In einer aktuellen Southpark-Folge heißt es, dass Dr. Pepper das einzig wahre agnostische Getränk sei, da es weder Malzbier noch Cola sei. Keine Ahnung ob das stimmt, aber bei der ganzen Sache muss ich doch an Opeth denken: Sind sie nun Death Metal, Progressive Metal oder eher Lounge? Letzteres wohl am wenigsten, dennoch ist die Zuordnung immer wieder schwierig und ich bin mal wirklich gespannt, in welche Richtung der Vierer aus Schweden die aktuelle Scheibe „Heritage“ getrieben haben.

Dann werfen wir doch mal einen Blick auf die Tracklist: Sie beginnen mit dem namensgebenden Track „Heritage“, ansonsten fällt mir so direkt nur der Name „Häxprocess“ direkt ins Auge – da bin ich doch mal gespannt, endlich nochmal die klassischen Heavy Metal-Umlaute! Yeah! Insgesamt 10 Tracks auf dem 10. Studioalbum der Band, Gesamtspiellänge von 57 Minuten und 5 Sekunden, kürzester Song dauert etwas über 2 Minuten und der längste etwa 8 1/2 Minuten, das verspricht Abwechslung und immerhin ist das die Länge von 2 Slayer-Alben. Große Erwartungen also, ich würde sagen: Dann hören wir doch direkt mal rein.

Track 1: Heritage
Soso, der Titeltrack ist mit knapp über 2 Minuten der kürzeste, das hab ich auch noch nicht gesehen. Beginnend mit einer kurzen entspannten Piano-Melodie kommt leider auch nicht viel mehr, was mich bei der kurzen Dauer aber auch verwundert hätte. Es ist nicht viel, kann aber im Kontext der CD durchweg passen, als einzelner Song und explizit als Titeltrack gibt er leider nicht viel her. Aber an Opeth sollte man auch nicht mit konventionellen Erwartungen herangehen, darum warten wir doch einfach mal Song 2 ab.

Track 2: The Devil's Orchard
Der Teufel hat also einen Obstgarten – da bin ich doch mal gespannt wie er klingt. Im Wesentlichen werden hier meine Erwartungen an Opeth schon deutlich eher befriedigt. Abstrakte, harte Gitarrenriffs paaren sich mit klaren Gesängen und aus diesem Mix aus technischen Spielereien, atmosphärischen Klängen, melodischen Soli und ruhigem Gesang entspringt ein deutlich dem Progressive Metal zuzuordnendes Lied, welches nicht mit Abwechslung oder untypischen Songstrukturen geizt. Auf jeden Fall sehr hörenswert.

Track 3: I Feel The Dark
Eine Akustikgitarre, ruhiger Gesang – die Richtung scheint eher gen Progressive als Death Metal zu gehen, „I Feel The Dark“ erinnert am Anfang sogar etwas an Renaissance-Orientierte Musik im Stile von „Blackmores Night“. Auch der Einsatz von Schlagzeug und Bass ändern daran erst mal nicht viel, bis in der Mitte des Songs plötzlich tiefe Synthesizer, begleitet von tiefen Gitarren, bedrohlich das Klangbild verändern. Eigentlich typisch Opeth denke ich mir und trotzdem: Die Jungs überraschen mich immer wieder, wäre hier der perfekte Punkt für ein paar klassische Growls, so bleibt die Stimme immer wieder klar. Dennoch: nicht schlecht.

Track 4: Slither
Was fliegt mir denn dazu? Der Track ist also ein Tribute an Ronnie James Dio, wie die Band selbst sagt. Na dann kann man ja auch was mehr Action erwarten. Und so ist es dann auch: „Slither“ beginnt mit einem energiegeladenen Gitarrenriff welches nach kurzem Vorspiel dann auch eine angenehme Liaison mit einem treibenden Schlagzeug-Beat eingeht. Ja, das wollen wir! Und einmal mehr: Der Gesang bleibt clean, allgemein ist hier jedoch alles etwas treibender als bisher. Der Track erscheint generell etwas straighter als der bisherige Teil des Albums, er geht auch etwas leichter ins Gehör, wobei das für Opeth typische ungewisse etwas auch dabei ist: eine ganz ruhiges ein-minütiges Outro ohne Schlagzeug oder Bass.  Für mich ist es definitiv das erste wirkliche Highlight der Platte.

Track 5: Nepenthe
„Nepenthe“ – da denk ich doch erstmal an diese Videos mit dem Maulwurf „Rapante“. Hier geht es aber um einen Göttertrank. Naja, wie auch immer man sein Ambrosia nennt: ruhig geht der Song los, sehr atmosphärisch und nach der Hälfte des Albums kommt mir das ganze nun auch mehr wie ein Konzeptalbum vor. Mal abwarten. Der Song reiht sich auf jeden Fall gut in das bisherige Album ein und wenn er doch mit dem Wechsel aus ruhigen atmosphärischen Klängen und harten Riffs dem bisherigen Konzept gut folgt kann ich nur sagen: dieses Lied gefällt.

