Summer's
Die Fahrt nach Andernach, am Atomkraftwerk vorbei, in Richtung gutbürgerliche Kleinstadtidylle war am letzten richtig schönen Sommerwochenende unerwartet nett. Zum Glück hatten wir im Metalviecher-Mobil genaue Koordinaten dabei, denn die Ausschilderung war äußerst umweltfreundlich gehalten. Wo nichts ist, muss auch nichts weggeworfen oder recycelt werden. Nichtsdestotrotz kamen wir an und konnten direkt den großzügig ausgelegten Campingplatz belegen.  Wenn man auf Wacken denkt, man sei im Zeltstadtequivalent von einer Plattenbausiedlung, so war das Erlebnis in Andernach eher mit Einfamilienhäusern mit großzügigen Vorgärten zu vergleichen. Sehr angenehm.

Der Toilettenwagen, der dem Anschein nach aus den 70ern stammte war das ganze Wochenende über sauber und gut benutzbar, entgegen seines wahrgenommenen Alters. Die Organisation drum herum war relativ durchschnittlich, so wurde uns doch – während man drei Meter von einem Plakat, das das Gegenteil behauptete – erklärt, der offizielle Einlass sei erst zwei Stunden später als ursprünglich auf der amateurhaft gestalteten Website angegeben. Das Wetter spielte dabei allerdings gut mit, ein wenig in der Sonne sitzen war definitiv nicht unangenehm. Das einzige Problem, das sich präsentierte, war die Abwesenheit von Bierständen. Getränke gab es für die Besucher, die lieber das Festival unterstützen wollten als selbst Bier anzukarren, leider nur während das offizielle Festivalgelände geöffnet war. Eine Weizenkaltschale oder ein Wasser wären bei dem Wetter und der Wartezeit sicher nicht verkehrt gewesen.  

Freitag und Samstag, 30. und 31. August 2013, wahrlich das Ende des Sommers. Und um sicherzustellen, dass die lieben Spätsommermetaller noch nicht im Winterschlaf versumpfen, gaben sich am Freitagmittag Raised from Death die Ehre. Die ortsansässige Metalcore-Band war redlich bemüht, obwohl nur eine Handvoll Menschen bereits anwesend war. Wer allerdings den Weg auf das Festivalgelände gefunden hatte, verschluckte sich spätestens bei den Ansagen der Bands, die voller Inbrunst ihre Verbindung zu Gott in den Vordergrund stellten. Jeder soll seinen Glauben haben dürfen und stolz darauf sein. Ob aber die Bühne eines Metalfestivals unbedingt der beste Ort ist um Einladungen zum Gespräch über Gottes Gnade am Merchstand ist, sei dahingestellt.

SIC Zone machten mit fröhlicher Gesichtsakrobatik, Grunzen und dominanten Gitarren weiter. Die Band hatte eine Weile zuvor ihren Namen von A-Rise zu SIC Zone geändert, was – insbesondere auf Grund der fehlenden Running Order Infos auf dem Festivalgelände – zu größeren Verwirrungen führte. Trotz alledem arbeitete die Extreme Metal Band nach eigenen Aussagen intensivst daran neben Metallica die größte Band im Metal-Imperium zu werden um die Bild-Zeitung zu zerstören. Diese Kundgebung wurde mit entsprechenden Gesten und Requisiten unterstützt.

Weiter ging es mit Steelpreacher, die für das schönste Blockflötenintro des Festivals sorgten – unser Fazit: Wie junge Manowar mit Humor! Bei Metal Inquisitor konnte man grob schon am Namen den Stil ablesen und wurde von den daraus resultierenden Erwartungen nicht enttäuscht: Unaufgeregter Power Metal, der einige im Publikum zu einem Teppich aus fliegenden Matten animierte.

The New Black zeigten dem Festival eine vergleichsweise melodische, sowie optisch durchaus ansprechende Seite. Neben Rampensauqualitäten gab es außerdem noch gut gemeinte Tips für Neugründer von Bands: Nie vor der Show „SO“ ein Stück Lasagne essen, das rieche später auf der Bühne komisch.

