Das Wetter war fast schon zu schön um wahr zu sein! Temperaturen jenseits der 24° Marke und ein wohlwollender Wetterbericht weckten unsere Hoffnungen,  endlich mal ein Rock Hard Festival ohne störende Regenschauer zu erleben.  Da wir wie jedes Jahr, dank des kurzen Anfahrtsweges , den Zeltplatz mieden, konnten wir ganz entspannt Freitag gegen Mittags in Richtung Gelsenkirchen aufbrechen.  Schnell wurde noch ein Kollege in Essen eingesammelt und dann ging es auch schon los.. Allerdings im Schneckentempo. Vom letzten Jahr nahmen wir schon die Erkenntnis mit, dass die Essener Innenstadt Freitagsmittags der größte Parkplatz Deutschlands ist. Soll heißen: Hier ging gar  nix mehr.  Egal , irgendwie haben wir es trotzdem geschafft pünktlich zu sein.

Die Thrashmetal Urgesteine Witchburner machten Freitag den Anfang und hatten somit die, in der Regel, undankbare Aufgabe das Festival zu eröffnen. Regeln gelten aber zum Glück nicht immer, denn vor der Bühne hatte sich bereits ein ansehnliches Grüppchen  Trash-Jünger zusammen gerottet.

Witchburner liessen nicht lange bitten und legten mit Sign of Evil los.  Man konnte deutlich merken das die rauhen ungeschliffenen Trash-Klänge der Hessen beim Publikum gut ankamen.  Aber nicht nur musikalisch konnte die Live-Show überzeugen woran nicht zu letzt die starke Bühnenpräsenz der Band und die starken Posen von Frontmann Andy schuld waren.

Die Setlist von Witchburn liest sich wie folgt:

·         Sign of evil

·         Bloody countess

·         Blasphemic Assault

·         Hexenhammer

·         Final Detonation

·         Demonic war machine

·         Invisible Violence

·         Blood of witches

·         Posessed by Hellfire

·         Witchburner

Aufgrund der schweißtreibenden Beschallung und des absolut wolkenfreien Himmels wundert es kaum, dass man gegen Ende des Gigs schon die ersten Alkoholleichen sichten konnte.

Angel Witch welche als zweite auf der Running Order standen zogen anscheinend nicht ganz soviele Leute wie die Jungs von der Trash-Metal Fraktion.  Dennoch schaffte es die Band um Kevin Heybourne, der noch bis vor kurzem für mehrere Jahre abgetaucht war, eine gute Show mit grandiosem Sound zu liefern. So machten wir es uns dann bei einem Bierchen auf den Rängen gemütlich um den NWOBM-Veteranen zu huldigen. Natürlich durfte auch der Song "Angel Witch" nicht fehlen welcher lautstark vom Publikum mitgesungen wurde.

Mit Deströyer 666 schlug der Festivalverlauf dann wieder eine härtere Gangart an.
Die vom Rock Hard Chefredakteur Götz Kühnemund als "neue Slayer" angekündigte Band schaffte es dann auch wieder viele Headbanger anzuziehen. So schafften es Deströyer 666 auch relativ problemlos, trotz der inzwischen unerbittlich knallenden Sonne, eine gute Stimmung zu machen. Mir persönlich gefielen die Jungs nicht ganz so gut, aber das ist halt Geschmackssache. Nach dem zu Urteilen was vor der Bühne abging, kamen die Australier jedenfalls sehr gut beim Publikum an.

Die mir bis dato unbekannten Prong waren für mich die Überraschung des Festival-Freitags. Die New Yorker stampften quasi aus dem Nichts einen riesigen Moshpit, der von oben betrachtet eher einem Strudel glich. Dennoch ging alles sehr gesittet vor der Bühne zu.
Während die Band um Tommy Victor die Menge mit einem interessanten Stilmix aus Hardcore, Nu Metal und Trash beschallte wurden immer wieder Metaller, denen es im Pit zuviel wurde in die Hände der Ordner übergeben. Prong schafften es auch eine gigantische Menge an Zuschauern zu ziehen und so konnten Sie die Zuschauerzahlen der vorhergehenden Bands noch toppen. Eigentlich keine große Überraschung wenn man sich die Historie der Bandmitglieder anschaut. Frontmann Tommy spielte schon bei Bands wie Ministry, Danzig und Marilyn Manson. Der Basser vom Dienst Monte Pittman verdingte sich schon als Madonnas Tourgitarrist und Gitarrenlehrer. In diesem Sinne: Beide Daumen hoch für Prong.

