Unter den Top 5 der Eigenschaften und Hobbies, die einem einfallen um den echten Metaller zu beschreiben, wären aller Wahrscheinlichkeit nach folgende Aufzählungen weniger oft genannt:

1 – Häkeln

2 – Nageldesignstudios eröffnen

3 – Pferden für Turniere die Mähne flechten

4 – T-Shirts batiken

5 – Benefizkonzerte für herzkranke Kinder veranstalten

 

Nichtsdestotrotz haben sich sechs engagierte Metaller aus dem Ruhrgebiet Letzteres auf die Fahnen geschrieben und veranstalten seit 2004 jährlich ein Metalkonzert, dessen Erlös an Einrichtung wie zum Beispiel ein Kinderhospiz, eine Schule für Geistigbehinderte und wie bereits erwähnt für einen Verein zur Förderung herzkranker Kinder gespendet wird.

 

Am  24. und 25. Oktober 2008 ging das Bangen für den guten Zweck in der Werk°Statt Witten in die 5. Runde. Für den guten Zweck schwangen am Freitag folgende Bands die Instrumente und Haare: Lane, Dyrathor, Beltane, Leichenwetter, Denial, Eisheilig, Black Messiah, Dark Suns. Samstag waren In December, Heavenfall, Ae:nera, Perfect Symmetry, Fs-Ninety8, TriState Corner und Blind für den Benefizgig angereist. Butterfly Coma hatten leider am vorherigen Abend aus bandinternen Gründen abgesagt.

 

Freitags bekamen wir – da selbst durch die liebe Arbeit erst verhindert – die Bands ab Denial mit, die für uns einen soliden Auftakt präsentierten und durch Special Guest Basti (umjubelt trotz völliger Unkenntnis des Publikums)  brachten Sie ordentlich Stimmung auf’s Pakett.  Bühnensicher unterhielten sie die angereisten Metaller und ließen so manchen Kopf ordentlich kreisen.
 

Eisheilig schlugen weniger rasante Rhythmen an, absolvierten jedoch einen routiniert-guten und das Publikum begeisterten Auftritt.
 

Wer Black Messiah schon einmal live gesehen hat, weiß, dass die Gelsenkirchener Band immer viel gute Laune zu ihren Shows mitbringt. Die Viking Metaller enttäuschten selbstverständlich keine Erwartungen und beendeten ihren Auftritt vom Publikum unterstützt mit dem Sauflied: „Und wenn ich an Morgen, nach solch einer Nacht mit brummendem Schädel bin aufgewacht, so werde ich dann meine Taten beschauen: Fünf Kinder gezeugt und ganz Witten verhauen!“

 

Am Samstag fiel relativ früh anhand der Bandnamen auf, dass es an besagtem Tage weniger Metal und mehr, wenn auch nicht ausschließlich Emo und/oder Hardcore geben würde. In December eröffneten die Bühnensaison des Tages mit bangbarer Gitarrenmusik und netten Vocals.
 

Heavenfall, die im Anschluss spielten, lag der gute Zweck sehr am Herzen. So sehr, dass zum einen kranke Bandmitglieder mit auf der Bühne standen und außerdem Bandmitglieder aus Großbritannien eingeflogen wurden. Das ist Engagement! Und ob es nun dieses Engagement war, das überzeugte, oder die tolle Performance Heavenfalls, letztendlich stand fest: Das Publikum war äußerst angetan von der Band! Dass auch die Jungs viel Spaß hatten, war offensichtlich und die Erkältung des Sängers war in den Vocals nicht zu erkennen!
 

Ae:nera fielen zuerst durch den Hello Kitty Gurt des Gitarristen auf um danach den geneigten Zuschauer wundern zu lassen, wie zur Hölle so wenig Sänger so laute Töne von sich geben konnte. Ob die Band nun wirklich in die Kategorie Metal fiel, war ein Thema über das sich streiten ließ, aber für den guten Zweck sind Gitarren auf der Bühne immer willkommen!
 

Perfect Symmetry gingen wieder mit großen Schritten in Richtung Metal, Prog/Power Metal um genau zu sein. Sie priesen ihr 2009 erscheinendes Album an und lieferten keyboard-lastigen, aber äußerst bangbaren Metal ab.
 

Der Elan und die Lautstärke von Melodycore Band Fs-Ninety8 halfen ein wenig über die gewöhnungsbedürftige Optik und die noch relativ unreif wirkenden Ansagen hinweg. Trotzdem darf die junge Combo, deren Anhängerschaft recht zahlreich erschienen war, von sich behaupten Rockbares an den Mann gebracht zu haben.
 

Tristate Corner, bestehend aus Mitgliedern aus Polen, Griechenland und Deutschland, durften sich eines Moshpits erfreuen! Die internationale Mélange aus Metal und Rock mit südländischen Folklorelementen ist , laut mannigfacher Aussage des Sängers, auch auf einem „Album!“  erhältlich. Das Publikum war defintiv unterhalten und angetan, gröhlte auch nach jedem „Album!“-Schrei. Der Einsatz einer Ukulele passte zum Gesamtbild.
 

Last but not least spielten die erfolgreichen Newcomer Blind. Inzwischen nicht mehr unbekannt hatten nämlich auch diese Jungs sich bereit erklärt Kinderherzen heilen e.V. zu unterstützen. Neben Bandaktivitäten wie Touren mit dem 1. Album und Shows mit den Toten Hosen, hatten sie immer noch Zeit energiegeladenen Rock gepaart mit Bühnenpräsenz in die Werk°Statt zu bringen. Auch wenn die ein oder andere Band sie bereits lautstärketechnisch überboten hatten, so kommt der Rock der Jungs berechtigterweise selbstbewusst herüber. Das Publikum dankte durch Mitsingen und –hoppsen!

 

Wenn der Abend auch nicht so metal-lastig war wie erwartet, so stand doch der gute Zweck und die laute Musik im Vordergrund.

Leider war die Konzerthalle in der Werk°Statt nicht so voll wie sie hätte sein können.  Vielleicht können im kommenden Jahr noch mehr Metaller davon überzeugt werden, für den guten Zweck zu bangen.

 

Ein großes Lob geht an das Orga-Team des Metal for Mercy V. Die Location war super, der Ticketpreis prima, der gute Zweck sowieso.

Positiv fielen auch im Rahmen des Konzertes Kleinigkeiten auf, die das Erlebnis noch verbesserten:

-  Es waren ausreichend und in erster Linie saubere Toiletten da!
- Es wurde Wert auf Jugendschutz gelegt! (Ansagen auf der Bühne, dass unter 18jährige nicht nach Mitternacht bleiben durften.)
-  Leckere und bezahlbare Snacks für den hungrigen Metaller.
- Das fast immer eingehaltene Rauchverbot in der Werk°Statt sorgte dafür, dass auch am 2. Tag die Haare stinkefrei fliegen konnten!

 

Alles in allem ein gelungenes Wochenende!