Das Summer Breeze Open Air ist nun schon eine Weile vorbei und nach einigen Klausuren ist nun endlich auch unser Bericht online. Das Festival was gegen Ende August jährlich um die 30.000 Metalfans in den Süden der Bundesrepublik, genauer gesagt nach Dinkelsbühl, lockt, lockte uns dieses Jahr auch zum ersten Mal. Unsere Erwartungen waren sehr hoch und sie wurden wirklich nicht enttäuscht. Auch das Wetter spielte erstaunlich gut mit, nachdem es am Mittwoch noch leicht regnete. Ab Donnerstag musste man aufpassen, sich nicht einen Sonnenbrand zu holen.

Doch nun alles der Reihe nach: Der Anfang eines jedes Festivals ist die Anreise und die verlief beim Summer Breeze erstaunlich glatt für ein Festival dieser Größenordnung. Vollkommen ohne Staus gelangten wir bis sechs Kilometer vor das Festivalgelände. Von dort aus ging es langsam, aber stetig, voran. Dies war vermutlich zum größten Teil der Glaskontrolle am Campinggelände geschuldet. Wie schnell das ging können wir nicht beurteilen, aber am VIP-Campground ging es ruck zuck und reibungslos.

Nun schnell das Zelt aufgebaut und das Gelände erkundet. Als erstes sahen wir die lange Schlange vor dem Eingang zum Bühnenbereich. Wir haben geschlagene 30 Minuten auf den Einlass gewartet. So etwas ist wirklich ärgerlich und muss nicht sein, doch leider konnte man über das ganze Festival solche Schlangen sehen. Eine ebenso merkwürdige, wie blöde Idee war die Geschlechtertrennung am Einlass (die jedoch im Laufe des Festivals abgeschafft wurde). Diese hatte zur Folge, dass hinter dem Einlass dutzende Leute auf ihre Begleiter warten mussten. Ebenso kurios war zu beobachten, dass eine Vielzahl männlicher Besucher versuchte durch die Frauenkontrolle zu kommen um vom weiblichen Sicherheitspersonal abgetastet zu werden. Es ist nicht notwendig zu berichten, dass diese Versuche erfolglos waren.

Einmal auf dem Festivalgelände angekommen fiel uns sofort der Biergarten auf, der strategisch günstig auf dem Festivalgelände vor dem Partyzelt platziert war. Das Partyzelt war ein Zirkuszelt, aber warum sowohl das Wacken, als auch das Summer Breeze ihre kleinste Bühne unbedingt in ein Zelt packen müssen ist mir bis heute nicht klar. Meistens sind sie zu klein und stickig. Insbesondere am Mittwoch, als die Partystage die einzig genutzte Bühne war, platzte das Zelt aus allen Nähten.

Im Vergleich dazu gefielen uns die beiden großen Bühnen, die Main- und die Pain-Stage, richtig gut. Sie waren ausreichend groß und es war trotz diverser Absperrgitter genug Platz da. Die Veranstalter schienen nach der Love Parade auf Nummer sicher gehen zu wollen und haben Wellenbrecher installiert. Auch wenn das die Anzahl von Wall Of Deaths und Circle Pits verringert hat war es wohl durchweg sinnvoll.

Die Anzahl an Food und Non-Food Ständen war genau richtig und die Auswahl an Speisen war groß genug um wirklich jeden eine angenehme Mahlzeit finden zu lassen. Die Preise waren auf akzeptablem Festivalniveau, das heißt nicht wirklich günstig aber noch in einem anständigen Rahmen.

Die Helfer und das eingesetzte Sicherheitspersonal waren ausnahmslos sehr freundlich und hilfsbereit. Leider schien die Einweisung von Seiten des Veranstalters nicht wirklich umfassend gewesen zu sein, denn abgesehen vom eigenen Standpunkt wussten die meisten nichts über das Areal. Auf meine Fragen bezüglich Eingängen, kürzesten Wegen und Ähnlichem konnten mir nur die wenigsten Antworten geben. Das hätte besser sein können und müssen.

Mittwoch, 18. August

Den Anfang des Festivals machte der New Blood Award, ein Nachwuchswettbewerb für Bands. Der Gewinner dieses, auf der Partystage stattfindenden Wettbewerbs, erhielt den ersten Slot auf der Main Stage am folgenden Donnerstag. Vorweg ist zu sagen, dass die Jury es sicher nicht einfach hatte, denn die Bands spielten auf hohem Niveau. Die ersten Bands spielten ein wenig zu früh, als das Besucher aus ferneren (Bundes-)Ländern pünktlich ankommen konnten.