Als Co Headliner für den Freitag haben die Jungs und Mädels vom Rock Hard etwas besonderes ausgebuddelt: die Power Metal Legende Jag Panzer, die man in den letzten Jahren so gut wie gar nicht zu Gesicht bekommen hat!   Die Arena war voll, inzwischen liefen auch die mobilen Bier-Kommandos wieder durch die Ränge.. beste Voraussetzungen für einen guten Gig.  Über das Bühnenoutfit von  Harry "The  Tyrant" Conklin kann man natürlich streiten, aber wenigstens machte der Frontmann  von Jag Panzer damit eine gute Show und unterstrich die dichte Atmosphäre mit den genre-typischen Posen.  Musikalisch konnten Jag Panzer nicht zuletzt wegen des Tyrants Stimme überzeugen.

Opeth , die Freitags-Headliner waren, kannte ich bisher nur von CD beziehungsweise von vereinzelten Stücken aus der Disko.  Da mir das was ich bisher so gehört hatte eigentlich recht gut gefiel erwartete ich die Schweden mit Spannung. Allerdings muss ich sagen dass mich die Jungs live nicht wirklich überzeugen konnten. Dafür war mir das ganze Set viel zu progressiv gestrickt.  Mit Progressiv-Frickeleien konnte ich  noch nie besonders viel anfangen, vielleicht hab ich bisher einfach nur die Opeth-Songs gehört die weniger prog-lastig waren.  Man kann es halt nicht jedem recht machen,  dennoch schienen die Rock Hard Macher bei der Bandwahl ein sicheres Händchen gehabt zu haben, denn der Großteil des Publikums fand  durchaus Gefallen an der Show.

Opeth spielten folgendes Set (laut Setlist):

·         Heir Apparent

·         Ghost of perdition

·         Godhead

·         Leper Affinity

·         Hessian Peel

·         Closure

·         Lotus eater

·         Deliverance

Samstags sah es dann schon weniger kritisch mit dem Verkehr aus so dass wir absolut keinen Stress hatten und uns gemütlich zum Festival Gelände begeben konnten. Schnell wurde noch ein Bierchen geholt und dann konnte es losgehen.

Evocation aus Schweden begannen dann auch relativ zügig mit Death Metal Gebolze die Alkoholleichen vom Vortag aus den Zelten zu treiben.  Musikalisch waren die Jungs ganz ok, aber die Show an sich fand ich nicht so gelungen.  Das lag zum einen an dem Albernen Totenschädel-Gehstock mit dem der Frontmann ständig rumgewedelt hat, zum anderen aber auch daran das Kurzhaar-Bands auf der Bühne in der Regel relativ langweilig und verloren aussehen.

Setlist Evocation:

·         In the reign of chaos

·         Silence Sleep

·         Angel of torment

·         Veils were blown

·         Dead calm chaos

·         The dead

·         Tomorror has no sunrise

·         Feed the fire

·         Razored to...

 

Grand Magus überzeugten mich da schon mehr. Die Jungs sehen nach Hardrock aus stehen aber für stimmungsvollen Doom Metal. So ist es auch kein Wunder, dass die Schweden eine beträchtliche Menge Metaller vor die Bühne ziehen. 

Audrey Horne kannte ich bisher nicht und erwartete eine Damencombo. Da ich es bis hierhin auch noch nicht geschafft hatte mit ein Programmheft zu besorgen sollte dieser Irrtum auch erst bereinigt werden als die Jungs von Audrey Horne die Bühne betraten. Statt der erhofften Frontfrau grinste mir und dem Publikum dann auch gleich der schwerst tätowierte Frontmann ins Gesicht.

Soundtechnisch waren die Skandinavier wohl irgendwo zwischen Rock, Prog und Grunge anzuordnen.

Setlist:

·         Dead

·         Confessions

·         Last call

·         Jaws

·         Euphoria

·         Threshold

·         Bright lights

Hail of Bullets Frontmann Martin van Drunen stand letztes Jahr schonmal mit Asphyx auf der Bühne im Amphittheater Gelsenkirchen. Schon damals sorgte er für gute Stimmung auf dem Rock Hard. Dieses Jahr war das nicht anders. Andere Band, selbe Stimme aber nichts destotrotz kompromissloser Old School Death Metal aller erster Güte.  Hail of Bullets machten ordentlich Stimmung  und hätten meiner Meinung nach gerne länger als 45 Minuten damit fortfahren können das Gelände musikalisch zu demontieren.

