Mair1
Mit ein wenig Verspätung trafen wir am Freitag auf dem Mair1-2014 ein, so dass die letzten Skindred-Sounds allmählich verklangen, als wir auf dem Weg zum Festivalgelände waren. Bedauerlich, wie wir beide fanden, denn das bisschen, was wir noch mitbekamen, klang nach einer verdammt guten Show. Doch manchmal lässt sich eine jobbedingte Verspätung leider nicht vermeiden.

Was wir jedoch von Anfang an mitbekamen waren Walls Of Jericho. Die Metalcore-Band aus Detroit mit ihrer Powerfrontfrau dürfte den meisten Leuten ein Begriff sein, was sich auch daran bemerkbar machte, dass es vor der Bühne ziemlich eng wurde. Die Fans, vor allem in den vorderen Reihen, gingen zur harten Gangart der Band ab, wie an den geschüttelten Mähnen deutlich sichtbar war. Erheiternd war dann ein außerplanmäßiger Besucher auf der Bühne. Ein etwas korpulenterer Kerl im Schneewittchenkostüm sprang unerwartet auf die Bühne, um dort eine kleine Tanzeinlage abzuziehen. Die Band schien das witzig zu finden, die Security allerdings nicht. Zumindest einer der Security-Herren, denn dieser sprang unserem Schneewittchen augenblicklich hinterher, während sich seine Kollegen nicht so recht dafür zu interessieren schienen. Unser Security-Mensch schaffte es jedoch ziemlich lange nicht, das Schneewittchen von der Bühne zu entfernen, was vermutlich auch daran lag, dass er nur gefühlt halb so groß war. Da seine Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt waren, riss er sich dann, samt Schneewittchen, rückwärts von der Bühne, wo beide unsanft landeten. Eine durchaus übertriebene Aktion, wie wir fanden. Das hätte man professioneller regeln müssen! Generell muss man leider sagen das die angeheuerten Securitymitarbeiter für ein Festival dieser Art furchtbar ungeeignet waren. Der allgemeinen Stimmung tat dies jedoch keinen Abbruch. Auf die obligatorischen "hey, hey, hey"-Rufe der Sängerin gingen im Takt auch brav die Fäuste der Fanmenge gen Himmel und auch den gewünschten Circle Pit bekam die Band auf Anforderung. Alleine singen musste unsere rothaarige Dame auch nicht die ganze Zeit, denn auf ihre Ansage "fucking sing along!" hin, begann die Masse damit, mitzugröhlen. Dies animierte dann auch den ein oder anderen Fan zum Crowdsurfen. Die Stimmung war gut. Beim letzten Song begab sich die Sängerin auf die Gitter bei den vorderen Fan-Reihen und viele Leute sangen den Song mit.

Auf der Monster-Mainstage folgten dann Ignite. Auch bei den Kaliforniern war der Platz vor der Bühne gut gefüllt. Sowohl Band, als auch Publikum hatten sichtbar ihren Spaß, denn diese waren viel in Bewegung und feierten den Auftritt ab. Aus aktuellem Anlass griff der Frontmann dann noch das Thema Fußball auf und sprach zudem noch darüber, dass er gerne in Deutschland auftritt, weil es bei den Konzerten nie zu Gewalt käme. Des Weiteren vergab er noch ein Lob auf Walls Of Jericho und erzählte, dass die Frontfrau als zweite Leidenschaft Gewichtheberin ist. Insgesamt eine publikumsnahe Band, die Spaß macht.

Der Schocker des Abends kam danach. Bam Margera & Fuckface Unstoppable. Unserer Meinung nach ein musikalisches Desaster, was aber einige nicht zu stören schien, da sein Skatelegendenstatus die musikalische Grenzwertigkeit wieder wettzumachen schien. Nunja, Geschmackssache. Wer Männer in durchsichtigen Strumpfhosen, und zwar NUR in durchsichtigen Strumpfhosen, mag, der kam hier auf seine Kosten.