Die Baden-Württembergische Hardcorekapelle A.O.D. (Abyss Of Destruction) um Sängerin Feben war die zweite Band des New Blood Awards und die erste Band die wir zu Gesicht bekamen. Die Stimmung war gut aber durchaus ausbaufähig, wie ich nun, nachdem ich ein wenig bei MySpace reingehört habe, sagen kann. Die Band war nicht in der Lage war ihr volles Potential zu entfalten und obwohl das Zelt schon ansehnlich gefüllt war schien der Funke nie so richtig über zu springen.

Direkt im Anschluss enterten Leviathan die kleine Bühne im blauen (Zirkus)-Party-Zelt. Musikalisch boten sie wenige, aber dafür umso längere, Melodic-Death-Metal-Songs. Die durch Keyboardklänge untermalten Songs zeichneten sich durch hohe Geschwindigkeit und durchweg interessante Melodien aus. Die relativ junge Band erschien ein wenig nervös, so lief direkt der erste Song nicht wirklich glatt und auch wurden die Fans nicht wirklich einbezogen. Hätte man ein bisschen weniger auf Perfektion an den Instrumenten geachtet und ein bisschen mehr Wert auf Partystimmung im Zelt gelegt, hätte das sicherlich ein heißer Auftritt werden können, doch so spielte die Band ein wenig für sich alleine, aber das zumindest auf hohem Niveau.

Ich kann nicht leugnen, dass Kadavrik aus Wesel ein kleines Highlight für mich waren, so war es doch die aller erste Metalband die ich vor Jahren in einem kleinen Weseler Jugendclub live erleben durfte. So erfreute es mich umso mehr, dass die Jungs aus der Heimat so erfolgreich sind und man sich gerade auf so einem großen Festival wieder über den Weg läuft. Ich bin gespannt, wo sie in den nächsten fünf Jahren stehen werden, Potential ist jedenfalls mehr als genug da. So hat mich auch der Auftritt auf dem diesjährigen Breeze begeistert. Wenn man die Reaktion der anwesenden Fans bei Liedern wie „Thin And Frail“ sah, dann drängt sich der Eindruck auf, dass es nicht nur mir viel Spaß gemacht hat den Melodic-Death-Metal zu genießen.

Die letzte Band des Awards, Bleeding Red, stellte sich letztendlich als Sieger heraus und im Nachhinein betrachtet wundert es mich nicht mehr, dass das Zelt prächtig gefüllt war: Die Anwesenden wussten anscheinend was sie erwartet. Während ich noch nachschauen musste, welche Band nun spielt begann der sehr starke Auftritt der Truppe aus Spraitbach (Baden-Württemberg). Die Jungs zeigten Spielfreude und technisches Geschick, sodass das Publikum sich schnell erkenntlich zeigte und ausgiebig die Haarpracht schüttelte.

Nach dem New-Blood-Award stand die Nuclear Blast Labelnacht an und als ersten rückten die Thrasher der Suicidal Angels aus, um ihre Plattenfirma gebührend zu präsentieren, was ihnen auch problemlos gelang. Das vom Award aufgeheizte Publikum feierte wild und so bildeten sich im Laufe des Konzerts einige Cicle Pits und auch eine Wall Of Death musste man nicht vergeblich suchen. Doch nicht nur das Publikum rockte wie Sau, nein auch die Griechen auf der Bühne zeigten in ihrem 80er Jahre Thrash-Look viel Bewegungsfreude und Bühnenaction.

Weiter ging es mit Death-Metal der Marke Suffocation, die ein bis zum Anschlag gefülltes Partyzelt zu bespaßen hatten. Da es am Donnerstag nur eine einzige Bühne gab konnten sich die 30.000 Metalfans nicht auf die Bühnen verteilen, sodass ein Großteil es vorzog im Biergarten zu hocken, wo man gemütlich ein Bierchen schlürfend, immer noch einiges vom Bühnensound mitbekam. Die Fans, die sich den Auftritt nicht aus der Ferne ansehen wollten, schwitzten und feierten, sodass das Wasser (und was auch immer da alles bei war) nur so in Strömen an der Innenseite des der Zeltplane herunter lief und auf die Menge tropfte. Doch die Wenigsten dürften das überhaupt mitbekommen haben, donnerten doch Suffocation eine Granate nach der anderen ins Publikum, das einfach nicht genug bekommen konnte.

