Wir haben für euch das neue Callejon Album "Videodrom", welches am 02.04.2010 über Nuclear Blast in Deutschland erscheinen wird, probegehört und waren hellauf begeistert.

Beim ersten Track des Albums bekam ich einen kleinen Schrecken, da das Videodrom-Intro „VI“ anfangs sehr elektronisch daher kommt, doch schon nach etwas mehr als einer Minute gesellte sich eine Gitarre dazu und als dann der Titelsong des Albums „Videodrom“ durch meine Boxen schallte hatte ich schon Eindruck, dass mir das Album gefallen wird. Der Übergang vom ruhigen Intro zum Gebrüll im ersten Lied gefiel mir richtig gut. Allgemein muss ich sagen, dass ich ruhige Intros sehr schätze (Heaven Shall Burns „Awoken“ und „Echos“ setzen da wirklich Maßstäbe) und dieses hier reiht sich da zweifelsohne ein.

Mit „Kinder der Nacht“ kann das hohe Niveau problemlos gehalten werden. Anfangs gibt es so richtig auf die Fresse um dann im Kontrast in einen verhältnismäßig ruhigen Refrain wieder Kraft für den nächsten auf die Fresse Teil zu sammeln. Das Zusammenspiel zwischen den Growls und dem Cleangesang ist hier wirklich sehr gut gelungen.



Nun zünden die fünf Jungs mit „Lass mich gehen!“ direkt die nächste Granate. Es handelt sich hierbei um einen sehr schnellen Song mit überwiegendem Cleangesang, welcher von einer gescheiterten Beziehung handelt. Nett finde ich die Anspielung auf das Beerdigungscafe, welches schon in ihrem ersten Albumtitel vorkam.

Nach drei sehr starken Liedern und einem sehr passenden Intro kommt nun noch so eine Art Intro/Zwischengedudel/Was-auch-immer-Ding und ihm werden noch zwei weitere Folgen. Originell finde ich die Idee, dass die vier Intros „VI“, „DE“, „O“ und „DROM“ den Albumtitel bilden. Aber originelle Namen alleine sind nun mal keine Existenzberechtigung. Meines Erachtens sind sie vollkommen unnötig und ich werde auf die folgenden nicht weiter eingehen.

Nach dem relativ ruhigem Vorgänger gibt es mit „Immergrün“ wieder richtig was auf die Ohren. Und hier kanllen einem wirklich die Growls und die Drums um die Ohren, dass es eine wahre Freude ist. Ich habe mich beim unbewussten Kopfnicken ertappt und ich bin mir sicher, dass Fans die mal so richtig ihre Haare schütteln wollen hier auf ihre kosten kommen werden. Unterbrochen wird das ganze Headbangen durch eine ruhige Passage die wie eine Friedhofsszene aus einem Horrorfilm klingt, doch gegen Ende geht es wirklich wieder richtig los.

Die Textpassage „Ist das alles? Nein das ist es nicht!“ trifft den nächsten Song ziemlich gut, denn wer glaubt nach so vielen guten Songs müsste auch mal Müll kommen, der wird diesem Müll in „Dein Leben Schläft“ sicherlich nicht finden. Das Duett zwischen den Growls und dem Cleangesang lädt zum Mitsingen ein (der Refrain ist nicht gerade kompliziert). Textlich gehört dieser Song zu meinen Favoriten auf dieser Scheibe, denn die Aufforderung mehr aus seinem Leben zu machen ist für viele Jugendliche heute sicherlich aktuell.

„Mondfinsternis“ ist stellenweise wirklich sehr chartskompatibel und somit der einzige Song auf dieser CD von dem man das behaupten kann. Trotzdem gefällt er mir, Chartkompatibilität muss ja nicht immer zwangsläufig schlecht sein und ich kann auch tendenziell eher ruhige Songs gut finden und dieser hier ist ein gutes Beispiel dafür.

