Am Samstag den 02. Oktober 2010 waren wir wieder im Rocktempel zu Gast um uns die Show der Kopenhagener Band Manticora anzusehen. Als Vorband waren Divided Multitude aus Norwegen angereist. Ein reiner Power-Metal-Abend lag also vor uns, als wir pünktlich zum Einlass die Pforte des Rocktempels durchschritten.

Es waren schon ein wenig mehr Metaller angereist, als beim gestrigen Warrantkonzert zur selben Zeit, aber der Abend war ja noch jung. Also erstmal gemütlich hingesetzt und was getrunken und bis Konzertbeginn auf Menschenmassen gehofft. Leider kamen auch am heutigen Abend nicht mehr als vielleicht 30 Besucher. Die Niederländer scheinen das Huldigen des Rockgottes im Rocktempel nicht mit dem nötigen Ehrgeiz anzugehen, anders ist das nicht zu erklären, denn an den Bands kann es nicht liegen. Manticora sind zwar eher ein Geheimtipp, aber sicherlich keine unbekannte Band mehr. Divided Multitude kannte ich vor dem Konzert zwar noch nicht, doch auch an ihrem progressiven Power-Metal fand ich schnell Gefallen.

Pünktlich auf die Minute begann die Einlaufmusik für die Norweger von Divided Multitude und direkt im Anschluss ließen sie es mit „Nowhere To Hide“ richtig krachen. Die Band überzeugt mit eingängigen Melodien und starkem Gesang. Das Keyboard unterstützt wann immer nötig, jedoch ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu stellen. So hatte Keyboarder Eskild Kloften zwischenzeitlich genügend Zeit Luftschlagzeug zu spielen oder sonstigen Schabernack zu hinter den Tasten zu treiben.

Leider waren die meisten der wenigen Gäste im mittleren Bereich des Tempels, sodass vor der Bühne nur eine Hand voll Leute stand. Divided Multitude sahen darüber hinweg und spielten souverän ihr Set ohne die Situation anzusprechen.

Anders verhielt es sich bei Manticora, denn die Dänen gaben alles um das Publikum weiter nach vorne zu locken. Doch auch hier waren die Bemühungen überwiegend zwecklos. Aufrufe zum Mitbrüllen, Klatschen und Headbangten prallten an der versammelten Zuhörerschaft ab. An der ganzen Zuhörerschaft? Nein, ein einzelner Zuhörer leistete erbittert Widerstand und gab sich alle Mühe für den versteinerten Rest der Truppe mitzurocken. Dieser Mann war auch der einzige wirkliche Fan im Raum. Er kannte Lieder, Liedtexte besaß CDs und T-Shirts und war von Grund auf begeistert. Sehr schade, dass er der einzige seiner Art war. Auch Sänger Lars erkannte dies schnell und so führte er gezwungenermaßen den Großteil der Kommunikation mit ihm.

Warum das Publikum sich im hinteren Bereich versteckte ist mir unklar, denn Manticora lieferten eine Wahnsinns Show ab. Sänger Lars muss hier besonders gelobt werden, denn der Mann gehört definitiv auf größere Bühnen vor mehr Fans. Vollkommen abgesehen von der stimmlichen Leistung, die nebenbei bemerkt auch auf hohem Niveau war, zeigte er deutlich was es heißt Frontmann zu sein, denn er zog die Aufmerksamkeit stark auf sich. Energiegeladen bewegte er sich auf der Bühne von der einen zur anderen Seite, spielte Luftschlagzeug oder schüttelte seine lange, blonde Mähne.

Nach mehreren Versuchen eine Zugabe zu bekommen schaffte es der eine Fan mit Hilfe von drei weiteren mehr oder minder kräftigen Stimmen die Band wieder auf die Bühne zu holen, doch die wollte nur unter Bedingung mitspielen, dass alle nach vorne kommen oder von hinten mitbrüllen. Und - oh Wunder - plötzlich kamen sie nach vorne um noch mehr zu bekommen und somit war die Zugabe „Shadows With Tales To Tell“ der einzige Song, bei dem wirklich was los war und mehr als nur eine Mähne wehte. Warum das nicht von Anfang an möglich war wird wohl immer ein Geheimnis bleiben...

Andere Bands verwenden ein Backdrop mit dem Bandnamen und möglicherweise bedruckte Plektren, doch Manticora ist das nicht genug, so werden mit dem Logo bedruckte Gitarren gespielt und auch der Gitarrengurt ist mit dem Logo bestickt. Auch auf Sänger Lars prangt das Logo, zum einen auf seiner Lederhose und auf seinem Oberarm als Tattoo. Den üblichen Kram, wie Plektren, Backdrop und Bühnendeko gab es natürlich auch im Manticoradesign und es würde mich nicht wundern, wenn die Band auch Manticoraunterwäsche trägt, aber das werden wir wohl nie erfahren ;)