Am 29. März hatte ich die Möglichkeit mit Bill und Paul von Silverstein ein wenig zu Quatschen, bevor sie ihr Konzert im Bürgerhaus Stollwerck in Köln spielten.

Markus (MetalViecher.de): Hallo Jungs, willkommen in Deutschland. Würdet ihr euch und eure Band kurz unseren Lesern vorstellen?

Bill Hamilton (Silverstein): Ich bin Billie von der Band Silverstein und ich spiele den Bass.

Paul Koehler (Silverstein): Und ich bin Paul von Silverstein und spiele Schlagzeug.

Markus: Könnt ihr uns einen kleinen geschichtlichen Hintergrund zu Silverstein geben, also die wichtigsten Schritte von der Gründung bis heute?

Bill: Ich glaube wir sind nun elf Jahre aktiv und haben bisher fünf Studioalben veröffentlicht. Es hat alles in der Vorstadt von Toronto in Kanada angefangen, als wir eine Hand voll High School Kinder waren und nun spielen wir Touren auf der ganzen Welt.

Paul: Wir haben nun in 26 Ländern über 1.400 Konzerte gegeben und wir machen immer weiter, es ist kein Ende in Sicht.

Markus: An welchem Punkt habt ihr eurer Meinung nach so richtig durchgestartet?

Paul: Ich glaube wir haben 2002 den Vertrag bei Victory Records unterschrieben und dort das erste Album 2003 veröffentlicht. Mitte 2004 konnten wir dann viel touren, auch als Headliner, und da haben wir dann gespürt, dass wir Erfolg haben. Als wir dann das zweite Album „Discovering The Waterfront“ raus gebracht haben ging es so richtig los und wir haben angefangen uns als richtig tourende Band zu etablieren. Wir waren in Australien, Japan und in noch mehr in europäischen Städten. Seitdem haben wir uns weiter entwickelt, viel gelernt und Spaß gehabt.

Markus: Aus welchem Grund habt ihr euch für Shel Silverstein als Namensgeber für eure Band entschieden?

Paul: Ich denke es war ein Zufall, dass Shane (Shane Told, Sänger, Anm. d. Red.) sich eines seiner Bücher geschnappt hat und die Gedichte als Songtexte verwendet hat. Da wir alle in unserer Kindheit Bücher von ihm gelesen haben passte der Name gut zu uns als Band.

Bill: Es war auch die Einfachheit des Namens, es ist einfach nur ein Wort, während andere Bands viel komplizierter Namen haben. Es hört sich cool an und sieht geschrieben cool aus.

Paul: Ich denke Silverstein formte unsere Leben und daher ist das eine gute Bedeutung für einen Bandnamen. Es ist weder lustig noch ernst, einfach ein guter Typ mit einer guten Message.

Markus: Der Tourname ist „Kebaberizer“, was soll das sein?

Bill: Vielleicht funktioniert dass hier nicht so gut, aber die Tour fand zur Hälfte in Großbritannien statt, wo Kebabs das einzige ist, was man nach 18 Uhr noch zu Essen bekommt.

Paul: Kebab, Falafel Sandwich, Döner, wie auch immer.

Bill: Falafeln sind lecker und kebaberisieren ist die Dönerbude zu zerstören und alles zu essen.

Paul: Es ist ein von uns erfundenes Wort.

Bill: Es ist Silverstein Slang. Anstatt zu sagen „Hast du Lust mit zur Dönerbude zu kommen?“ sagen wir „Bist du bereit zu kebaberisieren?“

Markus: Wessen Idee war das?

Bill: Ich denke es war Josh (Josh Bradford, Gitarre, Anm. d. Red.), der als erstes damit angefangen hat.

Markus: Die Tour ist nun beinahe zu Ende, wie ist es gelaufen?

Paul: Es war toll wieder in Deutschland zu sein.

Bill: Ja die Shows in Deutschland waren großartig und das Konzert heute Abend in Köln scheint für mich das Beste zu werden.

Markus: Lief auf der Tour soweit alles glatt?

Bill: Das größte Problem bei dieser Tour war,  dass unser Gitarrist uns erst auf dem Weg zum Flughafen informiert hat, dass er wegen Rückenschmerzen beim Arzt war und dass er mit seiner Hand auch nicht Gitarre spielen könnte. Glücklicherweise konnte unser Gitarrentechniker und Merchverkäufer Paul Mark die Songs schnell lernen und für ihn einspringen und er hat bisher einen tollen Job gemacht. Es ist ein bisschen merkwürdig Josh nicht dabei zu haben, aber bisher hat es ganz gut funktioniert.

Markus: Nach zwei Wochen auf Tour, was vermisst ihr da am meisten und bekommt ihr ein wenig Heimweh?

Paul: Wir vermissen natürlich unsere Familien und Freunde, da man die nicht einfach in den Koffer packen und mitnehmen kann. Zu Hause sein ist sehr gemütlich, aber das Reisen auf Tour hat auch seinen Reiz.

Bill: Ich denke die Touren sind kurz genug, dass man das alles nicht allzu sehr vermisst. Man ist ja auch in Städten, in denen man lange nicht war, und hat jede Menge Spaß und eine gute Zeit dort. Es ist natürlich schön wieder daheim zu sein, aber zwei Wochen ist nicht so lange, dass man wirklich Heimweh bekommt.

Markus: Wie viel Zeit im Jahr seid ihr zu Hause und wie viel seid ihr unterwegs?

Bill: Definitiv mehr als die Hälfte unterwegs.

Paul: Das hängt auch davon ab, ob wir gerade ein neues Album machen oder nichts.

