Die
Die
Wenn die alte Frau von Knorkator, Buzz Dee musikalisch alleine unterwegs ist, heißt das nicht unbedingt dass nicht der Schwachsinn regiert und totale Niveau-Anarchie gelebt wird. Auf „Icke" zünden Buzz Dee, Jagschn, Morgenstern und Knäcke ein stilistisches Feuerwerk. Bereits der Opener „Icke" kommt mit einem total bekloppten Intro-Gedicht daher und ist wohl als selbstdeskriptiver Ansatz des Herrn Dee zu verstehen. Wenn man seinen Geist mit ein oder zwei Kästen Bier erweitert ist „Icke" eine nette Rocknummer. Der Text ist zwar total Banane, aber lustig. „Tawarisch Putin Kamarad" lässt mich rätseln was es denn mit dem Text auf sich hat, da hier selbst die Google Sprachtools den Dienst versagen. Musikalisch bewegt man sich mit dem Song jedenfalls in eher seichten Pop-Rock Gefielden. „Kann nich sein" ist eine der härteren Rocknummern auf dem Album, die textlich wieder ins total Abstruse abdriftet. Eine Kostprobe: „Mein Kakadu hat Gold geschissen, kann nicht sein, is nich wahr." Was uns der Künstler damit sagen will fragen wir uns besser nicht. Spontaner Wahnsinn könnte die Folge sein. Geil ist jedenfalls der ausgedehnte Solo-Part gegen Ende des Songs. „Universal Telefon" geht in Richtung Blues und ist wohl als satirischer Seitenhieb auf den Smartphone- und Internet-Wahn der heutigen Zeit zu verstehen. Ein weiterer Seitenhieb versteckt sich in der radiotauglichen Nummer „Alarm in Berlin" die sich kritisch mit dem Hype um unsere Hauptstadt auseinandersetzt. Berlin ist so krampfhaft hip und verrückt, dass die Stadt langsam abstirbt, so die Devise. Eine total schwachsinnig-nervtötende Nummer folgt dann mit „Rhabarbermost". Hysterisches Gelächter, Gelalle und orientalische Klänge fusionieren zu einer Symphonie des musikalischen Grauens. Meine Herren, darauf erstmal einen Most... anders ist das nicht zu ertragen. Hinter „Immer weiter" versteckt sich ein weiterer Radio-Rock Song der ordentlich swingt. Musikalisch ganz großes Kino, der Text ist aber Buzz Dee typisch totaler Humbug. We sich die satte Rocknummer „Knochenspitter Junkie" anhören kann ohne das Gesicht zu verziehen bekommt von mir einen Orden. Gruselig wie fröhlich Buzz Dee hier von Splitterknochenbrüchen singt. Da kann sich schnell der Phantomschmerz breit machen. Der Song groovt ordentlich. „Tee" spricht allen denen aus der Seele, die am Abend zu vor (vermutlich wegen dem Song Rhabarbermost) etwas zu tief ins Glas geschaut haben. Katermusik vom feinsten. „High and Low" nimmt textlich sämtliche Hits der letzten 50 Jahre aufs Korn. Dass der Text dabei keinen Sinn macht, stört vermutlich eh niemanden.
Musikalisch extrem vielfältig, textlich der konzentrierte Schwachsinn. Was man von Knorkator kennt, ist bei Buzz Dees Soloprojekt nicht anders. Zeitweilig ist das Album etwas anstregend, wer aber auf den kaputten Humor der meisten Band der Welt steht liegt bei den Buzz Dees richtig. Ein ordentlicher Schuss schräger Humor gewürzt mit Wahnsinn und Sozialkritik. Auf diesem kauzigen Album herrscht totale Anarchie.

Titel:

Icke

Veröffentlicht am:

04.10.2013

Label:

Sholly Records

Bewertung:

6.5

MP3s kaufen
Album kaufen

Tracklist:

1. Icke (3:28)
2. Tawarisch Putin Kamerad (5:21)
3. Kann nich sein (4:40)
4. Universal Telefon (4:36)
5. Alarm in Berlin (4:19)
6. Rhabarbermost (3:07)
7. Immer weiter (4:39)
8. Knochensplitter Junkie (5:21)
9. Tee (3:17)
10. High and Low (3:54)
11. Dragging the line (3:22)
12. Tschang Song (1:08)