir sind - natürlich etwas zu Hause vergessen mussten - wir hatten uns für den Dosenöffner entschieden - gingen wir zum Wacken Supermarkt, der sich sogleich als „bester Supermarkt von ganz Wacken“ herausstellte. Das Team war in der Tat super und wir bekamen einen Dosenöffner. (Welcher leider schon einen Tag später dahinschied ...)

Später machten wir Gebrauch von unserem Zutritt im Pressezelt und schauten uns die Buchvorstellung zu „Kumpels in Kutten“ an. Dabei handelt es sich um ein Buch zum Thema „Heavy Metal im Ruhrpott“. Das Buch, erschienen im Verlag Henselowsky Boschmann, basiert auf zahlreichen Interviews mit Bands und Szenegrößen und enthält auch etliche – teilweise bisher unveröffentlichte – Bilder aus dem privaten Fundus der Interviewten. Die Autoren Holger Schmenk und Christian Krumm geben einen großartigen Überblick über die hiesige Szene, welche die gesamte deutsche Metalszene bedeutend geprägt hat und deren Vertreter teilweise weltweiten Ruhm genießen. Es werden Einblicke in die Entstehung des Heavy Metal und seine weitere Entwicklung durch Leute gewährt, die hautnah dabei waren und diese Entwicklung entscheidend mit geprägt haben.

Danach ging es dann wieder musikalisch weiter, nämlich mit Kamelot, die wie eigentlich bei ihnen üblich, eine grandiose Show lieferten. Sänger Khan war exzellent aufgelegt und neben ihren wohl bekanntesten Songs von ihren Epica und The Black Halo Alben wurden auch etliche Stücke von ihrem aktuellen Album Ghost Opera gepsielt.

Später am Abend spielten dann noch Grave Digger die Show, die sie mittlerweile auf ihrer Homepage als den Höhepunkt ihrer Karriere bezeichnen! Die Stimmung war riesig, Chris Boltendahl kam im standesgemäßen Kilt auf die Bühne und wurde später von illusten Gaststar wie Doro Pesch ("The Ballad of Mary") und Hansi Kürsch ("Rebellion") unterstützt. Bei "Tune of War" durften dann auch noch Van Canto als Background Sänger mit ran. Ganz großes Kino! 

Wir hatten später dann auch noch Zeit und Muße und beschlossen uns spontan Tarja Turunen anzusehen. Die Nightwish Songs, die sie gesungen hat, waren fantastisch. Alles andere klang wie der Versuch dem Publikum zu zeigen, was für eine tolle Stimme sie hat und was sie alles damit anstellen kann, ohne zu beachten, ob das auch der Musik nicht schadet. Leider klangen die Songs daher nicht besonders.

Slayer waren Slayer. Viel mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen. Irgendwie habe ich bei Slayer immer das Gefühl, dass sie nur noch von ihrer Legende leben, dieser Legende aber nicht mehr gerecht werden. Klar, Songs wie „South of Heaven“ sind Meilensteine, aber so richtig will der Funke live bei Slayer einfach nicht überspringen. Solide, mehr leider nicht. Eine interessante Begebenheit gab es am Rande noch, denn die Gitarrenfraktion von Stratovarius stand neben uns, um sich ebenfalls Slayer anzuschauen.

Die erste Überraschung an diesem Tag war für uns The Boss Hoss. Vergnügt hüpften wir über das Festivalgelände. Johnny Cash mit E-Gitarre! Es wurden Cover aus allen möglichen Genres gespielt, in einem Stil, der sich am wohl ehesten als Country mit E-Gitarren beschreiben lässt.

Überraschung Nummer Zwei des diesjährigen Wacken Open Air war für uns eindeutig Corvus Corax. Bei deren Auftritt wurden weit über 40 Mann auf der Bühne gezählt. Zum großen Orchester kamen diverse Schauspieler in Rüstung beim Schwertkampf und fantastische Sänger in großer Gewandung. Die Musik war großartig, die Show war großartig und die großen Flammenwerfer am PA Turm hielten uns auch nachts um 3 Uhr noch angenehm warm.

Der nächste Tag verlangte viel von uns ab. Es ging los mit den Kassierern. Deren Auftritte sind ja irgendwie immer etwas Besonderes. Sänger Wölfi war bereits beim 2. Lied komplett nackt, muss man noch mehr dazu sagen? Frei nach dem Bandmotto „Proleten und Außerirdische vereinigt euch!“ ging es mit Songs wie U.F.O. weiter, die vom zahlreichen Publikum in der W.E.T. Stage auch standesgemäß gefeiert wurden.

Daraufhin ging es dann etwas ernsthafter, aber nicht weniger interessant mit W.A.S.P. weiter. Die Mannen um Blackie Lawless legten ebenfalls einen exzellenten Auftritt hin und ließen es sich natürlich auch nicht nehmen, Hits wie „I wanna be somebody“ zum Besten zu geben. Negativ fiel allein auf, dass Blackie mit seinem mittlerweile doch recht aufgedunsenen Gesicht keine sehr gesunde Erscheinung mehr abgibt.

Später am Tag spielten Stratovarius auf der Party Stage. Die Band war super. Allerdings wurde das Konzert leider ständig von der Musik der gleichzeitig auf der Black Stage spielenden Cannibal Corpse überlagert. Derartige Soundprobleme werden wahrscheinlich in Wacken nie ganz zu vermeiden sein, weil Open Air Sound nicht unerheblich von der gerade herrschenden Witterung abhängt. Und da es im Norden nunmal häufiger ein bisschen stürmischer ist...

