F reitag 17.07.09
Ein Jahr haben wir gewartet um unser kleines Lieblingsfestival wieder besuchen zu dürfen.
Wir haben uns zusammen mit den Dong Organisatoren gefreut wie kleine Kinder nachdem das diesjährige Dong so rasend schnell ausverkauft war. In wenigen Stunden waren die Tickets für das beliebte Festival schon vergriffen.  Nachdem wir also ein ganzes Jahr dem Dong entgegen gefiebert hatten war es endlich so weit.  Einen Australier, der sich einmal im Jahr auf eine "Metal-Odyssee" aufmacht, im Gepäck parkten wir also unser Auto am Fuße der Halde und schleppten unser Zeug auf den Berg.

Der Aufstieg war dieses Jahr nicht ganz so beschwerlich, da wir auf schweres Gepäck verzichteten. Einzig und allein das Wetter machte uns sorgen. So sagte doch der Wetterbericht nichts Gutes voraus. Regen, Gewitter.. das alles war angesagt.  Nun gut.. kaum waren wir oben auf dem Berg wurde schnell das Lager aufgeschlagen. Zum Glück war direkt am Weg noch eine große Fläche frei und das umliegende Gelände wurde schon von Bekannten bewohnt.

Oben bot uns ein bekanntes Bild: ein paar kleinere Merch-Stände die ihre Devotionalien feil boten,
und dazu noch ein Bierstand und 2 Fressbuden. Eine gehobene Frittenbude und dieses Mal statt Döner ein Asia-Imbiss.  Auch unsere Asiatischen Freunde machten offensichtlich einen Fehler bei der Preiskalkulation und so sollte der Stand im Laufe des Festivals nicht allzu gut besucht werden.  Die Konkurrenz der Über-Frittenbude war einfach zu groß.

Nachdem wir unsere Bändchen und die absolut überlebenswichtigen Biermarken organisiert hatten gönnten wir uns noch schnell ein Festival-Startup-Bierchen.  

Es dauerte nicht lange bis Interrobäng  den offiziellen Beginn des Festivals einläuteten.  Die Münsteraner-Band mit dem seltsamen Namen um Dong Orga Roland hatte freilich einen schweren Start auf dem Festival. So ist der erste Slot am Freitag in der Regel der am wenigsten dankbare. So fanden sich auch nur relativ wenige vor der Bühne ein , um den Powermetal Klängen von Interrobäng zu lauschen. Musikalisch fand ich die Jungs ganz gut, allerdings täte den Münsteranern etwas mehr Bühnenpräsenz und Bewegung auf der Bühne gut.  


Die Zeit bis zum nächsten Slot überbrückte ich Backstage bei einem Bierchen und einem gigantischen Dong XL Burger. In December aus Koblenz nahmen den zweiten Platz im Freitagsprogramm ein.  Der Sound lässt sich als eine Mischung aus einer großen Portion Metalcore mit Trash-Einflüssen umschreiben.  In December erwiesen sich als deutlich routinierter als Ihre Vorgänger und lockten deutlich mehr Publikum in das Festzelt.  Während des Gigs gab es die ein oder anderen soundtechnischen Probleme, aber die fielen kaum ins Gewicht.


The Splatter and Gore Department, der Name klang irgendwie nach Kunstblut und Innereien.
Als die Band dann auch noch Ihren eigenen Metzger mitbrachte, rechnete ich mit dem Schlimmsten. Doch die Verrückten aus dem Emsland knallten dem Publikum nicht nur eine geniale Trash/Death/Grind Marinade um die Ohren. Statt Kunstblut-Fontänen hatten sie Ihren eigenen Grillmeister auf der Bühne, der die vom Metzger fachgerecht zerteilten Schweinestücke auf einem E-Grill zubereitete. Eine so freakige und spaßige Show habe ich lange nicht mehr gesehen.

Nach dem es jetzt schon eine ganze Weile härter zuging drehten die Folkrocker von Clanrock aus Luxemburg  den Lärmpegel wieder etwas runter um dafür aber auf der Bühne um so mehr aufzudrehen.  Das Folk-Programm, das im Publikum offene Türen einrannte, wurde leider des Öfteren von technischen Problemen getrübt.  In einen der letzten Songs, welcher George W. Bush gewidmet wurde ,(Fuck Bush) woben die Luxemburger  den Song "When Johnny comes marching home"  ein.  

