Am 23. und 24. Oktober rief das Metal for Mercy Team mal wieder zum Bangen für den guten Zweck auf. In diesem Jahr wurde für die Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen e.V. gespendet. Die Wittener Werk°statt machte sich also bereit für hochkarätige Acts wie Megaherz und Holy Moses!


Laminius XLaminius X eröffneten das MFM mit einem charismatischen unter anderem auch singenden Drummer, sowie einem Bassisten und einem ebenfalls das Mikrophon schwingenden Gitarristen. Mit einem Sound der von Pop-Punk über Metal mit Gotheinschlägen auch politische Themen anpackte, zogen sie die ersten Gäste an die Bühne im Hauptsaal. Auch ohne seinen roten Zylinder wäre der Drummer aufgefallen – und zwar positiv durch seinen astreinen Gesang!

Sonorous DinDie kleine Halle war bei den parallel spielenden Sonourous Din gut gefüllt. Progressiver geigenlastiger Metal mit weiblichen, kräftigen Vocals erlaubt der Band zum Schluss ihrer Show auch Rufe nach Zugaben. Leider ließ das straffe Programm auf der Bühne dies nicht zu, denn auch die anderen wie Freakwave, Dead Man Standing, The Flaw, Gravity Rail und Exposed to Noise wollten zum Zuge kommen.

Bei Heavenfall wurdes sowohl vor als auch auf der großen Bühne im Saal Heavenfallvoller. Der Tontechniker schien leider weniger Talent zu haben, sodass der Hörgenuss litt. Trotz dieser Problematik zeigte die siebenköpfige Band eine beeindruckende Bühnenpräsenz. Insgesamt lieferten die Power Metaller eine runde Show ab und zeigten zu guter Letzt auch noch, dass sie die Spendierhosen an hatten: 1 € pro verkauftem Merchartikel würden direkt gespendet!

Wie bereits 2008, wenn heute auch in veränderter Besetzung, Perfect Symmetryrockten Perfect Symmetry die Bühne der Werk°statt. Obwohl Heavenfall das Publikum diesbezüglich schon gut warm gemacht hatten, so wachte die Halle bei der progressiven Iserlohner Melodic Metalband  richtig auf, klatschte mit und brachte auch die ersten Mähnenschüttler hervor. Sowohl stimmlich als auch musikalisch überzeugten die Jungs auf ganzer Linie und auch die Kommunikation mit den Festivalgängern stimmte.

LeichenwetterDa Illectronic Rock krankheitsbedingt hatten absagen müssen, verpflichteten die MFM Organisatoren kurzfristig Leichenwetter. Diese schienen der Lautstärke, die in der Halle herrschte, nach zu urteilen den einen oder anderen Fan in Witten zu haben. Schon beim ersten Lied, das der stimmgewaltige Frontmann anstimmte, bildete sich ein fröhliches Moshpit mit Pogojüngern. Dem Ausdruckstanz einzelner nach zu urteilen, waren entweder zu vertreibende Fledermäuse im Raum oder die Musik wurde äußerst gut aufgenommen. Letzeres war nämlich auch den Reaktionen derer, die nicht tanzten, zu entnehmen.
Jesus on ExtasyDer Durchschnittsbesucher der ersten fünf Reihen schien bei Jesus on Extasy minderjährig und weiblich zu sein. Allerdings galt diese Regel nur, wenn man die halbnackten, ausgelassen tanzenden Jünglinge ignorierte. Dank des vorhergegangenen Soundchecks eines anglophonen und äußerst fröhlich singenden Herrens, hatten Jesus on Extasy einen fetten Sound. Die Essener Band hatte extra eine Pause bei der Produktion ihres dritten Studioalbums eingelegt um mit ihrem Industrial Glam Rock den guten Zweck zu unterstützen. Die ganze Band schien Spaß an dem zu haben, was sie taten – mit Ausnahme des nachdrücklich schmollenden Gitarristen.

Die letzte Band des Abends waren Megaherz. Die Bayern, die die Neue Deutsche Härte in die Halle brachten, waren Headliner des Abends und von so manch einem hibbelig erwartet. Die Headliner enttäuschten nicht.

HateDotComAm Samstag ging die Sause weiter. Auch wenn der Name HateDotCom uns eher an eine noch etwas härtere , grunzigere Gangart erwarten ließ, so enttäuschten die Jungs dennoch nicht, als sie die Saalbühne besprangen. Im Gegenteil: Besonders der Sänger fiel äußerst positiv auf durch die Bandbreite an Vocalstilen, die er dem Publikum um die Ohren schmetterte. Auch wenn der Saal – wahrscheinlich auf Grund der frühen Uhrzeit – nicht gerade aus allen Nähten platzte, so sorgte die Band auch noch mit den „normalen“ Besuchern und einer Hand voll äußerst enthusiastischen Fans für Stimmung.

AutomaticSelfDestructAutomatic Self Destruct bewiesen auf der kleinen Bühne, dass sie sehr genau wussten, was „voll auf die Fresse“ heißt. Laut, energetisch, bühnensauig – Alle bis auf den Drummer wollten ganz, ganz vorne stehen, so präsentierten sich die Jungs. Außerdem waren sie echt laut – auf eine sehr angenehme Weise!