Danach tauchte ein Problem auf, welches dieses Jahr bei der Planung der Running Order häufiger gab. Noch während Stratovarius spielten fing auf der Wackinger Stage das Tyr Konzert an. Wären wir dort angekommen, hätten wir sofort zurück gemusst, da sich die zweite Hälfte mit dem Beginn des Edguy-Konzerts überlagert hätte.

Eine ähnlich seltsame Planung konnte man am selben Abend noch einmal erkennen: Warum müssen Bands Tiamat und Fear Factory gleichzeitig spielen? Viele Leute konnten sich gar nicht entscheiden, welches Konzert sie sich anschauen sollten.

Also mussten wir leider Tyr ausfallen lassen und gingen direkt Edguy. Tobias Sammet und Co. Legten gleich fulminant mit Songs wie „Vain Glory Opera“ los und stellten eindeutig unter Beweis, dass sie zu den ganz Großen im internationalen Metalzirkus zählen. Das Publikum war zahlreich und die Stimmung riesig. Beinahe jeder Song wurde enthusiastisch mitgesungen. Tobias Sammet beschrieb das sehr gut: „Ich bin vor 2 Tagen mit einer Grippe aufgewacht und war mir zuerst nicht sicher, ob wir den Auftritt durchziehen können. Aber dann hab ich mir gedacht: Wir müssen es doch eh nur irgendwie auf die Bühne schaffen und den Rest erledigt das Publikum schon allein.“.

Edguy hatten während ihres Auftrittes übrigens einen Gastmusiker in ihren Reihen: Markus Großkopf von Helloween. Dies lag darin begründet, dass der etatmäßige Gitarrist Tobias "Eggi" Exxel wie Tobias Sammet es ausdrückte „seinen Pimmel nicht unter Kontrolle halten konnte“ und deswegen am Wacken Wochenende Vater werden sollte. Um für den Fall vorbereitet zu sein, dass er daher kurzfristig abreisen muss, bat man kurzerhand Markus Großkopf, einzuspringen und die komplette Setlist einzuüben. Dieser wurde denn indes auch von Tobias Sammet als der schönste Mensch der Welt vorgestellt. Nunja, Geschmackssache ...

Jetzt hatten wir endlich noch einmal ein paar Minuten Ruhe und gönnten uns ein fantastisches Fischbrötchen an dem wunderbaren Stand, der sich wie schon seit Jahren direkt rechts neben dem Ausgang befandt

Daraufhin fiel uns ein weiteres strukturelles Problem auf: Die Wege über die wir tags zuvor von verschiedenen Ordnern geschickt wurden, blieben uns heute verwehrt. Leider schienen diese dieses Jahr nicht gut abgesprochen zu sein.

Und eine große Bitte: Entweder, lasst die Frauen auch von Männern abtasten oder instruiert die Ordnerinnen, freundlich zu sein. Die Damen benehmen sich als stünde mah unter Mordverdacht. Sie sind unverschämt und launisch und anstatt einen anzusprechen, wenn sie was vergessen haben, ziehen sie einen unsanft wieder zurück. Liebe Wackenorganisatoren: wir sind eure Kunden, keine Schwerverbrecher.

Zu guter Letzt wollte ich mir dann bevor es heim ging noch Fear Factory und Tiamat anschauen. Da beide wie schon erwähnt leider gleichzeitig spielten, wechselte ich zwischen den Bühnen und bekam so doch noch von beiden Bands etwas mit. Während es bei Fear Factory zum Abschluss noch einmal so richtig schönes Gebolze gab, schafften es Tiamat auf der Party Stage mit Songs von ihrem legendären „Wild Honey“ Album eine wirklich magische Atmosphäre zu schaffen. Beeindruckende Lichttechnik und geschickter Einsatz von Nebel taten ihr Übriges für einen denkwürdigen Auftritt.

So ging es dann an die Heimfahrt. Dachten wir! Allerdings sind wir - unmittelbar als wir vom Campground runterfuhren - leider falsch abgebogen. Dieser Weg war als Einbahnstraße gedacht. Wir würden uns daher für nächstes Jahr als kleine Verbesserung Verkehrsschilder auf den Hauprwegen wünschen. Und als wir also den Wagen drehten und sich hinter uns eine Schlange aus Lieferanten und Security Fahrzeugen gebildet hatte, fuhren wir uns um zwei Uhr nachts auch noch einen Platten. Passenderweise musste genau in dem Moment auch noch ein Rettungswagen durch die Zufahrt, die wir blockierten. Also hieß es so schnell wie möglich zurück auf den Campground und raus mit dem Reserverad. Nur, wie geht das mit dem Reifenwechseln jetzt nochmal genau? Zumal mit diesem seltsamen behelfsmäßigen Werkzeug, das Renault scheinbar bei seinen Autos mitliefert?

Hier gilt unser Dank den freundlichen und hilfsbereiten Ordnern, die uns schon während des ganzen Festivals immer wieder gerne Auskunft gegeben haben und ganz besonders dem einen, der nachts um 2 Uhr 30 noch zusätzlich zu seiner sonstigen Arbeit fast ganz alleine unseren Reifen gewechselt hat (und zwischendurch aufhorchte und uns grinsend berichtete, dass U.D.O. die Musikanlage jetzt gänzlich geschrottet habe). So kamen wir aber immerhin doch noch in den Genuss U.D.O. Und vor allem natürlich den alten Accept Klassiker „Princess of the Dawn“ zu hören, der bestimmt über 15 Minuten ging und vom Publikum immer weiter mitgesungen wurde.

Nach erfolgreichem Reifenwechsel ging es dann aber doch noch Richtung Heimat und gegen 8 Uhr morgens hatte uns dann der Ruhrpott wieder.

Unser Dank an das WOA Team. Wir kommen in 2011 gerne wieder! Es war super wie jedes Jahr.

 

- Julia Platzer und Björn Wilmsmann -

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