Orden Ogan vertraten die Upcycling Brigade. Wer in Andernach und Umgebung Autoreifen vermisst, kann die sicher wieder bei den Jungs abholen, wenn sie sie nicht mehr für das nächste Bühnenoutfit brauchen. Mit der fortgeschrittenen Stunde füllen sich Bühnenvorplatz (mit Menschen) und Publikum (mit Bier)  - beides war dem Moscherlebnis äußerst zuträglich. Um sich trotzdem der Lokalität – ein deutsches Festival – bewusst zu werden, klatschte das Publikum konsequent nicht im Takt mit. Das aber mit großer Überzeugung. Und der Formfehler minderte nicht die großartige Stimmung, die beim Mitsingen zu Piratensongs aufkam!

Powerwolf brachten eine schöne Lichtshow, fetten Sound und eine ganze Horde minderjähriger Makeupträger mit. Bei der bombastischen Show sangen alle mit, die Stimmung war großartig und beendete einen ersten Festivaltag auf angemessene Weise.

Tag 2 begann ein wenig früher, dieses Mal mit Iron Fate. Es stellte sich mehr Publikum als zur ersten Freitagsband ein um Power Metal mit äußerst engen Jeans und entsprechenden Vocals zu feiern. Im Publikum herrschte eine recht hohe Kuttendichte. Ra’s Dawn, die im Anschluss spielten, wurde publikumstechnisch vom einsetzenden Regen ein wenig zurückgehalten. Außerdem schien es, als würde das fallende Wasser den Soundmann so unglaublich aus dem Konzept bringen, dass er aus nettem Power Metal sekundenschnell Soundsuppe machte. Bedauerlich, dennoch kamen die Menschen schnell zurück, trotzten dem Regen und deckten ihre Biere aus Angst vor Verwässerung ab. Bei Red Circuit merkt man immer wieder, wie erstaunlich laute Töne aus kleinen Leuten kommen können. Melodische laute Musik, bei der die Festivalarea sich immer weiter füllte.

Auch die Billion Dollar Babies aus Schweden machten die langsam einlaufenden Metaller mal wieder richtig wach. Es tut halt gut, wenn zwischendurch einfach mal eine Horde wildgeschminkter, halbnackter Leute auf die Bühne kommt, deren Bild im Lexikon neben das Wort „Rampensau“ gehört – und das galt für alle fünf Jungs. Wenn es technisch bedingt eine kleine Pause gab, wurde diese selbstverständlich zum Posen genutzt. Nach anfänglicher Skepsis auf Publikumsseite, trauen sich die Leute aber dann doch unter den vom Regen schützenden Bierständen heraus um sich ihre Portion Glam Rock/Metal abzuholen.

The Very End stellten mal wieder klar: Wer musikalisch auf die Fresse will, kriegt auf die Fresse. Die Ruhrpott Thrasher schafften es passionierte Headbanger vor der Bühne zu versammeln, und rissen insgesamt die Gutbürgerlichkeit des beschaulichen Andernachs ein wenig vom Sockeln. Die Show war gut, das Publikum ging richtig mit – leider endete das Ganze etwas unerfreulich. Die Band musste vor Ende der vorher vereinbarten Spielzeit von der Bühne, weil die Planung vor Ort nicht funktioniert hatte. Von schreienden Bühnenkräften respektlos von der Seite angeschrien wurden diverse Unnettigkeiten in Form von Worte und Gesten ausgetauscht, bis Sänger Björn mit wehendem Mittelfinger sein Mikrofon an das keifende Team des Stagemanagers zurück gab und sich entschuldigend beim Publikum verabschiedete. Leider schien dies nicht der einzige Zwischenfall ähnlicher Art gewesen zu sein. Auch anderen Bands wurde einfach mal der Sound abgestellt, oder mitten während der Show die Ansage gemacht, dass die Zeit gekürzt worden war. Auch konnte man überhören, dass bei Ankunft einer Band der Sänger entsetzt zum Team ging um sich zu erkundigen, ob ihre Spielzeit tatsächlich so dramatisch gekürzt worden sei. Solche Situationen haben wir bisher noch auf keinem anderen Festival gesehen und sind ein wenig schockiert.

