Während am 11. April 2011 die erste Vorband die Turbinenhalle Oberhausen vorheizte hatte ich Backstage die Möglichkeit ein wenig mit Henkka Seppälä, dem Bassisten von Children of Bodom, über ihr neues Album „Relentless, Reckless, Forever“ zu plaudern.

Markus (MetalViecher.de): Hallo Henkka, willkommen in Deutschland! Bitte stelle dich und deine Band kurz vor.

Henkka Seppälä (Children of Bodom): Mein Name ist Henkka und ich spiele Bass bei Children of Bodom.

Markus: Im März diesen Jahres habt ihr euer neues Album „Relentless, Reckless, Forever“ veröffentlicht. Bitte erzähle uns etwas über den Entstehungsprozess, was Songwriting und Aufnehmen angeht.

Henkka: Wir haben es ziemlich so wie immer gemacht, dass alle Ideen gesammelt haben und wir sie dann zu Songs zusammen bauten. Es hat vielleicht fünf oder sechs Monate gedauert. Ein großer Unterschied zu unserem alten Material ist, dass wir dieses Mal einen Produzenten mit an Bord hatten, der sowohl beim Songwriting, als auch beim Aufnehmen, Mixen und Mastern mit dabei war. Das war's auch schon mit nennenswerten Änderungen zu früher.

Markus: Was war der Grund dafür, nach so vielen erfolgreichen Alben, mal einen Produzenten mit dazu zu holen?

Henkka: Wir wollten es einfach mal ausprobieren, denn das kann ja nicht schaden. Entweder er hat schlechte Ideen, die wir dann einfach nicht umsetzen, oder er hat gute Einfälle, die uns weiter bringen. Wir haben uns schon immer mit fünf Jungs einigen müssen, sodass einer mehr auch nicht viel aus macht. Eine Meinung von außen ist bei sowas nicht schlecht. Und er hatte einige gute Ideen, sodass es eine gute Wahl war, auch wenn er nicht viel geändert hat.

Markus: Also kommt das Material zu gleichen Teilen von allen Bandmitgliedern und es gibt nicht einen Hauptsongwriter?

Henkka: Es gibt immer einen Songwriter, aber alle bringen dann noch Teile ein.

Markus: Habt ihr spezielle Erwartungen an neue Alben, wie Verkaufszahlen, Chartpositionen oder dergleichen, oder interessiert euch so etwas nicht?

Henkka: Natürlich interessiert es uns, wir haben immer viele Geschäftsleute um uns herum und die interessiert es natürlich sehr. Wir versuchen auch immer uns dafür zu interessieren, aber wir haben keine speziellen Ziele, wie so und so viele CD-Verkäufe. Unser Ziel ist es uns musikalisch zu entwickeln. Solange man mit dem Resultat glücklich ist und das Gefühl hat sich mit dem Album weiter entwickelt zu haben ist alles in Ordnung.

Markus: Wie waren die Reaktionen der Fans auf die neue Platte?

Henkka: Bisher war es sehr positiv, deutlich besser als der Vorgänger. Auch von der Presse gab es viele gute Reviews.

Markus: Also guckt ihr euch ab uns zu mal Reviews an, oder ist euch völlig egal, was die Presse davon hält?

Henkka: Natürlich möchte ich wissen, was die Leute von unserer Musik halten. Aber man sollte nicht zu viel drauf geben, weil es uns im Endeffekt nicht beeinflusst oder etwas ändert. Wenn jemand schreibt, dass es scheiße ist, dann ist man natürlich nicht glücklich damit, aber das war es dann auch schon. Aber natürlich, wenn ich sehe, dass dort eine Review von unserer Scheibe ist, dann interessiert mich schon, wie sie ausgefallen ist.

Markus: Könntest du zu jedem Song auf dem Album ein bis zwei Sätze an Hintergrundinfos geben?

