Was ist das denn? Ein Torero, der gerade von einem Stier aufgespießt wird und überall Blut - das lässt ja schon ahnen, was einen auf der anderen Seite des Covers erwartet. Und so ist es dann auch. Wer hier auf sanfte Klänge wartet oder sogar auf Gefühl oder Atmosphäre, ist ganz schief gewickelt. Dieses Album verpasst dem Hörer voll eins auf die Zwölf, rotzig, laut und vor allem unbequem.

Der Sound ist alles nur nicht harmonisch; laut, schnell und aggressiv. Etwas zu aggressiv für meinen Geschmack. Nicht, dass ich ein Weichei wär. Von der rein musikalischen Seite her kann ich nicht meckern. Der Sound gefällt, er ist energiegeladen. Gitarren mit Powerchords, Soli, Doublebass  und lange Songs könnten einen glatt verführen. Die Vocals sind astrein, eine rauhe, volle Männerstimme haut einen vom Stuhl und gerade die Screams sind hammer. Aber wenn ich auf die Texte höre, wird mein Enthusiasmus ausgebremst. Ich laufe gegen eine Wand aus Aggressivität und Kompromisslosigkeit. Und gerade im ersten Song wird mir als Schreiberling direkt mitgeteilt, dass man auf meine Meinung einen feuchten Dreck gibt. Ein netter Empfang sieht anders aus. Aber nett ist hier sowiso ein Fremdwort. Man verhält sich absichtlich genau so, wie es unseren Eltern die Schamesröte ins Gesicht treiben würde. Und das durchs ganze Album. Dabei kommen Songs wie "Lustig" heraus, bei denen ich mich wirklich frage, was sie sollen.

Aber einen Favoriten habe ich dann doch. Das ist aber auch der einzige Song auf der Platte, den ich mir freiwillig mehrmals anhöre. Der letzte Song, die Quotenballade, der Song für den eigenen Sohn. Aber nichts von wegen Schmalz. Zwar ist " " der einzige Song, der sich um eine Melodie bemüht, aber auch hier wird mehr gesprochen denn gesungen. Er ist einfach ehrlich, ohne viel Gefühlsduselei (bis auf die Streicher im Hintergrund), eben eine männliche Liebeserklärung. Hier mag ich sogar den Text.

Abschließend bin ich mir unsicher, wie ich dieses Album bewerten soll. Einerseits sind die instrumentalen Hintergründe, die Stimmen und die Art zu "Singen" (bzw eher zu brüllen oder zu schreien) echt gut, aber leider hört man auch auf den Text. Und das ist der Knackpunkt, denn mit den Texten kann ich nicht allzu viel anfangen. Dieses Album mag man oder man mag es nicht, aber man sollte es nicht blind kaufen ohne nicht vorher reingehört zu haben.

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Titel:

Wir sind Ready To Fight

Veröffentlicht am:

01.10.2010

Bewertung:

4.5

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Tracklist:

01. Wir sind Ready To Fight
02. Das Beste aus zwei Welten
03. Keine Zeit mehr
04. Nicht mehr Ich sein
05. Wir feiern uns selbst
06. Unsere Wege
07. Diese Nacht
08. Wir dürfen
09. Lustig
10. Zahltag
11. Böse Energie
12. Am Ende bleibt euch nichts
13. Immer [x]