Saltatio
Juhuuu! Das neue SALTATIO-Album ist raus – und wie immer mutiert das erste Anhören zu einer seltsamen Mischung aus Sitztanz, Aufspringen, Mitfeiern und gelegentlichem stillen Zuhören. So ist das, wenn Dudelsäcke erklingen und meine Lieblingsband zum Feiern animiert. Dennoch muss ich sagen, dass ich von den Manufactum-Alben, ihres Zeichens Konzertmitschnitte, gelinde gesagt eher wenig begeistert war. Vielleicht liegt es daran, dass die Studioalben bisher für mich zum Großteil echte Meisterwerke waren und sowas setzt natürlich die Messlatte ziemlich hoch an, vielleicht liegt es auch einfach daran, dass ich Livealben dann wirklich lieber auch echt live erlebe. - Und doch: Ich kann vorweg nehmen, dass die Stimmung, die diese Albenreihe und auch das neue MANUFACTUM III in sich tragen genial ist und einen soliden Einblick in eine Band gibt, die man nicht wirklich erlebt hat, bevor man sie auf der Bühne hat spielen sehen. Wenn ich also sage, ich sei nicht mit sonderlich hohen Erwartungen an diese Sache heran gegangen, dann muss auch erwähnt werden, dass für mich SALTATIO bisher immer irgendwo zwischen gut und genial angesiedelt war.
Ich nehme es vorweg: Auch hier bin ich genau dort. Warum ist das so? Weil die Band einfach unglaubliche Laune macht.
Diese neueste Silberpressung der acht Männer aus Karlsruhe wurde in Hamburg Öjendorf auf dem MPS aufgezeichnet und ist somit wieder ein sehr bodenständig mittelalterlich angehauchtes Werk, der mittlerweile teilweise auch sehr modern-rockigen Band. Natürlich fehlen auch die dazugehörigen, stets humorvollen und kreativen Ansagen auf der Aufnahme nicht, sodass man hier ein bisschen das Gefühl hat wirklich dabei zu sein.
Der hohe Anteil an reinen Akkustikstücken haut es für mich dann aber wieder ein bisschen raus. Insgesamt entsteht für mich beim Hören ein bisschen der Eindruck, dass Alea nicht unbedingt Lust hatte sein zartes Stimmchen zu beanspruchen. – Als Akkustikstücke zu nennen wären hier: Veitstanz, La Ride, Charybdis (sehr sehr gut!), Scylla, Saltatio Mortis MMXII und Saltarello.
Schon an dieser Aufstellung wird deutlich, dass gefühlt jeder zweite Song ein reines Instrumentalstück ist, was mir persönlich nicht so gut gefällt und auch auf den Manufactum bezogenen Konzerten bisher nicht wirklich gefallen hat, da gerade der Gesang und die Texte für mich das besondere Flair der Band ausmachen.
Genau diesen Geschmack befriedigen aber dann doch einige Mitschnitte von bereits bekannteren und geliebten Sings. Allen voran sei hier „Till Eulenspiegel" genannt, das sicherlich zu den populärsten der neueren Saltatio-Songs gehört und das zu Recht. Klingt gut und auch als Aufnahme sowohl episch, als auch schelmisch, wie es sich eben gehört.
Was mir rein gar nicht gefallen hat und vermutlich auch niemals gefallen wird ist die Live-Performance von „Salome". – War ich von der Studioaufnahme und dem gekonnten Duet zwischen Alea und Doro Pesch (so zu hören auf dem Album „Wer Wind saet") noch absolut begeistert, bekomme ich doch jedes Mal ein sehr unangenehmes Grummeln im Bauch, wenn ich höre, wie Alea versucht die gesanglichen Parts der Salome zu übernehmen. Ich will ja nicht behaupten, dass Doro Pesch nun fester Bestandteil der Band werden muss, aber der Auftritt einer Gastsängerin hat (hoffentlich) noch keiner Band geschadet, zumal der Song in meinen Ohren live auch immer noch etwas schräger klingt, als vermutlich gedacht. Den Schnitzer werde ich also in Zukunft getrost aus meiner Spielliste rausnehmen und dafür „Wieder unterwegs" gleich doppelt reinnehmen.
Der Grund, wieso ich mir diesen Song als Spieltipp ausgesucht habe ist einfach: Er ist nicht der bekannteste Song, er ist sicherlich nicht der energiegeladenste Song und auch wenn es der letzte wehmütige Song auf der Platte ist, so gibt er doch die Stimmung von Manufactum III perfekt wieder, was allein durch die lange Ansage von Lasterbalg unterstrichen wird. – Hier geht es um die lange Geschichte der Band, das gemeinsame Reisen und die tiefe Dankbarkeit zu Gisbert Hiller, dem Veranstalter des MPS. – Und wenn einen die herzigen Worte von Lasterbalg nicht schon davon überzeugt haben, dann tut es der darauf folgende Song ganz sicherlich.
Mein Fazit: Wie erwartet ist es ein gut gelungenes und sehr hörenswertes Album, das mich gespannt der sicherlich bald erscheinenden „Manufactum IV- CD" entgegen sehen lässt. Wie ebenso erwartet bin ich persönlich immer noch ein größerer Fan der Studioalben, was aber nicht Ausschlag für meine etwas niedrigere Bewertung gibt.
Punkte gelassen haben sie einzig aufgrund des reichlichen Übermaßes an Akkustikstücken und wegen „Salome". Was für ein Teufelsweib!
Den großen, erhobenen Daumen gibt es für eine extrem geniale Stimmung

Titel:

Manufactum III

Veröffentlicht am:

05.04.2013

Label:

Napalm Records

Bewertung:

7.0

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Tracklist:

01 - Intro MMXII (4:41)
02 - Veitstanz (3:25)
03 - Der letzte Spielmann (Akustik Version) (4:47)
04 - La Ride (3:02)
05 - Salome (Akustik Version) (6:36)
06 - Charybdis (3:59)
07 - Pirate\\\'s Life (4:43)
08 - Scylla (3:41)
09 - Russe (4:42)
10 - Nach Jahr und Tag (Akustik Version) (4:18)
11 - Fiat Lux (Akustik Version) (5:25)
12 - Eulenspiegel (Akustik Version) (5:51)
13 - Saltatio Mortis MMXII (2:58)
14 - Saltarello (2:12)
15 - Wieder Unterwegs (Akustik Version) (5:17) [X]