Es heißt ja immer dass Weihnachten nur ein mal im Jahr sei. Demnach muss heute ein neues Jahr sein, denn endlich darf ich die Debutscheibe von Adrenaline Mob auspacken. Aber erstmal was zur Band, damit man meine Euphorie darüber vielleicht etwas nachvollziehen kann. Das ganze fing nämlich 2010 an, als Mike Portnoy, seines Zeichens Schlagzeuger, bei den ProgMetallern Dream Theater ausstieg. Da er aber eigentlich ein musikalischer Workaholic ist hat er sich im Laufe des folgenden Jahres ein paar nette andere Projekte angelächelt, bzw. wurde angelächelt. Im vorliegenden Fall von Russell Allen, seines Zeichens Sänger von Symphony X und John Petrucci-Lookalike (anm.: Gitarrist von Dream Theater). Dieser wollte nämlich mit Mike Orlando (Gitarre) eine neue Band starten. Der Rest der Band wurde auch schnell gefunden, stieg jedoch im Laufe der Zeit wieder aus. Da fand man schließlich für den Bass John Moyer, seines Zeichens Bassist von Disturbed. Diese Supergroup versprach doch einiges, und nach einer interessanten EP bekam ich nun das Debut-Album "Omertà" zugespielt. Leider ist John Moyer noch nicht am Bass zu hören, aber dennoch, mal gucken was daraus geworden ist.
Dann wollen wir uns die Platte auch mal was genauer direkt angucken. Insgesamt 11 Songs mit einer durchschnittlichen Spiellänge von etwa 4 Minuten, ein Ausreißer liegt bei ungefähr 6:30, der nach unten ist bei etwa 3:30 Schluß. Sieht erstmal okay aus, ist man doch zumindest von den auf der CD zu hörenden Mitgliedern eher längere Songs gewöhnt. Die Gesamtspielzeit liegt bei mageren 49:43, da geht aber mehr! Aber lieber knapp 50 Minuten gute Songs als unnötige Lückenfüller, insofern sollte ich mir darüber mein Urteil erst nach der Rezension bilden. Ein kurzer Blick auf die Tracklist lässt erstmal nichts großes Auffallen, wobei "Come Undone" ein Duran Duran-Cover ist und der Mob von Lzzy Hale (Halestorm) am Mikro unterstützt wird. Da dies ein Debut ist, ich keine Ahnung habe was mich genau erwartet und ich mal meine Eindrücke wieder etwas genauer schildern möchte gehe ich dann mal Track für Track durch.

Track 1:  Undaunted
Dann mal ab dafür. Kranker Gitarrensound am Anfang, gefolgt von einem unglaublich kraftvollen, groovenden Riff welches in ein eingängiges Strophenriff übergeht, welches perfekt für Russell Allen geschaffen ist. Klingt dieser doch etwas rauer als bei Symphony X, so zeigt hier direkt jeder, dass er sein Instrument beherrscht. Inhaltlich geht es der Band zufolge darum, dass man sich seinen Ängsten stellen soll. Hatte ich vorher noch Sorgen, ob diese Scheibe schwach wird, so sind sie mit dem Opener auf jeden Fall weggeblasen. Hier existieren starke Riffs, treibende Drums, solider Gesang und ein wunderschönes Solo. Da bin ich ja mal gespannt, ob sie das noch steigern können.

Track 2:  Psychosane
Nach einem treibenden Anfang zeigt sich die Strophe etwas vertrackter als noch bei "Undaunted", dennoch ist alles schön eingängig und fräst sich direkt ins Gehör. Der Bandwechsel scheint Portnoy definitiv gut getan zu haben und schon jetzt bekomme ich Lust, sie mir vielleicht mal Live anzuhören. Sofern sie Europa touren.

Track 3:  Indifferent
Kurzer Powerslide, treibende Drums: "Indifferent" ist eröffnet und geht direkt in eine clean gespielte, ruhigere Strophe über. Der Refrain hat eindeutigen Mitsingcharakter und ist für mich nach "Undaunted" eindeutig der Höhepunkt des Albums, stellt er mit seinem etwas besinnlicheren Klang doch auch eher das Gegenstück zum Opener dar. Inhaltlich geht es um einen Rückblick auf das Leben und seine Fehler. Wenn man sich die Lyrics anguckt wird man auch etwas nachdenklich, schön, dass man nicht nur über Schnitzel und Bier singen kann.

Track 4:  All On The Line
War der Mob beim Vorgänger schon etwas nachdenklich, so regt das wunderschöne Intro mit seiner Akustikgitarre doch erst recht zum nachdenken und träumen an. Generell eher im mittleren Tempo angesiedelt ruft der Refrain doch geradezu zum mitsingen auf, einmal die Lyrics rausgekramt. Eine wunderschöne Ballade die irgendwo zwischen Metal und Hard Rock angesiedelt ist.