Nach zwei Bands Geballer ging es bei Rage deutlich ruhiger zu, was das Ganze allerdings nicht weniger interessant macht, so sind Peavy und seine Jungs doch immer ein Garant für Metalpartystimmung. Das Summer Breeze zeigte sich, wie sollte es auch anders sein, äußerst textsicher und so wurde jedes Lied, vom Headbangen begleitet, aus tausenden Kehlen mitgebrüllt. Etwas schade war, dass aus technischen Problemen Orchestersamples nicht eingespielt werden konnten, sodass ein Orchesterstück entfiel. Doch eine Band wie Rage hat natürlich kein Problem solche Lücken in Sekundenschnelle mit anderen Songs zu füllen, sodass die Zeit trotzdem gut genutzt wurde. Abgesehen von „Higher Than The Sky“ wurden nur Songs aus dem letzten Drittel der Bandgeschichte gespielt, sodass dem ein oder anderen Fan sicherlich sein Lieblingssong fehlte, doch die Zeit hätte einfach nicht für alle Hits gereicht.

Nach den Power-Metallern geht es mit den Urvätern des Viking-Metal, Unleashed, wieder härter zur Sache und mit Songs wie „Hammer Battalion“ haben sie das Publikum schnell auf ihrer Seite. Neben Spielfreunde beweisen die Wikinger aus Schweden, dass sie wissen wie man Metal macht und konnten sowohl mit alten, als auch mit neuen Songs überzeugen.

Die für uns letzte Band des Abends war Equilibrium, die mit ihrem aktuellen Album „Rekreatur“ nicht nur meinen MP3-Player sondern auch die Metaller des Summer Breezes infiziert hatten, denn neben den alten Songs, wie zum Beispiel der Partyklassiker „Met“, zündeten auch die neuen Songs wie „Der ewige Sieg“ wie eine Granate in der Meute. Das Publikum war voller partyhungriger Menschen die ausgiebig mitgrölten und moschten. Die beiden Neuen (Sänger, Drummer) machten eine hervorragende Figur und stehen den Ehemaligen in Nichts nach. Und so wundert es mich keinesfalls, dass das Publikum die Leistung der Band mit einer Wall Of Death und abschließendem Gruppengehopse zur Zugabe „Unbesiegt“ würdigte.

Ein wenig müde von der langen Autofahrt und angeschlagen vom tropischem Klima im Partyzelt legten wir uns schlafen, ohne die letzten beiden Bands des Abends zu sehen. Als kleines Zwischenfazit steht die Frage im Raum, warum man für die größeren Bands des Abends nicht eine größere Bühne nutzen kann. Während das zu Anfang des Bandwettbewerbs noch ein wenig lächerlich ausgesehen hätte, wäre spätestens bei Rage oder Equilibrium mehr Platz durchaus angemessen gewesen. Trotz alledem war es ein geiler erster Tag und mit Vorfreude auf das was noch kommt und untermalt von Milking The Goatmachines Grindcore glitten wir ins Reich der Träume.



Donnerstag, 19. August

Hatte es am Vortag noch leicht geregnet, so waren wir beim Aufstehen doch positiv überrascht. Super Festivalwetter, nicht zu warm nicht zu kalt, was will man mehr? Erfreulich war, dass wir mit unseren Pressepässen durch den Ausgang auf das Gelände gehen durften, denn auch heute waren die Schlangen am Einlass wieder eine Zumutung.

Als erstes standen Barren Earth auf der Main-Stage. Viel war erwartungsgemäß noch nicht los, obwohl die (mir unbekannte) Band durchaus aus bekannten Musikern bestand: Mikko Kotamäki (Swallow The Sun), Olli-Pekka Laine (ehem. Amorphis), Kasper Mårtenson (auch ehem. Amorphis), Janne Perttilä (Livemitglied Moonsorrow), Marko Tarvonen (ehem.  Moonsorrow), Sami Yli-Sirniö (Kreator). Gespielt wird Progressive-Death-Metal gehobener Klasse. Es wird wenig geredet und viel gespielt, wobei die Lieder im Regelfall die vier Minutengrenze überschreiten. Beginnend mit „Curse Of The Red River“ werden einige Songs vom gleichnamigen Debutalbum gezockt, wobei „The Leer“ natürlich nicht fehlen darf, denn dies ist der einzige Song, zu dem es bisher ein Video gibt. Zu früh endet der Gig und die schon anwesenden Zuschauer applaudieren begeistert.

