Und am siebten Tag schuf Gott den Schlamm...

Mittwoch, 03.08.05 Marcus Kösters

 

Inzwischen ist es Tradition, dass am 1. Wochenende im August ein kleines nordisches Dorf von mehreren tausend Metallern überrannt wird. Es ist Zeit für das Wacken:Open:Air. Dieses Jahr stürmten soviele Metal-Fans den Camping-Ground, dass dem Veranstalter nichts anderes übrig blieb als zusätzliche Flächen anzumieten, um alle Metalheads unterzubringen.

 

Dieses Jahr wurden über 60.000 Gäste gezählt. Gegen 8:00 Uhr brachen wir in Richtung des heiligen Bodens auf und circa 6 Stunden später, erreichten wir Wacken. Nach dem obligatorischen Stau im Dorf konnten wir endlich den schon stark in mitleidenschaft gezogenen Campground befahren und blieben auch prompt im Schlamm stecken. Einige Hilfsbereite schoben uns aus dem Dreck und wir konnten uns daran machen unser Lager aufzuschlagen.

 

Donnerstag, 04.08.05 Stefan Korf

 

Nachdem man sich am Donnerstag Abend durch die auf den ersten Blick Unmengen von düster bekleideten Metal-Menschen gequält hatte, die sich alle, wie man selbst dazu entschieden hatten einfach mal zu spät loszulaufen, konnte man sich auf die erste Band des Wacken Open Airs stürzen: Tristania.

 

Nachdem meine Wenigkeit die Band schon von dem völlig überfüllten Einlassbereich hören durfte und die obligatorische Frechheit der Wacken-SECURITY erstmal darauf bestand sämtliche Killernieten, Ketten, Handschellen-Gegenstände rigoros einzukassieren wegen „Verletzungsgefahr“. Die Frage nach der Verletzungsgefahr wurde flachsig und dumm beantwortet „Wenn wir euch ausziehen müssen“) Wie dem auch sei...Tristania lieferten eine gute Show, der Sound war super und zum einstimmen auf folgene Songs prügelten sie auch einige schön derbe Songs raus. Ich bereue die 20 Minuten in der Warteschlange wirklich ...Als einer meiner Faves war Tristania jedoch Pflicht und ihre Mischung aus ruhigen Passagen und Geknüppel war genau richtig um meinen Nacken aufs Wacken einzustimmen.

Als nächster Act folgte darauf Candlemass. Laut Wacken-Heftchen Doommetal ... nunja. Ich kannte die Band, ich hoffe ich muss mich da als Blackmetaller grad nicht schämen, bis zum Wacken nicht. Mal davon abgesehen, dass sie meinen musikalischen Geschmack nicht getroffen haben legten sie eine gute Show aufs Parkett und bedienten so nun ein anderes Spektrum der Wackengänger mit ihren Tönen zu beglücken.

Der Sänger, Messiah Marcolin, rannte auf der Bühne herum und stachelte die Zuschauer an. Oomph glänzte durch Abwesenheit jeglicher Gesangskunst aber durch Anwesenheit schlechter Frisuren. Ein Zitat meiner Freundin die sich sehr auf das Konzert gefreut hatte: „Och nö die Können ja gar nichts, und der sieht ja auch nichtmal so gut aus wie im TV“. Das beschreibt eine Band die zwar inzwischen kommerziellen Erfolg hat, aber auf dem Wacken zumindest meiner Meinung nach nicht viel zu suchen hat. (Dass ich selbst noch zwei ältere Alben von ihnen in meiner Sammlung habe muss ja keiner wissen „Anmerk. Marcus: Damals waren die auch noch gut..“).

Der Headliner des Donnerstages, waren Nightwish. Zweimal schon erlebt waren sie dieses Wacken nicht leider in der Klasse zu erleben wie noch Jahre zuvor. Ich musste bemerken dass sich Tarja eher durch Stöhnorgien auszeichnet als ihren klaren Gesang.

Die Band die ich schon seit meinem ersten Liveerlebnis mit ihnen aus unerfindlichen Gründen als unendlich Arrogant empfinde konnte dann auch mit ihrem Hit „Wishmaster“ zumindest bei mir nicht mehr viel retten. Den Abend beendete Ich mit viel zu viel, viel zu teurem Winkinger-Blut.Freitag, 05.08.05 Marcus Kösters

Zum Start in den Tag gehört laute Musik, und für die Sorgen NAGLFAR ohne Kompromisse, eine knappe dreiviertel Stunde Schweden-Geprügel vom Feinsten.

 

Die Schwedenkombo konnte auch trotz "neuem" Sänger überzeugen.

