Wie leicht man sich täuschen kann habe ich am Freitag im Kölner Underground erfahren. Genau genommen war es sogar schon vor dem Underground. Ich war vor Ort, um mir das Konzert der Newcomer ROYAL REPUBLIC anzusehen und erwartete nicht, dass wirklich viele Leute kommen und war äußerst überrascht als ich auf der Straße vor dem Underground eine beachtliche Schlange sah. Diejenigen die schon einmal im Underground waren wissen, dass zwischen der Straße und dem Eingang noch ein ordentliches Stück Biergarten liegt.
Etwas ärgerlich war die Geschwindigkeit des Einlasses, den die Füllung des nicht wirklich riesigen Veranstaltungsortes dauerte ungefähr so lange, wie man anderenorts für Fußballstadien braucht. Ich kam zwar noch rechtzeitig zur Vorband rein, doch ein Blick durch das Fenster zeigte mir, dass zu Beginn von PLUS GUEST noch nicht alle Fans Einlass erhalten hatten und das obwohl die Band schon nicht pünktlich begann. An dieser Stelle muss das Underground nachbessern, denn wenn jemand für eine Band mit Vorband bezahlt soll - bei pünktlicher Anreise - auch die Möglichkeit bestehen die Bands zu sehen.

Nun genug gemeckert und zu den Bands:

Jeder von uns hat schon auf diversen Flyern, Plakaten, Tourankündigen oder ähnlichem Vermerke wie „plus guest“, „with support“, „plus special guest“ und dergleichen gelesen. Ohne groß nachzudenken meint man sofort, dass einfach noch eine weitere, nicht explizit genannte, Band spielen wird, aber das dies mal wirklich ein Bandname ist erwartet man ja nicht. Nun gibt es wirklich Bands die diese Namen tragen und für ROYAL REPUBLIC eröffnen die Franzosen von PLUS GUEST. Die vier Jungs aus Straßburg ließen es direkt von der ersten Minute an krachen und das Publikum rockte ordentlich mit. Doch im Vergleich zu dem was kommen sollte war das noch nicht viel.

Als ROYAL REPUBLIC die Bühne betraten war die Stimmung schon sehr angeheizt und das überwiegend weibliche Publikum konnte den Auftritt der Schweden kaum noch erwarten. Viele Fans hatten sich, dem königlichen Besuch entsprechend, gekleidet und trugen Pappkronen auf ihren Köpfen. Einige männliche Besucher hatten sich auch einen Bart angemalt, sodass die Band auf ein schick aussehendes Publikum blicken konnte. Einige wenige Fans habe ich auch mit einem Damenslip auf dem Kopf ausgemacht. Diese ungewöhnliche Kopfbedeckung stammt aus dem Musikvideo zu „Tommy-Gun“



Obwohl  bei „Tommy-Gun“ am meisten mitgesungen und getanzt wurde war auch bei den etwas weniger bekannten Songs einiges los. Die Stimmung war am kochen und schon nach wenigen Minuten war die komplette Band klitschnass und auch das Publikum in den ersten Reihen wird einiges an Schweiß verloren haben, denn es war wirklich eng, warm und getanzt wurde natürlich auch als gäbe es kein morgen.

Den verschwitzten, nackten Oberkörper von Frontmann Adam gab es für die überwiegend weiblichen Zuschauer auch noch zu sehen. Wurde diese Aktion schon mit viel Gekreische belohnt so war der Kreischlautstärke gefühlt doppelt so hoch, als Adam der Meinung war Gitarrist Hannes knutschen zu müssen. Warum auch immer, aber den Zuschauerinnen gefiel es und das ist was zählt. Mit fettem Grinsen im Gesicht stellte Adam ROYAL REPUBLIC als das weltweit größte schwule Pärchen mit vier Mitgliedern vor.

Obwohl auf dem Debutalbum 13 Stücke sind musste selbst Sänger Adam Grahn einsehen, dass die 35 Minuten Spielzeit nicht für eine angemessene Headlinershow reichen und er deswegen (eher schlecht als recht) versuchen muss die Lücken zwischen den Songs durch Stand-Up-Comedy künstlich aufzublähen. Abgesehen davon gab es natürlich auch neues Material zu hören, was hoffentlich auch in nicht allzu ferner Zukunft auf CD gepresst werden wird.


Leider war es äußerst eng und so habe ich darauf verzichtet mich nach ganz vorne und von links nach rechts zu drängeln um irgendwie an Fotos zu kommen. Da es keinen Fotograben gab ist das eben so, denn sich als akkreditierter Pressevertreter mit aller Gewalt vor die zahlende Kundschaft zu quetschen halte ich nicht für fair. Vielleicht gibt es ja wann anders halbwegs anständige Fotos von der Band. Die paar Bilder die es gibt findet ihr hier .

Fazit: Hier haben On Fire Records und Roadrunner Records einen Fisch an Land gezogen, der großes Potential hat und von dem ich mir persönlich sehr gut vorstellen kann, dass die Jungs noch einiges vor sich haben in ihrer Karriere. Auf CD sind sie schon gut aber live ist wirklich Party angesagt und obwohl ein erstaunlich großer Teil des Publikums weiblich und recht jung ist, so sind ROYAL REPUBLIC sicherlich keine Poprockeintagsfliege sondern durchaus auch für ältere Rock- und Metalfans interessant.

Beeindruckend ist auch die Begeisterung die man den Musikern auf der Bühne ansieht und so verwundert es mich nicht, dass sie momentan mehr Zeit im Tourbus als im heimischen Bett zu verbringen scheinen. Mit großen stolz verkündete Adam, dass ROYAL REPUBLIC schon vier Mal in Köln gespielt haben … in diesem Jahr.



Weitere Live-Dates mit ROYAL REPUBLIC

20.10.2010 Zakk – Düsseldorf (als Support von DONOTS)
21.10.2010 Schlachthof - Wiesbaden (als Support von DONOTS)
22.10.2010 Kulturwerkstatt - Paderborn (als Support von DONOTS)
24.10.2010 Halle02 - Heidelberg (als Support von DONOTS)
25.10.2010 Nordfest - Halle 7 - Bremen (als Support von DONOTS)
27.10.2010 Meier Music Hall - Braunschweig (als Support von DONOTS)
28.10.2010 AJZ Talschock - Chemnitz (als Support von DONOTS)
29.10.2010 Max - Kiel (als Support von DONOTS)
30.10.2010 Scheune - Nordhorn (als Support von DONOTS)

05.12.2010 LKA Longhorn - Stuttgart (als Support von MADSEN)
06.12.2010 Backstage - München (als Support von MADSEN)
07.12.2010 Alter Schlachthof - Dresden (als Support von MADSEN)
09.12.2010 Kulturfabrik - Krefeld (als Support von MADSEN)
10.12.2010 Stadtgarten - Erfurt (als Support von MADSEN)