Aufgrund der brennenden Sonne zogen wir es vor eine kleine Pause einzulegen und als nächstes erst mal eine Band aus dem Partyzelt zu sehen und so standen wir plötzlich vor Hauptmann Feuerschwanz, seinem geilen Haufen und - natürlich - seinen Miezen. Feuerschwanz sind so eine Art J.B.O. des Mittelalters und sie polarisieren ebenso wie ihre Kollegen, welche wie sie, aus Erlangen kommen. Das feierwütige Publikum war zu Heerscharen in das Zelt gedrängt um mit „Metvernichter“ und „Das Turnier“ in die Party zu starten. Angefeuert von den zwei Miezen auf der Bühne durfte natürlich auch „Met und Mietzen“ sowie das J.B.O. Cover „Verteidiger des wahren Mets“ nicht fehlen. Bei „Hurra Hurra die Pest ist da“ feiert wirklich das ganze Zelt, indem es tanzt und mit voller Lautstärke mitsingt.

Als nächstes folgt eines meiner persönlichen Festival Highlights, Ill Niño aus New Jersey. Die Nu-Metaller verstehen es bekanntlich gut Nu-Metal mit lateinamerikanischen Einflüssen zu ihrem eigenen Stil zu mixen. Das Publikum feierte und tanzte, obwohl es gefühlte 30 Grad im Schatten (den es vor der Bühne nur leider nicht gab) warm war. Und auch auf der Bühne geht so einiges, so wird gesprungen und geheadbangt was das Zeug hält. Bei Krachern wie „This is War“ und „What Comes Around“ ist das auch wahrlich kein Wunder. Schön war, dass auch Songs der alten Scheiben zu hören waren und nicht nur Material der neusten CD präsentiert wurde. Dem Publikum gefiel es und so konnte man bei der übertriebenen „fuck“ Verwendung in den Ansagen mal ein Auge zu drücken.

Anstatt Parkway Drive sahen wir uns die Grailknights an. Die in Supermankostüme gekleidete Melodic Death Metal Combo ist zugegebenermaßen eine reine Partyband, denn die Songs an sich sind nicht gerade hochkarätig. Doch wer einmal die Party vor der Bühne gesehen hat wird das sofort verzeihen, denn diese Stimmung ist wirklich einzigartig. Und auch auf dem Summer Breeze hatten die Grailknights einen mächtigen Battlechoir um den Kampf gegen Dr. Skull und sein Gefolge anzutreten. Für Leute, die die Jungs schon öfters gesehen haben, wie mich, war aber klar, dass die Band hier noch nicht den Bekanntheitsgrad hat, wie zum Beispiel im Ruhrgebiet, denn die üblichen Battlechoir-Rufe waren am Anfang eher vereinzelt, bis auch der Rest der Menge begriffen hatte wie so ein Auftritt im Regelfall abläuft. Die Gerüchte, das die Grailknights nur drei 20 Minutenslots in den Partystageumbaupausen bekommen sollten bestätigten sich Gott, oder nein Zapfbeauty, sei Dank nicht, sodass das Publikum eine Weltrettung der üblichen Länge durch Mitgrölen und Headbangen feiern konnte. Natürlich konnten wir den heiligen Gral zurückgewinnen und erneut eine Schlacht gegen das Böse siegreich beenden.

Direkt im Anschluss gab es mit den 69 Eyes eine finnische Gothic-Rock-Show, die von einem überwiegend weiblichen Publikum besucht wurde. Jyriki berichtete, dass es noch nie auf dem Summer Breeze so viele weibliche Zuschauer gegeben habe. Die Quelle aus der er diese Weisheit hat scheint fraglich, doch zumindest das was er vor der Bühne sieht untermauert seine Aussage. Der Auftritt war solide, aber riss mich nicht vom Hocker, da habe ich schon besseres gesehen. Mit Hits wie „Devils“, „Lost Boys“ und „Dead Girls Are Easy“ bekam das Publikum genau das was es wollte und dementsprechend war auch die Stimmung. War es am Anfang noch eher ruhig, so ging es gegen Ende im Publikum durchaus ab.

Mit Tracedawn ist nun wieder eine Melodic-Death-Metal-Kapelle an der Reihe. Die jungen Finnen rocken das Zelt und auch die Bühnenpräsenz steht denen der Großen in Nichts nach. Mit Circle-Pits zeigte auch das Publikum, dass es von der Darbietung angetan war.

Auch Insomnium fabrizieren Melodic-Death-Metal. Das Set beginnt mit „Equivalence“ und „Down With The Sun“ und das Publikum feiert die Finnen von der ersten Minute an, denn die Darbietung ist erstklassig und der perfekte Sound ist da natürlich ein i-Tüpfelchen. Mit „The Killjoy“ wurde ein Klassiker und ein Hammersong zugleich gespielt, denn das Publikum begeistert aufnimmt und mit Headbangen gebührend feiert. Bei Insomnium stimmt einfach alles, die Melodien harmonieren hervorragend mit den Growls von Sänger Niilo Sevänen und Bass und Schlagzeug liefern das passende Fundament. Die atmosphärischen Kracher der Finnen funktionieren perfekt live und so wundern einen die „Zugabe“-Rufe nach „Weighted Down With Sorrow“ nicht, doch auf einem Festival ist das natürlich nicht möglich.

