Die Macher des Dong Open Airs luden am 18.07. und 19.07. zum 8. Mal auf an den Niederrhein um wie in den letzten Jahren auch auf der Neukirchen-Vluyner Halde zu feiern. Schon der Vorverkauf war eine kleine Sensation, denn alle Tickets gingen in 24 Stunden über die Ladentheke. So schnell ausverkauft war das Dong noch nie.

Bilder vom Festival gibt es ->hier<-


Die Organisatoren hatten sich wie jedes Jahr mächtig ins Zeug gelegt um geniale Headliner und Publikumsmagneten an den Start zu bringen. So präsentierte sich dieses Jahr wieder ein bunter Strauss garniert mit den Headlinern Dark Tranquility und Sabaton. Zum Glück für viele Fans des Dongs sprang dann kurzfristig der Opener für den Samstag ab und so konnten die Grailknights zum 2. Mal über den Dongberg herfallen. Dazu jedoch später mehr..

Die Anreise verlief unproblematisch und diesmal schienen sich nahezu alle an die Bitte der Organisatoren zu halten, doch bitte nicht vor 9 Uhr am Freitag anzureisen. Schwieriger war es dann schon das ganze Gepäck auf den Berg zu bekommen. Natürlich fuhren wie jedes Jahr Gepäckshuttles in einem Affenzahn den Berg hoch und runter, doch sah das Wetter nicht so viel versprechend aus als dass wir gerne länger unten am Fuß des Berges gewartet hätten. Also ab mit dem ganzen Kram auf die Sackkarre und das Zeug den Berg hoch gewuppt. Nach 20 Minuten, gefühlten 5 Stunden, Schlepperei waren wir dann endlich oben und suchten uns ein schönes Plätzchen. Der Wettergott meinte es gut mit uns, denn wir konnten nicht nur unser komplettes Zelt im Trockenen aufbauen sondern blieben bis auf wenige Schauer während des gesamten Festivals vom Regen verschont. Sogar die Sonne kam gelegentlich raus. Jetzt gingen wir noch schnell zur Bändchenausgabe. Dort hatte sich sch on eine beträchtliche Schlange gebildet, aber da wir uns zwischendurch mit Bier und Pommes versorgten, war das eigentlich kein großes Drama.

Path of Golconda aus dem heimischen Ruhrgebiet eröffneten das Dong Open Air musikalisch mit solidem Deathmetal. Die mir bis dato völlig unbekannte Band hat ihren frühen Platz im Billing allerdings völlig zu Unrecht bekommen, schaffte es das Quintett doch problemlos das Festzelt ziemlich voll zu kriegen. Frontmann Manuel legte ein gutes Tempo vor. Die Stimmung war von Anfang an geil und dem Publikum gefiel das Gebotene offensichtlich. Zwischendurch streunte ich ein wenig über den Berg und musste entsetzt feststellen, dass es immer noch Leute gibt die so weich in der Birne sind und tatsächlich kästenweise Oettinger (!!) den Berg hoch schleppen. Und das, wo die arschkalte Flasche Bier Markenstoff doch nur 1,50€ kostete. Nunja. Wer’s braucht...

Es dauerte nicht lange, da war auch schon die nächste Band am Start: Enemy within waren für Scarlet Fire eingesprungen, die ihren Auftritt auf dem beliebten kleinen Festival kurzfristig abgesagt hatten. So richtig überzeugend fand ich den Auftritt der Band aus Duisburg nicht, was allerdings nicht heißen soll, die Jungs seien schlecht gewesen. Es wollte einfach keine rechte Stimmung aufkommen, was vermutlich auch an dem ziemlich leer gefegten Zelt lang. Schade eigentlich denn mit mehr Publikum hätte die Band sicherlich mehr reißen können. Ähnlich mau sah es dann auch bei den Schweizern Roots of Death aus, die es auch nicht wirklich schafften das Publikum ins Zelt zu locken. Mit Lyriel wurde es dann folkig auf der Bühne des Dong Open Airs. Ein Dong ohne eine zumindest folkig angehauchte Band kann ich mir inzwischen auch nur schwer vorstellen. Mit Cello und Violine boten Lyriel dann einen Stilmix aus Folk, Rock, Goth und Metal. Musikalisch interessant, wirkte das Ganze auf der Bühne ein klein wenig fad, obwohl einem Dank der hübschen Cellistin und der ebenfalls recht ansehnlichen Frontfrau Jessica Thierjung auch was fürs Auge geboten wurde. Etwas mehr Pfeffer hätte ich mir bei der Show schon gewünscht. Lyriel schafften es zumindest das Zelt voller zu bekommen und so war auch die Basisatmosphäre wesentlich besser als bei den beiden vorherigen Bands.

