Blackfield Festival

Blackfield Festival

Blackfield Festival

Freitag, 04. Juli 2008. Der erste Tag des Blackfield Festivals im Amphittheater Gelsenkirchen war schon halb um, als ich arbeitsbedingt im Amphittheater aufschlug. So bekam ich noch einen kleinen rest von Stromkern mit, allerdings nicht wirklich genug um mir ein Urteil über die Band zu bilden. Es mag vielleicht am ungünstigen Zeitpunkt gelegen haben (Zeitgleich fand das Bochum Total und das Castle Rock statt), aber wirklich voll war es in den Rängen nicht als Icon of Coil die Bühne betraten.

Die Norweger verbreiteten soweit eine gute Stimmung, mehr lässt sich dazu eigentlich nicht sagen, da elektronische Musik eher nicht so mein Fachbereich ist.
Die Dreadful Shadows waren die nächste Band auf dem Programm und mein Favorit des Abends. Auf dem Amphi-Festival hatten die Burschen es aufgrund des verschobenen Zeitplans nämlich nicht in mein Programm gepasst.. leider. Die Gothic-Rocker, die sich eigentlich vor 8 Jahren aufgelöst hatten, lieferten somit ihr zweites Lebenszeichen innerhalb eines Jahres. Mit Songs wie "Dead can wait" und "Burning the shrouts" im Gepäck wussten die Berliner das schwarze Publikum zu Begeistern. Nachdem die letzten Klänge von "The cycle" verklungen waren bleibt eigentlich nur noch der Wunsch übrig, das die Shadows wieder Blut geleckt haben und in Zukunft wieder öfter von sich hören lassen.
Blutengel waren der letzte Act für den Freitag. Vorweg muss ich allerdings sagen dass ich Chris Pohl und sein arrogantes Gefasel nicht ausstehen kann. Das Herr Pohl sich für den Größten, Besten, Schönsten hält war für mich schon immer ein ganz klarer Punkt Blutengel zu meiden. Die Bühnenshow allerdings war bestens durchgeplant und konnte mit einer perfekten Choreographie überzeugen.
Pyro-Effekte und der obligatorische Strip mit reichlich Kunstblut von Tänzerin Sonja unterstrichen das Programm. Beim Publikum kamen Blutengel jedenfalls ziemlich gut an und haben somit ihren von mir recht kritisch beäugten Headlinerplatz am Freitag erfolgreich verteidigt.

