Gut 4 Jahre hat es gedauert bis sich Savage Circus nach diversen Rückschlägen am 23.10.2009 über das Label Dockyard 2 wieder zurückmelden!
"Of Death and Doom" heißt die neue Scheibe mit der sich das Quintett erneut anschickt da weiter zu machen, wo Blind Guardian bereits 1995 mit den "Imaginations From The Other Side" aufgehört hatten. Wir erinnern uns: Thomen Stauch, seines Zeichens Ex-Drummer von "Blind Guardian" missfiel der neue Stil, den Blind Guardian schon mit der "Nightfall in Middleearth" aufgriffen und wünschte sich die alte Härte und weniger Bombast.

Nach einem bandinternen Streit verließ er Blind Guardian und rief "Savage Circus" ins Leben.  Die Band schaffte es schon mit "Dreamland Manor" stilistisch an die alten Songs von "Blind Guardian" anzuknüpfen. Thomen verließ "Savage Circus" aufgrund gesundheitlicher Probleme, seiner statt schwingt jetzt Mike Terrana die Drumsticks auf dem aktuellen Album.
Schaut man sich das Cover genauer an, sieht man auch direkt wohin das Album thematisch hinrudert:
Der Dunkle Turm (Anm. Buchreihe von Stephen King) ziert die Mitte des Bildes. Bei dem Planeten rechts oben handelt es sich um Arrakis. Das Album behandelt also thematisch die eher düstere Fantasy und  Science Fiction Sparte. Auch hier entfernt man sich nicht all zu sehr von gewohnten Gefilden. So waren doch der Wüstenplanet und Herr der Ringe die Lieblingsthemen von Hansi Kürsch (Blind Guardian) und auch der Dunkle Turm sollte dem ein oder anderen diesbezüglich schon bekannt vorkommen. "Of Death and Doom" ist allerdings kein in sich abgeschlossenes Konzeptalbum, sondern vielmehr eine lose Ansammlung von satten Powermetal-Stücken, die wie schon erwähnt eher in die Dark Fantasy Ecke passen und daher auch gut miteinander harmonieren.
Doch genug rumgeseiert, es bringt schließlich nichts, alle Parallelen zwischen den alten Guardian Scheiben und Savage Circus aufzuzählen, den Vergleich muss sich die Band um Piet Sielck sowieso oft genug gefallen lassen.  
Das Album geht gleich in die Vollen und schickt mit dem Titelsong "Of Doom and Death" gleich ein rasantes Progressive-Powermetal Stück ins Rennen, das für Savage Circus typisch, mit rasanten Drums und Riffs besticht. Der Song greift dann auch direkt einen der Eckpfeiler auf und erzählt die Geschichte von Roland Deschain, dem Helden aus Stephen Kings dunklem Turm. Frickelige Soli und Chöre sind sehr sparsam eingesetzt und so geht der Song direkt ins Ohr.
Die Jungs  treten ordentlich aufs Gas und ich bin gespannt, ob sie die Messlatte das ganze Album so hochhalten können.
Zumindest beim nachfolgenden Song "The Ordeal" gelingt der Band das Kunststück. Auch hier wird großzügig mit der ProgPower-Kanone auf die Trommelfelle geballert. Es stellt sich sofort dieses Wohlfühl-Gefühl ein, das man hat, wenn einem etwas bekannt vorkommt.
"Devil's spawn" beginnt dann verheißungsvoll mit einem Klaviersolo, das nichts Gutes ahnen lässt.  Zu Recht, denn kurz darauf setzen die Gitarren bedrohlich ein.  Der Song handelt vom kopflosen Reiter, der dazu verdammt ist für den Teufel zu töten.  Jedem, der jetzt gleich an "Sleepy Hollow" denken muss, sei aber gesagt, dass es sich bei dieser Gestalt um eine eigentlich deutsche Sage handelt. Der Song bremst zu Beginn ein klein wenig das Tempo um dann aber nach etwa einer Minute wieder ordentlich Gas zu geben.

Savage Circus haben wohl vor mit ihrem Album einige Nackenwirbel zu brechen, denn auch "Chasing the Rainbow" legt ein ähnliches Tempo wie seine Vorgänger vor.
"Ballad of Susan" ist eines der ruhigen Stücke und ganz klar vom Dunklen Turm inspiriert und handelt vom Gunslinger und seiner einzigen wahren liebe Susan Delgado. Hier beweist Jens Carlson, dass er auch clean singen kann. Von hartem Metal ist hier nichts mehr zu hören, eigentlich nicht verwunderlich, denn schon der Titel verrät dem aufmerksamen Leser, dass es sich um eine Ballade handelt. Der Song ist für mich der schwächste auf dem Album was unter anderem daran liegen mag das es nur sehr, sehr wenige Balladen gibt die das Zeug zu einer wirklich legendäden Ballade haben.
Nach der Ballade um Susan Delgado folgen "Legend of Leto II" und "From the Ashes", die nochmal den Temporegler bis zum Anschlag aufdrehen, bevor das Album mit dem eher balladesken Instrumentalstück "Dreamland" beendet wird.

Fazit:
Viel progressive Power Metal, viel Geschwindigkeit, viel Melodie und genau hier liegt das Problem. So sehr ich jedes einzelne Stück auf der Scheibe schätze und mag, am Stück gehört läuft man schnell Gefahr sich zu langweilen. Mir fehlt trotz der beiden ruhigen Stücke ein wenig die Abwechslung. Eine oder zwei Hymnen hätte ich Klasse gefunden. Etwas, das man beim begeisterten Headbangen mitgröhlen kann während man seine Faust in den Himmel reckt.  Technisch gibt es nichts zu meckern, der Sound ist astrein, was auch nicht weiter verwundert, schließlich sind die Jungs von Savage Circus nicht irgendwelche Neulinge sondern Metal-Urgesteine und seit diversen Jahren in der Szene unterwegs.

Powermetallern im Allgemeinen und Fans von Blind Guardian im Speziellen kann ich das Album dennoch wärmstens empfehlen. Ich denke auch, dass der ein oder andere Progger seine Freude an der Scheibe hat.

Titel:

Of Death and Doom

Veröffentlicht am:

08.07.2010

Label:

Dockyard2

Bewertung:

8.5

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Tracklist:

1. Savage Circus - OF DOOM AND DEATH (6:30) [X]
2. Savage Circus - THE ORDEAL (7:01)
3. Savage Circus - DEVIL'S SPAWN (6:37) [X]
4. Savage Circus - CHASING THE RAINBOW (7:08)
5. Savage Circus - EMPIRE (7:30)
6. Savage Circus - BALLAD OF SUSAN (5:47)
7. Savage Circus - LEGEND OF LETO II (7:03)
8. Savage Circus - FROM THE ASHES (7:26)
9. Savage Circus - DREAMLAND (2:31)