Einmal mit den Charts gespielt gibt es nun ein Metalcore typisches Schlagzeuggewitter. Und schon in der ersten Minute habe ich meine Lieblingstextstelle für das ganze Album gefunden „Wo ist die Jugend, die dagegen rebelliert?! Nicht ständig Pornos glotzt - zum Untergang masturbiert!“ Ich muss wirklich selten lachen, wenn ich ein Lied höre doch diese Stelle ist zu geil. Zum Metalcoresound mischen sich von Anfang an schon leichte Techno/Trance-Sounds und das Ganze gibt ein wirklich sehr stimmiges Gesamtbild doch dann plötzlich tönt Jumpstyle (ist das Jumpstyle, ich vermute schon?)  aus meinen Boxen und ich denke mir so „WTF?!? ... hmmm ... was’n das? .... interessant ... cool .... sau geil“ und ich kann mir so richtig vorstellen wie die langhaarige Menge im Club für 20 Sekunden das Headbangen sein lässt und Jumpstyle tanzt. Einfach herrliche Soundmischung, weiter so!

Warum sollte man ein Lied über Sexmaschinen als Weiterentwicklungen von Vibratoren machen? Ich weiß es nicht, Callejon scheinen sich etwas dabei gedacht zu haben und das Ergebnis gibt ihnen Recht. Zumindest musikalisch hat man hier nichts anbrennen lassen und der mal etwas andere Text (nicht diese metalltypischen Standardlyrics über Hass und „ich hau hier alles kurz und klein“) ist zugegebenermaßen etwas originell, aber das heißt ja nicht schlecht.

„Mein Stein“ besticht mal wieder durch einen richtigen „auf die Fresse“ Anfang der zu einem für dieses Album typischen Duette zwischen Growls und klarem Gesang führt.

„Sommer, Liebe, Kokain“ stellt einen ausgestreckten Mittelfinger gegen die sehr Kommerzlastige Popkultur mit allen ihren Auswüchsen, wie MTV und Deutschland sucht den Superstar“, dar und klingt dabei noch ziemlich fett.



Die Schlussnummer dieses Albums fällt ganz aus dem Rahmen, denn hierbei handelt es sich um einen wahnsinnig langsamen und ruhigen Song der nur zwischenzeitlich vom Metalcoregebolze unterbrochen wird. Mir persönlich sind die ruhigen Zeiten zu lang, denn über die Länge von 08:31 Minuten zieht sich mir das Ganze zu sehr. Die Gebolzestellen gefallen mir zwar wieder aber die ruhigen Zwischenphasen lassen mich jedes Mal zu lange warten.



Normalerweise pflegen wir ja die Tracklisten mit Anspieltipps zu versehen, doch wenn ich hier mehr als die Hälfte als Anspieltipp markiere komme ich mir sehr albern dabei vor. Doch meiner Meinung haben sich Callejon mit diesem Album selbst übertroffen, denn das Album ist sehr facettenreich und wird keine Sekunde lang langweilig. Auch hat man nie das Gefühl das gleiche zwei Tracks vorher schon mal gehört zu haben. Fette Riffs und Drumeinlagen wechseln sich mit ruhigen Passagen ab, harsche Growls mit dem cleanen Gesang, hier passt wirklich alles um „Videodrom“ zu einem abwechslungsreichen, spannenden Album zu machen.

Man hört immer wieder, dass Metal mit deutschen Texten nicht an Metal mit englischen Texten rankäme, doch Callejon schaffen es mit diesem Vorurteil ein für alle mal Schluss zu machen. Für all diejenigen, die auch gerne etwas Experimentierfreudigeres hören stelle ich hiermit eine Kaufempfehlung aus. Leute die auf altbewährtes abfahren sollten diese CD allerdings besser meiden.

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Titel:

Videodrom

Veröffentlicht am:

02.04.2010

Label:

Nuclear Blast

Bewertung:

9.5

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Tracklist:

01. VI
02. Videodrom
03. Kinder der Nacht
04. Lass mich gehen!
05. DE
06. Immergrün
07. Dein Leben schläft
08. O
09. Mondfinsternis
10. Dieses Lied macht betroffen
11. Sexmachine
12. DROM
13. Mein Stein
14. Sommer, Liebe, Kokain
15. Gott ist tot