Mob Rules folgten im Anschluss mit einer Runde Party Power Metal. Was der Soundmann getrunken hatte, wissen wir nicht, aber er sollte es nicht wieder tun, wenn er plant guten Sound zu produzieren. Kissin‘ Dynamite waren optisch zwar recht gewöhnungsbedürftig, aber ein Großteil des Publikums war ausgesprochen begeistert. Auf der Bühne waren halbnackte Rampensäue, während zur ihren Füßen alles sprang und feierte.

Asphyx passten jetzt nicht ganz in die Reihe der vorherigen Bands. Denn egal wie viel Mühe sich alle anderen Bands gaben, so laut wie Asphyx waren sie nunmal nicht. Andernacher und Zugereiste sahen einen hochmotivierten Martin Van Drunen fröhlich ins Mikrofon grunzen und die Haare schütteln. Vor der Bühne ging es ab wie Schmitz‘ Katze – drauf auch.

Last but not least spielten Subway to Sally. Ob man jetzt bei so einem kleinen Festival so fette Pyros braucht, die Leute, die selbst 20m von der Bühne entfernt standen fast von den Füßen hauten, ist jetzt mal in Frage zu stellen. Anhand der Subway-T-Shirt-Dichte sah man, dass viele Leute wohl ausschließlich für diese Band gekommen waren. Zum ersten Mal am Wochenende wurde  ernsthaft getanzt. Ob man Subway to Sally und die spezielle Stimme des Sängers nun mag oder nicht, man kann ihnen keine fehlende Fannähe unterstellen, da Sänger Eric Fisch sogar zwischendurch crowdsurfen ging.

 

Alles in allem war unser erster Besuch auf dem Summer’s End Festival ein guter und entspannter Abschied vom Sommer. Organisatorisch kann das Festival leider noch recht viel dazu lernen. Eine bessere Informationspolitik wäre schon mal die erste Verbesserung: Running Order auf dem Gelände aushängen, sich an angekündigten Zeiten halten, Teammitgliedern so viel Informationen geben, dass sie Gästen tatsächlich Auskunft geben könne und natürlich rechtzeitige Informationen für spielende Bands – anstatt zu erwarten, dass sie in ihrer magischen Kristallkugel sehen, dass ihre Show nach vorne verlegt, dafür aber gekürzt wurde.

Mehr Toiletten schaden nie. Wirklich. Zwei Dixies auf dem gesamten Festivalgelände sind einfach zu wenig, egal wie wohlwollend man da hinschaut. Bierstände, die auch vor Konzertbeginn geöffnet haben sind auch super und  bringen dem Veranstalter auch noch Geld ein! Eine Win-Win-Situation!

Trotz der Hand voll Mängel, die wir entdecken konnten, war das Festival insgesamt prima und wir planen definitiv wieder zu kommen. Wer sich auf mitternächtliche Pöbeleien und „Helga“- oder „Robert“-Schreie freut, ist hier eher fehl am Platze. Wir konnten die Nacht durchschlafen UND die Beschallung durch Stereoanlagen begann nicht vor 9:30 (angemessener Weise mit „Guten Morgen, Sonnenschein“). Dennoch konnte man, wenn man wollte auch bei fremden Leuten unter dem Pavillon sitzen und in den frühsten Morgenstunden Bier trinken.

Das Summer’s End steckt wohl noch in den Kinderschuhen, und wir wissen ja alle: Die ersten vierzig Jahre der Kindheit sind die schwersten. Aber wir freuen uns darauf im nächsten Jahr zu überprüfen, ob die Organisation ein wenig professioneller geworden ist.