GothenLange hatte ich dem Festival entgegen gefiebert, jetzt war es endlich so weit.
Das On A Dark Wintersnight Festival 2007 fand in der Königs-Pilsener Arena in Oberhausen statt.
Das Festival zog eine bunte.. naja eher unbunte Schaar Metaller und Gothen an, die sich in einem Riesen Pulk vor der Arena einfanden.

Noch bevor ich die Halle betreten konnte wurde ich unangenehm überrascht. Einer der Trucks, der Teile der Bühne und der Beleuchtung geladen hatte erlitt irgendwo vor Oberhausen einen Achsbruch. Zwar sollten alle Bands auftreten und ihr Programm spielen, doch kam es zu nicht unerheblichen Verspätungen. Ganze 2 1/2 Stunden dauerte es, bis das Festival starten konnte. In der unerwarteten Wartezeit trafen wir einen leicht aufgekratzten Ross Thompson, seines Zeichens Gitarre bei Van Canto. Nach einem kleinen Plausch rotteten wir uns dann mit einigen Fotografen zusammen und harrten der Dinge die da kommen sollten. Es bot sich die Gelegenheit alle möglichen und auch unmöglichen Schmink- und Klamotten-Zusammenstellungen zu beobachten. Wie dem auch sei, nach der Verzögerung ging es dann direkt ohne Vorwarnung los mit Van Canto, einem ziemlich ungewöhnlichen Projekt, dass den meisten aufmerksamem Lesern von MetalViecher.de schon bekannt sein sollte. Van Canto zeichnen sich dadurch aus, dass sämtliche Instrumente ausser dem Drumkit aus Fleisch und Blut sind.  Richtig, Van Canto singen a Capella. Und das so gut, dass Inga, Ike, Stef, Ross, Basti und Frontmann Sly keine Probleme hatten die Menge zu fesseln und in ihren Bann zu ziehen. A Capella Power Metal scheint hoch im Kurs zu sein. Leider spielten Van Canto vergliechen mit anderen Konzerten ein sehr knappes Programm, in dem nur die wichtigsten Songs wie z.B. The Mission und das Manowar Cover "Kings of Metal" Platz fanden. Der Sound und das Licht waren jedoch göttlich! Ausserdem wurde endlichmal auf den extrem nervigen Nebel verzichtet der sonst bei Van Canto die Bühne beherrscht.


tarotNach einer sehr kurzen Umbaupause ging es ohne Soundcheck weiter mit TAROT, einem Nebenprojekt von Marco Hietala der später am Abend noch mit Nightwish auf der Bühne stand. Die bühnenerprobten Finnen gehörten für mich neben 2 - 3 anderen Bands zu den musikalischen Highlights des Abends. Die Hietala Brüder und der Rest der Band brachten ein ordentliches Programm mit Heavy Metal auf die Bühne und sorgen für gute Stimmung im eher gothisch angehauchten Publikum. Man konnte sogar die ein oder andere Matte fliegen sehen. Tarot klangen gesanglich ähnlich wie das aktuelle Nightwish Album, wobei das hauptsächlich daran liegen wird, das Marco einen nicht unwesentlichen Gesangspart auf der letzten Nightwish Scheibe übernahm.