Dragonforce haben dann selbst mich ziemlich überrascht.  Eigentlich kann ich den Briten seit ihrem unsäglichen Auftritt in Oberhausen bei der Edguy "Rocket Ride" Tour Live nichtmehr allzu viel abgewinnen und halte den Sänger für einen überheblichen Affen.  Ich muss dennoch zugeben dass die Show die Dragonforce auf dem diesjährigen Rock Hard boten sich wirklich sehen lassen konnte.  Es war eigentlich für jeden etwas dabei. Springende Gitarristen, ein Keyboarder den man wohl  hätte Festnageln müssen..  Herman Li der selbst mit seiner Zunge Gitarre spielt und ein Drummer der problemlos dem Tier aus der Muppetshow Konkurrenz machen konnte gepaart mit astreinem und ultraschnellem Powermetal konnten das Publikum problemlos begeistern.  Mir drängt sich an der Stelle eigentlich nur die Frage auf, wie die Jungs das bei der Affenhitze überleben konnten.
Einzig und allein der etwas zu dünn abgemischte Gesang  und die Arroganz des Frontmanns kamen dann nicht ganz so gut an.

Den Autritt von Forbidden nutzten wir nach den obligatorischen ersten drei Songs für eine kleine kreative Schaffenspause und um uns mit neuen Getränken und Futter zu versorgen. Daher diente der Auftritt der Trasher eher als Hintergrundbeschallung.  Eine Setlist kann ich aber trotzdem bieten:

·         Intro

·         Infinate

·         orbitten evil

·         RIP

·         Off the edge

·         Step by step

·         March into fire

·         Follow me

·         Twisted into form

·         Tossed Away

·         Eyes of Glass

·         Chalice of blood

Nachdem Jon Olivas  letzter Autritt auf dem Rock Hard eher kritisch aufgenommen wurde wollte der Mountain King es diesmal wieder gut machen und versprach ein Set mit diversen Klassikern.  Die "Wiedergutmachung" nahmen die Fans auch dankbar an und so spielte der sympathische Kopf des Transsiberian Orchestra vor ziemlich vollen Rängen und einem sehr gut besuchten Raum vor der Bühne. 

Der Koloss mit der unverwechselbaren Stimme bot folgende Stücke dar:

·         City beneath the surface

·         Sirens

·         Eyes of the king

·         Rage and war

·         Chance

·         Maniacal Renderings

·         Gutter ballet

·         Tonight he grins

·         Hounds

·         Believe

·         Jesus Saves

·         Hall of the Mountain King

Das Hals- und Bein-Bruch hat Children of Bodoms Frontmann Alexi  Leiho wohl etwas zu wörtlich genommen. Daher ist es mehr als sportlich von Ihm, sich  mit gebrochenen Rippen und einer ausgekugelten Schulter noch die Ehre als Samstagsheadliner auf dem Rock Hard zu geben.  Abgesehen davon das Alexi nicht ganz so bewegungsfreudig war merkte man der Show die Verletzungen des Sängers und Gitarristen  auch nicht wirklich an. Dennoch taten sich die Kinder vom Lake Bodom recht schwer damit das Publikum nach dem furiosen Auftritt vom Altmeister Jon Oliva noch vom Hocker zu reißen. Irgendwie wollte der Funke nicht so recht überspringen.

Sonntag und damit Endspurt eines sehr schönen Festivals kündigte sich langsam an.

 Auch wenn ich Tracedawn vorher noch nicht kannte… als die Jungs die Bühne betraten war mir sofort klar dass es sich um Finnen handeln musste. Es gibt auch nicht viele andere Länder die einen qualitativ hochwertigen Metal-Act nach dem anderen hervorbringen dessen Mitglieder dann im Durchschnitt noch unter 16 sind. Damit scheint sich ein neuer Trend durchzusetzen. Trotz ihrer jungen Jahre gaben Tracedawn ordentlich Gas und zogen ihre Show mit finnischem Death Metal souverän durch. Leider waren noch nicht allzu viele Zuschauer zugegen.

Powermetal aus Griechenland stand nach Tracedawn mit Firewind auf der Rock Hard Speisekarte. Die Jungs galten nicht um sonnst als Geheimtipp und heizten dem Rock Hard Publikum ordentlich ein.

Setlist:

 

  • Head up high
  • Destination forever
  • Angels forgive me
  • Mercenary man
  • Dawn of no trust
  • Anger
  • Maniac
  • Falling to pieces

 Über die Jungs von  Bullet muss man eigentlich keine großen Worte mehr verlieren, denn den sympathischen und etwas durchgeknallten Rotzrocker aus Schweden eilt nicht umsonst der Ruf voraus die „schwedischen AC/DC“ zu sein. So schafften es Hal und seine Band auch ohne Schwierigkeiten das Publikum vom Rock Hard dazu zu animieren ordentlich mitzurocken als es im Amphitheater hieß „Ride the Bullet“. Hier kamen alle Hardrock Fans voll auf Ihre kosten. Es bleibt nur das Rästel ungelöst, wie sich die Jungs später aus Ihren knallengen Jeans wieder befreit haben. Ich persönlich vermute ja, dass sie von der Feuerwehr da rausgeschweisst werden mussten.