Während sich draußen auf dem Zeltplatz ein buntes Grüppchen im Pfandflaschen-Kegeln versuchte  sorgten derweil Elexorien aus den Niederlanden für einen interessanten Genre Mix aus Viking, Power und Deathmetal.  Die nett anzusehende Frontfrau Iné welche die cleanen Vocals übernahm war sich nicht zu schade in Ihren Pausen ordentlich die Matte zu schwingen. Um Growls kümmerte sich Lainedil, seines Zeichens Gitarrist der Band.  Sämtlichen Mitgliedern von Elexorien konnte man deutlich Ansehen, dass sie eine gute Zeit auf der Dong-Bühne hatten. Das Publikum nahm den eigenwilligen Stil  eher gemischt auf. Der Großteil der Zeltbesucher fand Gefallen an der Show, allerdings verdrückten sich auch einige nach anfänglichem rein hören wieder.  

Ravage waren dann eine Überraschung für viele Dong Besucher, kündigte doch das Programmheft jetzt The Very End an. Das Rätsel wurde aber schnell aufgeklärt: Da Dew-Scented leider Ihren Auftritt kurzfristig absagen mussten, reagierten die Dong-Orgas schnell und verpflichteten Ravage als Ersatz. The Very End tauschten ihren frühen Slot dafür mit der eigentlich für Dew-Scented vorgesehenen besseren Spielposition. Ravage um Frontmann Lord Bier und Jussi (der sich am folgenden Tag nochmals mit Kingdom of Salvation die Ehre gab) zockten sich routiniert durch ein devastierendes  Trash/Death Set. So konnte man während des Ravage-Gigs den ein oder anderen Nackenwirbel brechen hören.
Nach Ravage waren Cast in Silence am Start. Die Band bezeichnet ihren Stil als "Contemporary Metal". Wonach das jetzt genau klingt kann ich gar nicht so wirklich beschreiben.  Die Vocals klingen eher rockig, die Gitarrenriffs haben teilweise einen leichten Nu-Metal  Einschlag (möge man mich jetzt steinigen), dennoch konnte  der teilweise melodische, teilweise sägende Sound  der Band überzeugen. Ein zumindest den in den 80ern aufgewachsenes Cover hatten die Jungs auch im Gepäck: Voyage, Voyage.

Nach einer kleinen Umbaupause war es dann endlich Zeit für melodischen Death Metal mit The Very End, die sich auf dem eigentlich Dew-Scented zugedachten Platz tummelten. Während die Jungs aus dem Pott auf der Bühne ordentlich vorlegten bildete sich im Publikum ein relativ großer Moshpit. Viel besser kann man sein Gefallen an der Band um Frontmann Björn Gooßes eigentlich gar nicht ausdrücken. Nach dem die Stimmung dermaßen aufgeheizt war  konnte ja eigentlich gar nichts mehr schiefgehen.
Eigentlich.. Denn ich muss gestehen das mich Dornenreich nicht sonderlich vom Hocker gerissen haben. Dornenreich konnten mich auf der Bühne absolut nicht überzeugen. Eine Geige, eine Gitarre und die einzige Action ging hinterm Drumkit ab. So kam das ganze ziemlich trocken rüber. Der Sound war nicht der Beste, alles in allem eine enttäuschende Darbietung, die sich so manch einer sicher anders gewünscht hätte.


Rage, die Headliner des Freitags ließen sich beim Soundcheck ordentlich Zeit und so begann der letzte Gig des Abends statt um 23:30 erst gute 40 Minuten später.  Peavy, Victor und Andre  zockten sich routiniert durch das ganze Set und auch soundtechnisch gab es eigentlich nichts zu meckern.
Die Setlist war gespickt mit Klassikern die eigentlich immer ziehen, und so gab es schon als zweiten Song eine Mitsinggarantie. "Higher in the sky" klappt eigentlich immer.  Und so machten die 3 den Boden den Dornenreich verloren hatten problemlos wieder gut.  Zu Erwähnen wäre da noch, das natürlich auch die bezaubernde Jen Majura  die Jungs für einen Song auf der Bühne unterstützte

Samstag 18.07.09
In der Nacht hatte es wohl ein wenig geregnet und es war deutlich kühler geworden. Der Himmel sah auch nichtmehr so freundlich aus wie am Vortag.  Da es aber nicht großartig geplästert hat, gab es dennoch keinen Grund zum Ärgern. Wir waren relativ früh wach und machten uns auf den Weg ins heimische Duisburg um die Bilder vom Freitag auf den Rechner zu ziehen und ganz Metal-Unlike schnell zu duschen. Warum auch nicht, wenn man eh gerade mal zu Hause ist?