 Passend zum etwas düsteren Wetter schleppte man nach dem Lyriel-Gig ein großes umgedrehtes Kreuz auf die Bühne. Wer genau hinsah erhoffte sich Pyroeffekteund auch die Anwesenheit der beiden Jungs von der Feuerwehr (safety first) sprachen dafür. Dann wurden noch Grabkerzen auf der Bühne verteilt und kamen Moder auf die Bühne. Der Sound während des Auftritts präsentierte sich etwas modrig und bot gepaart mit der recht bewegungsarmen Show doch ein eher langweiliges Bild. Blackmetal gut und schön, doch Moder konnten absolut nicht überzeugen. Unfreiwillig komisch wirkten jedoch dann die Anfangs beschriebenen Pyros. Denn nur zwei traurige Flämmchen flackerten am bösen umgedrehten Kreuz. Die Feuerwehr hätte man dafür sicher nicht gebraucht, denn zwei mit Spucke befeuchtete Finger hätten es auch getan. Nach 45 Minuten des vor sich hin Moderns war das Leiden dann zum Glück auch zu Ende und die Bühne wurde für Civilisation One geräumt, die dann alles wieder gut machten. Es dauerte eine ganze Weile bis ich raus gefunden hatte warum das Energiebündel mit dem Mikrofon mir so bekannt vorkam: Chitral Somapala, der Frontmann von Civilisation One war schon auf dem Rock Hard zu Gast, da allerdings mit der Karaokeband Rokken. Chitral blieb keine Sekunde auf der Stelle stehen und "rokkte" ordentlich übers Parkett. Dem Publikum gefiel die Show: Viele Headbanger und vereinzelte Crowdsurfer konnten gesichtet werden. Auch mir gefielen Civilisation One sehr gut, Powermetal war schon immer meine Kragenweite. Aufgelockert wurde der Gig dann durch den einen oder anderen lustigen Spruch des Ausnahmesängers der Multikulti-Band. So lautete zum Beispiel die offizielle Ansage von Chitral, dass man sich nicht verausgaben solle, andere Bands sollten ja schließlich auch noch eine Chance haben. Nach einer ordentlichen Portion Powermetal waren schon die Jungs von Grind INC. in den Startlöchern, die Garant für eine wesentlich härtere Gangart sind. So schafften es die 5 Jungs aus der Heimatstadt von Blind Guardian problemlos mit krudem Deathmetal-Geknüppel das Dongzelt in einen wilden Mosh- und Pogo-Pit zu verwandeln. Die Show lies wenig Raum für Kompromisse und sorgte im Publikum sicher für die ein oder andere Blessur. Nach einer Umbaupause, die ich für Biernachschub nutzte, ging es dann wenig später mit dem Ersatz für Primordial weiter. Zur Erinnerung: Primordial ist die Band die es nicht nötig hat sich an Verträge zu halten und darum regelmäßig einfach mal Sachen absagt. Dafür hatten die Dong Orgas dann aber Suidakra aus dem Hut gezaubert, die bereits schon beim legendären Armageddong gespielt hatten. Suidakra überzeugten auf ganzer Linie und hatten anfangs sowie gegen Ende ihrer Show eigens einen Piper angeschleppt, der das keltische Intermezzo mit schottischen Bagpipes untermalte. Nach einem durchaus unterhaltsamem Gig stieg die Spannung und die Erwartung ins schier Unermessliche, stand doch nur noch ein großer Name auf der Running Order des Freitags: Dark Tranquillity aus Schweden. Die Luft im Zelt war inzwischen zum Schneiden dick und eklig warm war es auch. Dark Tranquility Rufe schallten durch das Halbdunkel und dann... dann kamen sie auf die Bühne. Die 4 Schweden um Frontmann Anders Fridén hatte das Publikum gleich fest im Griff und überzeugte mit einem guten Mix aus altem und neuem Material. Etwas später entschloss ich mich jedoch in Richtung Zelt zu wanken. Unterwegs lief ich dann geradewegs in eine Diskussion mit Punks und 2 Glatzen. Das rechte Pack hatte offensichtlich immer noch nicht kapiert, dass es auf dem Berg nicht willkommen ist und glänzte dann auch noch mit wahnsinniger Intelligenz, als Glatze eins bemerkte, dass sie ja keine Rassisten sondern Faschisten wären. Zum Glück ging das Ganze ohne Klopperei aus, was wohl auch dem besonnenen Verhalten der anwesenden Personen zurückzuführen war.