Track 6: Häxprocess
Da ist er ja, mein "Häxprocess" – mal sehen ob sich hier was ändert am Konzept. Ein sehr ruhiger Anfang, gefühlt der ruhigste bisher, generell wirkt der Song insgesamt schon etwas anders als die bisherigen und bei mir kommen tatsächlich, gerade am Ende, ein paar Erinnerungen an „Shine On You Crazy Diamond“ von Pink Floyd auf. Sehr schöne Musik, teilweise schon etwas Ambient. Mir gefällt es sehr und für mich ist es klar ein Anspieltip.

Track 7: Famine
Nanu, Folklore kommt doch erst später. Ich vernehme da ein Didgeridoo, ein paar Djemben oder andere Percussions, hier löst sich das Konzept „Opeth“ als Band endgültig auf und man hört hier viel mehr Weltmusik mit Metaleinflüssen als etwas was man kategorisieren könnte. Gerade hier hätte ich nun keine Doubleblass oder ähnliches erwartet und Opeth schafft es einfach wieder zu überraschen: Dieser Song ist für mich der abwechslungsreichste des Albums und definitiv hörenswert.

Track 8: The Lines In My Hand
Auch dieser Song ist von Abwechslung gekennzeichnet, diesmal jedoch deutlich weniger daran orientiert Klangteppiche zu weben als vielmehr eine Hommage an den Progressive Rock der 70er und 80er Jahre zu geben. Aggressive Bassklänge treffen auf glasklare Akustikgitarren, man hört Flöten und auch mal verzerrte Klänge. Am dominantesten ist in diesem Song aber das Schlagzeug, was bisher ja immer präsent aber nie so extrem im Vordergrund stand.

Track 9: Folklore
„Folklore“ beginnt mit leicht barocken Schemen an der Gitarre welche in ein Wechselspiel aus Schlagzeug, Gitarren, Melodie und Rhythmus übergeht. Habe ich die Growls am Anfang noch vermisst, so muss ich nun sagen: Das Album stimmt genau so wie es ist. Dieser Song beweist einmal mehr dass Abwechslungsreiche Stücke durchweg einen roten Faden haben können. Dann bin ich mal gespannt wie der letzte Song so sein wird.

Track 10: Marrow Of The Earth
Der letzte Song fängt ruhig an, wie gefühlt die meisten Stücke auf diesem Album, allerdings wird es hier nochmal richtig ruhig. Ohne Gesang findet dieses durchweg gelungene Album hier einen ruhigen Ausklang, das Schlagzeug scheint mit Besen gespielt zu sein, setzt aber eh erst im letzten Viertel des Songs ein. Generell ist dieser Song wohl mehr als Outro denn als eigenständiger Song zu verstehen.

Was bleibt also bei mir hängen, am Ende des Albums? Meine Erwartungen wurden so gesehen erst mal enttäuscht, ich habe ein Album mehr wie die Vorgänger erwartet, mit ein paar härteren Stellen und durchweg auch Growls oder ähnlichem. Aber enttäuschte Erwartungen können trotzdem etwas wunderbares sein, wie Opeth mir hier bewiesen hat. Dieses Album steht für mich persönlich definitiv hinter dem letzten Album „Watershed“ zurück, allerdings ist das komplette Konzept in sich stimmig und ich kann jedem nur empfehlen es komplett und an einem Stück zu hören, denn nur dann entfaltet es seine komplette Wirkung. Dann wäre da noch die Dr. Pepper Frage: Was ist Opeth? Sie zu kategorisieren ist nach diesem Album nicht leichter geworden, aber wenn ichs versuchen müsste würde ich sagen: Metalbehaftete Weltmusik mit Progrock Anleihen. Denn deutlich merkt man in einigen Liedern den Tribut zu Rockgrößen der 70er, gleichzeitig sind untypische Instrumente wie Flöten oder sogar Didgeridoos auf dem Album präsent und im Wesentlichen besteht dieses Album aus ein bisschen von allem, was diese Welt so musikalisch hergibt.

Zu guter Letzt also nun die Frage ob sich „Heritage“ nochmal in meinem Player wiederfinden wird: Es wird es. Es wird vielleicht nicht auf Heavy Rotation gehen, dazu ist es zu speziell. Aber zum Entspannen oder bei einer ruhigen Autofahrt kann ich es mir sehr gut vorstellen.

Titel:

Heritage

Veröffentlicht am:

16.09.2011

Label:

Roadrunner Records (Europa)

Bewertung:

8.0

MP3s kaufen
Album kaufen

Tracklist:

Heritage
The Devil's Orchard
I Feel The Dark
Slither [x]
Nepenthe
Häxprocess [x]
Famine [x]
The Lines In My Hand [x]
Folklore
Marrow Of The Earth