Deadlock waren Support für die Deutschland Gigs auf Sonic Syndicates „We Rule The World“ Tour. Am 16.11.2010 haben wir mit Johannes, dem Sänger, von Deadlock gesprochen.

Markus (MetalViecher.de): Hi, ich bin Markus von MetalViecher. Magst du dich und deine Band einmal kurz vorstellen?

Johannes Prem (Deadlock): Ich bin Joe, der Sänger von Deadlock. Wir sind eine melodische Metalband, die mittlerweile seit zwölf oder dreizehn Jahren ihr unwesen treibt. Wir haben  zwei Sänger, ich bin für die Screamabteilung zuständig und Sabine ist die klassische Sängerin, die für die  cleanen Sachen zuständig ist. Mit dabei ist dann Tobi unser Schlagzeuger, der sich um die Abwicklungen mit dem Management und so kümmert. Basti unser Gitarrist und Songwriter ist auch ein Gründungsmitglied. Gert, unser zweiter Gitarrist, ist ursprünglich aus Belgien und lebt nun in Berlin. Zu guter letzt' ist John unser Bassist. Wir sind mittlerweile mit der dritten Platte auf LifeForce Records unterwegs und arbeiten an der neuen.

Markus: Wie weit seid ihr den momentan?

Joe: Wir nehmen bei unserm Gitarristen im eigenen Studio auf und dadurch ist es für uns sehr entspannt und wir können das ganze auf viele Termine aufteilen. Wir haben daher schon früh mit der Vorproduktion angefangen und sind jetzt in den letzten zwei Wochen in die Endphase gegangen. Aktuell brauchen wir noch einen halben Song mit beiden Gesangsspuren und dann sind wird durch.

Markus: Also quasi fertig?

Joe: Ja, so gut wie.

Markus: Was haben wir zu erwarten im Vergleich zu den alten Alben?

Joe: Es ist im Vergleich zu „Manifsteo“ ein wenig straighter und nicht mehr ganz so experimentell. Also jetzt keine Hip Hop Parts, aber vielleicht den ein oder anderen technolastigen Beat. Auf jeden Fall nicht so krass wie „Manifesto“. Auch textlich haben wir das ganze vegan Thema abgearbeitet. Wir haben quasi unser Manifest mitgeteilt und gehen jetzt textlich eher auf die politische oder neutrale Schiene. Es geht um Habgier, soziale Systeme, medizinisch falsche Einstellungen und so. Wir sind einfach viel breiter gefächert. Viele haben den Werdegang der Band nicht gekannt und sich nur durch „Manifesto“ mit der Band beschäftigt und uns für eine total engstirnige, einseitige, vegan orientierte Band gehalten, was ja nicht so ist.

Markus: Habt ihr schon einen Titel?

Joe: Wir sind momentan dabei den Titel festzulegen.

Markus: Gibt es den ein paar Vorschläge, die in der engeren Auswahl sind?

Joe: Also es gibt einen Song auf der Platte, soviel kann ich schon verraten, der heißt „Hit Trail“ (schwer zu verstehen, wegen Hintergrundgeräuschen, Anm. d. Red.) Es gibt auch Marvel-Comics, die sich mit dem Thema verkehrte Welt befassen: In Bizarroworld ist alles umgekehrt, das Gute ist schlecht und das Schlechte gut und auch die Superhelden machen nur negative Aktionen. Und das ist auch so der Aufhänger des Albums, wir beschäftigen uns damit, wie pervers eigentlich einige Sachen sind, die in der Gesellschaft als normal gelten. Wenn man genau hinschaut sieht man, dass das meiste davon krank und alles andere als anerkennenswert ist.

Markus: Wann wird das ganze denn veröffentlicht?

Joe: Im Februar, wir haben auch schon die Releasetour geplant. Es wird aber nur eine kleine Tour mit fünf Dates.

Markus: Unter anderem wieder hier im Underground Köln habe ich gelesen.

