Billion
Die Qualitäten einer Band sieht man nicht erst, wenn sie ausverkaufte Stadien rocken, sondern viel eher, wenn sie es schaffen einen auf tragische Weise viel zu verwaisten Clubraum mit Jugendheimcharme auf den Kopf zu stellen. Die Billion Dollar Babies aus Mittelschweden weisen diese Qualitäten vor!


Am 28. August waren die Billion Dollar Babies für den Opium Club im tiefsten Ruhrpott von Essen angekündigt – lokalen Support gab es von den Jungs von Skapa Flöw, ihres Zeichens Glam Rocker aus dem Pott. Der Konzertbeginn zog sich ein wenig hin, wahrscheinlich in Hoffnung auf mehr als die Handvoll Interessierter Metaller und Rocker in den heiligen Hallen unter der Erde Essens. Als es dann endlich losging, ging leichte Bewegung durch die „Menge“. Während die sieben (!) Diskokugeln durchaus zum Flair von Skapa Flöw, deren Sänger sich im Südstaatenflaggenshirt über die Bühne schwang, beitrugen, arbeitete die moltonfreie weiße Wand hinter der Bühne eher gegen jede Form von Ambiente. Das halbdunkel des Kellers war ähnlich hilfreich. Skapa Flöw waren redlich bemüht, wurden aber mit dem überschaubaren Publikum nicht so richtig warm.


Glücklicherweise fiel dann auch der Startschuss für die fünf Rampensäue aus Schweden. Bei Billion Dollar Babies ist weniger nie mehr. Im Gegenteil: Sie sollten im Lexikon neben dem Ausdruck „Manchmal ist mehr mehr“ stehen. Halbnackte Männer mit Netzshirts, Tätowierungen, Lederhosen und jeder Menge Makeup mögen nicht für jedermann was sein, jedoch werden die Skeptiker dieses Stils bei der Portion Glam, die es mitten auf die Fresse gab, ihre Meinung überdenken müssen. Obwohl mit Bassist Andy, Daniel und Max drei „Aushilfsmusiker“ mitspielten, da vor Kurzem drei der Gründungsmitglieder die Entscheidung getroffen hatten sich von den Babies zu trennen, fiel die fehlende gemeinsame Bühnenerfahrung überhaupt nicht auf.

Die fünf mähneschüttelnden Skandinavier rockten ordentlich, und schafften es die ursprünglich vorherrschende „Wohnzimmer-Atmosphäre-auf-einer-doofen-Party“ gegen feinste Sex, Beer and Rock’n’Roll Stimmung zu tauschen. Wer bei knapp zwei Dutzend Menschen im Publikum trotzdem sowohl die sprichwörtlichen als auch die tatsächlichen Konfettikanonen zünden kann (letztere inklusive eines Regens falscher Dollarscheine der „United States of Rock’n’Roll“), verdient auch, dass man das anerkennt. Selten hat man jemanden gesehen, der die Rampensaustelle vorne am Mikro so verdient hat, wie Frankie Rich, der wahrscheinlich auch ein optimaler Lehrer in Sachen Heavy Metal/Rock Posing geworden wäre.

Alles in allem war der Abend – dank der Billion Dollar Babies – ein voller Erfolg, der nach der musikalischen Performance noch durch nette Gespräche an der Bar abgerundet wurde. Beide Pommesgabeln (wahlweise mit schwarzem Glitzernagellack) hoch!

Was gespielt wurde:
1. When The Light Goes Out
2. 1994
3. In The Back of My Limmo
4. Junkies Ball
5. Lose It
6. Crashing Down
7. President Payne
8. A Millionaire’s Dream
9. These Two Knives
10. You Don’t Ask For Much
11. Nightmare
12. The Game
13. Chemical God
14. When The Light Outro