Henkka: „Not My Funeral“ war glaube ich der zweite Song, den wir geschrieben haben, also ist es einer der etwas älteren. Ich mag ihn so fertig wie er nun ist deutlich mehr als vorher im Studio. Es ist ein cooler Song und deshalb auch der Opener des Albums.
„Shovel Knockout“ ist einer der fetteren Songs auf dem Album. Es war der vierte oder sechste Song, also einer der in der Mitte des Songwritings entstand. Es war von Anfang an mein Favorit und ist es immer noch.
Bei „Roundtrip To Hell And Back“ dachten wir, dass es der langsame Song des Albums wird, aber beim Chorus hat sich dann herausgestellt, dass er doch nicht so langsam ist. Vielleicht nicht wirklich schnell, aber definitiv nicht langsam. Es ist ein interessanter Mix eines heftigen Vibes und einem ruhigerem.
„Pussyfoot Miss Suicide“ ist einer der technischsten Songs und auch einer der etwas neueren. Besonders die Melodie im Chorus gibt dem ganzen Song das gewisse Etwas. Es ist eine dieser Oldschoolmelodien.
„Relentless, Reckless, Forever“, der Titeltrack ist der fünfte Song, den wir gemacht haben und im ganzen wohl mein zweit liebstes Stück. Es ist relativ lang und hat eine sehr catchige Melodie.

Markus: Warum habt ihr genau diesen Song als Titeltrack ausgewählt?

Henkka: Ich habe keine Ahnung, Alexi (Alexi Laiho, Gitarre und Gesang, Anm. d. Red.) hat das so entschieden.
„Ugly“ ist auch einer der neueren Songs: Kurz, recht einfach, heavy und ziemlich schnell. Ein sehr solides Stück und wohl mein dritt liebstes auf diesem Album.

Markus: Warum habt ihr gerade „Ugly“ als Tourmotto dieser „The Ugly World Tour“ gewählt?

Henkka: Es ist einfach nur ein gutes Wort.
„Cry Of The Nihilist“ war der erste Song der für dieses Album fertig war. Als der Gesang fertig aufgenommen war habe ich erst realisiert, wie sehr er mir gefällt. Es ist ein recht lustiges Lied.
„Was It Worth It?“ gehört auch in die Kategorie der neuen Songs. Wir haben ihn in zwei Tagen gemacht und das war wirklich, wirklich schnell. Es ist ein lustiger, fröhlicher und leicht zu spielender Song.
Als letztes auf der CD ist „Northepole Throwdown“ und es war auch der letzte, den wir aufgenommen haben. Es ist ein lustiges und würdiges Ende.

Markus: Wenn man sich die Tracklist des Albums anschaut fällt, als erstes auf, dass es keinen Song mit „Bodom“ im Titel gibt. Habt ihr diesen Running Gag einfach vergessen?

Henkka: Es hat sich einfach nicht ergeben. Sonst hat es sich auf natürliche Art irgendwie angeboten irgendwie über Bodom zu schreiben. Diesmal war es nicht so und wir wollten es nicht erzwingen. Es gibt keinen Grund, der einzige Grund ist, dass es keinen Grund gibt.

Markus: Welcher Song kommt live mit den Fans am besten an?

Henkka: Es hängt von den Leuten ab, aber „Shovel Knockout“ wäre ein Kandidat. Es ist anfangs immer schwierig, da die meisten die neueren Stücke noch nicht kennen und einfach nur auf die Bühne starren und sich das Lied anhören.

Markus: Wie viel neue Songs spielt ihr üblicherweise auf so einem Headlinerkonzert?

Henkka: Diesmal sind es so vier bis fünf, also ungefähr ein Drittel des Albums.

Markus: Ihr habt nun schon so viele Alben veröffentlicht, wie sucht ihr euch dann die paar Stücke pro Show aus?

Henkka: Wir versuchen jedes Album ein wenig zu berücksichtigen, dann gibt es immer einen sehr überraschenden Song und natürlich gibt es eine Handvoll die wir beinahe immer spielen.