Track 5:  Hit The Wall
Irgendwo aus der Tiefe meiner Boxen kommt eine Melodie die in ein unglaublich treibendes und komplexes Soundgemisch übergeht, welches in einem nicht ganz so geraden, aber direkt ins Ohr gehenden Riff endet. Spätestens hier wird mir klar, dass das ganze Album ein echter Knaller sein könnte. Waren alle Soli bis jetzt schon komplex und generell das technische Niveau hoch, so wird hier doch klar, dass man es wirklich mit Musikmonstern zu tun hat. Hier trifft eine Wendung auf eine andere und der Song erinnert mich spontan an eine abwechslungsreiche Kajak-Fahrt. Adrenaline Mob sind echte Metalviecher.

Track 6:  Feelin' Me
"Feelin' Me" zeigt wie die Tracks vorher schon eine rundum funktionierende Band, welche Hard Rock auf technisch höchsten Niveau performed. Mehr muss man zu diesem Song nicht sagen, außer vielleicht: ein echt geiles Stück Musik!

Track 7:  Come Undone
So, kommen wir mal bei "Come Undone" an, Track 7 der Scheibe und im Original von Duran Duran. Nicht so meine Lieblingsband, muss ich ja zugeben, mal sehen was der Mob rausgeholt hat. Man merkt von Anfang an, dass es einem leicht anderen Songwritingstil folgt als die bisherigen Songs, doch das bißchen Abwechslung tut dem Album nur gut. Genauso wie Lzzy Hale von Halestorm, deren Gesang die Band wunderbar ergänzt. Ein wirklich gelungenes Cover welches sich im Sound sehr stark vom Original unterscheidet. Einziger Wermutstropfen ist, dass es der einzige Song mit Lzzy Hale auf dieser CD ist, sie fügt sich wirklich wunderbar ein.

Track 8:  Believe Me
Nach Duran Duran kommt nun also wieder etwas aus eigener Feder. Spätestens hier fällt mir doch eine gewisse Nähe zu Disturbed auf - dabei ist John Moyer auf dem Album doch noch gar nicht zu hören. Es macht allerdings etwas verständlicher wie man auf ihn kam. Dieser Song besteht dann auch wieder aus dem bisher vorherrschenden Mix von druckvollen Gitarren, gutem Songwriting und technisch ansprechender Spielweise, ist dabei jedoch etwas verträumter als "Hit The Wall" oder "Psychosane". Zum Ende des Songs wird die Temposchraube dann auch nochmal ordentlich angezogen. Weiter so!

Track 9:  Down To The Floor
Ha, da sieht man mal wie wichtig die Reihenfolge der Songs auf einem Album ist. Wurde gen Ende von "Believe Me" die Temposchraube nochmal ordentlich angezogen, so beginnt man hier direkt mit einem entsprechenden Tempo und treibt den geneigten Zuhörer angenehm durch den Song. Wenn die nächsten beiden Songs nur im Ansatz zum bisherigen Album passen könnte das Debut ein echtes Highlight sein und so mancher gestandenen Band zeigen, wo der Hammer hängt.

Track 10: Angel Sky
Uh, das ist eine Überraschung. Ich bin mir nicht sicher, ob das eine gezupfte Gitarre im Intro ist, auf jeden Fall geht man plötzlich sehr ruhig an die Sache ran und steigt dann mit einer wunderschönen Melodielinie richtig in den Song ein, welcher einmal mehr beweist, dass ein guter Mix auf einem Album sehr wichtig ist. Trotz der vielschichtigen Instrumentalisierung dröhnt hier nichts zu vorder- oder hintergründig, einfach wunderbar. Das klingt gut, das bleibt im Ohr und davon will man mehr! Dann wagen
wir uns doch mal an den letzten Song ran.

Track 11: Freight Train
Den "Freight Train" lässt man hier wortwörtlich anrollen - sogar einen dampfgetriebenen, vom Klang her. Tempo sucht man hier vergebens, hier wird gedrückt und geschoben von Schlagzeug und Gitarre, da bleibt kein Kopf ruhig. Akute Headbanggefahr besteht also ein letztes Mal beim Schlusslicht auf dem Album. Der Song erinnert mich irgendwie ein bisschen an Black Sabbath, aber das ist ja nicht schlimm.


So, das war es also. Meine Erwartungen waren der Besetzung geschuldet hoch und ich habe befürchtet, dass mich das Album wegblasen könnte. Allerdings ginge ich eher im negativen davon aus, dass es mich enttäuschen würde. Nichts da - Sorgen wurden weggeblasen. Dieses Album ist meiner Ansicht nach das Beste aus Rock und Metal was in den letzten paar Jahren auf den Markt kam und statt mich in vielen Worten hier noch zu verlieren, was durchweg möglich wäre, kann ich hier nur eines sagen: Leute, besorgt es euch!

Zum Schluss noch meine abschließende Frage: Wird es noch häufiger in meinem Player landen?
Ich mach es kurz: Ja, es wird ihn sogar jetzt erstmal eine Zeit lang nicht mehr verlassen. Rock on!

Titel:

Omertà

Veröffentlicht am:

16.03.2012

Label:

Century Media

Bewertung:

10.0

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Tracklist:

Undaunted [x]
Psychosane
Indifferent [x]
All On The Line
Hit The Wall [x]
Feelin' Me
Come Undone
Believe Me
Down To The Floor
Angel Sky
Freight Train