Und schon wieder Melodic-Death-Metal, diesmal von Dark Tranquillity. Von einem Beamer für die Bühnendeko unterstützt zockten sich die Mannen um Mikael Stanne äußerst souverän durch ihr nur von Hits gespicktes Set um mit „Focus Shift“, „Final Resistance“ und „Terminus“ nur drei zu nennen. Das die Schweden ein Aushängeschild der gesamten Melodic-Death-Metal-Szene sind verwundert nach diesem Auftritt nun wirklich niemanden mehr, denn jeder Song für sich war eine wahre Freude. Mikael rannte in gewohnter Weise auf der Bühne rum und heizte das Publikum nur noch mehr an und so gab es wohl nur wenige, die sich nach „Terminus“ nicht noch mehr Titel gewünscht hätten.

Mit Subway To Sally betrat eine Band die Dinkelsbühler Bühne, die für ihre starken Liveauftritte bekannt ist. Auch wenn die Studioalben meiner Meinung nach an Qualität verlieren sind die Potsdamer um Eric Fish immer eine feste Größe wenn es um Konzerte geht. So ist es verständlich, dass sich viele Besucher vor der Main-Stage versammeln um die von Pyroeffekten unterstützte Show zu bewundern. Mit Songs wie „Kleid aus Rosen“, „2000 Meilen unter dem Meer“ „Judaskuss“ und „Sieben“ zockte die Band auch einen repräsentativen Querschnitt durch ihre Discographie, sodass sowohl alte als auch neue Fans ihren Spaß hatten. Gegen Ende fehlte eigentlich nur noch ein Song um den Auftritt perfekt zu machen und natürlich wurde uns „Julia und die Räuber“ nicht vorenthalten, sodass der Auftritt erfolgreich und von einem Feuerwerk begleitet endete.



Freitag, 20. August

Kurz nach dem Aufstehen pilgerten wir zur Pain-Stage um Cumulo Nimbus zu sehen. Die Mittelalter-Metaller boten eine gute, aber nicht überragende Show. Das Feuerspektakel gegen Ende war wohl der Höhepunkt des Auftrittes.

InMe aus England versuchten mit ihrem Metalcore noch ein wenig mehr Besucher aus den Zelten zu treiben, doch es hatte den Anschein, dass nach Cumolo Nimbus eher wieder Leute zurück in ihre Zelte krochen. Demnach war die Stimmung eher zu einer Seniorenparty passend, obwohl die junge Band durchaus ihr Handwerk verstand und trotz des überwiegend cleanen Gesangs nicht zu poppig rüberkam.

Als nächstes spielten Deadstar Assembly aus den USA ihren, wie sie sagten, ersten Gig in Europa. Deadstar Assembly klingt vom Namen her nicht nur wie Deathstars, sondern die Jungs sehen auch ungefähr so aus. Flippige Outfits, ungewöhnliche Bühnenmoves und Industrial-Metal gab es am frühen Mittag zu bestaunen. Besonders der Keyboarder sah so aus als wäre er high und suche jede Taste einzeln. Der Sound rockte und erstaunte mich, denn für eine hier so unbekannte Band wurde doch einiges geboten. Das Cover von „Send Me An Angel“ wurde besonders abgefeiert, da es der wohl einzige Song war, den das Publikum kannte. Gegen Ende des Gigs wurden T-Shirts und Händeweise Plektren ins Publikum geschmissen, dass die Fans nach dem folgenden Saufgelage zu Hause noch wissen, dass sie Deadstar Assembly gesehen haben. Wir sollten diese Band im Auge behalten, von denen hört man in Zukunft sicherlich öfter was in Europa.

Die Industrial-Rocker um Sänger Martin Engler waren als nächstes am Start um dem Summer Breeze Publikum richtig einzuheizen, was auch durchaus gelang. Das passende Publikum war von Deadstar Assembly ja schon vorgewärmt worden, sodass Mono Inc. noch einfacheres Spiel hatten. Frontmann Martin glänzte durch eine sehr emotionale Performance und die Drummerin (!) war eine willkommene Abwechslung. Das Publikum klatschte eifrig mit und trotzdem war das Martin Engler zu leise, denn er musste feststellen nicht vor dem größten, aber dem leisesten Publikum der Bandgeschichte zu spielen. Das konnte so natürlich nicht akzeptiert werden, sodass das Publikum sich fortan noch mehr Mühe gab. Gegen Ende des Gigs gab es mit Iggy Pop’s „The Passenger“ auch noch ein Cover.

