Mit „A Discord Electric“ legen die dänischen Melodic-Death-Metaler Raunchy nun schon ihr sechstes Studioalbum vor. Erscheinen soll der zwölf Tracks enthaltene Silberling am 08.10.2010.

Kaum läuft die CD zehn Sekunden, frage ich mich schon, was ich mir da angetan habe. Elektronisch dominierter Klänge und leichter Gesang der zu einer DSDS-Show gepasst hätte. Es fehlt nur der minder talentierte Musiker auf der viel zu großen Bühne und tausende zwölf jährige, aus voller Kehle, schreiende Girlies und das Gesamtbild wäre komplett. Und das sollen die hoch gelobten Raunchy sein? Doch bevor ich diesen Gedanken wirklich bis zu Ende gedacht habe löst sich das ganze auf und der Rest der Instrumente setzte ein. „Dim The Lights And Run“ ist ein ziemlich ruhiger Song mit überwiegend klarem Gesang.

Der Titel und der Anfang von „Rumors Of Warship“ lassen erahnen, dass es nun mit dem Metal losgeht, denn sie im ersten Song wirklich gut versteckt hatten. Und wirklich schlägt der zweite Song durchaus härtere Töne an und lädt zum Headbangen ein. Sowohl die Gitarre als auch der Gesang machen deutlich, dass Raunchy es verstehen zu rocken. Beim Refrain dominiert dann wieder das Keyboard, aber ohne wieder ganz in die DSDS-Pop-Schublade vom Anfang zu verfallen.

„Die haben eine Mundharmonika!“ Genau das schießt einem als erstes durch den Kopf, wenn man „Blueprints For Lost Sounds“ hört und wenn dann Gitarre und Schlagzeug loslegen ist klar, dass das der härteste Song des Albums wird. Der wohl erste Song, der wirklich Melodic-Death-Metal ist und kein Hybrid aus Boygroup-Pop und Metal. Und überdies, oder gerade deswegen, der stärkste Song der Platte. Spannend vom Anfang bis zum Schluss und man kommt nie auf den Gedanken, so was schon mal gehört zu haben.

Mit „Shake Your Grave“ driften sie zwischenzeitlich in den Industrialmetal ab, um über den Umweg der harschen Metalvocals wieder bei den Popvocals zu landen. Ein sehr vacettenreicher und eingängiger Song, der sofort ins Ohr geht. War bisher der Popanteil im Rahmen, so ist bei „Big Truth“ einfach zu viel Technopop drin. Beim wahllos umher skippen im Song ist es fast unmöglich einen Metalteil zu finden. Hier wird Metal mit Pop kombiniert oder doch eher Pop mit Metal? Naja auch egal. Harte Metalvocals treffen sehr soften, poppigen Cleangesang. Der Popgesang wird immer sehr melodisch unterstützt, wobei hier das Keyboard wirklich sehr dominiert und die Gitarren häufig nur im Hintergrund zu erkennen sind.
Die Songs sind überwiegend im Midtempobereich und es gibt in fast jedem Song das abwechselnde Spiel zwischen Metal und Pop. Fast ein wenig zu langweilig, wenn man sofort weiß, dass der nächste Wechsel bestimmt keine 40 Sekunden mehr auf sich warten lässt, Hier hätte man mit Sicherheit ein wenig interessantere Songstrukturen schaffen können. Aber trotz aller Kritik muss man dem Album eins lassen: Es geht direkt ins Ohr und bietet einen eingängigen Sound, der trotz des vielen Pops irgendwie doch das wichtigste macht, nämlich rocken.

Das wird ein Album sein, an dem sich die Gemüter scheiden werden: Wer dem Pop und dem Keyboard nicht abgeneigt ist wird hier durchaus seinen Spaß haben können und sollte auf jeden Fall mal reinhören, denn das Ergebnis hat musikalisch ein beachtliches Niveau und ist sauber produziert. Die Fraktion, die den Pop verdammt und dem Keyboard maximal(!) eine der Gitarre sehr untergeordnete Position gewährt, braucht sich das Album gar nicht erst anhören. Eigentlich bringen uns die Jungs aus Dänemark etwas bei, was der Metaller so gar nicht kennt: Tanzen. Denn ein nicht zu verachtender Teil der Songs ist durchaus tanzbar. Und nein mit tanzbar meine ich nicht eine „wir machen einen riesigen Graben und rennen auf Kommando aufeinander zu, wie die Orks auf Helms Klamm“-Wall-Of-Death oder ähnliche Späße, sondern richtiges Discorumgehopse. Ob ich Tanzen will ist dann natürlich wieder eine ganz andere Frage...

Die Pop/Metal-Fusion ist eigentlich cool, aber weniger ist manchmal mehr. Hier wäre durchaus eine bessere Bewertung drin gewesen, wenn Raunchy nicht so(!) oft nach einer Boygroup klängen.

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Titel:

A Discord Electric

Veröffentlicht am:

08.10.2010

Label:

Soulfood

Bewertung:

7.5

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Tracklist:

01. Dim The Lights And Run
02. Rumors Of Worship [X]
03. Nght Prty [X]
04. Street Emperor
05. Blueprints For Lost Sounds [X!!]
06. Shake Your Grave
07. Tiger Crown
08. Big Truth
09. The Great Depression
10. The Yeah Thing
11. Ire Vampire
12. Gunslingers & Tombstones