Markus: Gibt es Songs die ihr wirklich nie spielt?

Henkka: Ja, davon gibt es einige.

Markus: Wo siehst du die Entwicklung vom letzten Album zum aktuellen?

Henkka: Wir haben einige klassischere Elemente nicht mehr mit eingebaut. Jeder von uns hat sich als Musiker weiter entwickelt und ich denke der Sound ist besser, weil wir bessere Musiker geworden sind und besser aufnehmen konnten. Der Sound ist im Ganzen organischer. Für mich als Bandmitglied ist es schwierig das objektiv zu analysieren.

Markus: Im Vergleich zu anderen Bands covert ihr recht viel, woher kommt das? Ist es mehr eine spaßige Sache, oder sehr ihr das eher als eine Art Tribut an die anderen Künstler?

Henkka: Es ist mehr eine spaßige Angelegenheit. Die Plattenfirma wünscht sich das so, sodass sie für verschiedene Regionen verschiedene Versionen des Albums mit anderen Bonustracks rausbringen kann. Die Japaner wollen zum Beispiel nicht nur neun Tracks sondern mindestens zehn oder elf. Für uns ist es aber echt nett im Studio auch mal weniger ernste Sachen machen zu können. Bei eigenem Material geht man viel ernster an die Sache heran und das macht viel mehr Stress. Nach zwei eigenen Liedern kann man dann mal wieder ein Cover machen um etwas zu entspannen.

Markus: Üblicherweise covert ihr auch keine Metal- oder Rocklieder, sondern genrefremdes, wie zum Beispiel Britney Spears oder Eddie Murphy, wie kommt das zustande?

Henkka: Es macht mehr Spaß und überrascht den Zuhörer mehr. Außerdem hat man mehr Spielraum in der Interpretation, denn wenn wir nun Cannibal Corpse oder so etwas covern würden, dann klingt das Ergebnis, von der anderen Stimme abgesehen, nicht viel anders. Man würde wenig an dem Song ändern, während man bei Popliedern viel mehr interessante Änderungen durchführen kann. Man kann freier damit spielen. So mögen dann auch Leute die Lieder, die das Original von Eddie Murphy oder Britney Spears nie hören würden.

Markus: Was ist dein liebstes Cover?

Henkka: Ich denke es ist das von Eddie Murphy.

Markus: Das ganze Album ist nur circa 36 Minuten lang, warum ist es so kurz?

Henkka: Ich glaube wir hatten immer sehr kurze Alben, die nur 35 bis 40 Minuten lang waren. Es gibt keinen Grund, es ist einfach so.

Markus: Ihr habt ein Musikvideo zu „Was It Worth It?“ aufgenommen, wie kam es zu dieser Idee mit den professionellen Skatern in dem Video?

Henkka: Wir haben unter den Profiskateboardern ein Paar Freunde und so kam uns die Idee sie zu fragen und sie haben sofort zugesagt. Wir haben so viele Musikvideos gemacht, wo wir in irgendeiner Halle stehen und unseren Song spielen, da wollten wir diesmal etwas anderes machen.

Markus: Was steht bei euch als nächstes an?

Henkka: Bald geht es in die Staaten, nach Japan und Kanada und danach kommen wir zurück für ein Festival in Finnland und das Wacken Open Air in Deutschland. Im Herbst betouren wir dann die südamerikanische Ecke.

Markus: Also sieht man euch auf keinem anderen deutschen Festivals dieses Jahr?

Henkka: Nein, Wacken wird das einzige.

Markus: Was ist der Unterschied, einer mittelgroßen Show, wie hier in der Turbinenhalle und einem riesigen Festival, wie dem Wacken Open Air?