Joe: Genau. Wir picken uns halt fünf Ecken raus, die immer gut besucht waren und die für uns den meisten Spaß geboten haben. Schade, das unsere Heimatgegend nicht dabei ist, weil sich das zeitlich nicht ergeben hat. Wir freuen uns darauf, das wird sicher witzig. Da wir alle berufstätig sind ist es etwas schwer große Touren zu planen und wir wollen uns die Möglichkeit offen halten im Sommer auf den Festivals spielen zu können.

Markus: Spielt ihr heute vielleicht schon ein paar neue Lieder?

Joe: Nein, leider nicht. Wir hatten es eigentlich angedacht. Erstens konnten wir uns nicht entscheiden welche und zweitens gab es, als wir die Tour zugesagt haben noch zu viele Baustellen in den Songs, dadurch das wir uns sehr intensiv mit den Liedern beschäftigen können, da wir in der Produktion so viel Zeit haben.

Markus: Ist Basti der einzige Songwriter oder mischt ihr da auch öfters mit?

Joe: Er spricht sich schon mit den anderen Mitgliedern ab und die dürfen ihren eigenen Musikgeschmack mit einbringen, was im Endeffekt die Mischung ergibt, die Deadlock ausmacht. Die kompletten Vorproduktionen laufen jedoch über ihn.

Markus: Du hattest vorhin den veganen Lebensstil angesprochen, kannst du dir vorstellen ein nicht veganes Bandmitglied zu haben?

Joe: Das ist schon schwierig. Ich glaub ich könnte es nicht zu hundertprozentig mit mir vereinbaren. Andererseits ist es musikalisch sehr anspruchsvoll und es laufen jetzt nicht so viele Veganer in unserer Gegend rum, sodass wir an jeder Ecke jemanden finden würden, der zu uns passt. Wir sind froh, dass wir jetzt eine funktionierende Truppe gefunden haben, die die Einstellung teilen und die extrem gut funktioniert und Spaß hat. Die menschliche Komponente ist natürlich auch sehr wichtig. Deshalb mach ich mir momentan da keine Gedanken. Aber natürlich könnten wir nicht alle Songs spielen ohne uns lächerlich zu machen, wenn wir einen nicht Veganer haben.

Markus: Ich habe mich, nicht nur bei eurer Band, schon öfters gefragt, wie die Gründung aussieht. Gründen eine Hand voll Veganer eine Band oder gründen eine Hand voll Leute eine Band und werden dann mit der Zeit alle vegan? Weil das das zufällig so auskommt ist ja nahezu ausgeschlossen.

Joe: Bei uns war es so: Tobi, Basti und ich, die Gründungsmitglieder die auch noch dabei sind kommen aus einer verschlafenen Gegend, in der es Alltag ist viel Alkohol zu konsumieren und in der Regel Fußball zu spielen und sonst nicht viel zu machen. Wir uns hatten zu der Zeit mit der Straight Edge Thematik befasst und Tobi hatte schon einen kleinen Veganladen, mit dem er von Show zu Show gefahren ist. Erst quasi bei Bandgründung haben wir uns für den veganen Lebensweg entschieden.

Markus: Und bei den beiden Neuen, die dann dazu gestoßen sind?

Joe: Beim John, der jetzt als neuster dazu gekommen, war es wohl so, dass er schon Vegetarier war und sich kurz bevor er in die Band gekommen ist noch mal damit aus einander gesetzt hat und dann vegan geworden ist. Sabine und Gert sind sowieso auch vegan. Es hat sich halt immer so ergeben, dass es gepasst hat.

Markus: Was meinst du, wie wichtig die Texte für die Fans sind? Hier ist zum Beispiel der überwiegende Teil des Publikums nicht vegan. Da kommen dann so Szenen zustande, wie auf'm Summer Breeze, wo ich jemanden gesehen habe, der mit Döner in der Hand „Voice Of The Voiceless“ von Heaven Shall Burn gefeiert hat, obwohl Lyrics, Ansagen und Bühnenshow unmissverständlich waren.

