Es gibt immer wieder Momente im Leben eines Musikjournalisten, in denen man glaubt, alles schon gehört zu haben..

So übertrumpfen sich die Bands und Interpreten mit Bässen und Höhen und die Produzenten scheinen bestrebt, alle Klänge bis zur Schmerzgrenze aufzupimpen..

Ich lege also in entsprechender Erwartung das neue Album „A Midwinter’s Night Dream“ von Loreena McKennitt in meinen CD Player und höre ... 

nichts. Zögerlich nähere ich mich meinen Boxen und horche genau hin. Doch da ist etwas, denke ich mir und stelle lauter. Bei jeder anderen Band wären mir gerade die Trommelfelle geplatzt, aber Loreena singt immer noch bedacht und ruhig vor sich hin, begleitet von Geigen und Harfen. Und egal, wie laut ihr meine Anlage stelle, Loreena flüstert weiter melodisch vor sich hin.

 

Zu den letzten Veröffentlichungen der Kanaderin zählen die CD „An Ancients Muse“ (2006), sowie die Live DVD „Nights from the Alhambra“ (2007), welche in der gleichnamigen Burg im spanischen Granada unter aufwendigem Einsatz mehrerer HD-Kameras aufgezeichnet wurde. Mit „A Midwinter’s Night Dream“ präsentiert Loreena McKennitt nun ihr drittes Werk nach ihrer Schaffenspause.

Im Jahre 1998 – Loreena arbeitete gerade an den letzten Feinheiten für „Live in Paris and Toronto“ -  verunglückt ihr Verlobter zusammen mit zwei engen Freunden tödlich. Ein harter Schlag für die Sängerin. Im Folgejahr erscheint ihr Live Album und dann wird es ruhig um sie. Erst 2006 meldet sie sich wieder zurück. Stark und melodisch, wie es Fans von ihr gewohnt sind.

Das neueste Werk von Loreena ist gleichermaßen gewöhnlich wie neuartig für die Sängerin. Wieder einmal wartet sich mit sphärischen und melodischen Liedern auf, die fast etwas meditatives haben. Dabei steht offensichtlich ihre umwerfende Stimme im Vordergrund, die sich mit den exotischsten Instrumenten paaren. So kommt einmal eine Laute, das Klavier, Harfe oder eine griechische Leier zum Einsatz. Nicht selten spielt die Kanadierin dabei selbst, begleitet und unterstützt von ihrem Ensemble.

Aber auch wenn die Lieder zusammen ein wunderschönes, nahezu einstündiges Klangbild liefern, könnten sie unterschiedlicher kaum sein. In „The Holly & The Ivy“ verschwinden die Instrumenten nahezu hinter ihrem Gesang und die Ballade lebt einzig von der berühmten Stimmgewalt der Sängerin. Nur hier und da erklingt fast beschämt ein Klavier und unterstreicht die Atmosphäre. „Un Flambea, Jeanette, Isabelle“ schließt sehr viel rhythmischer an und erinnert uns an alte keltische Volkslieder. Stand der Gesang im ersten Lied im Vordergrund, fehlt er hier nun vollständig und stellt so die Instrumente und die Musik selbst an oberste Stelle. In „God rest ye merry, Gentlemen“ lässt die Künsterlin Klänge ertönen, die uns an den Mittleren Osten erinnern. Sie bedient sich in ihrem Album ebenfalls mehrerer Sprachen. „Emmanuell“ singt sie auf lateinisch und „Noel Nouvelet!“ auf altfranzösisch.

Aber ganz egal, wie viel unterschiedliche Einflüsse sich in den Tracks dieses Albums wiederfinden, es bleibt immer Loreena McKennitt. Sie variiert mit ihrer Stimme und führt uns so in ganz unterschiedliche Regionen und Stimmungen. Eine Wanderung der Musik, der man geneigt ist zu folgen. Es fällt mir schwer, exemplarisch einige Lieder hervorzuheben, um dieses Album zu empfehlen. Denn sobald ich die CD gestartet hatte, floss die Musik einfach so dahin. Ein Lied ging in das andere über und plötzlich war die CD zu Ende, ohne dass ich ein Lied hätte herausheben oder gar hätte entbehren wollen. Die Komposition und die Klänge harmonieren so sehr miteinander, dass ich nicht umhin komme, euch zu empfehlen „A Midwinter’s Night Dream“ einfach von vorne bis hinten durchzuhören.

 

Kurzfazit: Loreena McKennitt bietet mit „A Midwinter’s Night Dream“ bewährte Musikkost, die nicht an Variation und meditativen Melodien geizt. Die Lieder bilden einen Mix aus den unterschiedlichsten Kultur- und Musikeinflüssen. Für Fans ein absolutes „Must have“. Für Freunde keltischer und exotischer Klänge, die bisher an Loreena vorbeigestolpert sind, ein absoluter Geheimtipp!

 

Tracklist:

 

1. The Holly & the ivy (4:49)
2. Un flambea, jeanette, isabelle (3:06)
3. The seven rejoices of mary (4:34)
4. Noel Nouvelet! (5:11)
5. Good King Wenceslas (3:16)
6. Coventry Carol (2:18)
7. God rest ye merry, gentlemen (7:19)
8. Snow (5:05)
9. Breton Carol (3:30)
10. Seeds of love (4:54)
11. Gloustershire Wassail (2:39)
12. Emmanuel (4:55)
13. In the bleak Midwinter (2:43)