Zufallsfotos vom Rock Hard Festival 2010 - Und Dio schaut von oben zu (Teil 2)

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Rock Hard Festival Samstag

Samstag  22.05.10
Nachdem Orden Ogan längere Zeit unverdient in eher trüberen Gewässern dümpelten, haben die Jungs aus dem Sauerland es mit ihrem aktuellen Album Easton Hope endlich geschafft genug Aufmerksamkeit zu erregen um als Samstags-Opener auf dem Rock Hard zu spielen.

Die  Herren sind wohl auch eine der wenigen Bands, die als Opener mit Pyros anrückt. Kleckern statt Klotzen ist die Devise und es kann schließlich auch nicht schaden, wenn man zur optischen Aufwertung der teilweise schon hymnenhaft anmutenden Songs noch etwas Bumms mitbringt. Zum Ende des dritten Songs gibt es noch Gelegenheit zu Grinsen: Natürlich ist für  den Schlussakkord ein Feuerball-Knall-Effekt geplant, doch Seeb und seine Kumpanen sind viel zu sehr beschäftigt um das energische Winken des Pyrotechnikers zu bemerken. So bleibt dem guten Mann nichts anderes übrig als abzuwarten bis sich Seeb ein paar Schritte nach hinten verzogen hat bis er endlich den Kracher zünden kann *plöpp*. Völlig aus dem Takt aber dennoch lustig, finde zumindest ich. Zu der genialen  Monkey Island Hymne „We are Pirates“ schippert dann noch, wie der Zufall es will, ein Kahn mit der Aufschrift „Extreme Metal“ vorbei. Natürlich ist das Teil beladen mit selbigem. Einziges Manko ist der, zumindest vor der Bühne, eher grottige Sound. Weiter hinten war der Klang aber ganz annehmbar. Wie dem auch sei… Dem Spaß tut auch der nicht so glasklare Sound keinen Abbruch, haben doch die Jung-Piraten eindeutig den Schalk im Nacken sitzen.  

Setlist Orden Ogan:
1.    to new shores of sadness
2.    reality lost
3.    mystic symphony
4.    welcome liberty
5.    easton hope
6.    we are pirates
7.    (angels war)

Nach den ambitionierten Metallern aus dem Sauerland, die nebenher noch das Winternachtstraum Festival organisieren, stehen die Trasher von Evile auf der Bühne des Amphitheaters. Mit ihrem inzwischen nicht mehr ganz so  neuen Bassisten geben die Briten ordentlich Zunder und ziehen das Publikum schnell auf Ihre Seite. Gitarrist --- ist das Grinsen fest ins Gesicht gemeißelt ob der guten Resonanz vom Publikum ist das auch nicht schwer zu verstehen.  Es wird gebangt was das Zeug hält und auch einige Mini-Moshpits bilden sich.

Setlist Evile:
1.    Infected Nation
2.    We who are about to die
3.    Nosophoros
4.    Thrasher
5.    Now demolition
6.    Time no more
7.    Enter the grave

Nach dem brachialen Auftritt von Evile geht unsere musikalische Reise weiter in Richtung Italien. Bulldozer, die in den wilden Achtzigern das erzkatholische Italien amtlich aufmischten, melden sich zurück und ehren die Gäste des Rock Hard Festivals mit ihrem zweiten Deutschlandauftritt überhaupt. Etwas Ungewöhnliches sticht sofort ins Auge: Auf der Bühne prangt ein großes Unicef-Banner. Dies ist wohl dem Umstand geschuldet, dass die Band ihre soziale Ader zeigt und einen Großteil Ihrer Gage an die Hilfsorganisation spendet. Der Gedanke etwas Gutes zu tun während unaufhaltsam ein brutaler Italo-Bulldozer über einen rollt ist schon etwas befremdlich aber es freut mich auch andere soziale Kompetenz zeigen. Soundtechnisch gefallen mir Bulldozer mit ihrem dreckigen Trashmetal ganz gut, allerdings ist die Bühnenpräsenz der Italiener eher fad. Alberto, die Stimme der Band verschanzt sich unentwegt hinter seiner Kanzel und so wird man den Eindruck nicht los eher bei einem Gottesdienst als auf einem Metalkonzert zu sein.

Setlist Bulldozer:
1.    Unexpected Fate
2.    Use Your Brain
3.    Bastards
4.    IX
5.    Desert!
6.    Ilona The Very Best
7.    The Derby
8.    Micro VIP
9.    Minkions
10.   Mass Slavery
11.    Cut-Throat
12.    Whisky Time
13.    Willful Death

Artillery aus Dänemark zeigen den Trashern von Bulldozer umgehend wie man es auf der Bühne richtig macht und präsentieren eine dynamisch spritzige Show. Immer ist wer in Bewegung nie wird stillgehalten. So gefällt mir das, ich will Action auf der Bühne und keine handzahmen Bärchen.  Es ist aber auch nicht verwunderlich dass Artillery so abgehen, schließlich wird jedem Skandinavier bei der Geburt eine E-Gitarre in die Hand gedrückt. Anders lässt sich die Flut von guten Bands aus dem Norden einfach nicht erklären.