Weniger Industrial aber immer noch irgendwie dieselbe Richtung gab es mit Letzte Instanz, die in der prallen Sonne spielen mussten. Trotzdem sind sehr viele Fans gekommen, die glücklicherweise mehrmals von den Securitys via Feuerwehrschlauch abgekühlt wurden. Abgesehen von alten Klassikern wie „Ohne dich“ und „Das Stimmlein“ wurden auch Stücke des aktuellen Albums und des im Herbst erscheinenden neuen Albums gespielt, sodass für jeden etwas dabei gewesen ist. Sänger Holly heizte das Publikum immer weiter an, während Benni an seinem Cello durchgehend seine Dreadlocks schwang. Das Publikum wurde mit Mitsingpassagen und kleinen Spielen stark mit einbezogen. Auch durfte jeder der es schafft die Hände ein ganzes Lied oben zu halten der Band bei der Autogrammstunde ein Bier ausgeben. Was für ein Preis...

Weiter folkig bleibt es mit Fiddler’s Green, deren Spruch „Folk’s Not Dead“ hier 1 zu 1 in die Tat umgesetzt wurde. Überwiegend mit akustischen Gitarren bestückt bescherte die Band dem Breeze Feierlaune höchster Klasse. Das Publikum feierte, grölte, sang und tanzte teils mit Moshpit, teils mit Polonaise wild mit. Die Geige und das Akkordeon - als eher ungewöhnliche Instrumente für das Summer Breeze - machten einen großen Teil des Charmes aus, den diese Band verbreitete. Als zusätzliches Instrument wurde auch ein alter Eimer genutzt, wann sieht man so was schon? Das Publikum war begeistert, die Band zeigte Spielfreude pur und auch mich haben sie in ihren Bann gezogen, was will man mehr?

Mal wieder (ganz zur Abwechslung ;) ) folkig wurde es mit den Finnen von Ensiferum, auch wenn der Folk hier eher Folk-Metal war und die E-Gitarre das wichtigste Instrument. Wie für Ensiferum üblich traten sie in Kriegsbemalung und Röcken auf. Den Anfang des Gigs machten die neuen Stücke „From Afar“ und „Twilight Tavern“, bevor es mit „Into Battle“ und „Token Of Time“ wieder ein wenig zu den alten Alben ging. Die Fans feierten und crowdsurften um die Wette, währen Ensiferum eine hochkarätige Liveshow ablieferten. Gegen Ende gab es mit „Iron“ noch einen schönen „Da da dadaa“-Mitsingteil und das Publikum war restlos begeistert. Wieder ein mal konnten Ensiferum beweisen, dass sie eine hervorragende Liveband sind und das Publikum zum feiern bringen können.

Nach dem Mittagessen ging es mit End Of Green wieder Dark-Rock mäßig weiter, wobei ich das nur aus der Ferne mitbekam (Verdauungsschläfchen). Die Stimmung erschien mir von meinem Punkt aus amtlich und ich konnte erhören, dass „Dead City Lights“ und „Killhoney“ gespielt wurden.

Mit Hypocrisy ging nach Dark Tranquillity ein weiteres Flaggschiff der Melodic-Death-Metal-Szene auf eine Dinkelsbühler Bühne. Die Mannen um Peter Tätgren feuerten mit „Fractured Millenium“ und „Weed Out The Weak“ direkt die ersten Granaten ins Publkikum, bevor die so richtig wussten, wie ihnen geschah. Das Set war sehr ausgewogen zwischen alten und neuen Songs und so ist es kaum verwunderlich, dass das Publikum vom ersten Moment an fasziniert war und sowohl die Nackenbrecher, als auch die Midtemposongs gebührend abfeierte.

