Sonntag  23.05.2010

Wie gewohnt platziere ich mein Metalmobil im Parkhaus  und schlendere gemütlich in Richtung Festival-Area.  Da sich am Eingang bereits eine beträchtliche Schlange gebildet hat husche ich durch den VIP-Bereich in die Arena um pünktlich zum ersten Song von Sacred Steel zur Stelle zu sein.

Sacred Steel stehen für extrem traditionellen True Metal  und hier verstehen die  Jungs ihr Handwerk definitiv. Es haben sich schon relativ viele Leute eingefunden die anscheinend genau so neugierig auf die Combo sind wie ich. Frontmann Gerrit zeigt  ungewöhnliche Fannähe und geht ersteinmal Händeschütteln. Später hält es den Sänger der Truppe nicht einmal mehr im Fotograben, nein er setzt sich auch noch zu einigen Zuschauern auf die Steinstufen um von dort seine Band anzufeuern.  Insgeheim freu ich mich, dass der heutige Tag schon einen perfekten Anfang genießt und dass es sicher noch viel besser wird. Im PUblikum kann man nicht wenige fliegende Mähnen betrachten während die ersten sich schon um kurz vor eins ihr erstes, zweites, drittes oder sogar viertes Bier in die Birne kippen.

Setlist Sacred Steel:
1.    Intro
2.    Metal is war
3.    Battle angel
4.    Open wide the gate
5.    Heavy Metal to the end
6.    Maniacs of speed
7.    Carnage victory
8.    Slaughter prophecy
9.    Wargods of metal

Die zweite Band hätte um ein Haar für Norwegen beim Eurovision Song Contest gespielt und wäre damit sicher ein ernst zu nehmender Gegner für unsere Weichspül-Lena geworden. Keep of Kalessin,  stehen für Norwegischen Black Metal und sind damit der einzige Ausreißer im True und Powermetal lastigen Billing vom Sonntag. Wer von der Band noch nichts gehört hat, dem sei gesagt, dass der Kopf der Truppe schon zum Live-Trupp der Band Satyricon gehörte. Auf und vor der Bühne wird jedenfalls ordentlich abgegangen während brachialer Black Metal über die Menge fegt.

Setlist Keep of Kalessin:
1.    Dragon iconographie
2.    Crown of the kings
3.    Judgement
4.    Awakening
5.    The dragontower
6.    Sickness

Auch aus dem Norden, genaugenommen aus Schweden, kommen Crashdiet. Spätestens mit dem Betreten der Bühne würd klar warum sich ein Großteil der Festivalbesucher heute in knallenge Hosen mit Zebraprint gezwängt hat.  Crashdiet sind zumindest der Optik nach Sleezerocker aller erster Güte.  Und so wie die Jungs ausschauen, so klingen sie auch.  Die Stimme der Band, Simon ,zeigt bei seinem ersten Deutschland Gig was er so drauf hat und fegt unentwegt über die Bühne.  Das Publikum findet Gefallen am schrillen Auftreten der Schweden und so sieht man auch wohlwollend über den ein oder anderen Patzer hinweg.

Setlist Crashdiet:
1.    Riot
2.    Tikket
3.    Alive
4.    Queen
5.    Bound
6.    Raw
7.    Sin
8.    Chainz
9.    Generation

Orphaned Land aus Israel  haben endlich die verdiente Aufmerksamkeit bekommen und dürfen auch auf den größeren Festivals in Europa spielen. Ich durfte die Jungs vor einiger Zeit schon auf dem Dong Open Air sehen und freue mich darauf auch einige neuere Stücke zu hören. Ungewöhnlich treten die Jungs auf jeden Fall auf. So stellen die Bühnenoutfits der Band Jesus, Moslems und Rabbis dar. Das dahinter durchaus ein ernster Grund steckt macht Sänger Kobi schnell klar.  Der Band ist Völkerverständigung über religiöse Grenzen hinaus extrem wichtig und was liegt da näher als die Musik für einen solchen Zweck zu verwenden?  Die wohl führende Gruppe auf dem Bereich des Oriental-Metal schafft es ohne Schwierigkeiten das Publikum zu fesseln und eine einzigartige Atmosphäre zu schaffen. So werden Zurufe von Fans mit "I heard you friend" beantwortet. Für mich steht der Gewinner des Sonntags insgeheim schon fest. Orphaned Land zu toppen wird für die anderen Bands extrem schwer werden.

Setlist Orphaned Land
1.    Birth Of The Three
2.    Olat Hatamid
3.    Barakah
4.    The Kiss Of Babylon
5.    Sapari
6.    The Path Part 1
7.    Ocean Land
8.    Thee By The Father I Pray
9.    Norra El Norra
10.    Ornaments Of Gold

Obwohl die Zeit auf der Uhr fortschreitet scheint jemand heimlich das Rad der Zeit ein paar Jahre zurückgedreht zu haben, denn Virgin Steele  gibt es als nächstes zu bewundern. Damit auch die Freunde des melodischen Metals  auf ihren Geschmack kommen haben die Jungs ein spezielles Classic-Metal Set Programm im Gepäck und zeigen sich auf den Brettern der Arena extrem dynamisch.  Allerdings spaltet die Songauswahl die Gemüter, denn so richtig klassisch mutet die Setlist nicht an. Viel zu viele neue Songs haben den Weg in die Setlist gefunden. Seltsam ist es auch dass Virgin Steele  zwar Bass-Sound haben, auf der Bühne aber kein einziger Bass zu sehen ist. Kommt der etwa aus der Konserve? Schummelt hier wer?  Wie dem auch sei, gesanglich kann man dem Kopf der Band, David DeFeiss nichts vormachen, allerdings täte wohl eine Stilberatung mal Not. Ob man sich mit fast 50 Jahren noch in knallenge Lederhosen zwängen muss bezweifele ich stark. In Würde Altern und so...  Auch wenn der Auftritt sicher einen faden Nachgeschmack zurücklässt, Spaß habe ich trotzdem gehabt.

