Am 23.01.09 ist es so weit: Die neue Scheibe aus dem Hause Sepultura wird auf die seit knapp 3 Jahren wartenden Fans losgelassen.  Um die Wartezeit zu verkürzen hat die Band netter weise das komplette Album  zum Anhören bereits ins Internet gestellt (siehe Myspace). Rein hören lohnt sich auf jeden Fall!
Bei A-Lex handelt es sich nach Dante XXI, welches auf Dantes göttliche Komödie basiert,  um das zweite Konzeptalbum der Brasilianer in Folge.  In der Zwischenzeit gab es allerdings einen Line-Up-Wechsel. Igor Cavalera wurde durch Jean Dolabella ersetzt, der manchen vielleicht noch von der Tour 2006 bekannt sei dürfte, wo er bereits Igor vertreten hat.  
A-lex, was in dieser Schreibweise gesetzlos auf Russisch heißt, verarbeitet die Geschichte der Hauptfigur Alex aus dem Buch „A  Clockwork Orange“ von Anthony Burges, welches durch Stanley Kubrick verfilmt wurde. Das Album ist in vier Kapitel aufgeteilt, die jeweils durch die Songs A-lex I – A-lex IV eingeleitet werden und die Etappen von Alex’  Leben verarbeiten wo Brutalität und ruhige Phasen eine wichtige Rolle spielen, was sich in den Songs stark widerspiegelt.
Folgende Sachen möchte ich vorweg nehmen:  Was sofort beim Hören auffällt ist, dass sehr viel harte Arbeit investiert wurde, was an den geilen Soli von Andreas, der ausgereiften Beckenarbeit von Jean und an dem Gesamtsound der CD, welcher eine positive Weiterentwicklung des Vorgängersounds ist,  deutlich wird, wobei das Riffing eher simpel gehalten wurde. Auch die Thematisierung von „A Clockwork Orange“ verleiht dem Werk ein ordentliches Pfund Brutalität, sowie auch reichlich Abwechslung.
Aber nun Schluss mit dem BlaBla und auf ans Eingemachte:
Der Auftakt wird durch Intro A-lex I bestritten, wo sich nach samplelastiger Einleitung eine böse klingende Tonfolge  zu einem schleppenden Groove entwickelt, was Lust auf Mehr macht. Und das lässt  auch nicht lange auf sich warten: Mit einem Feedback als Übergang kracht Song 2 „Moloko Mesto“ mit einem flotten, schmetternden Uf-ta aus den Boxen.  Derrick brüllt richtig wütend durch den Song, ab in einen groovigen Mittelteil und zack kommt auch schon das erste Solo angeflogen. Wie sehr ich es vermisst habe!
Beim nächsten Track „Filthy Rot“ steht die Rhythmussektion stark im Vordergrund, besonders wegen der Percussions. Hier haben es sich die Herren nicht nehmen lassen ihre brasilianische Herkunft kund zu tun. Der ungerade Takt und der röhrende Bass laden förmlich zu einem festen Mosch ein.
Nun erst mal eine sachtere Nummer „We’ve lost you“, zu der es auch einen Videoclip geben wird. Nach anfänglichem, dezentem, melancholischem Gitarrengedudel geht es ins schleppende  Halbtonriffing, was echt Druck macht.
„ What I do“ bringt wieder etwas mehr Schwung in die Sache, besonders mit dem Solopart der echt fat klingt. So viel zu Kapitel 1.
Nach kraftvollem Übergang durch „A-lex II“  kommen wir zu meinem persönlichen ersten Höhepunkt der Reise. „ The Treatment“ thrashed sich einem flott entgegen, in der Strophe geht es groovig und mit hervorstechender Beckenarbeit vor sich her und dann wieder Thrash. Atmosphärische Bridge und dann kracht es wieder ordentlich!
In „Metamorphosis“ kommt sehr stark das Nebeneinander von Alex Ruhephasen und Quälereien während seiner Rehabilitation von seinen Gewalttaten zur Geltung, bevor er wieder in die Gesellschaft entlassen wird, wie auch in „Sadistic Values“.  Hier wird allerdings kein Rahmen durch ruhige Parts geknüpft, sondern es findet eine Entwicklung statt. Wer sich den Song bis zur Halbzeit anhört, wird von einer ballernden Double-Bass begrüßt und hier geht dann der Spaß richtig los.
Vor allem weil es danach zu meinem Favoriten „ Forceful Behavior“ geht, wo man von einer schnellen Gitarre willkommen geheißen wird die sich in eine Staccato entwickelt , dann in eine böse klingende Strophe übergeht und zack, wird wieder losgebolzt. Die Vocals, der Solopart wie auch das Riffing machen diesen Song zu meinem Favoriten.
Bei „Confom“ handelt es sich um einen eher straighten, kraftvollen, newmetallastigen  Song bei dem die Gitarre öfters vom Vordergrund in den Hintergrund wechselt, der allerdings in ein nettes Finale ausartet.
Mit A-lex III geht es etwas ambienter ins nächste Kapitel. „The Experiment“ wird von Bass und Schlagzeug eröffnet, allerdings merkt man hier schon, dass der Song ordentlich Drive besitzt , auch hier tobt sich Jean ordentlich an der Schießbude aus.
Weiter so geht es auch bei „Strike“. Ähnlicher Beginn wie beim vorherigen Song, allerdings eine sachtere, aber groovigere Nummer, wo sich des Öfteren mal eine leiernde Gitarre zu Wort meldet.
„Enough Said“ kommt kurz, aber heftig. Eine fast instrumentale Nummer mit schnellen Riffs und attackierenden Double-Bass-Patterns. Sehr gut!
Und mit „Ludwig Van“ kommen wir auch schon zum Ende von Kapitel 3. Ein konfuses Stück bei welchem man von klassischen Instrumenten besungen wird. Hier werden eindeutig Alex‘ Affinität zur Klassik zur Geltung gebracht und seine inneren Turbulenzen dargestellt.
A-lex IV präsentiert die Ruhe melancholischen Charakters  vor dem Sturm „Paradox“ wo nochmal richtig abgeräumt wird.

Mein Fazit: Definitiv die beste Sepultura-Scheibe, seitdem Derrick Green dabei ist., kraftvoll, brutal, ausgefeilte Rhythmik und Beckenarbeit, geile Soli und dabei noch konzeptionell. Die Arbeit hat sich auf jeden Fall gelohnt und Anhänger der alten Scheiben könnten auch mal einen Lauscher riskieren, wobei eingefleischte Leute zu „Beneath the Remains“-Zeiten mich wahrscheinlich für verrückt halten werden.
Abzüge von mir gibt es allerdings für die vielen ruhigen Anteile des Albums, auch wenn diese konzeptionell eingebaut wurden,. Weiterhin wegen des leicht newmetallastigen Charakters, für den etwas mageren Double-Bass-Anteil und fürs simple Riffing. Aber man sieht, da geht noch Einiges!
7 von 10 Punkte von mir!

Tracklist:
1. A-lex I
2. Moloko Mesto
3. Filthy Rot
4. We've Lost You!
5. What I Do!
6. A-lex II
7. The Treatment [X]
8. Metamorphosis
9. Sadistic Values
10. Forceful Behavior [X]
11. Conform
12. A-lex III
13. The Experiment
14. Strike
15. Enough Said [X]
16. Ludwig Van
17. Alex IV
18. Paradox
[X]: Abspielempfehlung