Zufallsfotos vom Negative in der Essigfabrik Köln

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Negative

An der Essigfabrik angekommen erwartete uns schon eine recht anständige Schlange, obwohl es noch knapp über eine Stunde bis zum planmäßigen Showbeginn war. Mit einer akzeptablen Verspätung von zehn Minuten begann dann der zügige Einlass. Der freundliche Securitymitarbeiter am Einlass teilte uns mit, dass Negative ohne Vorband auftreten werden.

In der Halle stellten wir fest, dass es keinen Bühnengraben gab und wir somit von hinten fotografieren mussten – na toll. Schnell strömten die Fans, die sich vor Einlassbeginn brav vor der Halle aufgereiht hatten, vor die Bühne. Nachdem die Schlange abgearbeitet war, trafen nur noch vereinzelt Zuschauer ein, sodass die Essigfabrik nicht einmal bis zur Hälfte gefüllt war. Unbestätigten Aussagen zufolge wurden nur 300 Eintrittskarten verkauft. Für eine Band mit dem Bekanntheitsgrad von Negative ist das eigentlich ziemlich wenig.

Da es keine Vorbands gab, war die Bühne schon komplett für Negative hergerichtet. Neben dem Backdrop und kleineren Bannern im Grafitti-Design, die zum neusten Album der Band, „Neon“, passten, bekamen der Keyboarder, der Bassist und der Gitarrist kleine Kinderskelette aus Plastik an ihre Keyboard- bzw. Mikroständer gebunden, welche durch ein an ein Lichtschwert erinnerndes Gerät im Hintern bunt zum Leuchten gebracht wurden. Vor dem Drummer wurden von innen beleuchtete Plastiktotenköpfe aufgestellt. Federn ergänzten die Bühnendeko, sodass das Keyboardkinderskelett ein wenig wie ein Engel aussah. Schön war es wirklich nicht, aber immerhin - zu „Neon“ passend - grell bunt.

So geschmückt hätte es um acht Uhr direkt losgehen können und auch die überwiegend (>90%) weibliche Fangemeinde fieberte dem Beginn der Show merklich entgegen. Aber die Minuten vergingen und auf der Bühne tat sich auch um Viertel nach Acht absolut nichts. Eine Nachfrage bei Tourmanagment und Security ergab, dass Negative erst um Neun Uhr spielen werden. Die Zeit, die im Normalfall Vorbands zusteht, einfach mit Musik vom Band zu füllen war eine wirklich ganz „tolle“ Idee. Gerade die Fans, die deutlich vor Einlass an die Essigfabrik gepilgert sind und auch nun in der ersten Reihe voller Sehnsucht warteten, dürften noch weniger begeistert gewesen sein nun noch eine weitere Stunde wartend herum zu stehen, als wir es waren.

Wir nutzten die unfreiwillig gewonnene Zeit, um auf die Bühne zu klettern um die Setlist zu fotografieren und um uns mit unserer Kollegin von the-pit.de und einem freundlichen Securitymitarbeiter zu unterhalten.

Kurz nach Neun begann dann mit „Won't Let Go“ endlich die Show. Das Publikum feierte vom ersten Ton an ordentlich mit und war erstaunlich textsicher. Und spätestens, als direkt im Anschluss mit „The Moment Of Our Love“ einer ihrer größten Hits folgte sangen wirklich fast alle mit.

Das äußere Erscheinungsbild der finnischen Glam-Rock-Truppe muss auch mit ein paar Worten Erwähnung finden. Fangen wir beim Drummer Janne Heimonen an, der oberkörperfrei hinter seiner Schießbude den normalsten Eindruck machte und irgendwie nicht ganz zum Erscheinungsbild des Rests passte. Der Keyboarder Janne Kokkonen trug durchgehend einen Hut auf seinen langen, glatten schwarzen Haaren und sah durchweg ein wenig stoned aus. Die Lockenmähne des Gitarristen  Lauri Markkula fiel direkt auf und abgesehen von seinem Bauchnabelpiercing machte auch er einen wenig abgedrehten Eindruck. Der Sänger Jonne Aaron Liimatainen trug Turnschuhe, an denen kleine Flügel befestigt waren und er wirkte generell recht feminin, wenn man seine Bühnenmoves betrachtete. Am auffälligsten war dennoch der Bassist Antti Aatamila, der mit seinen roten Dreadlocks und seinen bis oben grell bunt tätowierten Oberarmen am meisten abrockte. Auch das mit Klebeband ins Ohr geklebte In-Ear-Monitoring-System sah interessant aus.