Der Headliner des Abends, Flogging Molly, machte dies wieder wett. Eine Band, die durchaus weiß, wie man Stimmung macht, denn es dauerte nicht lange, bis die Menge am Tanzen war. Auch die Publikumsnähe macht diese Band sympathisch, denn der Frontmann ließ es sich nicht nehmen, oft mit den Fans zu reden und bedankte sich nach den Songs teilweise auf Deutsch. Zwischendurch fragte er noch, ob es nicht cool sei, dass man sogar mit Akustikgitarre, Geige und Banjo rocken könne. Eine Band, die man absolut abfeiern kann. Festivaltauglich, würdiger Headliner und schöner Abschluss für Tag 1.

Der Samstag fing leider mit Regen an und so sollte es sich auch noch den ganzen Tag und Abend weiter hinziehen, zumindest mit gelegentlichen Pausen. Doch die Band Trash Candy eröffnete den Tag auch gelungen mit wenigen Fans vor der Bühne, da das miese Wetter offenbar viele abschreckte (oder hatten sich manche am Vorabend müdegetanzt? Wer weiß?). Wie dem auch sei, die Songs von Trash Candy waren schön, eingängig und melodisch und es machte Spaß, ihnen zu lauschen. Die Frontfrau fragte, ob man sich am Vorabend Ignite angesehen hätte. Eine gute Überleitung zum nächsten Song, da sie diesen mit dem Ignite-Frontmann zusammen aufgenommen hatten, auch wenn dieser beim Gig nicht mehr zugegen war. Das Publikum ließ sich später noch dazu animieren den "Whoohoho"-Part mitzusingen und so hatten Band und Fans trotzdem schlechtem Wetter sichtbar ihren Spaß und heizten die wenigen Leute, die bisher da waren schon mal für die nachkommenden Kollegen an.

Als im Anschluss daran Heart In Hand auftraten, füllte sich der Platz vor der Bühne langsam aber sicher. Zu diesem Zeitpunkt hörte der Regen erstmal auf. Die Band schaffte es, die Menge zu immer mehr Bewegung zu motivieren (nun, es war ja inzwischen auch trocken und dank ausgelegter Fläche vor der Bühne versank man auch nicht mehr im Boden). Die Stimmung war super und so ließ sich der Sänger auch das Crowdsurfen nicht nehmen.

Atlas Losing Grip folgten mit viel Bewegung seitens der Band, was sich dann auch in der Fan-Menge wiederspiegelte. Diese begann munter zu crowdsurfen. Der Gitarrist rief den altbekannten Anheizer "hey, hey, hey,.." mit erhobener Faust ins Mikro, was das Publikum motivierte, dabei mitzumachen und die Stimmung weiter zu steigern. Später sollten diese auch den "Slow Down"-Teil eines Songs mitsingen - klingt unserer Meinung nach gut, wenn es viele Leute, wie hier, zusammen singen. Die Stimmung ist super.

Bei Heart of Coward fing es dann leider erneut an zu regnen, doch trotzdem war es vor der Bühne noch relativ gut gefüllt. Die Festivalbesucher schienen sich das Event nicht vom schlechten Wetter kaputt machen zu lassen und es war ein breites Meer aus Headbangern sichtbar. Als dann A Traitor Like Judas die Bühne betraten, wurde der Regen noch stärker. Der Sänger hielt dann, wie während des Gigs immer und immer wieder, eine längere Ansprache. Zunächst ging es dann darum, dass die Leute trotz des Regens nach vorne kommen sollten. Auch ihren Anti-Nazi-Standpunkt machte die Band deutlich. Man erfuhr auch ein wenig über die Krankengeschichte des Sängers. Zwischendurch wurde auch mal Musik gemacht, die von den Fans ziemlich abgefeiert wurde. Das Publikum ließ sich zum mitspringen und -singen animieren und auch den einen oder anderen Circle Pit gab es zu sehen.