Gegen 14 Uhr stürmen Sonata Arctica die TrueMetal Stage und liefern eine leicht modifizierte Version ihrer LiveShow die sie bereits schon auf dem Rock Hard Festival zum besten gaben. Toni Kakko ist stimmlich voll dabei und feiert mit dem Publikum eine grosse Party. Etwas später geben sich auf der BlackStage 4 blutverschmierte Musiker die Ehre.. Bloodbath entern die BlackStage (und nicht wie fälschlicherweise im Internet bekanntgegeben wurde Ensiferum, welche stattdessen auf der Partystage mit Krachern wie Tokens of Time oder dem BattleSong abrocken und die Menge begeistern). Edguy spielten gegen 18:00 auf der True Stage. Da sich die Singstimme der Band angeblich im Stau steckengeblieben ist, wurde Sie kurzerhand mit einem Helikopter eingeflogen, der mitten auf dem Festivalgelände landete. Viele befürchteten schon ein frühzeitiges Ableben von Tobias Sammet, als er auf die Stage kletterte. Edguy lieferten alles in allem eine gute Show, nachder Tobi direkt zum nächsten Festival geflogen wurde. Den meiner Meinung nach absoluten Höhepunkt dieses Abends lieferten Apocalytica, die ich schon auf dem Mera Luna sehen durfte, dort konnten sie mit ihrer langatmigen Show jedoch nicht überzeugen. Diesmal war jedoch alles anders. Dem Liveset hat die Entscheidung sämtliche Tracks mit Percussions zu spielen sichtlich gut getan, und die Finnen kommen um einiges Energiegeladener rüber, als gewohnt. Es scheint als wollten sie die Bühne gar nicht mehr verlassen, denn es wird eine Zugabe nach der anderen gespielt. Corvus Corax hingegen sind eine Band die ich mit gemischten Gefühlen sehe. Zum einen sind die Mittelalter-Barden geniale Musiker, zum anderen gehört eine Mittelalter-Show eher auf ein Mittelalter oder Gothic Festival und nicht unbedingt aufs Wacken. Unter dem Blickwinkel das Mittelaltermusik ohne Verzerrer NICHT rockt, war diese Band auf dem WOA fehl am Platz.

Samstag, 06.08.05

Der Tag begann für mich mit gutem britischen Powermetal. Dragonforce waren an der Tagesordnung, und ich muss sagen sie gefielen mir live noch besser als auf Ihrem ohnehin schon geilen Debutalbum. Eine Stunde melodisches Geprügel, bei dem die Fans trotz des öfteren einsetzenden Regens kräftig abfeiern. Das sie sich vom Regen nicht einschüchtern lassen haben die Wackinger ohnehin bewiesen. Das gesamte Festivalgelände war unter Matschbergen begraben. Der nächste Act sollten Overkill werden, die mit Ihrem Trashmetal schon seit mehr als zwanzig die Massen begeistern. Songs wie Old School oder Pound of flesh dürfen hier natürlich nicht fehlen.

Das Highlight des Samstags war für mich jedoch das wohl definitiv letzte Deutschlandkonzert vom Urgestein des deutschen Metals.. Accept! Die für eine Hand voll ausgesuchter Konzerte wieder vereinte Band kann durchweg überzeugen und beweist das Reibeisen Udo Dirkschneider noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Songs wie Balls to the Wall, I'm a Rebel und Son of a Bitch mischen das Publikum ordentlich auf. Auch die für jedes Accept-Konzert typischen Heidi-Heido Gesänge fehlen nicht. Bowlingkugel Wolf beweist erneut sein Geschick am Sechssaiter. Es knistert förmlich in der Luft als Udo zu Princess of the Dawn anstimmt. Kurz nach Accept gibt es ein weiteres Highlight in Wacken welches von Insa Neumann kommentiert wird.

 

Wacken 2005. Die heiligen Gründe des Wacken Geländes würden das letzte Deutschlandkonzert einer zu Recht zum Teil mit Tränen begossenen Band beherbergen dürfen: Sentenced.

Der beständige Regen konnte auch nachts um 1 Uhr die Fans nicht davon abhalten ihre – dieses Jahr im Verglecih zu 2003 – ausgesprochen nüchternen Finnen willkommen zu heißen.

Während bei einigen Liedern so manche Mähne durch die Luft propellerte, zogen es manche – nicht nur weibliche – Fans vor sich bei langsameren Nummern noch einmal zu vergegenwärtigen dass dies das Ende war.

Glücklicherweise war das Ende eine, wenn auch verschlammte und verregnete, sehr geile Party.

Trotz Songtiteln wie „Consider us dead“ auf dem auktuellen „Funeral Album“ zeigten sich Sentenced noch einmal lebendig wie ein Hühnchen mit abgehaktem Kopf, dem die Nerven noch einmal einen Impuls durch den Körper jagen.

Mit Songs wie „Farewell“, „May today become the day“, jedoch ohne Zugabe verließen Sentenced mit einem King of Pop verdächtigen „We love you“ die deutschen Bühnen. Für immer?

 

Nach Sentenced erwartet tausende von Metalheads eine Überraschung.. ein weiter Surprise-Act betritt die TrueStage: Die Ost-Swing Band „die Sputniks“ Unterstützt werden sie von Onkel Tom und Swingen während ihres kurzen Auftritts mutig Swingversionen von Ace of Spaces und Symphonie of destruction.

Wie immer macht auch dieses Jahr wieder Onkel Tom den Rausschmeisser, nachdem er die Menge mit diversen Saufliedern in die Kälte der Nacht entlässt.

Fazit:

Ein saugeiles Festival! Das Lineup war auch dieses Jahr wieder genial, obwohl die ein oder andere Band eher aufs Mera Luna gehört hätte. Der Ton war gut abgemischt, und die W:O:A Helfer waren sichtlich bemüht der Schlamm-Massen Herr zu werden.

Auch an den sanitären Einrichtungen gab es im grossen und ganzen eigentlich nichts zu Meckern. Negativ fielen jedoch die teilweise ziemlich arroganten Sicherheitskräfte (die es sichtlich genossen einmal „wichtig“ zu sein) sowie die mangelhafte Organisation der Rettungskräfte (die mit dem Gelände nicht sehr gut vertraut waren) auf.

 

Überschattet wurde das alles in allem grandiose Festival jedoch leider von dem ersten Todesfall in der Geschichte des W:O:A.

Ein 37 Jahre alter Metalhead wurde tragischerweise von einem Rettungswagen angefahren und erlag seinen Verletzungen.

Das W:O:A Team hat um seiner Familie zu helfen schnell reagiert und ein Spendenkonto eingerichtet.