Samstag
Colony 5 aus Schweden eröffneten den Samstag und spielten vor einer ziemlich leeren Arena. Gefeiert wurde trotzdem vor der Bühne zu EBM-Klängen. Sehr souverän überbrückten Iris die technischen Probleme ihres Gitarristen indem sie einfach ohne ihn anfingen und voweg schon ein paar Songs zum Besten gaben. Das Publikum nahm diese Gesangseinlagen begeistert auf. Nach 2 gitarrenlosen Songs waren aber alle Technikprobleme beseitigt und es wurde sich nochmal artig entschuldigt.
Wenig später war Sven Friedrich von den Dreadful Shadows mit seinem 2. Projekt Solar Fake am Start und wirkte wesentlich fitter als am Vortag. Vor allem der Song "Creep" der mir als einziger bekannt war (da Coverversion) kam recht genial rüber.
Richtig voll wurde es dann zu Diorama und das zu Recht. Frontmann Torben Wendt wütete förmlich über die Bühne des Blackfield-Festivals und lieferte eine solide Show die Stimmungsvoller kaum sein konnte.
Mit Catastrophe Ballet ging es dann etwas rockiger zu, haben sich doch die Jungs um Frontmann Eric Burton bereits mit klassischem Goth-Rock und auch Songs der härteren Gangart einen Namen gemacht. Die Show war also erwartungsgemäß sehr gitarrenlastig und Eric vervollständigte den Gig mit dem ein oder anderen lockeren Spruch. Die Band bot einen Sound der richtig Spass gemacht hat und das ging anscheinend nicht nur mir so. Die Arena war ansehentlich voll geworden. Schliesslich kam auch noch Oswald Henke von Goethes Erben auf die Bühne um Eric Burton zu unterstützen.
Obwohl es für mich nicht unbedingt ein musikalisches Highlight war die Show von Modcom doch recht interessant anzusehen.
Ronan Harris, der Kopf der hinter dem Projekt steckt und der auch auf dem Festival allgegenwärtig war arbeitete auf der Bühne mit alten Synthesizern und analogen Sequenzern. So hat man damals vorm Krieg noch elektronische Musik gemacht.. Es war recht eindrucksvoll zuzusehen wie Ronan durch diverse Steckverbindungen Sounds kreierte. Kaum zu glauben das man mit solchen Geräten noch zeitgemäße Musik hervorbringen kann, aber Mr. Harris  hat es dennoch irgendwie hinbekommen.
Für entsetzte Gesichter überall im Publik sorgten jedoch Samsas Traum mit Ihrem Auftritt. Herr Kaschte zog konsequent sein Blackmetal Programm der aktuellen Heiliges Herz Tour durch. Ich hatte zwar auf den ein oder anderen allgemeinverträglichen Hit wie z.B. "Ein Fötus wie du" gehofft, allerdings kann ich auch  mit Blackmetal bestens leben. Auch wenn mir der Gig gut gefallen hat, glaube ich nicht das Samsas Traum bzw Alex Kaschte sich mit dieser Konsequenz viele Freunde beim Publikum gemacht haben.
Nach diesem polarisierenden Auftritt ging es dann etwas ruhiger, mittelalterlicher zu.
Subway to Sally betraten zu den Klängen von "der Trommel" und dem Jubel der nunmehr vollen Arena die Bühne. Eric Fish und seine Mannen hatten das Publikum fest im Griff und konnten mit einer soliden Performance überzeugen. Zum dritten Song hin holte Eric dann ein hübsches blondes Mädel auf die Bühne das mit Ihm singen durfte. Natürlich durften auch aufwendige Pyroeffekte und Feuerspuckeinlagen seitens der Band nicht fehlen. Gespielt wurde unter anderem der Song Kleid aus Rosen, Veitstanz und auch dsa obligatorische Julia und die Räuber. Subway haben wieder einmal bewiesen dass sie zurecht eine der Beliebtesten Folk-Rock Bands sind.
Beendet wurde der Samstagabend dann mit dem lange erwarteten Auftritt von Nitzer Ebb. Einer der momentan sehr raren Auftritte des Trios aus England begeisterte das Publikum, das es den Briten mit einer ansehentlich gefüllten Arena dankte. Schwarze, zum Beat tanzende Leiber bestimmten das Bild während Shouter Douglas auf der Bühne bewies dass seine Stimme wieder zu mehr fähig ist.