Die Stimmung in der Essigfabrik war trotz geringem Füllungsrad gut und so wundert es nicht, das Sänger Jonne das Publikum der Essigfabrik mehrfach als das beste in Köln lobte (auch wenn das jede Band bei jedem Auftritt tut und daher wenig glaubwürdig ist). Außerdem behauptete er, dass andere Bands ihnen empfohlen hätten nie nach Köln zu gehen, da das dortige Publikum extrem leise sei. Zumindest in der Essigfabrik war das am Mittwoch jedoch nicht der Fall.

Während Bassist Antti dauernd poste und Gitarrist Lauri sich die meiste Zeit hinter seinem Kinderskelett versteckte lief Sänger Jonne auf der Bühne auf und ab und fuchtelte mit seinem Mikroständer in der Gegend herum. Zwischenzeitlich tauschte er diesen durch eine bereitliegende Negativeflagge aus. Wenn er mal nichts in der Hand hielt, mit dem er spielen konnte, strich er sich durch seine Haare.

Abgesehen von der bereits erwähnten Bühnendeko war die Lichtshow ganz nett, doch der Nebel, der quasi dauerhaft über der Bühne lag erschwerte das Fotografieren erheblich. Der Sound kam im Publikum klar und gut abgemischt an, sodass hier keine Wünsche offen gelassen wurden.

Beim Song „Jealous Sky“ begleitete Sänger Jonne sich selber auf einer Akkustikgitarre, während er versuchte das Lied im Johnny Cash Stil zu singen, doch er konnte sich vor Lachen kaum halten. Die Idee sei ihm beim Proben gekommen und er fände dies witzig erzählte er uns. Es war allerdings eher unnötig als komisch.

Nach dem sehr bekannten „Planet Of The Sun“ verließ die Band unter kreischendem Protest die Bühne. Nach einigen Momenten kamen die Finnen noch einmal zurück um mit „Frozen To Loose It All“ direkt einen der bekanntesten Songs in die jubelnde Menge zu jagen. Noch zwei weitere Lieder gab es, sodass die Setlist nun stolze 18 Lieder lang war.

Gegen Ende des Konzertes wurde als kleines Gimmick ein Laptop mit eingebauter Webcam auf die Bühne geholt, um das Publikum aufzuzeichnen und gleichzeitig den ersten Reihen eine Art Spiegel vor zu halten. Davon angespornt gab sich das Publikum noch feierwütiger und gab trotz, oder gerade, wegen dem bevorstehenden Konzertende noch einmal alles.

Als nach „Sinners Night / Misty Morning“ das Konzert nun endgültig endete verteilte die Band großzügig Plektren und auch Rosen an die begeisterte Mädchenschar. Ein wenig an eine Art Supersonderschlussverkauf erinnerte mich eine Szene, in der ein Mann von bestimmt 35 bis 40 Jahren nach vorne pirschte und erfolglos versuchte die Weste des Sängers zu ergattern. Dieser dreiste Diebstahlversuch wurde trotzdem mit einem Knicklicht vom Bassisten belohnt. Solche Aktionen erwartet man im Normalfall von pubertierenden Fangirls und nicht von einem erwachsenen Mann seines Alters.


Auch wenn mich persönlich die Musik nicht umgehauen hat, war die Stimmung durchaus gut und Fans der Band werden trotz der nervigen (und im Zweifelsfall völlig unnötigen) Verspätung viel Spaß gehabt haben. Bei einem Preis von rund 20€ hätte ich mir zwar noch eine Vorband gewünscht aber das Leben ist bekanntlich kein Wunschkonzert.



Setlist Negative Mittwoch 06.10.2010, Essigfabrik Köln
Won't Let Go
The Moment Of Our Love
Givin' Up
No One Can Save Me Tonight
Blood On Blood
My My / Hey Hey
Motherfucker just like you
After All
In My Heaven
Since You've Been Gone
Never-Ending Parade
Fucking Worthless
Jealous Sky
End Of The Line
Planet Of The Sun

Frozen To Loose It All
Love That I Lost
Sinners Night / Misty Morning

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