Setlist Virgin Steele:
1.    Immortal I stand
2.    Black mass blues
3.    Wine of violence
4.    Blood & fire
5.    Crown of glory
6.    A symphony of steele
7.    Noble savage
8.    Kingdom of the fearless
9.    Thy kingdom come riff
10.    Burning of Rome

Sprach der Rabe Nimmermehr!  So ähnlich hätte man die jetzt die Bühne erstürmende Band auch ankündigen können. Ich ahne schnell das Warrel Dane mich mein vorheriges Urteil über Orphaned Land revidieren lassen wird, denn Nevermore legen noch eine Schippe obendrauf.  Das Publikum tobt und  Warrel Dane, die Ausnahmestimme, präsentiert sich in Bestform während die Band durch eine zweite Gitarre unterstützt wird.  Warrel beglückt das Publikum auch mit neuen Stücken vom aktuellen Album "The Obsidian Conspiracy".  Nevermore ziehen auf der Bühne eine dermaßen tighte Show ab, dass Sonata Arctica eigentlich direkt wieder einpacken können.

Setlist Nevermore:
1.    Beyond
2.    River dragon
3.    Poison throne
4.    Born
5.    Emptiness
6.    Walls
7.    Termination
8.    Godless
9.    Heart coll
10.    Obsidian
11.    Enemies

Der Sound der Finnen ist dermaßen mager dass überhaupt keine Freude aufkommen will, so dass viele der Besucher regelrecht die Flucht ergreifen.  aber auch die Dagebliebenen merken schnell das die Band eigentlich gar keine rechte Lust hat und sich dabei auch noch ganz toll vorkommt. Über die Setlist kann man natürlich streiten, ich persönlich habe mir mehr Songs vom ersten Album gewünscht und freue mich deswegen zumindest über Fullmoon. Allerdings muss sich gestehen auch diesen Song schon mehrfach besser gehört zu haben.  Zum Abschluss tun die Herren noch so als wären sie die eigentlichen Helden des Festivals und machen aus der Verabschiedung eine Farce..
Es dauert eine Weile bis Sonata Arctica endlich von der Bühne verschwinden und Platz für den König der Herzen machen. Von vielen geliebt, von mindestens genau so vielen gehasst. gibt sich Mambo Kurt Mühe das Publikum zu bespaßen und rockt hinter seiner Heimorgel richtig ab. Auch wenn nicht alle dem durchgeknallten Typen etwas abgewinnen können,  gute Laune verbreitet er definitiv. Zwischendurch Crowdsurft  Mambo übers Publikum, während im Hintergrund schon fleißig für Rage gewerkelt wird.

Setlist Sonata Arctica
1.    Intro
2.    Flag in the ground
3.    Black sheep
4.    Paid in full
5.    The last amazing
6.    Juliet
7.    Fullmoon
8.    Deadskin
9.    In Black & white
10.    Don’t say a word
11.    Outro/ Everything

Rage sollen den heutigen Abend mit dem Lingua Mortis Orchester abschließen, können aber nicht so richtig überzeugen. Zwar bietet das Lingua Mortis Orchester einen beindruckenden Anblick, aber der Sound stimmt irgendwie gar nicht.  Es ist schon etwas länger her,  dass ich die Orchesterbesetzung in diesen Umfang auf dem Wacken Open Air bewundern durfte und damals auch richtig klasse fand, jetzt kommen die Songs aber irgendwie Kraftlos rüber.  Ich kann allerdings nicht genau ausmachen woran es liegt und bleibe so etwas enttäuscht zurück. Optisch zumindest macht der Sonntagsheadliner eine Menge her, nächstes Mal wünsche ich mir aber mehr Wumms.

Setlist Rage:
1.    Intro
2.    Turn the page
3.    Cradle
4.    French
5.    Suite
6.    Medley
7.    Bouree
8.    Empty hollow
9.    Alive
10.    Higher than the sky

Fazit:
Auch wenn der Sound das ein oder andere Mal nicht so gut ist wie ich es mir wünschen würde, ist das Rock Hard Festival 2010 für mich ein voller Erfolg.  Die Bierpreise sind auch in diesem Jahr stabil und man merkt deutlich das die Veranstalter viel Herzblut in die Sache gesteckt haben. So kann Götz Kühnemund erneut mit stolz geschwellter Brust verkünden das alle Tickets verkauft sind, es aber auch im nächsten Jahr so gemütlich bleiben wird wie eh und je.  Bisher ist alles friedlich verlaufen auch wenn es in diesem Jahr verstärkt Probleme mit Taschendieben gibt und es gerade in den letzten Stunden des Festivals regelrecht Portemonnaies in den Fotograben regnet. Ärgerlich, aber nur schwer zu Vermeiden.
Ein Headliner-Kandidat fürs nächste Jahr ist auch schon im Gespräch, vermehrt hat man den Namen D-A-D gehört.  Für mich steht fest, dass wir auch im nächsten Jahr wieder mit von der Partie sind.
Es macht definitiv Spaß die einzigartige Atmosphäre im Gelsenkirchener Amphitheater zu genießen. Wir sehen uns im nächsten Jahr wenn Götz auf der Bühne steht und ein fröhliches "Geht's euch gut?" in die Runde wirft!