Eine, wenn nicht die, deutsche Metalcoreband Heaven Shall Burn betratt kurz vor elf Uhr abends die Bühne und das Publikum erwartete zu recht Großes, wurde vor einem Jahr doch erst die 2008er Show vom Breeze als DVD veröffentlicht. Als erster Hit wurde „Architects Of The Apocalypse“ ins Publikum gefeuert, was aufgrund der Wellenbrecher nicht ganz so beweglich war, es aber sehr versuchte. Das Set war eine Aneinanderreihung von großen Hits, wie „Endzeit“ oder „The Weapon They Fear“. Untermalt wurde die Musik von Videos und Bildern im Hintergrund, so wurden zum Beispiel bei „Combat“ Sequenzen aus dem Musikvideo und bei „Voice Of The Voiceless“ zur Thematik passend sterbende Tiere gezeigt. Auf einem von Fleischfressern dominierten Festival fand das natürlich relativ wenig Begeisterung, aber die Musik ist das was zählt, und die war klasse. Auch auf aktuelle Thematik wies die Videoleinwand hin, so wurde bei „Black Tears“ das BP Logo von schwarzen Tränen bedeckt.
Marcus spürte allerdings den Unmut der Massen, als er einen ungünstigen Kommentar der Sorte „Lieber sterben sieben Technofans als ein Metalfan“ raus haute. Nach der Loveparade war das selbst zum Anheizen der Menge sicherlich nicht der beste Spruch. Gerade eine Band, die sich Toleranz auf die Flagge geschrieben hat sollte sich solche Kommentare verkneifen. Trotzdem ein geiler Auftritt und die Menge feierte die Band, so gut wie es die Absperrungen zuließen. Kurios war das Circlepit um einen Brezelverkäufer, der inmitten dutzender, um ihn rennender „Brezelmann“ rufenden Metaller, ein wenig verzweifelt wirkte und gegen Ende resignierte und das Ende abwartete.

Orphaned Land sind immer etwas Besonderes auf einem Festival, denn wann bekommt man schon eine Metalband aus Israel zu sehen? Frei nach dem Motto „Musik kennt keine Grenzen“ zeigt die Band, wie Toleranz funktioniert und dient als ein Beispiel für die Welt. Das scheint auch das Summer Breeze kapiert zu haben, denn zu später Stunde war das Festzelt noch proppe voll. Barfuss und in seinem langen, weißen Gewand sieht Sänger Kobi zwar immer ein wenig nach Jesus aus, aber das stört das feiernde Publikum kein bisschen. Zwischendurch kam eine türkische Bauchtänzerin auf die Bühne um dem Publikum noch weiter einzuheizen und sorgte so für einen Höhepunkt der durchweg gelungenen Darbietung.



Samstag, 21. August

Der letzte Festivaltag beginnt, wie sein Vorgänger, ziemlich heiß, sodass es einen früh aus dem Schlafsack zieht. Trotzdem war gegen elf Uhr vor der Painstage noch nicht viel los, als Be’lakor auftraten. Der Melodic-Death-Metal der Australier bot eingängige Melodien und Gesangspassagen und war für uns durchaus eine Überraschung, hatten wir von den fünf Jungs von Down Under doch noch nie etwas gehört. Auch die bereits anwesenden Zuschauer zeigten Interesse und klatschten eifrig mit.

Bei brütender Hitze mussten die Doomer von The Foreshadowing direkt im Anschluss auf die Bühne. Die Italiener um Sänger Marco spielten sich souverän durch ihr Set begeisterten jedoch nicht durch großartige Bühnenperformance. Mit „The Outsiders“ und „The Wandering“ wurden durchaus hochkarätige Songs gespielt, doch im großen und ganzen empfand ich den Auftritt als relativ langweilig.

Van Canto habe ich schon einige Male gesehen und ich tue es immer wieder gerne. Die A-Capella-Metaller um Lead-Sängerin Inga und Lead-Sänger Sly begeisterten auch das Summer Breeze vom ersten Song „Lost Forever“ bis zum letzten Song, dem Cover von „Fear Of The Dark“. Neben dem Gesang versteht es die Band auch nicht nur rum zu stehen, sondern auch eine beachtliche Performance zu bieten, sodass man zumindest das ein oder andere Luftgitarrensolo sehen konnte. Mit „Rebellion“, „The Bard’s Song“, „Master Of Puppets“ und dem oben genannten Iron Maiden Cover wurden allerdings überwiegend Coverversionen gespielt, obwohl die Band auch über mehr als genug eigene Songs verfügt. Die wenigen eigenen Stücke wurden vom Publikum trotzdem ebenso begeistert aufgenommen, wie die natürlich den meisten eher bekannten Cover.

Mit Psychopunch ging es im Anschluss direkt mit rotzigem Rock aus Schweden weiter. Startend mit „Long Time Coming“, über das ABBA Cover „SOS“ bis zum letzten Song“Hush Down Baby” überzeigte die Combo mit ihrer Spielfreude und natürlich dem rockigen Sound. Auch das Publikum weiß das zu schätzen und feiert eifrig mit.