Bill: Wir hatten auf jeden Fall Jahre mit ca. 250 Shows und da kommen natürlich reine Reisetage und freie Tage noch dazu.

Markus: Ende April gibt es von euch ein neues Album, was könnt ihr uns heute schon darüber verraten?

Bill: Ich denke wir sind stringenter vorgegangen und im Vergleich zum letzten war es auch kein Konzeptalbum. Wir haben uns mehr auf die einzelnen Songs, als auf eine einheitliche Geschichte konzentriert. Die Lieder stehen für sich selber und wir mussten nicht ab und an Überleitungen von einem Song zu einem anderen finden.

Paul: Wir haben über die Jahre so viel gelernt, dass wir die Ideen und Einflüsse viel besser verarbeiten konnten. Und wir sind sehr stolz darauf. Es ist ein guter Mix für alte und neue Fans.

Markus: Wird es wieder ein paar Bonussongs in Form von gecoverten Stücken geben?

Bill: Ja, wir haben wieder ein paar Cover aufgenommen. In Amerika gibt es den so genannten „Record Store Day“, der die Menschen dazu bringen soll etwas bei den kleinen, unabhängigen Plattenläden zu kaufen. Dafür gibt es dann limitierte Editionen, die es nur an diesem einen Tag zu kaufen gibt. Dafür werden wir eine 7“ Platte zu „The Artist“ machen, die auf der B-Seite drei Coversongs von Hardcore Bands, mit denen wir aufgewachsen sind, beinhalten wird: Kid Dynamite, Propaghandi und American Nightmare. Die Cover werden wir später vielleicht noch für andere Veröffentlichungen verwenden. Auch wird es ein paar Akustik- und Demoversionen geben.

Paul: Ich denke, dass wir noch nie so viel Bonus hatten.

Markus: Wird es Gastmusiker auf der neuen Platte zu hören geben?

Bill: Ja, ein Sänger namens Brendan (Brendan Murphy, Anm. d. Red.) der lokalen Hardcore Band Counterparts. Unser guter Freund Anthony (Anthony Raneri, Anm. d. Red.) der Band Bayside wird auch in einem Song zu hören sein. Die beiden sind großartig und tragen mit ihrem Stil auch viel zum Gesamtbild der Lieder bei.

Markus: Habt ihr einen Hauptsongwriter?

Bill: Das meiste Material schreibt Shane aber des Öfteren bringen auch Neil und Josh eigene Riffs oder ähnliches ein, auf das wir dann jammen und was wir dann weiter entwickeln. Die Songtexte werden allerdings komplett von Shane geschrieben.

Markus: Habt ihr auf der Tour schon neue Songs gespielt?

Paul: Wir haben ein paar, ich glaube drei, gespielt. Es gab vorab schon eine EP, sodass die Leute nicht mit zu vielen unbekannten Liedern konfrontiert werden. Wir haben auch ein paar der Cover gespielt, dass machte sehr viel Spaß.

Markus: Wie kam das neue Material an?

Paul: Die Reaktionen waren durchweg positiv und die Leute reagieren fast genau so, wie bei alt bekannten Liedern.

Bill: Wenn wir beginnen kennen sie es natürlich nicht, aber gegen Ende des Liedes sind, insbesondere bei den härteren Songs, alle im Moshpit.

Markus: Wie viel Geld bekommt ihr für eine verkaufte CD?

Bill: Wir haben davon noch nie Geld gesehen, also null Dollar.

Markus: Was steht in der Zukunft für Silverstein an?

Paul: Wir haben erst gestern ein neues Musikvideo für das Lied „The Artist“ veröffentlicht und ein weiteres wird folgen. Wir wollen viel touren und für Rock am Ring und Rock im Park im Sommer wieder in Deutschland sein.

Markus: Was hat euch dazu inspiriert Musiker zu werden?

Bill: Ich denke einfach Musik zu lieben und zu Shows zu gehen. Als ich zwölf war hörte ich sehr gerne Nirvana und Green Day. Ich denke diese Bands haben für unsere Generation das Rockstarbild geprägt, also das man auch ein ganz normaler Mensch sein kann und nicht ein so abgefahrener Star sein muss. Einfach ein ganz normaler Mensch. Der Traum war für die Kids viel näher, als ein Athlet und sonstiger Sportler zu sein.

Markus: Was haltet ihr von Musikdownloads?

Paul: Es tut der Industrie weh und es verändert die Art wie Leute mit der Musik umgehen und es ist natürlich nicht schön zu sehen, wie wenn etwas in das man viel Arbeit gesteckt hat gestohlen wird. Natürlich gibt es viele Menschen an Orten, die einfach keine Musik kaufen können, auch weil sie das Geld nicht haben oder weil es einfach dafür keinen Laden gibt. Der Vorteil ist auf der anderen Seite, dass mehr Leute die Musik hören und man hofft, dass diese Leute dann wenigstens zu den Shows gehen und ein Shirt kaufen.

Bill: Ich sehe das auch so. Wenn du dir ein Album runterlädst und dir das Album gefällt, dann findest du einen Weg die Band durch Tickets oder Shirts zu unterstützen. Vielleicht ist es auch eine deiner Lieblings-CDs und du willst es dir in einer Special Edition oder Auf Vinyl kaufen. So mache ich es persönlich, denn wenn mir etwas gut gefällt, dann kommt es in meine Vinylsammlung um es für immer zu behalten. Je mehr Leute deine Musik hören, je besser.

Markus: Dann bedanke ich mich für eure Zeit und das Interview.

Bill: Wir danken dir.

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