Der erste Abend des Castle Rock Festivals fing mit einer Hitzewelle an, und setzte sich fort mit der all zu schicksalhaften Ankündigung der Metallspürhunde: Böse Wetter. Selbiges machte sich nämlich kurz nach Beendigung des dritten Liedes bemerkbar. „Land unter im Revier“ titelte die WAZ am nächsten Morgen und trag damit den Nagel auf den Kopf. Innerhalb von einer knappen halben Minute war der geneigte Besucher bis auf die schwarze Unterbuchse durchgeweicht. Blitz und Donner erschütterten Schloss Broich und verwandelten den Schlosshof in eine düstere Wasserlandschaft mit reißenden Bächen.

 

Hier endete das Festival für Freitag leider auch für uns, da wir weder Kamera noch Leib und Leben (bei Blitzeinschlag knöcheltief im Wasser?) riskieren wollten.

Nachtrag: Hier sei noch erwähnt, dass der Veranstalter den Gästen schnell den Zugang zum Schloss ermöglichte und somit das Risiko vom Blitz getroffen zu werden auf 0 reduzierte. Leider bekamen wir davon nichts mehr mit, da wir da schon die Flucht ergriffen hatten.
Mit einiger Verspätung wurde das Festival dann fortgeführt, als der Regenguss abgeflaut und das Gelände wieder trocken gelaufen war.

Dank Fontänen aus Gullideckeln, überfluteten Straßen und dem resultierenden Verkehrschaos machten wir uns währenddessen auf Umwegen und triefend auf den Heimweg.


 

 Der Samstag begann zum Glück sehr viel angenehmer in einer inzwischen getrockneten Burg bei angenehmen 26°C und leicht bewölktem Himmel mit Do Not Dream los. Die Kombo aus Oldenburg rockte die Bühne mit ihren beiden Leadvocalisten bereits ab 13 Uhr in diversen Sprachen. Tinas klaren klassischen Vocals ergänzten sich sehr gut mit Lars’ rauerer Stimme und präsentierten Do Not Dream als absolute runde Sache. Obwohl Mitglieder verschiedener Szenen in Schloss Broich anwesend waren, dürften sich alle an dem Opener erfreut haben.

 

 Etwas elektronischer, jedoch immer noch sehr gitarrenlastig ging es bei Mono Inc. zu. Auch hier wurde in die Opern-Mädel-mit-dominanter-Männerstimmen-Kiste gegriffen bei der die singende Drummerin trotz vollem Körpereinsatz an den Drums nicht unterging. Zur Freude der Band waren viele Fans textsicher.

 

Ein ruhiges Pianointro eröffnete die Show von Beloved Enemy. Dir Ruhe vor dem Sturm, wie sich herausstellte! Die Stimme des Sängers hätte Jyrki von den 69Eyes als Chorknaben dastehen lassen. Besonders erfrischend waren die Headbangeinlagen der fünf Ju ngs. Der Gruft-Elvis und seine Kumpanen füllten den Burghof immer weiter und animierten auch die ersten zu Tanz- und Bangeinlagen in der Mittagssonne. Gitarrenstarker Goth’n’Roll incl. guter Sprüche. Gut für’s Ohr und definitiv auch easy on the eyes.

 

Lacrimas Profundere lieferten erwartungsgemäß ganz netten Goth Rock mit vereinzeltem Ohrwurmcharakter ab, mehr allerdings nicht. Ob es an der Zusammensetzung des Publikums, dem warmen Wetter oder der Performance lag , ist unklar, aber das Symptom, das sich äußerte, war die vollkommene Unbeweglichkeit des Publikums. Erst auf Anpfiff des Sängers streckten sich vereinzelt klatschende Hände in die Höhe. Von Anfang bis Ende brillierte besagter Sänger durch die Bühnenpräsenz eines besoffenen Meerschweinchens. Ihr Sprachtestroadie war allerdings großartig und eloquent.