Pünktlich zu Orphan Hate waren wir aber wieder auf dem Berg.  Für die Berliner Band um Frontfrau Sina war es kein Problem den Dongberg mit knallharten Thrashklängen wachzurütteln. Stimmlich lag die sympathische Berlinerin irgendwo zwischen Sabrina Classen von Holy Moses und Sandra Nasic von den Guano Apes.  Die Besucher huldigten der Band mit einem Moshpit, was eigentlich schon ungewöhnlich genug ist für eine Band die am frühen Mittag spielt. Richtig seltsam wurde es dann aber, als die "Dutchies" (umgangssprachlich für "unsere" niederländischen Freunde) anfingen bei einem etwas sachteren Song eine Slow-Motion Moshpit aufzumachen.  Ein Anblick den man sicherlich nicht allzu oft hat.

Nachdem  Orphan Hate  auch die letzten Schlafmützen wachgerüttelt hatten wurde es Zeit für einen drastischen Stilwechsel: 7 Seals, womit hier nicht sieben singende Robben sondern eher die biblischen 7 Siegel gemeint waren, stürmten das Zelt um dem Dongberg zu zeigen, was eine Powermetal-Harke ist.  Die Jungs aus Paderborn mit ihrem neuen Sänger Hagen, der Ross  von Van Canto ersetzt, standen für einen Sound der direkt ins Ohr ging. Powermetal ohne komplizierte Schnörkel, wie sie zum Beispiel von unseren Lokalmatadoren von Blind Guardian vollzogen werden, sowas gefällt. Nur etwas voller hätte das Zelt meiner Meinung nach sein können.

Kingdom of Salvation zogen dann wieder ganz andere Saiten auf.  Die Leverkusener um Frontmann Jussi feuerten dann auch gleich Salven aus Ihrem Melodic Death Repertoire ins halb gefüllte Zelt.
Das die Jungs Spaß verstehen und auch gerne mal einen heben beweist das Bierkisten-Radio, das schon seit 2002 Stammgast auf dem Dongberg ist.  Natürlich gab es während des Gigs auch noch ein 5 Liter Fässchen Frühkölsch für das durstige Publikum.  Song 7 der Setlist "Hornz" erwies sich dann zu meiner Freude als Amon Amarth Cover und gleichzeitig auch als mein Lieblingsong der Wikinger: K-O-S zollten Amon Amarth mit Pursuit of the Vikings ihren Tribut.


Synchromantia, Synchronomica, Syncronomica...  Bei dieser Combo aus München  tue ich mich jedes Mal Schwer, was den Bandnamen angeht. Sycronomica heisst die Band und ich weiß nicht warum dieser Name einfach nicht hängen bleiben will. Auf der Bühne hinterlassen die 6 jedoch einen bleibenden Eindruck.  Nachdem das Dong dieses Jahr etwas mehr Powermetal und dafür weniger Blackmetal im Angebot hatte sind Sycronomica die idealen Kandidaten um eben diesen Mangel wieder wettzumachen. Mit epischen Posen und einem stimmigen Auftritt beweist das Sextett das nicht alles staubtrocken und erzkatholisch ist, was aus Bayern kommt.  Ds Zelt hätte auch hier allerdings etwas voller sein können.

Keineswegs Schafsköpfig kamen dann Sheephead aus Pfaffenhofen daher. Die stark Metalcore geprägte Combo sollte eigentlich schon letztes Jahr auf dem Dong spielen, war dann aber kurzfristig verhindert, so dass man den Gig auf dieses Jahr verschob. Ich kann mit Metalcore nicht viel anfangen, dem Großteil des Publikums schien es aber zu gefallen. Auch wenn es musikalisch nicht wirklich meine Lieblingsmusik war, was die Pfaffenhofener da boten, für Partystimmung und kleinere Moshpits sorgten sie allemal.

Die darauffolgende Band sollte zumindest Besuchern des vorletzten Dong Open Airs ein Begriff sein. Cheeno aus dem Saarland  passen zwar stilistisch mit ihrem eher klassisch geprägten  Rocksound nicht so unbedingt auf ein Metal Festival, dafür konnte die Band um die hübsche Frontfrau trotzdem (wie schon 2007)  punkten. Qualität wird eben belohnt und so fand sich dann doch noch eine respektable Menge Zuschauer im Festzelt ein, während Cheeno sichtlich erfreut Ihr  rockiges Programm durchzogen. Das Material vom neuen Album "The next step will be the hardest" wurde durchweg gut aufgenommen.