Joe: Es glaube es gibt zwei oder vielleicht drei Hörerschaften. Einer ist sicher nur ein kleiner Teil, aber für mich der wichtigste, der sich aufgrund der Texte mit der Band identifiziert. Nach dem Motto „das ist mein Lebensweg und ich finde die Jungs klasse, obwohl sie sich in einem Musikbereich bewegen, der solche Themen meistens nicht bespricht“. Aber das ist bestimmt der geringste Teil. Dann gibt es natürlich die, die die Musik mögen und denen die Texte im Zweifelsfall sogar egal sind. Wenn ich mir einen Großteil der Metalbands anhöre kann man kaum Wert auf die Texte legen. Zum einen versteht man eh wenig und zum anderen geht es oft nur um Tod, Verdammnis und Gemetzel. Ist natürlich auch ein Thema, aber eben nur eins. Dann gibt es natürlich auch noch die Hörerschaft, die aus meiner Sicht perfekt ist, da sie die Musik gern hören und auch auf die Lyrics wert legen und aus den Texten vielleicht auch den ein oder anderen Schluss für den eigenen Lebensweg ziehen. Was jetzt aber nicht heißen soll, dass wir eine Predigerband sind, die versuchen Leute zu bekehren. Wir machen auch keine gezielten vegan Ansagen. Man muss im Endeffekt damit klar kommen, dass sich die einen mehr damit beschäftigen und die anderen nun mal nicht. Vielen tun die Tiere zwar Leid aber auf ihr Fleisch verzichten wollen sie nicht, sie reden sich das schön und denken, dass ihr Fleisch eh bio ist und die Hühnchen aus Bodenhaltung kommen und denen ist das egal. Sie sehen auch den Entstehungsprozess nicht. Sie kennen nur das fertige Produkt und es schmeckt ihnen.

Markus: Wie seid ihr auf die Idee gekommen „When Time Runs Out“ von Running Wild zu covern?

Joe: Da muss ich gestehen, dass ich aus dem Geschehen ganz raus bin. Ich finde zwar Running Wild ganz nett, aber als es geheißen hat, dass wir bei dieser Kompilation mit machten war ich bei der Songauswahl schon raus, da ich keinen Song parat hatte. John kam dann mit dem Song, da es der einzige war, den er als Cover gerne hätte. Da haben wir dann alle zugestimmt. Basti hat sich dann ans ummodeln oder „deadlockifizieren“ von dem Song gemacht.

Markus: Ihr werdet seid einem Monat von Monster Energy endorst, wie wird sich das auf euch auswirken? Zum Beispiel gibt es da dieses Sonic Syndicate Video, indem alle paar Sekunden ein Truck mit riesigem Werbeschriftzug im Bild ist.

Joe: Solche Deals haben wir noch gar nicht besprochen. Ich finde die Energydrinks lecker und kann sie auch gut gebrauchen, wenn wir diese Doppelbelastung Job und Tour haben. Ich finde es ist eine witzige Firma mit einem coolen Produkt. Wir werden bestimmt das ein oder andere Mal mit einem Schweißband oder einer Trinkflasche von Monster auf der Bühne zu sehen sein. Solche großen Geschichten sind bisher nicht besprochen. Wenn die Jungs sagen, dass sie uns so ein Video mit den Trucks bezahlen, dann sage ich sicher nicht nein. Jederzeit gerne.

Markus: Wo seht ihr eure Haupteinflüsse?

Joe: Ich glaube da hat jeder seine eigenen Favoriten. Bei uns sind das ganz extreme Gegensätze. Die Bands die jetzt Sabine nennen würde sind so weit von meinen Bands entfernt, wie man nur entfernt sein kann. Ich finde so was wie Lamb Of God toll. Die kommen auf die Bühne und sind genau so, wie ich mir eine räudige Metalband vorstelle. Die sind zum Teil auch Mal unsympathisch aber können auch über sich selbst lachen. Sie versprühen Energie. Ich mag auch In Flames, alle Alben durch die Bank, da sie auch mutig sind und sich was trauen. Gut finde ich auch Bands wie Heaven Shall Burn und Neaera, denn ich komme eindeutig mehr aus der Metalcore- und Metal-Ecke. Unser Gitarrist Gert zum Beispiel hört crustige Sachen, oder Black-Metal oder Punk. Sabine mehr den klassischen Popkram, der im Fernsehen auch hoch und runter läuft, ohne da jetzt ein Urteil zu fällen. Es gibt uns einen ganz speziellen Touch und den Wiedererkennungswert, denn ich mittlerweile ganz bestimmt nicht mehr missen möchte. Aber wie gesagt, es kommt was aus allen Bereichen. Tobi hört Bands wie Pendulum oder - so Leid es mir tut, wenn ich es nennen muss - auch Scooter. Das ist natürlich auch wieder eine ganz andere Ecke. Alles wird dann von Basti gebündelt und zu Deadlock vereint.