Als nächstes stand Frei.Wild auf dem Programm und obwohl die Songs rocken will mir das ganze nicht so ganz gefallen. Irgendwie gehören die nicht auf ein Metalfestival. Die mehr oder minder Nachfolger der Onkelz mussten sich erstmal gegen diverse Nazivorwürfe verteidigen und Sänger Philipp tat dies auf der Bühne dann auch lautstark. Mit dem stark heimatverbundenen Lied „Südtirol“, „Halt die Schnauze“ oder auch „Land der Vollidioten“ punkten die Jungs zwar bei vielen Fans, doch der Auftritt sorgte bei einigen Besuchern auch für Unmut. Der Auftritt von Frei.Wild war mit Sicherheit nicht der beste oder interessanteste, doch auf jeden Fall der umstrittenste auf dem diesjährigen Summer Breeze.

Sängerin Liv Kristine betrat mit ihrem langen Kleid die Bühne und sorgte ihr sowohl klanglich, als auch optisch, für Abwechslung. Trotz Livs etwas schwacher Stimme findet der Auftritt bei den Fans Anklang, was bei Songs wie „My Destiny“ oder „Elegy“ aber auch nicht weiter verwunderlich ist. Als Ausgleich für die zarten Gesangspassagen von Liv gröllte ihr Mann Alex dafür umso stärker in sein Mikro und stellte seine bis zum Hintern reichende Mähne zur Schau.

Bei diesen Temperaturen einer Band zu lauschen, die sich Eisbrecher nennt ist blanke Ironie, so sehnten sich die Festivalbesucher doch so sehr nach etwas erfrischender Abkühlung. Der erste Song „Eiszeit“ wird direkt begeistert von den Fans aufgenommen und der starke Auftritt der Band beginnt. Mit viel Spass und Sarkasmus leitete Sänger Alexander durch den Auftritt und konnte damit auch beim Publikum punkten. Neben Anspielungen auf Gwar und Plakate im Publikum gab es natürlich auch Musik und die kam so gut an, dass das kochende Publikum von den Securitys mittels Wasserschlauch runtergekühlt werden musste.

Wie im Internet etwas gesucht hatte wusste schon vor dem Summer Breeze, wer mit großer Wahrscheinlichkeit der Surprise Act werden würde. Bülent Ceylan ist ein türkisch-deutscher Comedian mit Hang zur Heavy-Metal-Musik. Somit passt er zumindest schon mal ins Publikum. Auf der Bühne wurde er vom Publikum jedoch auch begeistert aufgenommen und er war somit wohl der erste Comedian, der vor seiner Bühne eine Wall Of Death oder Circle Pits sehen konnte. Begeistert von den Reaktionen wollte er es sich auch nicht nehmen lassen eine Runde in der Menge zu surfen. Den kurzen Auftritt wird es Anfang 2011 auch in einer seiner TV-Shows zu sehen geben. Ob ein Comedian auf eine Festivalbühne gehört sei Mal dahingestellt, aber die Reaktionen des Publikums zeigten, dass sie gerne mehr gesehen hätten.

Children Of Bodom lieferten einen der entuschendsten Auftritte des Summer Breeze ab, denn einzig der Blutalkoholgehalt der Musiker war herausragend. Trotzdem war der Platz vor den Bühnen so voll wie bei keiner anderen Band, sodass sie den Headlinerposten doch verdient hatten. Die Songauswahl war gut, denn es gab überwiegend ältere Songs. Natürlich gab es auch ein paar Coversnippets, zum Beispiel von Lady Gaga oder van Halen. Der Sound war jedoch eher bescheiden und auch technisch lief da dem Alkohol geschuldet nicht alles glatt.

Die für uns letzte Band des sehr gelungenen Festivals war Eisregen auf der Partystage. Es war brechend voll. Eisregen polarisieren, das war klar und so wundert auch niemanden das „Jesus stinkt“ Banner. Ob so etwas sein muss sei mal dahingestellt. Fakt ist, dass die Menge die Kapelle aus Thüringen gebührend feierte und das noch nach zwölf Uhr.





Fazit
Das Summer Breeze Open Air Festival 2010 war der sehr gelungene Abschluss der diesjährigen Festivalsaison. Die Atmosphäre in Dinkelsbühl war von Anfang bis Ende großartig, die Bands waren zum überwiegenden Teil super und sogar das Wetter ließ kaum Wünsche offen. Die Bandauswahl konnte sich bei einem Preis von nur 66€ wirklich sehen lassen und der Preis für Getränke und Essen war auf akzeptablem Festivalniveau. Es herrschte Rund um die Uhr Partystimmung doch trotzdem konnte man verhältnismäßig gut schlafen. Einzig die Securitys/Ordner, die über das Festivalgelände wenig bis nichts wussten und das teilweise aus allen Nähten platzende Partyzelt trüben den Gesamteindruck minimal. Also alles in allem ein tolles Festival, das wir gerne 2011 wieder besuchen werden.