Der Sonntag fing für mich eher verschlafen an, da mein Wagen auf dem Rückweg mit kochendem Kühler und einem defekten Zylinderkopf auf der Autobahn verreckt war und ich geschlagene 2 Stunden auf die gelben Engel warten musste, war ich morgens eher weniger fit. Also musste ich mir noch kurzfristig ein Auto leihen und dann ging es total abgehetzt los in Richtung Gelsenkirchen.
Gerade ncoh rechtzeitig zum Beginn von Solitary Experiments kam ich in die Arena und durfte den rot behemdeten Bandmitgliedern beim Wachrütteln des Publikums beiwohnen.
Die Folkrocker von Schelmish waren da dann schon eher meine Kragenweite denn mit Mittelalter / Folkrock kann ich einfach mehr anfangen als mit EBM Geboller. Die Band kündigte sich dann auch gleich als asozialste fetteste Band Deutschlands an. In zumindest einem Punkt hatten die Schelme recht: Fett war der Auftritt allemal.  Und das Schelmish Spaß verstehen bewiesen sie dann auch gleich mit dem venezianischen Tanz. Luzi das Luder räkelte sich betörend an einer Stange und entblätterte sich dabei bis auf seinen hochmodischen Teufelsfratzentanga. Mit dem Song Willst Du tanzen endete der Gig der Bonner.
Den Auftritt von Reaper hätte man jedoch gerne zugunsten von Schelmish streichen können. Die auf "dreckig" geschminkte Band lieferte einen eher mäßigen Auftritt. Bei dem fast nur auf Akkustik getrimmten Gebollers waren die Bandmitglieder eigentlich eh nur Statisten, der Star des Gigs waren ganz klar die Bassboxen.
Heimataerde durfte ich bereits auf dem letztjährigen Amphi-Festival begutachten und war damals schon recht angetan von dem Mix aus Folk und elektronischen Klängen.  Zu den Klängen des Palästinaliedes marschierte die Band auf die Bühne. Allesamt in Kreuzrittermontur inklusive Flaggen. Kurz darauf betrat Frontmann Ash die Bühne und inspiziert die Befestigungen die von seinen Mitstreitern aufgebaut wurden. Lediglich auf die in die Befestigung eingesteckten Speere verzichtete man diesesmal, da es doch arg windig war. Wie gewohnt zog Ash auch dieses mal seine Vampir-Show durch und liess sich Kunstblut den Hals hinunter laufen.
Als der Wind dann gegen Ende der Show die Verkleidung der Keyboards mehrfach fast umriss, entschieden sich Ash und seine Gefolgschaft dazu diese lieber abzubauen.
[:SITD:], die als Hiphopper des Gothics verschrien sind machten dann noch eine gute Party auf der Bühne des Aphittheaters in Gelsenkirchen. Dem Publikum gefielen offenbar die Songs die das Trio darbot. Ich persönlich habe zwar Songs wie Snuff Machinery schon deutlich über, aber nach dem tanzenden Publikum zu urteilen, meisterten die Ruhrgebietler ihr Heimspiel mit Bravur.
Richtig genial ging es dann aber bei The Crüxshadows zu. Rogue hatte gleich zwei recht ansehentliche Tänzerinnen mit auf die Bühne gebracht, die keine Sekunde innehielten und ein wahres Animationsprogramm abspulten. Rogue kletterte auch nahezu sofort auf die Absperrung und pflegte, gestützt von den Securities, engen Publikumskontakt. Es ist schwer zu beschreiben wie ich dem Gig empfunden habe.. Atemberaubend ist ein Wort was dem schon sehr Nahe kommt. Die Blackfield-Macher konnten noch froh sein das sich Rouge sonnst keine weiteren Klettermöglichkeiten boten, sonnst hätte man Ihn sicherlich aus den Lichtanlagen holen müssen.
Etwas gestutzt habe ich dann allerdings als der Frontmann der Crüxshadows einfach ins Publikum gesprungen ist um sich ein kleines Tänzchen zu erlauben.
Die nun folgende Band hatte ich den ganzen abend schon erwartet. Schandmaul die mit Ihrem aktuellen Album Anderswelt unterwegs sind tauchten die Arena in eine eher mittelalterliche Stimmung. Nachdem das Publikum von Frontmann Thomas erstmal eingewiesen wurde das die Musik der Band nicht aus dem Computer komme sondern aus altmodischen Geräten wie Gitarren und einem, man höre und staune, Schlagzeug konnte die Party beginnen. Ein bekannter Song jagte den nächsten, so durften natürlich auch nicht das Tuch und Walpurgisnacht fehlen.

Recht früh am Abend war es dann auch schon soweit: Lacrimosa, der Headliner des letzten Tages war an der Reihe. Tilo hatte sich offensichtlich am Bein verletzt, denn er Ging auf Krücken zur Bühne. Diese tauschte der Wahlschweizer und Kopf der Band dann gegen einen eleganten Gehstock ein, der optisch auch besser auf die Bühne passte. Die Show war für einen Headliner angemessen gut und konnte viel Publikum verbuchen. Mit dem Gig ging dann auch das erste Blackfield Festival zueende.

Fazit:

Zur Location brauch ich ja eigentlich nichtmehr viel zu sagen, diese wurde ja schon mehrfach bis ins höchste gelobt. Das Amphittheater ist einfach geil! Das Bier war mit 2,50 pro Becher sehr günstig für ein Festival und auch die obligatorischen Fressstände waren nicht überteuert. Negatives gibts eigentlich nicht zu Brichten. Das Security-Team ist das gleiche, das auch beim Rock Hard für einen reibungslosen Ablauf sorgt. Mit circa 3500 Besuchern war das Blackfield Festival für den ungünstigen Termin und für die Tatsache, dass es das erste Blackfield war relativ gut besucht.
Bleibt zu hoffen, dass das neue Festival genug abgeworfen hat um auch im nächsten Jahr wieder an den Start zu gehen.

ZU den Fotos des Festivals geht es hier

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