Mit einer lokalen Band ging es dann weiter: Die Bottroper (Hach.. Bottrop.. Perle des Ruhrgebiets) Jesus on Extasy. Bei J O E gab es dann auch, passend zum On A Dark Wintersnight Gothrock der sich vor den anderen Bands nicht verstecken brauchte.  Jesus on Extasy boten optisch auch für die männlichen sowie weiblichen Gäste eine interessante Show, was am die meiste Zeit halbnackten Frontmann, aber auch an den recht knapp bekleideten Mädels an Gitarre und Keyboard gelegen haben könnte. Nach J O E waren dann dopeDope Stars Inc. an der Reihe. Die aus Italien stammende Electronic Gothrock Combo kam optisch rüber wie eine etwas härtere Version von Tokio Hotel.
Das Keyboardwesen (ich bin mir nicht sicher ob Männlein oder Weiblein) der Dope Stars schien das Rauchverbot auf der Bühne (wegen der Pyros) herzlich wenig zu interessieren, jedenfalls steckte (einigen wir uns erstmal auf Männlein) er sich eine Fluppe nach der anderen an, und nahm gelegentlich noch nen Schluck Bier. Ok.. wenn man assig erscheinen möchte, dem Keyboarder ist es prima gelungen. Das Publikum interessierte das aber herzlich wenig und feierte auf die elektronisch rockigen Klänge ab.  Nach den 2 eher für den Gothicbereich interessanten Bands, wurde es Zeit für Amorphis, welche die Bühne gleich mit 6 Personen füllten. Die Darkmetaller lieferten eine interessante Show und Frontmann Tomi liess das ein oder andere mal seine Rastas fliegen. Amorphis schafften es fast den ganzen Innenraum zu füllen. Die einzige Band die meines Erachtens nach gar nicht auf das Festival passte waren die nun folgenden Blind. Metal Core ist allgemein nicht so meine Tasse Kaffee und ich finde Metal Core gehört nicht auf ein Gothic/Metal Festival sondern eher auf mainstream-ausgerichtete Veranstaltungen wie z.B. Rock amletzte Ring. Blind lieferten dennoch eine ganz passable Show ab.  Der nächste Act war ein Replacement, denn eigentlich sollten jetzt Samsas Traum spielen. Nachdem die Band um den Herrn der Käfer aus dem Billing geflogen ist, wurde sie relativ kurzfristig durch Letzte Instanz ersetzt. Ich hätte lieber Samsas Traum gesehen, zumal mich das neue Material richtig gereizt hätte, aber die Jungs von der Letzten Instanz machten eine richtig fette Party die so gar nicht zum Gothic-Trauerklops-Dasein passen wollte. Vor allem die kurzfristig eingeworfene Karaokeeinlage von "I was made for loving you" hatte es mir angetan. Der Frontmann wollte permanent die Teufelchen (im Fachjargon auch Pommesgabel genannt) sehen.. tanzende Teufelchen.. pimpernde Teufelchen..  kurz und knapp: geile Show!

blindEndlich war es dann an der Zeit Nightwish, dem Headliner des On A Dark Wintersnight!
Endlich konnte man Anette Olzon, die neue Sängerin der Finnen, live auf der Bühne erleben. Mit Bye Bye Beautiful, einem Song der offensichtlich Tarja gewidment war begann die Show. Die Schwedin brachte deutlich frisches Blut auf die Bühne und man merkte ihr deutlich an dass sie Spass daran hat was sie tut. Anette flitzte von einer Ecke zur anderen und rockte richtig los. Nach Dark Chest of Wonders hatte Marco dann seine Chance den Islander, meinen absoluten Lieblingssong der aktuellen Scheibe darzubieten. Leider wurden fast nur neue Songs gespielt, das alte Material wie z.B. Sleeping Sun oder Walking in the Air kam ziemlich kurz. Als Zugaben wurden unter anderem Wishmaster und Wish I had an Angel gespielt. Die Bühnenshow war perfekt koordiniert und auch die Pyros liessen keine Wünsche offen. Nightwish konnten sich immer schon perfekt in Szene setzen. Und dieses mal fiel auch die lästige Umkleidepause weg, da Anette anders als Tarja das Gothenpüppchen es nicht nötig hat ständig die Klamotten zu  wechseln. Nightwish machten auch in der neuen Besetzung einen sehr positiven Eindruck. Anette singt die älteren Songs zwar etwas anders als Tarja es getan hätte, aber das ist in meinen Augen kein Manko.

Fazit:
Bis auf die kommunikativen Schwächen und die teilweise recht ruppigen Securities war das On A Dark Wintersnight doch recht gelungen. Natürlich kann man über die Verspätung von satten 2 1/2 Stunden meckern, doch hat man sich ernsthaft bemüht die fehlende Zeit wieder aufzuholen. Die meiten Bands verzichteten so auf Zugaben und auch die Soundchecks wurden relativ knapp gehalten. Erstaunlicher Weise war der Sound trotzdem in Ordnung, was für Konzerte in solchen Hallen nicht unbedingt selbstverständlich ist. Die Bandauswahl war bis auf einen Ausreißer ziemlich klasse. Auch vom Preis her war das O A D W N ok, für 42€ inkl. Gebühren bekam man ein ordentliches Festival geboten. Wenn man bedenkt, dass man sonst für Nightwish alleine schon 30€ mindestens hinlegen muss passt das. Das Festival lief soweit ich das beurteilen konnte recht friedlich ab. Wenn es der Geldbeutel und der Terminkalender erlaubt werde ich definitiv wieder vor Ort sein.

 

Die Bilder zum Bericht gibt es hier: -> Galerie

 

Running order:
Van Canto
Tarot
Jesus on Extasy
Dope Stars Inc.
Amorphis
Blind
Letzte Instanz
Nightwish