Bei Blessthefall wurde es dann ausnahmsweise wieder trocken und der Platz vor der Bühne füllte sich wieder. Die Band war während der Show permanent in Bewegung, was auch so manchen Zuschauer motivierte, sich zur Musik zu bewegen. Insgesamt eine solide Show. Musik ist zwar immer eine Frage des Geschmacks, doch das was wir bei Thy Art Is Murder zu hören bekamen, war für unser persönliches empfinden undefinierbarer Krach mit leichten Rumgebell-Ansätzen. Aber es gibt sicher auch Menschen, denen das gefällt.

Als Emmure anfingen zu spielen, fing es dann auch wieder an zu regnen. Die Fans ließen sich nicht abschrecken und so blieb es vor der Bühne trotzdem gut gefüllt. Die Stimmung war gut, was man daran merkte, dass das Publikum die Songs fleißig mitsang.

Mit Scooter-Intro betraten schließlich "Eskimo Callboy" die Bühne. Nett anzusehen war der Panda mit Gitarre. Die Band sorgte für einen beträchtlichen Stimmungsanstieg, denn beinahe alle machten eine Riesenparty vor der Bühne. Da es wieder anfing zu regnen, machten sich die beiden Sänger aus "Solidarität" ebenfalls mit Wasser aus ihren Flaschen nass. Die Publikumsnähe war also definitiv vorhanden. Zum Aufwärmen wurde dann auch noch Schnaps ans Publikum verteilt. Während des gesamten Gigs wurden immer wieder Hüte auf die Bühne geworfen, so dass sich die Band irgendwann gezwungen war, diese zweitweise aufzusetzen. Man reflektierte Vorerfahrungen des Mair1, indem man sich an die durchgebrochene Bühne von 2011 erinnerte und auch vom 3. Album, für das die Band kürzlich im Studio war, wurde berichtet. Einer der Sänger legte schließlich noch einen Crowdsurf hin und anhand der Menschenmenge merkte man, wie diese Band abgefeiert wurde. Der Mix aus Metal und Trance war sehr interessant und hat Spaß gemacht.

Nach dem Gig ertönte auf der Nebenbühne das Intro zu James Brown's "Sex Machine", als Silverstein die Bühne betraten. Auch hier war der Platz vor der Bühne brechend voll. Es gab einen Circle Pit, eine fette Lightshow und einen Haufen Fans, die Songpassagen ohne instrumentale Begleitung mitsangen. So macht das Spaß. Eine sehenswerte Band, die durchaus Stimmung macht und nicht langweilig wird. Comeback Kid betraten zwar noch bei Tageslicht die Bühne, sollten diese aber erst wieder im Dunkeln verlassen. Auch hier waren die Fans in hoher Zahl vertreten und der Frontmann der Band suchte den Kontakt mehrfach, indem er bis zur Absperrung kam. Die Fans feierten die Band ab, es gab viel Bewegung in der Menge und auch Crowdsurfer. Bedankt wurde sich hierfür teilweise sogar auf Deutsch mit "Dankeschön" Beim Anstimmen von "Broadcasting" klatschte die Masse dann auch mit und auch einen Circle Pit gab zur Abrundung des wirklich gelungenen Gigs. Die Energie der Band übertrug sich sichtlich aufs Publikum.

Den Abschluss des Samstagabends machte dann der Headliner Hatebreed. Vor der Bühne war es sehr voll und die meisten Hände waren gen Himmel gerichtet. Das Publikum feierte die Band sichtlich ab. Zusammen mit dem Sänger hüpften die Fans dann auch vor der Bühne rum und nach kurzer Motivation des Sängers gab es ein Meer aus Fäusten, das sich sehen lassen konnte. Ein gelungener Abschluss des Festivals. Insgesamt ein schönes Festival, das viel Spaß gemacht hat, trotz schlechtem Wetter, aber das scheint ja mittlerweile leider zwingend zum Mair1 zu gehören. Ein schickes Programm mit vielen starken Bands und nur Bam Margera als musikalischem Totalausfall. Das Line-Up war in unseren Augen zwar ein wenig schwächer als in den letzten Jahren aber es war trotz alledem ein geiles Wochenende was nur so nach einer Wiederholung in 2015 schreit!