 

Dagmar Mühlenfeld, ihres Zeichens Oberbürgermeisterin des beschaulichen Städtchens Mülheims an der Ruhr, gab sich ebenfalls die Ehre auf der Bühne. Ihre abgelesene Rede, in der sie sehr diplomatisch ihr absolutes Desinteresse an der Musik, die das Castle Rock auszeichnet, kundtat, beeindruckte wenig. Wenigstens schaffte sie es im Dialog mit dem Initiator des Festivals, Michael Bohnes, des Termin für das nächste Jahr zu  bestätigen: 2./3. Juli 2010!

 

Eisbrecher schienen die meisten bekennenden Fans an: Sowohl per T-Shirt als auch per Schiffchen bekannten sie Farbe. Dementsprechend waren sie auch die Band, die bis zu diesem Punkt am lautesten auf der Bühne begrüßt wurde. Nach dem gekrampften Auftritt der Oberbürgermeisterin tat „Kann denn Liebe Sünde sein“ von der bühnenfesten Band richtig gut! „Wir sind Eisbrecher aus München und wir freuen uns heute mit euch ein Tischfeuerwerk der guten Laune abfeuern zu dürfen!“ eröffnete Alexx die Show und begann ein eher sehr großes Tischfeuerwerk  sehr guter Laune abzufackeln. Auch, wenn Menschen anwesend waren, die für die elektronische Musik Eisbrechers nicht zu begeistern waren, so war es unabstreitbar, dass der Unterhaltungsfaktor der Band für eine eigene Kabarettshow reichen würde. Die sehr publikumsnahe Band überzeugte durch Charme, Witz und ihre Bühnenpräsenz (und natürlich auch musikalisch!). „Kinder weg schauen! *mit der Whiskeyflasche wedel* Das ist NUR TEE!“

 

Der erste Eindruck, den Epica ablieferten, war leider stark durch technische Probleme geprägt. Der zweite und dritte ebenso. Mal fiel die eine Box aus, mal die andere. Die Menschenmengen, die sich zu Epicas Vorgängern versammelt hatten, lichteten sich ein wenig, obwohl sich nach etwa der Hälfte des Konzertes die Technik wieder eingefangen hatte. Simones Stimme klang leider schwächer als erwartet. Nichtsdestotrotz schien das Publikum den sympathischen Niederländern, die auch auf deutsch mit ihnen kommunizierte, positiv entgegenzutreten. Die Band gab sich größte Mühe dies zu honorieren, jedoch prägte der schlechte Sound das Konzert. Letztendlich lässt sich allerdings sagen: Ein Konzert, auf dem der Imperial March gespielt wird, kann nicht schlecht sein!

 

Die Apokalyptischen Reiter spielten als Headliner. Nun. Was lässt sich dazu sagen? Reitermania!

 

 

Es gibt eine Menge Punkte, die für das Festival sprechen. Die Location ist wunderschön, die Sitzbänke und der provisorische Biergarten laden zum gemütlichen Sitzen zwischen den Konzerten ein. Die Bäume im Burghof spendete der strapazierten Gothenhaut Schatten, während die Sonnenverliebten außerhalb der Mauer im Vorgarten der Burg benannter Affinität frönen konnten. Es wurde für ausreichend Mülltonnen gesorgt, das Becherpfandsystem ersparte unnötige Sauereien auf dem Boden und die Toiletten waren sauber!

 

Der ansonsten sehr gute Eindruck wurde leider dadurch getrübt, dass das Bier sagenhafte 3€ auf 0,3l kostete. Bei so einem kleinen Festival lag der Preis definitiv über unseren Erwartungen. Zum Glück war Parkplatz nicht weit und die eigenen Wasservorräte nicht unerreichbar

 

Nachtrag: Auch wir machen manchmal Fehler, sind aber nicht zu stolz dies zuzugeben. Der Veranstalter machte uns netterweise darauf aumerksam, dass der Bierpreis betrug nur 2€ auf 0,3l  betrug. Das ist absolut fair und hat durchaus Kneipenniveau. Der zusätzliche Euro kam durch den Becherpfand hinzu, den man natürlich später zurück bekam.
Hätten wir vorher richtig geschaut, hätten wir sicher auch das ein oder andere Bierchen im Burghof genossen. 

 

Unsere persönlichen Highlights des Festivals waren Eisbrecher und die singende Drummerin!

 

Weitere Bilder zum Castle Rock 10 gibt es hier