Am 03.05. gaben Schandmaul im Kölner E Werk ein Gastspiel. Begleitet wurden sie dabei von Reincarnatus, einer sechsköpfigen Mittelalter-Band aus den Niederlanden.

Leider hielten sich die Veranstalter nicht an die publizierten Zeiten, deswegen waren wir gut 20.00h an der Halle, mitten im Auftritt von Reincarnatus. Schon vor der Halle hörte man ihre Klänge, begleitet von einem begeisterten Publikum. Sobald wir in der Halle waren, schlug uns schon die zum Schneiden dicke Luft entgegen, die man aus dem Kölner E Werk gewohnt ist. Dass sie allerdings schon bei der Vorband die richtige Konsistenz hatte, um sie in Blöcken heraus zu tragen, lässt nur auf die Fähigkeit der sechs Mädels schließen, das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Ihre Mischung aus Mittelalter mit Pop kam beim Publikum gut an. Das Repertoire aus Drehleiern, jeglichen Holzblasinstrumenten und Streichinstrumenten sorgte für eine sphärische Atmosphäre, die von gregorianischen Elementen und der Lightshow unterstrichen wurde.

Der Zuschauerraum füllte sich nicht erst zum Hauptact, ich hatte keine Chance mehr, einen Platz mit guter Sicht in der Menge zu ergattern. Auch auf der Galerie gab es nur noch Stehplätze, von denen aus man sich den Hals verrenken musste oder sich auf einen Stuhl stellen, um noch etwas zu sehen. Als der Auftritt von Reincarnatus gegen 20.15h zu Ende ging, tat er das nicht ohne Zugabe – Rufe und jeder Menge Applaus.

 

Den Auftakt von Schandmaul bekam ich leider nicht mit, da ich mich noch in einem Interview mit Reincarnatus’ Frontfrau Renate befand. Doch sprach der deutliche Jubel, der es mir schwer machte, Renate hinter der Halle zu verstehen, für sich.

Als ich nach zwei oder drei Songs wieder die Halle betrat, kochte sie bereits. Zu hören gab es ein Programm aus vielen alten Songs, und einigen neueren. Das Publikum hatte im Vorfeld die Möglichkeit, über die Songauswahl abzustimmen. So waren Klassiker (oder soll ich besser sagen: Gassenhauer? Weil so alt sind die ja noch nicht)  wie „Die letzte Tröte“ oder „Das Tuch“ zu hören, was den Fans sichtlich gefiel und die Stimmung weiter anheizte.

Die Lightshow bot auch hier eine wundervolle Atmosphäre. Die vier übereinander montierten Reihen von Spots tauchten die gesamte Bühne in verschiedenes Licht, was auch von den Fotografen sehr begrüßt wurde.

Wieder mal gab es ein sehr breites Publikum. Vom Hardcore – Metaller im Ledermantel über Headbanger, Ehepaare in den besten Jahren, voll Gewandete bis hin zu Familien mit kleinen Kindern habe ich alles gesehen. Aber selbst die härtesten Wandschränke fingen an zu tanzen.

Natürlich wurde alles aufgelockert, so wie man es kennt, durch Anekdoten und Kommentare von Sänger Thomas. So wurde beim Wasser verteilen ein alter Bekannter wieder erkannt: „Mach mal eben das Licht an, ich glaub, ich hab da wen gesehen“. Und tatsächlich traf man hier einen Nebendarsteller der DVD an, der Wasserflaschenwurf klappte diesmal auch über 2 Meter statt über 20.

Gegen Ende des Konzerts kam man nun, laut Thomas, in die Romantik – Ecke. Dazu wurde natürlich erst einmal die Bühne verlassen, um sie zur Zugabe wieder betreten zu können. Wozu es natürlich die nächste Anekdote gab: „Soll ich euch mal was erzählen? Anna, Birgit und ich sind gerade links von der Bühne gegangen. Da ist aber gar kein Abgang. Wir haben total blöd hinter den Boxen gekniet!“

Enden sollte das Konzert nach „Prinzessin“ mit „Willst du“, aber nach den ersten Worten wurde der Song von Thomas abgebrochen, weil jemand in der ersten Reihe umgekippt war. „Hat wohl gerade einen Antrag bekommen“. Er warf sofort Wasser runter, forderte mehrmals die Security und die Sanitäter auf zu helfen. Das gesamte Programm wurde unterbrochen, bis es dem Mädchen wieder gut ging. Um aber nun wieder hinein zu kommen, sollte das Trinklied angestimmt werden, wozu aber Bassist Matthias fehlte. Der erste Ruf „Der is’ auf’m Klo!“ vom Bandkollegen sorgte für erstes Gelächter, gefolgt von kräftigem Applaus, als Matthias die Bühne betrat. Er gestand, es mit dem Wandersmann verwechselt zu haben und gemütlich eine rauchen zu wollen.

Nach diesem kleinen Intermezzo kam man nun zum letzten Song des Abends – „Willst du“. Natürlich in weiten Teilen vom Publikum gesungen, war es ein gelungener Abschluss dieses schönen Abends. Romantisch und ruhig ging er so zu ende. 

 

Danach konnte man natürlich wieder alles, was das Fanherz begehrt, am Merchandise ergattern und erstehen. Alles, was sich signieren ließ, bekam eine Unterschrift, so auch meine Handcreme, die ich eigentlich nur in der Hand hielt, weil ich meinen Schlüssel aus meiner Tasche fischen wollte, als Thomas mir auf dem Weg nach draußen mit erhobenen Edding begegnete. Aber das hat halt auch nicht jeder.

Ich sage danke für einen schönen Abend und bis zum nächsten Mal.

 

Und hier die Setlist:

  • Sturmnacht
  • Herren der Winde
  • Die Melodie
  • Augen auf!
  • Leb
  • Der Hofnarr
  • Die letzte Tröte
  • Lichtblick
  • Geisterschiff
  • Die goldene Kette
  • Anderswelt
  • Das Tuch
  • Der letzte Tanz
  • Teufelsweib
  • Frei
  • Wolfsmensch
  • Krieger
  • Vogelfrei
  • Walpurgisnacht
  • Dein Anblick
  • Zugabe 1:        Drachentöter
  •                         Sonnenstrahl
  • Zugabe 2:        Prinzessin
  •                         Trinklied (spontan)
  •                         Willst du