Samstags morgens um halb 7 wurden wir dann von einem lustigen Telefongespräch geweckt. Offenbar hatte jemand ein Handy gefunden und zeigte sich hilfsbereit indem er die erstbeste Nummer auf dem Handy anrief. Der Anrufer war scheinbar kein Festivalgänger, sondern Morgenmuffel.
Nach einem Frühstück bei Burger King (ja, wir hatten den Berg früh morgens kurzzeitig verlassen) ging es dann wieder hoch zum Campground. Inzwischen war es auch an der  Zeit noch schnell ein Bier nachzukippen und dann in Richtung Zelt zu eilen. Die Grailknights auf die ich mich das ganze Wochenende schon gefreute hatte, schickten sich an den Dongberg zu rocken. Es war unfassbar. Denn das ganze Zelt war rappelvoll. Erstaunlich wie viele Leute sich so früh – 12 Uhr – aus dem Zelt geschält hatten. Die Show als solche war genial wie immer, auch wenn die Jungs aus Grailham City eigentlich ihr Standartprogramm boten. Ziemlich außergewöhnlich war allerdings, dass sich gegen Ende des Gigs die ersten zehn bis fünfzehn Reihen spontan auf den Boden setzten und so den Knights huldigten. Die Grailknights konnten so das Wunder des vollen Zeltes von 2005 ohne große Anstrengung wiederholen.
Leidtragende waren die Jungs von Commander, denn nach dem Auftritt der Grailknights stand eine riesige Menschentraube die allesamt Merch kaufen wollten. Dafür sah es dann im Zelt ziemlich gerupft aus. Commander ließen sich aber nicht unterkriegen und begeisterten das anwesende Publikum mit kompromisslosem Geballer. Den gesamten Gig hab ich mir aber nicht gegeben, sondern habe mir lieber noch das ein oder andere Bierchen genehmigt. Beendet wurde der Auftritt von Commander dann mit alten Serien-Themes (Batman, A-Team) aus der Konserve.

Anders als Hollenthon, die später spielten, wirkten Nohelia alles andere als erfahren. Die ganze Show war nicht wirklich  abgestimmt, dazu kamen dann noch einige Probleme mit dem Sound. Einzig und allein der Shouter der Avantgarde-Blackmetal Band aus der Nähe von Nizza legte eine wirklich solide Performance hin. Eigentlich schade, denn von Nohelia hatte ich mir richtig viel erwartet. Wenn man z.B. die Sängerin der Band etwas mehr im Vordergrund platziert und ihr Mikro auch mal richtig aufgedreht hätte, wäre es vielleicht zu einem ganz anderen Eindruck gekommen. So wurde sie immer von den anderen Bandmitgliedern verdeckt. Alles in allem wirkte die Band sehr unsicher auf der Bühne und beendete den Auftritt 20 Minuten früher als geplant, wohl weil während des Auftrittes das Lampenfieber Überhand nahm. Hollenthon standen aber glücklicherweise schon in den Startlöchern. Die Österreicher, die als Ersatz für Morgana Lefay angereist waren, kamen beim Publikum super an und schafften es locker das Zelt in ein headbangendes Haarmeer zu verwandeln.

