20 Jahre gibt es Rough Silk schon und nach einer  6 jährigen Studiopause melden sich die Herren  Ferdy Doernberg, André Hort,Mike Mandel und Alex Wenn wieder zurück. Im Gepäck haben Sie wortwörtlich einen neuen Anfang! A new Beginning macht nicht nur musikalisch einen Neuanfang, auch bei einem neuen Label, nämlich Dockyard1 aus Hamburg  haben sich die Jungs aus Hannover  häuslich eingerichtet.

Was erwartet euch bei Rough Silk?
Die Antwort ist einfach: Melodischer Midtempo Rock mit deutlichen Metalanleihen.

Taugt die Scheibe?
Auf die Frage gibt es von mir ein ganz klares Ja!

Denn auch wenn Rough Silk gesanglich nicht unbedingt die herrausstechendste Band ist merkt man der Scheibe deutlich an, das den Herren um Ferdy Doernberg die Schaffenspause gut getan hat.

Den Einstieg macht das Stück „Temple of Evil“ das von „orientalisch“ klingenden Gitarren dicht gefolgt von einem markigen Riff  eingeleitet wird.  Nach etwa der Mitte des Songs kommt dann ein sehr ruhiger Keyboard Part samt Keyboardsolo, einem Stilelement, das man auf dem klassischen Rockalbum jetzt so nicht unbedingt erwartet hätte, welches aber durchaus gut ankommt.

Über „Home is where the pain is“ gibt es eigentlich nicht allzu viele Worte zu verlieren . Hier erwartet euch ein klassischer Rocksong samt komplexe Gitarrensolo. Ganz nett aber auch nicht überragend.

„When the circus is coming to town“ ist da schon eher meine Kragenweite, der Song gehört zwar auch zu den eher ruhigeren Rocknummern auf dem Album, besitzt aber ein sehr eingängiges Riff und hier klingen die Vocals zum ersten mal richtig stimmig und man hat nicht das Gefühl das irgendeine Kleinigkeit nicht so richtig passt. Dazu kommt noch das der Song eindeutig Radio-Potential hat.

Als nächster Song ist der eindeutig auf Western getrimmte Song „Sierra Madre“, dessen Intro einen sofort an ein klassisches High Noon Duell erinnert. So bekommt man 2 Minuten Westernfeeling bevor der Song mit einem schnellen Riff ordentlich an Fahrt aufnimmt, das Westernthema aber im Hintergrund immer beibehält. Meiner Meinung nach mit einer der Besten und Interessantesten Songs auf dem Album „A new Beginning“

Der Titelsong des Albums hat einen deutlichen Crossover Anstrich,  was sich aber zum Glück nicht auf den Rest des Albums niederschlägt. Keine schlechte Nummer an sich, passen doch sägende Riffs und aggressiver „Pseudo-“Sprechgesang ganz gut zusammen, aber sicher auch nicht das herausragendste Stück des Albums.

„Black Leather“ scheint eine Hommage an alte 80er Jahre Metalhymnen zum mitgröhlen zu sein.  Der Text und der Stil dieser Nummer erinnert an Klassiker wie zum Beispiel „Chains and Leather“ von Running Wild, inklusive stilistisch perfekt zum Piratenthema passenden Meeresrauschen-Einspielern.
Mit  dem Song „We've Got A File On You“ wird es dann etwas schneller. Das Quartett haut dem Hörer (und hoffentlich auch Käufer) des Albums einen flotten punkigen Rocksong der mit einem Augenzwinkern Kritik an der momentanen Datensammelwut diverser Regierungen übt. Der Song macht richtig Spaß und man erwischt sich schon nach kürzester Zeit dabei wie man selber fleißig mitgröhlt.

Hinter „Deadline“ verbirgt sich ein waschechter Metalsong mit Riffs die leicht an Accept erinnern.  Gerade bei diesem Stück dauert es nicht lange bis man im Takt mitnickt. Schöne Nummer, gehört für mich definitiv mit zu den starken Nummern auf der Scheibe.

Song 13 "A Song for Hilmer" ist dem Gründungsmitglied Hilmer Staacke Gewidmet, der am  25.5.2006 verstarb.  Der 7 Minütige Track wird fast hauptsächlich vom Piano begleitet, welches den Song in das passende melancholische Licht rückt. Erst gegen Ende kommt auch ein sachtes Gitarrensolo mit atmosphärischer Keyboardunterstützung. Mit de Song will sich die Band von Hilmer verabschieden und arbeitet so den Verlust eines Ihrer Gründungsmitglieder auf.

Mit über 60 Minuten Spielzeit und einem ausgewogenen Konzept decken die Jungs von Melodic Rock über Punk bis hin klassischen  Metalstücken  a la Accept alles ab. Das Album überzeugt trotz gesanglicher Defizite und macht ordentlich Spass. Man kann sehr viele Referenzen entdecken und das macht den Charme dieses Albums aus.

Trotz, oder gerade wegen der ungeschliffenen Art gebe ich der Scheibe 8 von 10 Punkten.


Tracklisting:   [X] Anspieltipp
01. Temple Of Evil 4:57
02. Home Is Where The Pain Is 3:54
03. Reborn To Wait 4:17
04. The Roll Of The Dice 6:32
05. When The Circus Is Coming To Town 3:25
06. Sierra Madre 6:33 [X]
07. A New Beginning 5:15
08. Warpaint 3:50
09. Black Leather 4:05 [X]
10. We've Got A File On You 2:35
11. Deadline 3:40 [X]
12. We All Need Something To Hold On In This Life 5:17
13. A Song For Hilmer 7:15 [X]