Everflow schlugen zwar etwas sanftere Töne an, brauchten aber auch nur ein halbes Lied um die Saalhalle zu füllen. Belohnt wurde so zahlreiches Erscheinen mit Songs vom 2010 erscheinenden Album. Der eingängige Sound Everflowder Band lockte die Zuhörer aus den hinteren Rängen immer weiter nach vorne. Prädikat: Sehr genießbar!

Layment unterhielten bereits während ihres Soundchecks durch fabelhafte Jamiroquai Tanzeinlagen ihres Frontmanns. Nach eigenen Angaben – und so ließen sie sich auch ansagen – haben die Sons of Herne übrigens die längsten Penisse. Dies wollte ich hier noch einmal würdigen. Diese Information blieb allerdings unbestätigt, da den großzügig messenden Handbewegungen des Sängers nicht unbedingt LaymentGlauben zu schenken war. Was allerdings sicher war, war die gute Stimmung, die der stimmgewandte Marosh und seine fünf Mannen (zwei davon seine Brüder) verbreiteten. Die nach eigenen Angaben „lustige Band aus Herne“ verstand durch Wortwitz, satten Sound, Synchronheadbangen und eine gesamt großartige abwechslungsreiche Bühnenshow zu unserem Favorit des Abends zu werden! Beide Daumen und jeweils noch zwei Pommesgabeln in die Höhe!

  DisbeliefSowohl auf als auch vor der Bühne flogen die Haare, als Disbelief in Fahrt kamen. Die dynamische und laute Kombo rief zu Spenden auf und bolzte dann fröhlich weiter. Es wurde ordentlich geknüppelt, „Metal for Mercy!!“ mit dem Publikum gebrüllt und überhaupt mächtig auf die Kacke gehauen.

Das Licht der Saalbühne durften auf diesem Metal for Mercy Holy Moses ausknippsen. Nicht allerdings bevor die MFM Orgas inklusive Bulli, dem Schutzbären die Bühne eroberten um zusammen mit den Initiatoren der Initiative BulliDerSchutzbärgegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen e.V. ein paar Worte an die Gäste richteten um sich bei allen Beteiligten zu bedanken.

Holy Moses betraten die Bühne zu Reggaeklängen. Die blonde Sabina rockte die Bühne mit einer Stimme, die wahrscheinlich einen längeren Penis als alle von Layment hatte. Wer Holy Moses noch nicht kannte, der war wahrscheinlich einen Moment lang verwirrt, als er versuchte zuzuordnen, wo genau Sabina diese Monsterröhre denn überhaupt hernahm. Aber zum Glück werden im Metal mehr Ausnahmen inHoly Moses den traditionellen Geschlechterrollen gemacht, als in der „normalen“ Welt. Auch wenn es jetzt erst mal auf nach Japan geht, so haben sie sich am Samstagabend doch nicht geschont und es wurde dem moshenden Publikum gut eingeheizt.

Und damit ging das sechste Metal for Mercy zu Ende. Moshen für den guten Zweck macht immer wieder Spaß und wir freuen uns bereits auf’s nächste Jahr!

Last but not least würden wir auch gerne noch ein paar Worte zum Festival abseits der Konzerte sagen. Es war äußerst großartig (ohne Mist!), dass in der Werk°statt Rauchverbot herrscht! Das sorgte für un-stinkige Mosh-Mähnen, freie Lungen und gute Sicht auf die Bühne – auch von ganz hinten.
Es mag vielleicht ein wenig komisch klingen, dass ich die Hygiene in den Toilettenanlagen lobe, aber wer gelegentlich den Status des Heimscheissers aufgibt, wird wissen, dass ekelfreie Klos nicht nur Trumpf sondern leider auch selten sind. Faire Bier- und Garderobenpreise sowie kuschelig warme Luft taten ihr übriges zur guten Atmosphäre.
Äußerst prima war auch der Photograben vor der großen Bühne im Saal. Relaxtes photographieren für die einen und mehr Stimmung im Publikum für die anderen. Warum letzteres? Da rennt nicht mehr der Typ mit den zwei fetten Kameras und dem Rucksack rum und wuselt durch die Reihen, weil er noch ein tolles Bild machen will!
Besonders freute uns auch die große Pappkiste am Eingang. Eigentlich ging es weniger um die Pappkiste an sich, sondern eher um die kostenlosen Ohrstöpsel, die sie beherbergte. Gehörschutz für alle und das auch noch kostenlos! Was für ein Service und Luxus! Sowas kannten wir bisher nur von schwedischen Festivals, aber wir sind mehr als begeistert, dass dieser Trend überschwappt.

Wie bereits gesagt: Das 6. MFM war toll! Wir sind gespannt wie viel Geld für die Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen e.V. zusammengekommen ist! Es ist immer wieder schön zu sehen, dass negative Klischees, die der Metalszene anhaften einfach nicht wahr sind und dies zum Vorteil aller gezeigt werden kann!

Charity ist Heavy Metal!

Fotos vom Metal For Mercy 2009: Galerie

Bericht vom Vorjahr: Metal For Mercy 2008