Rocketchief machten dann da weiter wo Hollenthon aufgehört hatten. "High Energy Rock" prangte auf dem Band-Banner und das wohl zu Recht, denn was die fünf Münsteraner boten war wirklich hochenergetisch. Keine Sekunde Ruhe gönnten sich die Jungs auf der Bühne. Gefallen hat mir der rockige Auftritt definitiv. Beim Publikum kamen Rocketchief ebenso gut an und ich bin mir sicher, dass man von den Jungs in Zukunft noch öfter hören und lesen wird.
Drone hatten sich das Ziel gesteckt die Messlatte des Prolls möglichst hochzuhalten und legten so ziemlich erfolgreich ein deftiges Häppchen nach dem anderen auf die Bühne. Bunt gespickt wurde das ganze dann mit dem einen oder anderen Proletenspruch. Ganz so prollig wie man aber gerne gewesen wäre, war das Quartett dann aber doch nicht. Van Canto und Synasthasia im letzten Jahr hatten da durchaus, dank der Hansa Crew, die Nase vorn.

Der nächste Punkt im Programm waren Raintime aus Italien, mit denen man schon am Vorabend hatte plauschen können. Die Jungs aus Bella Italia machten backstage einen recht sympathischen Eindruck. Mit ihrem melodischen Death Metal brauchten Raintime, deren Name passend zur Wetterlage war, auch keinen Vergleich mit Children of Bodom scheuen. Live machten die 6 Italiener richtig Spaß.

 Der Headliner des Samstags, Sabaton machten sich dann auch ziemlich erfolgreich daran das Zelt in Schutt und Asche zu legen. Sabaton werden nicht umsonst als Garant für eine fette Party gehandelt. Das Publikum ging total ab als die sympathischen Schweden auf die Bühne kamen und ein nicht enden wollender Strom aus Crowdsurfern begleitete das komplette Konzert. Songs vom neuen Album The Art of War waren genau so Pflichtprogramm wie Attero Dominatus und Primo Victoria bei dem das ganze Zelt wie ein Mann hüpfte. Man konnte Joakim und dem Rest der Band richtig ansehen wie viel Spaß sie auf der Bühne hatten. Natürlich folgten nach nahezu jedem Song die bereits bekannten "Noch ein Bier" Rufspiele mit dem Publikum. Beendet wurde der Gig dann mit Metalmachine / Metal Crüe, den beiden traditionell letzten Stücken auf jedem Sabaton Konzert. Hier nahmen sich Sabaton aber die Zeit beide Songs komplett auszuspielen.

Fazit: Auch wenn das Wetter dieses Jahr nicht optimal war, war das Dong Open Air 2008 dennoch ein absolut geiles Festival. Am mäßigen Wetter lag es wohl auch, dass dieses Jahr die Anzahl der Freaks nicht ganz so hoch war. Sonst sieht man auf dem Dong immer allerhand kuriose Gestalten.. dieses Jahr gab es nur eine "Mülltonnen-Bob" Fahrt.
Mysterium 1 für mich allerdings immer noch warum es Irre gibt, die ihr Bier den Berg hoch schleppen, wo das Bier am Bierstand doch spottbillig ist.
Was ich auch nicht verstehe, ist, warum sich kein Imbissbudenbesitzer traut seinen Wagen auf den Berg zu Karren. Das Festival ist doch eine kleine Goldgrube. Wer einen tollen Döner/Pizza/andere glorreiche Futteralien-Wagen hat, möge sich mal bei den Dong Leuten melden.

Mysterium Nummer 3 ist der Dönermann, der trotz einer Riesenschlange an der konkurrierenden Pommesbude immer noch 4 Euro für einen recht spärlichen Döner verlangte.
Für mich war das Dong jedenfalls mal wieder das beste Festival des Jahres und ich hoffe alle Anwesenden hatten eine genau so viel Spaß wie ich.

In diesem Sinne,
bis nächstes Jahr auf dem Dong Open Air!