Was kommt denn so alles aus der Schweiz?

Wer mit "Käse, Schokolade und Taschenmesser" antwortet, sollte definitiv mal in das neue Album von Pure Inc. reinhören!

 

 

 

 

Das drittte Pure Inc Album beginnt mit „The End“. Eigenwillig wie die Platzierung eines so benannten Liedes ist auch der Opener von Parasites and Worms. Sänger Gianni zeigt direkt hier auch zu Beginn eine der mannigfaltigen Seiten seines stimmlichen Talents: Laut, schreiend, aggressiv und perfekt abgestimmt auf die Gitarren. Dieses Talent wird selbstverständlich durch das Album hindurch nicht vernachlässigt, zeigt sich glänzend unter anderem im kraftvollen Evenmore. Hand in Hand geht das musikalische Erlebnis auch in Serenade of Aggression, wo der Name Programm ist. Zum Teil growlend tief, dann wieder klassisch rockig und höher, variieren Vocals mit starken Gitarren und „Who the fuck do you think you’re talking to?“ inspirierten Einspielern. Ein sehr intensives Lied, das definitiv angespielt werden sollte. Die Intention es anzuspielen reicht in der Regel schon, da man nach den ersten 30 Sekunden unweigerlich davon absieht den Skip-Button zu bedienen.

 

Nach den drei ersten äußerst geräuschvollen Liedern ist man fast ein bisschen verdutzt, wenn Carne’s Alone zart und herzgebrochen mit lieblichem Minnegesang beginnt. Auch wenn Gianni im Refrain wieder etwas rauere Töne anschlägt, so bleibt durchgängig doch der Eindruck, dass der harte Rocker auch ganz weiche Seiten hat. Der Eindruck bestätigt sich durch das äußerst fragil gestaltete Ende des Songs.

 

Auch wenn die Frauenwelt gelegentlich auf Softis stehen mag, so darf dieser Eindruck auch nicht zu stark forciert werden. Um dies zu gewährleisten ist der nächste Song nicht nur lauter als sein Vorgänger, sonder besingt auch gleich den wahrscheinlich weniger fröhlichen Exitus durch Körperfluide: Drowing in Your Blood. Kräftige Gitarrenriffs, intensive Vocals mit Shouteinlagen bringen den Hörer wieder in die passende Hardrock-Stimmung, die vom melodiösen Vorgänger temporär unterbrochen wurde.

 

Ähnlich intensiv geht es mit Darkened Glow weiter. Trotz der klareren Vocals zwischen den Refrains, fehlt diesem Lied nicht der Oomph, den dieses Album definitiv inne hat.

Wer bei Home ein fröhliches Lied über eine Zwei-Familienhaus-Hälfte, einen weißen Zaun und 2,3 Kinder denkt, liegt natürlich falsch. Auch wenn der Song ein wenig gesetzter rüber kommt als z.B. Serenade of Aggression, so hat er dennoch etwas Mitreißendes, dass sowohl mit klaren Vocals als auch rockig rohem Gesang perfekt rüber gebracht wird.

 

Die Verkündung des Liedtitel Raise Hell direkt zu Beginn des Stücks lassen direkt „Ja. Rockstar!“ denken. Das Stück wird diesem Gedanken durchaus gerecht. Rockstar allerdings in diesem Stück soweit, dass das Lied sogar radio-tauglich wäre ohne an Atmosphäre einzubüßen.

 

Genau wie in Carne’s Alone überraschen Pure Inc. mit Dead Calling (Immigrant Song) durch unerwartete Zartheit gepaart mit einer Tiefe, die auch einen Rockstar nicht als Mädchen darstehen lässt. Ein Song zum Zurücklehnen und über Schandtaten und Sehnsüchte nachzudenken.

 

Ein Wort, das einem beim Hören von Parasites and Worms immer wieder einfällt, ist „intensiv“. Und auch auf die Gefahr hin redundant zu wirken, so muss dieses Wort auch wieder für die Beschreibung von Won’t Get Back herhalten. Sänger Giannis vielfältige Stimme, die bei Zeiten wirkt, als wäre mehr als ein Sänger am Werk, unterstrichen von treibenden Drums und ehernen Riffs verbinden sich auch hier zu einer grandiosen Melange.

 

Das Schlussstück des Albums heißt The Last Remaining Song (One Minute on Earth) geht entgegen Erwartungen gute sieben Minuten und beendet das Album ebenso rockig, wenn auch etwas gesetzter als der Opener. Der Song wirkt wie eine kleine Zusammenfassung des bereits gehörten, verbindet Growls, Shouts und das etwas Liebliche, das den Leadvocalist auszuzeichnen scheint.

 

Alles in allem ist das Album definitiv hörenswert! Jeder, der auf Rock steht, kommt hier auf seine Kosten.

 

Besonders, wie bereits mehrfach angesprochen, die stimmliche Varietät spricht für das neue Album von Pure Inc., was allerdings auf keinen Fall bedeuten soll, dass Sandro, Hoffi und Dave an Bass, Gitarre und Drum nicht mithalten können. Im Gegenteil: Die Band unterstützt ihren Frontmann optimal und trägt nicht minder zu diesem gelungenen Silberling bei als der Sänger.

 

Empfehlenswert sind auf Parasites and Worms besonders Serenade of Aggression und Carne’s Alone um beide Seiten der fabelhaften Schweizer zu sehen.

 

 

 

Tracklist:

01 - The End

02 - Evemore

03 - Serenade of Aggression [X]

04 - Carne's Alone  [X]

05 - Drowning in Your Blood

06 -  Darkened Glow

07 - Home

08 -  Raise Hell

09 -  Dead Calling (The Immigrant Song)

10 -  Won't Get Back

11 -  The Last Remaining Song (One Minute on Earth)

 

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