Dark Rock war ein Genre, das sich bei mir noch keinen bleibenden Eindruck verschafft hatte. Dies sollte sich dann jedoch mit der Schattenspieler CD „Babel“ ändern. Die biblische Illusion an die Geschichte über die Vermessenheit und den Größenwahn der Menschheit, die in der großen Sprachverwirrung endet, erschloss sich mir zwar nicht direkt, aber bei Titeln wie „In Ewigkeit Amen“ (die letzten Worte des Vater Unsers) musste wohl eine gewisse Affinität zur Bibelstudie gegeben sein.

Musikalisch dürfte Babel weniger Fans der Metal- sondern eher der Gothic-Scene mit Neigung zu lauteren Klängen ansprechen. Dies dürfte allerdings unter anderem auch an den pathetischen Lyrics liegen. Meist klar, gelegentlich gegrowlt, auf Englisch und Deutsch, werden Botschaften transportiert wie „Liebe ist totes Glück“ und apokalyptische Konjugationen wie „Ich bin das Böse, du bist das Böse, er ist das Böse…“ kombiniert mit Schreien, die mich irgendwie an die 80er Jahre Serie vom Kleinen Vampir erinnert.

Die Band selbst beschreibt ihren Sound als „Schnittmenge von Deep Purple über Masterplan bis hin zu Rammstein“, allerdings hat die Musik auch Potential zu einem Twilight Musical genutzt zu werden.  Besonders „Violence“ hat in diesem Sinne Bühnenpotential. Auch „Let Me Go“ als Ballade der Scheibe kann man sich schön in einer kitschigen Vampiraufführung vorstellen, sowohl musikalisch als auch textlich („Take my soul […] but my heart belongs to me“).

Ein wenig verstörend war das Finale der CD, „In Ewigkeit Amen“. Dies galt weniger für das aus der Gruft tönende Voiceover über Luzifer (schätze ich jetzt mal, denn ich kenne niemand anders in der Bibel der laut Lyrics „Krieg mit dem Herrn“ angefangen  hat) von einem schlechtverständlichen, den letzten Lebenshauch ausatmenden Gottes. Auch Zeilen wie „Zieht vielleicht ein einst brutal vergewaltigtes Kind/ vor dem nächsten Sex es vor zu sterben“ waren weniger beunruhigend als Wortreihen wie „Wissen viele Menschen hier in Deutschland insgeheim, dass ihr Land an Toleranz ersticken?“. Ohne irgendjemandem irgendwelche politischen Neigungen unterstellen zu wollen, so lässt mich diese Zeile doch ungläubig auf meine Kopfhörer starren und fragen, ob Herr Esser das wirklich grade gesungen hat.

Außerdem fällt auf, dass relativ viel Bezug auf die Bibel genommen wird, um dann zu erklären, dass der Gott des Papstes „ein Riesenarschloch ist“. Ich finde es bezüglich auf viele Themen immer wieder interessant, dass Leute ihr Leben Dingen und deren Beschreibung widmen, die sie schrecklich finden, statt sich auf Elemente ihres Daseins zu konzentrieren, die sie wirklich erfüllen.

Ein Lied, das wahrscheinlich als nachdenklich und „tiefgründig“ gedacht war, kommt leider platt, jugendlich rebellisch und aufsässig provokant daher. Musikalisch und von der Leistung des Sängers her kann man sich allerdings nicht beschweren. Schattenspieler zeigen sowohl bei „In Ewigkeit Amen“, als auch auf dem Rest von Babel eine sehr interessante Bandbreite an Gesangsqualitäten sowie gekonnte Instrumentenbeherrschung. Der Sound ist nicht jedermanns Sache, jedoch gut. Das Album hätte mir wahrscheinlich in einer Sprache, die ich nicht verstehe oder mit anderen Texten, sehr viel besser gefallen. Leider kann ich wegen der Lyrics, die einen viel zu gezwungen tiefsinnigen Eindruck auf mich machen, nur 6 von 10 Punkten geben.

Titel:

Babel

Veröffentlicht am:

21.08.2009

Label:

Dr. Music

Bewertung:

6.0

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Tracklist:

1. Sister Terror
2. Das Böse Lebt
3. Totes Glück
4. Violence
5. Der Weisse König
6. Let Me Go
7. The Last Stand
8. In Ewigkeit Amen