Setlist Artillery:
1.    Intro
2.    Rise Above it all
3.    The challenge
4.    When death comes
5.    By Inheritance
6.    10.000 devils
7.    Into The universe
8.    Upon my cross I crawl
9.    Khomaniac
10.    Terror squad

Mit Raven haben die Jungs vom Rock Hard dann gleich noch eine Altmetall-Legende verpflichtet. So sind die Gallagher-Brüder quasi mit schuld an der Gründung diverser Ruhrpott-Metal Legenden wie zum Beispiel Doro.  Obwohl das Trio schon einige Jahre auf dem Buckel hat beweisen die Musiker, denen ungerechter Weise ein größerer kommerzieller Erfolg bisher verwährt blieb, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören sondern stattdessen ordentlich abrocken können.  Es ist in der Regel nicht schwer zu merken ob es einer  Band Spass macht auf der Bühne zu stehen. Bei Raven ist das definitiv der Fall denn die Briten fegen über die Bühne wie Orkane. Das macht Eindruck beim Publikum und lässt Hardrock Herzen höher schlagen.

Setlist Raven:
1.    Take control
2.    Inferno
3.    All for one
4.    Walk through fire
5.    Breaking you down
6.    Git solo
7.    Speed of the reflex
8.    Run silent
9.    Mind over metal
10.    On and on
11.    Break the chain
12.    Sabbath/ Rainbow medley

Während des Exhorder-Gigs schlendere ich über die Shopping-Meile um mich mit neuen Shirts ein zu decken. Die Jungs spielen aber eine dermaßen brachiale Axt dass sie auch so problemlos hörbar sind.  Zur Show an sich kann ich allerdings nicht viel sagen, da ich nur die ersten 3 Songs der Jungs bewusst mitbekommen habe.

Setlist Exhorder:
1.    Slaughter
2.    The Law
3.    Homicide
4.    Unforgiven
5.    Tragic death
6.    Legions
7.    Inst/ Dirge?
8.    Exhorde
9.    Desecrator

Auf den Auftritt von Accept freue ich mich schon ganz besonders… Viele Fragen schiessen mir durch den Kopf als die Herren die Bühne betreten. Hält der „neue“ was er verspricht? Kann eine Band wie Accept ohne Udo Dirkschneider überhaupt funktionieren? Während die ersten Vocals vn „Metal Heart“ über mich hinwegfegen zerfallen auch die letzten Zweifel. Mark Tornillo ist einfach genial.  Nicht nur dass man den Herrn eigentlich auf der Bühne festnageln müsste, er klingt auch noch gut. Man merkt deutlich dass der Band die längere Schaffenspause gut getan hat und auch der Ausstieg von Udo Dirkschneider war definitiv die richtige Entscheidung. So spielt die Band sich routiniert durch alle Ihre alten Klassiker und legt dabei eine Bühnenpräsenz an den Tag von der sich andere (auch alte Hasen) noch die ein oder andere Scheibe abschneiden könnten. Natürlich dürfen auch Nummern wie „Princess of the dawn“, „Fast as a shark“ und das obligatorische Heidi-Theme nicht fehlen.

Setlist Accept:
1.    Metal heart
2.    Living for tonight
3.    Restless and wild
4.    Son of a bitch
5.    London leatherboys
6.    The abyss
7.    Losers and winners
8.    Teutonic terror
9.    Breaker
10.    Up to the limit
11.    I am a rebel
12.    Balls to the wall
13.    Princess
14.    Fast as a shark


Viel mehr kann jetzt nicht mehr passieren denke ich mir, denn das Essener Urgestein Kreator ist eher nicht ganz so meine Tasse Kaffee. Allerdings ist der Auftritt auf dem Rock Hard für die Hordes of Chaos fast schon ein Heimspiel und so stehe ich trotz mangelndem Interesse im Amphitheater. Bevor hier der falsche Eindruck geweckt wird... natürlich stehe ich nicht alleine, sondern eingezwängt zwischen tausenden Anderen.  Dann geht es plötzlich los: Der Lichttechniker findet den Schalter für den Nebel und das rote Licht das zumindest für die ersten drei Songs die Fotografen erfreuen wird. Aber was solls… Es ist Vermessen zu behaupten man könne eine Kreator Show in Bildern festhalten. Es gibt Dinge die gehen einfach nicht. Nahezu genau so schwer ist es allerdings mit Worten einen ungefähren Eindruck davon zu vermitteln wie es ist, wenn ein voll besetztes Amphitheater zu Songs wie „Flag of Hate“ oder „Hordes of Chaos“ total ausrastet. Während die Crowdsurfer praktisch Säckeweise über das Publikum transportiert werden und die Securities alle Hände voll zu tun haben, geben die Jungs aus Essen buchstäblich Vollgas. Wow!  Essens wohl bekannteste Boygroup hat es eben drauf die Masse zu mobilisieren.

Kurz vor Ende der Show wollen wir uns heimlich davon machen und dreister Weise den Eingang als Ausgang benutzen. Plötzlich werden wir grob zurückgerissen und von einer kleinen Security-Angestellten, der ich locker auf den Kopf spucken könnte, angemotzt das wäre kein Ausgang hier.  Warum man kurz vor Schluss noch ein Fass aufmachen muss obwohl wirklich Keiner mehr den Eingang als solchen benutzen wollte bleibt mir ein Rätsel.  Vermutlich  hat die Dame längere Zeit nicht mehr gut geschlafen. Egal, dann eben durch den korrekten Ausgang raus, noch schnell von den netten! Sicherheitsleuten verabschiedet und schon sind wir auf dem Heimweg. Morgen gibt es schließlich noch genug zu tun…

Setlist Kreator:
1.    Intro – Choir of the damned
2.    The pestilence
3.    Hordes of chaos
4.    Phobia
5.    Enemy of god
6.    Impossible brutality
7.    Endless pain
8.    Pleasure to kill
9.    Terrible certainty
10.    Extreme aggression
11.    Coma of souls
12.    Amok Run
13.    Intro: The patriarch
14.    Violent revolution
15.    Demon prince
16.    When the suns burn red
17.    Flag Of Hate
18.    Tormentor