Am gestrigen Samstag waren wir im Kölner Underground um Narziss, Silent Decay und Longing For Tomorrow live zu erleben. Leider war das Underground nicht sonderlich voll, doch der Spielfreude der Bands tat dies keinen Abbruch, sodass es meiner Ansicht nach trotzdem ein gelungener Abend war.

 

 

Als erstes betraten die Mannen von Longing For Tomorrow die Bühne. Die drei Aachener waren im vergangenen Herbst in Brasilien auf Tour und geben sich nun als Vorband für Narziss die Ehre. Gespielt wird eine Mischung aus Screamo, Metalcore und Indie. Das Ganze wird durch deutschsprachige Texte zu einem sehr angenehmen Gesamtbild abgerundet. Hier hatte ich besonders hohe Erwartungen, da mir Bernhard von Callejon erst im April die Band empfohlen hatte. Und ich muss sagen, dass ich wirklich nicht enttäuscht wurde. Man konnte ihnen den Spaß bei der Sache wirklich ansehen und so kam es, dass auf der Bühne ausgelassen auf und ab gesprungen wurde. Als zusätzliche Effekte gab es Konfettiregen, Knicklichter und Wunderkerzen was die Partystimmung nur noch unterstrich. Eine nette Idee, wie ich fand.
Für ein Lied durfte ein Freund der Band, der erst auf der Brasilientour das Gitarre spielen gelernt hatte, die Klampfe übernehmen. Sänger David sprang nun von seinem Instrument befreit noch wilder auf der Bühne rum.



Nach einer äußerst langen Pause kamen Silent Decay aus München auf die Bühne. Wie wir erfuhren kam die Pause dadurch zu Stande, dass ein Bandmitglied Kreislaufprobleme hatte und somit den Gig nicht mitspielen konnte. Glücklicherweise konnten die verbleibenden Jungs das Konzert auch ohne zweiten Gitarrist zu einem Erfolg werden lassen. Ich hoffe ihm geht es mittlerweile wieder besser. Die Menge feierte ordentlich und schien stellenweise durchaus textsicher. Es wurde gemosht was das Zeug hält und auch die Aufforderung zu einer Wall Of Death wurde vom Publikum mit Begeisterung aufgenommen und in die Tat umgesetzt. Da das Underground nicht bis zum letzten Mann gefüllt war konnte Sänger Sitti gemütlich durchs Publikum marschieren. Mitten im Gig sang das Publikum ein Geburtstagsständchen für den Mischer, der seinen Job wirklich gut machte, denn trotz eines fehlenden Bandmitglieds klang der Sound gut und vollständig.

Allgemein kann man sagen, dass das Publikum durchaus gewillt war einen der letzten Gigs von Silent Decay zu einem schönen Erlebnis werden zu lassen, denn die Band ist momentan auf Abschiedtour. Natürlich kamen die Jungs nicht drum rum zu erzählen, dass sie sich besonders freuen noch mal in Köln spielen zu dürfen...


Als Silent Decay die Bühne verließ war das Publikum schon vorgewärmt für die deutschsprachige Metalcoreband Narziss, welche einen der ersten Gigs mit dem neuen Sänger Steven Jost spielte. Im April diesen Jahres musste die Band bekannt geben, dass der bisherige Sänger Alexander Bartsch aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in einer Metalcoreband singen kann und somit die Band verlassen hatte. Als Ersatz konnte direkt Steven Jost als alter Freund verpflichtet werden, welcher bis zur Auflösung bei After Rising Sun das Mikro in der Hand hielt.
Ohne großes Intro oder ähnliches ging es dann mit „Tränen“ direkt los und von der ersten Minute an war klar, dass man mit Steven einen würdigen Nachfolger für Alex gefunden hatte. Als zweiter Track folgte „Meine kleine Seele“, welcher einer meiner persönlichen Favoriten ist. Aber dass hier einer meiner Lieblingssongs gespielt wird wundert nicht, denn kaum jemand wird das nach dem Abend nicht von sich behaupten können, denn die Songauswahl ließ wohl kaum Wünsche offen. Sowohl vom aktuellen Album „Echo“ als auch von älteren Veröffentlichungen waren Stücke dabei.
Obwohl die Zuschauer Narziss feierten wäre da noch einiges mehr drin gewesen und das erkannte auch Steven Jost, doch seine Versuche die Stimmung weiter aufzuheizen blieben relativ erfolglos, so verhallten seine „Stimmung“-Rufe meistens ohne große Wirkung. Schade eigentlich, denn am Auftritt der Band gab es sowohl vom Sound als auch von der Spielfreude her wenig auszusetzen. Um das Publikum mehr einzubeziehen wurde einzelnen Zuschauern das Mikrofon hingehalten doch diese konnten trotz Mikrofon nicht laut genug brüllen um vernünftig Gehör zu finden. Auch das Angebot an ein junges Mädchen einen ganzen Song zu singen wurde (vermutlich glücklicherweise) von ihrer Seite abgelehnt.



Drei klasse Bands an einem Abend, so muss es sein. Leider war das Kölner Underground ziemlich leer, sodass nicht richtig Stimmung aufkommen konnte. Das Publikum feierte die Bands zwar ordentlich, doch mit der Anzahl Menschen für die das Underground ausgelegt ist hätte die Stimmung um ein vielfaches besser sein können, schade.

 

 

Setlist Narziss

Tränen
Meine kleine Seele
Ita Est
Beschlagende Gedanken
Entstelltes Bild
Und du verblasst
Gotteskrieger
Asche
Hoffnungslos
Morgen nicht geboren
-
Das Tier

 

Setlist Silent Decay

King Of The Dead End Road
Behind The Walls
Good As Drink Is
Far Away
Walk
Of Good And Bad
With Kisses From the Underground
Hell Contacts Me Every Day
Keep It Real