Henkka: Beides ist toll und hat seinen Reiz. Hier ist es einfach viel intensiver, denn die Fans sind viel dichter am Geschehen. Man fühlt die Energie mehr. Wacken ist einfach beeindruckend mit der wahnsinnigen Menschenmenge vor der Bühne. Beides ist gut.

Markus: Bist du der Meinung, dass euer Alkoholkonsum eure Bühnenperformance beeinträchtigt?

Henkka: Es gab die Momente, wo der ein oder andere zu betrunken war um gut zu spielen, aber das darf eigentlich nicht vorkommen. Bei dieser Tour trinken wir weniger und es läuft alles besser, wir spüren wirklich, dass wir fehlerfreier spielen. Also aktuell würde ich sagen, dass es unsere Livequalitäten nicht beeinflusst.

Markus: Wie viel Zeit kostet eine Band wie Children of Bodom, wenn man viel auf Tour ist und Freunde und Familie alleine zu Hause lässt?

Henkka: Wir haben, von Jaska (Jaska Raatikainen, Schlagzeug, Anm. d. Red.) mit seinem Baby abgesehen, keine Kinder, was das Ganze viel einfacher macht. Wir sind meist einen oder zwei Monate weg und dann einen ganzen Monat wieder zu Hause. Das ist in Ordnung so.

Markus: Auf Tour passieren viele merkwürdige, lustige oder anderweitig interessante Sachen. Kannst du mal eines deiner persönlichen Highlights mit unseren Lesern teilen?

Henkka: Jaska schlafwandelte vor Kurzem, wachte auf, lief die Treppe herunter und wollte in den Küchenmülleimer pinkeln. Glücklicherweise war jemand dort, der ihn daran hindern konnte.

Markus: Wie stehst du zu Musikpiraterie?

Henkka: Ich denke Musiker und Komponisten sollten für ihre Arbeit Geld bekommen, wie alle anderen auch. Es ist nun mal auch illegal in den meisten Ländern. Ich weiß, dass ein gutes Mittel ist die Musik bekannter zu machen. Wenn du ein gutes Album machst werden es viele herunter laden und so breitet sich das natürlich sehr stark aus. Wir sind, denke ich, in dem Übergangszeitraum und ich vermute auf lange Sicht werden illegale Downloads zu Gunsten legaler Downloads zurück gehen. Es gibt gute und schlechte Seiten, aber ich denke auch Künstler sollten bezahlt werden. Ich weiß es nicht, es ist eine schwere Frage.

Markus: Wenn dich persönlich ein Album interessiert, kaufst du es dann auf Vinyl, CD oder lädst du es legal runter?

Henkka: Ich lade meistens legal über iTunes Musik herunter. Wenn es das gewünschte Album nicht gibt, dann kaufe ich es mir auf CD.

Markus: Was hat dich dazu inspiriert Musiker zu werden?

Henkka: Ich wollte einfach die Lieder meiner Lieblingsbands nachspielen können.

Markus: Welche Bands haben deinen persönlichen Stil beeinflusst?

Henkka: Pantera und später saugt man als Musiker alles auf was man hört und es gibt nicht so etwas wie einzelne Einflüsse.

Markus: Was hältst du von Guitar Hero, Rock Band und dergleichen?

Henkka: Es ist ein Spielzeug, aber sowohl für Erwachsene, als auch für Kinder. Es ist nichts ernstes, aber es macht mir viel Spaß.

Markus: Was sind aktuell deine liebsten Alben, also was hörst du, wenn du nachher wieder in den Tourbus steigst?

Henkka: Eine finnische Band namens Lapko, deren neues Album ist wirklich gut. Swallow The Suns neues Album ist ebenso wie die neue Scheibe von Katatonia wirklich gut.

Markus: Dann bedanke ich mich für das Interview und überlasse dir hiermit die letzten Worte an unsere Leser.

Henkka: Da fällt mir jetzt nichts besonderes ein, aber ich würde mich freuen euch bei einer der anstehenden Shows in Deutschland zu sehen.