D-A-D früher bekannt unter dem Namen Disneyland After Dark  konnten dann mit kreativen Bühnenaufbauten und  einer ausgeklügelten Show punkten.  Ich muss allerdings gestehen dass ich viel davon verpasst habe, da ich auch gerne noch mal an den Ständen stöbern wollte.  Dumm wenn man dann unterwegs noch jede Menge Leute trifft und so sind wir dann irgendwie am  Curry-Flitzer versackt und so hab ich zwar von Heathen die obligatorischen Fotos gemacht, ansonsten aber leider nicht wirklich viel von den Trashern mitbekommen

Setlist D-A-D

Riskin it all
Beautiful together
Rim of hell
Everything glows
Sleeping my day
Monster philosophy

 UFO fand ich nicht ganz so prall und eher fad. Ich habe schon wesentlich aufregendere Shows gesehen muss ich gestehen. Allerdings haben auch Thin Lizzy vor 2 Jahren nur ihr Pflichtprogramm abgespult. Scheint so zu sein als hätten einige der älteren Bands es nicht mehr nötig den Fans eine gute Show zu liefern.

Als Positivbeispiel kann ich dann aber gleich noch Sacred Reich anführen.  Die auch schon nicht mehr ganz so taufrischen Jungs lockten dann auch gleich wieder eine ganze Reihe  der Leute die beim UFO-Gig geflüchtet waren wieder vor die Bühne und machten ordentlich Stimmung.

Nach Sacred Reich wurden die Gewinner des diesjährige Karaoke Wettbewerbs, welcher im Biergarten stattfand, gekürt. Der Preis war ein Auftritt auf der Hauptbühne mit Rokken  vor dem Headliner und so konnten gleich 3 glückliche Gewinner vor gut gefüllten Rängen Ihre Gewinnersongs in die Menge schmettern.  Der Name des ersten Gewinners ist mir leider entfallen, da ich unter anderem damit  beschäftigt war das ganze zu fotografieren. Kathi, die zweite im Bunde hatte sich an den extrem schwierig zu singenden  Klassiker „Painkiller“ von Judas Priest gewagt und meisterte diesen souverän. Last but not least kam noch ein Metaller mit Hut an die Reihe. Beim Namen bin ich mir allerdings ein wenig unsicher. Ich meine er hieß Michael und sorge dafür dass der Rest der Gäste vom Bierstand zurück in die Arena kam.

Um die Umbaupause für Saxon ein wenig zu verkürzen und weil der Aufbau des Stahladlers wohl etwas länger dauerte bekamen dann Rokken und die Karaokegewinner noch die Chance einen Song als Lückenfüller darzubieten.

Für einen würdigen Abschluss des Rock Hard Festivals sorgen dann schließlich die britischen Veteranen von Saxon  die Ihren Gig typischer Weise mit einer fetten Nebelwand begannen.  Biff Byford zeigte sich mal wieder in Bestform und hatte das Publikum fest in der Hand. Der Mann mit den Theo Weigel Gedächtnis Augenbrauen lockte dann auch ohne große Anstrengung die letzten paar Metaller von der Biertheke weg.  Und dann kam es wie es kommen musste: Das Rock Hard war vorbei. Schade, dafür freut man sich aber um so mehr auf das Rock Hard Festival 2010.

 

Fazit:

Das Rock Hard Festival im malerischen Amphitheater Gelsenkirchen war dieses Jahr zu Recht ausverkauft, denn zu meckern gab es dieses Jahr eigentlich gar nichts. Das Wetter war bombastisch und die Bandauswahl war wie immer erste Sahne. Gut.. ob Opeth  jetzt Headliner Qualitäten haben oder nicht, darüber kann man sicher streiten, doch im Großen und Ganzen war es ein sehr gelungenes Festival. Dazu kommt dann noch dass die Organisatoren kräftig dafür bezahlen damit das Festival für jeden zufrieden stellend ist. So subventioniert das Team von der Rockhard schon seit geraumer Zeit die Bierpreise, damit der Eigentümer das Bier nicht wie geplant verteuert. Dazu investiert man seit Jahren schon in eine äußerst freundliche Security (die unter anderem auch bei den Toten Hosen tätig ist) um für ein rundum glücklich Gefühl zu sorgen. Einzig und allein die Tatsache, dass es auch auf schönen Festivals wie dem Rock Hard Festival immer wieder zu Diebstählen kommt hinterlässt einen etwas faden Beigeschmack. Für uns steht jedenfalls fest, dass wir im nächsten Jahr definitiv wieder von der Partie sind. Vor allem wenn Götz Kühnemund sein Versprechen wahr macht und im nächsten Jahr für ein mehr heavy-lastiges Festival sorgt. Rock on Rock hard!

 

  Die Fotos von dem Festival findet Ihr übrigens hier