Bring
Am Samstag, den 09. November 2013 wurde das Kölner E-Werk von einer Horde Core-Fans heimgesucht. Bring Me The Horizon standen auf dem Programm und mit Pierce The Veil als Support war die Bude schnell ausverkauft. Als dritte Band des Abends waren Sights & Sounds mit dabei. Die Kanadier Andrew Neufeld (Gitarre, Gesang), Joel Neufeld (Schlagzeug), Matt Howes (Bass, Gesang) und Adrian Mottram (Gitarre) von Sights & Sounds standen einem schon ganz gut gefüllten E-Werk gegenüber, als sie um Punkt Acht den Konzertabend begannen. Musikalisch irgendwo im Post-Hardcore Bereich angesiedelt waren sie die ruhigste Band des Abends und hatten daher einen relativ schwierigen Stand.

Die einzelnen Lieder wussten für sich durchaus zu überzeugen aber in der Gesamtheit des rund dreißigminütigen Sets war das Ganze ein wenig zu monoton. Ein Song? Fünf Songs? Keiner wusste das so genau, denn irgendwie klang alles gleich. Irgendwo zwischen gut und ganz okay, aber nicht herausragend und schon gar nicht abwechslungsreich. So verwunderte es nicht, dass sich die Kölner mit den Reaktionen zurück hielten und kaum Bewegung aufkam. Anstandsapplaus gab es aber trotzdem, denn so richtig schlecht war es nun wirklich nicht.

Nun war es an Pierce The Veil ein wenig Stimmung in die ausverkaufte Bude zu bringen. Jaime Preciado (Gesang, Bass, Keyboard), Tony Perry (Gitarre, Backgroundgesang) und die Brüdern Vic (Gesang, Gitarre, Keyboard) und Mike Fuentes (Schlagzeug) sind keine Unbekannten in der Szene und hatten eine ordentliche Fanbasis vor Ort.

Kaum betraten die Jungs die Bühne ging ordentlich Gekreisch durch die Halle, sodass man sich ernsthaft fragen musste ob man einem Justin Bieber Konzert oder einem Metalcore Konzert beiwohnte. Der junge und weibliche Teil des Publikums machte einen großen Prozentsatz aus und rastete einfach vollkommen aus. Junge Mädchen sind erstaunlich begeisterungsfähig, wovon die Band sehr profitierte. Aber diese machten ihren Job auch gut, denn auf der Bühne war jederzeit ordentlich Action. Sänger Vic rannte hin und her und Bassist Jaime Preciado machte Faxen am laufenden Band.

Egal ob Mitsingspiele oder Circle Pits, das Publikum fraß den Jungs aus der Hand und schrie sich die Seele aus dem Leib, egal was ein Bandmitglied sagte oder tat. Pierce The Veil hätten durchaus auch Headliner sein können, wenn man sich Performance und Publikumsreaktionen an diesem Abend betrachtete.

Musikalisch aber nicht so meins, denn insbesondere die Quietschestimme von Sänger Vic Fuentes macht auf längere Zeit nicht viel Spaß. Aber was die Performance und Stimmung anging könnten sich sehr viele  der etablierten Rock- und Metalbands eine oder besser gleich zwei Scheiben abschneiden, denn das Konzert war in seiner Gesamtheit dann doch sehenswert. Auf CD aber bitte ohne mich.

Setlist Pierce The Veil
Bulls In The Bronx
Hell Above
Bulletproof Love
Hold On Till May
A Match Into Water
Stained Glass Eyes And Colorful Tears
Caraphernelia
King For A Day

Nachdem Pierce The Veil unter Protest der anwesenden Mädels die Bühne verlassen hatten war es nun soweit und die Bühne wurde für Bring Me The Horizon präpariert. Im Hintergrund war schon ein in großen leuchtenden Buchstaben geschriebenes BMTH zu erkennen. Während auf der Bühne die Crew damit beschäftigt war die Instrumente zu stimmen mischte sich auch das Publikum vor der Bühne ein wenig neu. Einige der Mädels, die Pierce The Veil noch ordentlich abgefeiert hatten machten Platz für die nur minimal älteren Konzertbesucher des anderen Geschlechts, die offensichtlich primär für den Headliner angereist waren.

Als Oliver „Oli“ Sykes (Gesang), Lee Malia (Gitarre), Matt Kean (Bass), Matt Nichols (Schlagzeug) und Jordan Fish (Keyboard) die Bühne betraten war es ebenso laut wie bei der Vorgängerband, aber der Gekreischanteil war deutlich geringer, sodass es angenehmer für die Ohren war. Mit „Can You Feel My Heart“ von der aktuellen Platte „Sempiternal“, welche einen Großteil des Sets ausmachte, gingen die Briten direkt in die Vollen.

Auch die viel gelobte Stimmung und Bühnenperformance von Pierce The Veil konnten Bring Me The Horizon halten und noch ein kleines bisschen oben drauf setzen. Zusammen betrachtet waren beide Bands an diesem Abend ziemlich gleich stark, wenn auch das Zusammenspiel mit der Lichttechnik bei Bring Me The Horizon dem Auge deutlich mehr bot, aber dafür waren sie auch Headliner.

Es wurde gemosht und gefeiert was das Zeug hielt und sowohl Band als auch Publikum sprangen wie wild. Einzig die Anzahl junger Mädchen die umkippten kann man bei diesem Konzert negativ anführen. Die Securitys und Sanitäter hatten leider alle Hände voll zu tun. Den ganzen Tag nichts zu essen und zu trinken, damit man Abend nicht auf’s Klo muss und der Band die ganze Zeit sehr nah sein kann, klingt wie eine tolle Idee - ist es aber nicht.

Zwei starke Bands spielten an diesem Abend im Kölner E-Werk, die beide Headliner würdig waren und zumindest zum Teil verschiedene Zielgruppen innerhalb des erwartungsgemäß sehr jungen Publikums ansprachen. Einzig Sights & Sounds hätte man sich nicht zwangsläufig eine halbe Stunde lang geben müssen. Es war ein schöner Abend mit action-geladenen Liveperformances vor einem Publikum was zu einem nicht zu verachtenden Teil nach dem Konzert von Mami und Papi abgeholt wurde (wenn sie nicht als Begleitung dabei waren). Aber anstatt auf die ach so bösen jungen Fans zu schimpfen sollte man sich freuen, dass die Metalszene jungen Nachwuchs erhält. Und Bring Me The Horizon und Pierce The Veil sind ein Grund dafür. Sehr gerne wieder,