Bei Hatred wusste ich dann ehrlich gesagt gar nicht mehr wie mir geschah. Die Thrasher aus Franken zündeten eine Bombe nach der anderen so dass mir und dem Rest des Publikums die Spucke wegblieb und die Haare flogen wohin man sah. Auch wenn ich Thrashmetal eigentlich nur bedingt gut finde haben Hatred auf dem Dong Open Air voll und ganz überzeugt. Anekdote am Rande: In den Haaren von Hatred Drummer EvilEwald hatte sich während des Gigs ein Drum stick verfangen, der sich einfach nicht lösen wollte. EvilEwald nahm es gelassen und ließ sich davon beim erbarmungslosen Geknüppel auf sein armes Drumkit nicht beirren.


Die Deathmetaller Failed Perfection kamen quasi von umme Ecke, also aus dem Pott. Die Jungs um Sänger und Muskeltier Chris lieferten eine solide Show ab die einen guten Unterhaltungswert hatte.
Man konnte dem Quintett aber deutlich anmerken dass es Schwierigkeiten hatte die Messlatte zu halten, die Ihre Bandkollegen von Hatred vorgelegt hatten.  Schade eigentlich, denn das was Failed Perfection da präsentierten war absolut hochkarätig. Doch nach Hatred hätte so ziemlich jede andere Band blass ausgesehen. Schade auch dass der letzte Song aus Zeitgründen nichtmehr  gespielt werden konnte.
Von Common Grave bekam ich leider nicht allzu viel mit, da ich zwischenzeitlich mit einem kleinen Fotoshooting beschäftigt war und danach auch mal etwas essen musste. Der Sound klang jedenfalls amtlich. Über die Stimmung im Zelt kann ich allerdings nur spekulieren.

Die Briten von Skyclad kennt man ja schon von vorherigen Dong-Besuchen. So ziemlich jedes zweite Jahr besucht die britische Folk-Band das kleine Festival auf der Halde und hatte auch dieses Jahr wieder einige mitreißende Songs im Gepäck.  Die Stimmung im Zelt war spitze und Skyclad feierten wie gewohnt eine wilde Party mit den Besuchern, diesmal sogar mit eigenen Instrumenten :)

Die Samstags Headliner Amorphis, auf die ich mich schon besonders freute, fingen wie schon Rage am Freitag, erst mit einiger Verspätung an. Das Zelt war soweit ich es von vorne beurteilen konnte bis nach hinten hin gefüllt und die Finnen schafften es problemlos eine dichte Atmosphäre zu erzeugen, der sich auch einer der Dong Orgas nicht entziehen konnte und zum spontanen Crowdsurfen überging.  Einziger Makel: Ein Stromausfall sorgte dafür, dass für ca. 15 Minuten im Zelt absolute Dunkelheit herrschte. Dieses technische Problem war dann auch leider der Grund dafür, dass die Setlist um einige Songs gekürzt werden musste.  Der Partylaune im Zelt tat das aber keinen Abbruch.
Nach den letzten Klängen von Amorphis verbrachte ich noch einige Zeit im Backstagebereich um mich mit einigen Bands und Kollegen auszutauschen. Danach machte ich mich in Bierseeliger Laune auf in Richtung Zelt.

Fazit:
Mal wieder ein gelungenes Festival.  Der Wettergott hatte es absolut gut mit dem kleinen Festival gemeint, denn das befürchtete Unwetter blieb aus und auch ansonsten war alles sehr gelungen. Positiv fiel vor allem das geänderte Ticket-System auf. Vorbei waren die Zeiten in denen langwierig Listen gewälzt werden mussten. So kam jeder schnell zu seinem Bändchen und zu den eventuell bestellten Biermarken. Auch das Line-Up konnte sich dieses Jahr wieder sehen lassen. Auf dem Gelände und im Zelt herrschte trotz der ein oder anderen technischen Schwierigkeit, wie zum Beispiel dem Stromausfall bei Amorphis und gelegendlichen Soundaussetzern, eine extrem gute und für das Dong Open Air typische Stimmung.  Der Bierpreis war mit 1,50 € mal wieder unverschämt günstig und so kann ich es echt nicht begreifen, dass es immer noch Leute gibt, die den Gerstensaft Kistenweise den Berg hochschleppen.  Auch das Pfandsystem funktionierte  deutlich besser als im letzten Jahr.
Jetzt heißt es für uns wieder: Ein Jahr warten :(  Doch zum Glück kann man die Zeit gut mit dem Bleeding Edge Festival überbrücken..und wer weiß... vielleicht gibt es ja doch noch eine Dong Winter Party im nächsten Jahr.

Mehr Bilder zum Festival gibt es hier