Markus: Wie steht ihr zum Thema Musikdownloads?

Joe: Es ist mit Sicherheit so, dass Einnahmen durch die Lappen gehen. Es ist so das zweiseitige Schwert, dass ich einerseits möchte, dass unsere Message rüber kommt und sich viele damit auseinander setzen. So gesehen habe ich natürlich kein Problem, wenn es jemand runterläd. Andererseits haben wir mit Management, Bookingagentur und so auch viele Kosten und es ist ein Business wie jedes andere auch. Wir machen Entertainment und man möchte dafür auch entlohnt werden und dann mag man es nicht, wenn Leute die Lieder runterladen. Für mich persönlich ist das kein Thema, denn wenn ich Songs zieh und die gefallen mir, dann will ich auch das Gesamtwerk in den Händen halten. Ich bin da mehr der klassische Typ: Ich will eine CD mit Booklet und Artwork und allem drum und dran. Also verteufeln will ich es nicht, denn es gibt genug Leute die sich CDs in der Menge wie sie raus kommen nicht leisten können. Es gibt auch Menschen in Regionen, die sich gar nicht vorstellen können mal eine CD zu kaufen und auch gar nicht die Möglichkeit haben. Da bin ich froh, wenn sich auch die mit den Themen beschäftigen können. Andererseits müssen wir auch irgendwie über die Runden kommen und da ist es schön, wenn es Leute gibt, die unsere Sachen kaufen.

Markus: Wie bist du zur Musik gekommen?

Joe: Wir haben uns damals bei meinen Eltern auf dem Dachboden getroffen und überlegt wer was könnte. Ich habe dann anfangs ein wenig auf dem Schlagzeug rumgeklopft, was allerdings eher grenzwertig war. Dann habe ich ein oder zwei Jahre ein bisschen Bass gespielt und bin parallel als Sänger auf die Bühne gegangen. Das hat sich dann ein wenig heraus kristallisiert und alles andere darum hat sich dann auch so geformt. Wir haben uns getroffen und gesagt „hej 'ne Band wär' cool“ und jeder hat sich etwas geschnappt und Lärm gemacht.

Markus: Was wünscht du dir für die Band für die Zukunft?

Joe: Grundsätzlich muss man sagen, dass wir schon wahnsinniges erreicht haben. Wünschen würde ich mir im nächsten Jahr mal eine ordentliche Headlinertour fahren zu können. Wir erleben es oft, dass uns Fans fragen, ob wir nicht länger spielen können. So toll wie es mit Lacuna Coil, Soilwork oder hier Sonic Syndicate ist, so würden wir natürlich gerne auch mal länger spielen. So könnten wir das gesamte Paket abrufen, was Deadlock bietet und vielleicht mal einen kleinen Akustikpart einbinden, wo Sabine ihre Raffinessen ausspielen kann. Auch würde ich gerne weiter die Länder bereisen, die wir schon gesehen haben und natürlich all die, die wir noch nicht gesehen haben. Im Endeffekt möchte ich so viel wie möglich auf Tour sein und ich hoffe auch, dass die neue Platte ordentlich einschlägt.

Markus: Vielen Dank für das Interview! Ich überlasse dir das letzte Wort.

Joe: Vielen Dank für die Zeit. Vielen Dank für all die, die sich das durchlesen oder hören oder was auch immer?

Markus: Abtippen, macht übrigens sehr viel Spaß...

Joe: (lacht) dann noch vielen Dank für's abtippen. Wir würden uns natürlich auch freuen euch alle auf der kommenden Tour zu sehen.

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