Am 23.10.2009 erschien mit „Picture Perfect“ das nun fünfte Studioalbum der vier Jungs aus Chicago. Der Name SOiL sagte mir etwas, aber viel wusste ich damit nicht anzufangen. Die Wikipedia versprach mir Alternative-Metal und auch Youtube zeigte mir mit „Breaking It Down“ und „Halo“ eine Band dieses Subgenres.

Normal 0 21 false false false MicrosoftInternetExplorer4 Das Cover ziert eine recht ansehnliche, spärlich bekleidete Blondine vor einem Spiegel. Aber nun zum wahren Inhalt dieses, knapp über 48 Minuten langen, Albums: Schon beim ersten Durchhören muss ich feststellen, dass meine Erwartung ein Alternative-Metal-Album zu hören bitter enttäuscht werden wird. Anstatt einer Mischung aus Drowning Pool, Disturbed, Rage Against The Machine oder ähnlichem klingt „Picture Perfect“ eher nach einer Mischung aus Nickelback oder Black Stone Cherry. Es erweckt den Anschein, dass der ehemalige SOiL-Sänger Ryan McCombs (bis 2004) einen großen Teil der Härte mit zu seiner neuen Band Drowning Pool mitgenommen hat.

Nun gut, mit der Bezeichnung Alternative-Rock im Kopf starte ich einen zweiten Durchlauf im CD-Spieler.

„Tear It Down“
Einer der Songs, die am ehesten die Bezeichnung Alternative-Metal verdienen macht den Anfang. Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses Lied mit seinen „Down!“-Mitgröhlstellen live sehr gut ankommen wird. Auch die Gitarrensoli fügen sich meines Erachtens schön in das Gesamtbild ein.

„Lesser Man“
Das Lob, was ich soeben für „Tear It Down“ abgegeben habe trifft nun mit „Lesser Man“ auf einen Song, der trotz seinen Gitarrensoli eher in das Mittagsprogramm eines Radiosenders passt als auf eine Metal-Scheibe. Grade der Refrain kommt sehr Pop-Rock mäßig rüber, wohingegen die Strophen sich zumindest musikalisch ein wenig von dieser Richtung abzuheben versuchen. Trotz dieser Versuche kann „Lesser Man“ nicht überzeugen.

„Like It Is“
Einer der wenigen Höhepunkte dieser Platte. Ein verzweifelter Versuch das Album in eine etwas härtere Richtung zu drängen, doch trotz häufigem „Motherfucker“ Einsatz schafft dieses Lied es nicht das Gesamtbild der CD großartig zum Metalzu verschieben. Aber an und für sich ein gelungener Track.

„Picture Perfect“
Der Anfang erinnert mich spontan sehr an Außerirdische. Während der der ersten 25 Sekunden kann ich mir wunderbar irgendwelche grünen glibberigen Monster mit fünf Armen vorstellen. Bei 1:10 fängt es dann richtig an. Der Titelsong des Albums ist im Großen und Ganzen ein ruhiger Song mit einer eingängigen Alienmelodie, die immer wieder durchschimmert. Der Text ist nicht schwierig und gespickt von Wiederholungen, so dass er für mich einen gewissen Ohrwurmcharakter hat.

„Surrounded“
„It doesn’t matter where I go, `cause I just can’t sleep without you here.“ Bei diesem Lied stellte ich mir sofort 20 mit Herzen verschmierte Bandfototeile als BRAVO-Starschnitt im Zimmer eines 12 jährigen Mädchens vor. Alles in allem eine nette, aber nicht besondere, Rockballade.

„Wasted“, „Every Moment“ und „Anymore“
Ganz nette Songs, aber mehr auch nicht. Es gibt nichts Erwähnenswertes.

„Falter“
Nach drei 0815 Poprocksongs nun hier ein etwas heraus stechender Titel. Unter normalen Umständen würde dieser Titel wohl in die ruhige Kategorie fallen, doch im Umfeld der „Picture Perfect“ Platte geht der Griff eher zur harten Schublade, denn wie Einstein schon sagte: „Alles ist relativ.“

„Too Far Away“, „Calling Out“ und „Temptation“
Diese Reihe sticht wie die drei um “Every Moment” nicht sonderlich hervor.

„Last Wish“
Der letzte Song des Albums versucht zwischendurch etwas aggressiver rüber zukommen doch wirklich gelingt dies nicht.

Fazit:

Wer ein Album sucht, welches man problemlos auch mit Freunden hören kann, die Metal als Krach ansehen, hat hier eine gute CD gefunden, die auch für die meisten Metal-Fans erträglich ist. Ist man jedoch auf der Suche nach einer CD zum Haare schütteln wird man bei dieser CD wohl kaum bis zum Entfernen des Haargummis kommen. Dies ist schade, da SOiL in der Vergangenheit durchaus gezeigt haben, dass sie Metal machen können.

„Picture Perfect“ passt bis auf wenige Ausnahmen („Like It Is“ und „Tear It Down“) wunderbar in den CD Schrank einer 12 Jährigen deren Tendenz eher zu Gitarren als zu Techno oder Rap geht. Ersetzt man noch die Unterwäscheblondine vom Cover durch einen typischen Mädchenschwarm wäre alles perfekt.


Wertung

Da ich auch Rock-Musik mag gebe ich dieser CD 7/10 Punkte, da SOiL mit „Picture Perfect“ ein ganz anständiges, aber ruhiges, Rockalbum abgeben haben. Wenig sticht negativ raus, allerdings ebenso wenig haut mich wirklich um.

Würde ich jedoch ausschließlich die härtere Musik der „alten“ SOiL mögen gäbe es wohl deutlich weniger Punkte…


Spielzeit: 48:15



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Interne Links:
Fotos: Live Music Hall, Köln am 18.11.2009
Interview: Adam Zadel (Gitarre) im November 2009

Externe Links:
SOiL bei Wikipedia
SOiL Webseite
SOiL bei MySpace

Titel:

Picture Perfect

Veröffentlicht am:

23.10.2009

Label:

AFM Records

Bewertung:

1.0

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Tracklist:

01. Tear It Down [X]
02. Lesser Man
03. Like It Is [X]
04. Picture Perfect [X]
05. Surrounded
06. Wasted
07. Every Moment
08. Anymore
09. Falter
10. Too Far Away
11. Calling Out
12. Temptation
13. Last Wish