Am letzten Aprilwochenende 2013 war es wieder soweit und alles was Rang und Namen in der Punk-, Hardcore- und Metalcore-Szene hat, pilgerte in ein 10.000 Einwohner Dörfchen in Belgien. Der Name der Gemeinde ist Meerhout und der Grund für den plötzlichen Andrang an feierwütigen Musikfans ist das jährlich dort stattfindende Groezrock-Festival. Nach dem positiven Eindruck, den ich letztes Jahr hatte musste ich natürlich auch dieses Mal mit von der Partie sein. Also Festivalkram und Kameratasche ins Auto geschmissen und dann eine Stunde mit diesem Richtung Flandern.

Da das Festival nur eine knappe Autostunde von der Deutschen Grenze entfernt ist, haben sich auch viele Deutsche auf den Weg nach Meerhout gemacht, sodass man andauernd zwischen den vielen vertretenden Sprachen die eigene Muttersprache vernahm. Von den tausenden Fans waren anscheinend schon viele am Freitag angereist, da ich, als ich Samstagvormittags eintraf, weder Stau hatte noch vorab Festivalbesucher sah. Von der Autobahnausfahrt Richtung Festival, auf den VIP/Crew/Presse Parkplatz fahren, Sachen packen, Kamera vorbereiten und am Pressecontainer Bändchen und Fotopass abholen, war in weniger als einer Stunde getan.

Auf dem Gelände angekommen fielen - wie im Vorjahr - zuerst die großen, blauen Zirkuszelte auf, in denen sich die relevanten Bühnen befanden. Da das Aprilwetter immer eine kritische Angelegenheit ist, war es sicher klug die Bühnen ins Trockene zu legen. Mit dem Wetter hatte das Groezrock 2013 relativ viel Glück (ich hatte am Ende einen leichten Sonnenbrand und die Besucher des Hexentanzfestivals 250km weiter sind fast abgesoffen), aber das war im Vorfeld ja nicht abzusehen.

Anstatt des Rodeo Bullen Reitens aus 2012, war diesmal eine kleine BMX Strecke aufgebaut, wo man ab und an mal eine kleine Show begutachten konnte. Für den kleinen Hunger zwischendurch gab es wieder nahezu alles, was man sich wünschen konnte: Hamburger, Sandwiches, Pommes, Asiatisches, Eis und auch für Veganer war ein eigener Stand dabei. Im Gegensatz zum Vorjahr gab es dieses Mal nur kombinierte Essens- und Getränkemarken, sodass man nicht mit zwei verschiedenen Währungen bezahlen musste.

Zwei Zelte luden zum shoppen ein, wobei eines für Merchandise Artikel des Festivals und der dort spielenden Bands und eins für alles andere, wie beispielsweise einen Stand von Sea Shepherd, gedacht war.

Wenn man alleine auf einer Veranstaltung dieser Größenordnung ist, bei der es über 80 Bands zu sehen gibt, stellt sich immer die Frage, wie man am besten davon berichtet: Schaut man sich pro Tag circa zehn komplette Konzerte an und berichtet relativ detailliert von vorne bis hinten oder versucht man so viele Bands wie möglich zu fotografieren und somit ein breites Spektrum eher oberflächlich abzudecken. Ich habe mich für letzteres entschieden und mich dabei auf die beiden Hauptbühnen beschränkt.


Für mich startete das Festival mit Crossfaith, einer japanischen Band. Normalerweise bin ich bei japanischen Bands immer sehr skeptisch, denn die wenigsten kann ich mir antun, ohne dass meine Ohren nach zehn Minuten wehtun. Umso positiver überraschten mich die fünf Musiker aus Osaka, die mit ihrem Trancecore die perfekte Mischung aus harten Gitarren und elektronischen Klängen fanden. Insbesondere der Bassist und der DJ gingen ordentlich ab und heizten dem Publikum gut ein.

Setlist Crossfaith
Monolith
Jagerbomb
Quasar
Snake Code
Omen (The Prodigy cover)
Photosphere
Leviathan

Weiter zu The Riverboat Gamblers, bei denen insbesondere Sänger Mike Wiebe zu erwähnen ist, welcher sein Tamburin und sein Mikrofon wie wild schwang und das Publikum auch mal aus der Nähe, nämlich aus dem Fotograben, betrachtete. Ein erstes Highlight des Tages war der Gig von Streetlight Manifesto kurz darauf auf derselben Bühne. Der Ska-Punk kam bei dem Festivalpublikum von der ersten Sekunde gut an und sowohl auf als auch vor der Bühne wurde ordentlich Energie frei gesetzt.

Setlist Streetlight Manifesto
The Three of Us
Watch It Crash
We Will Fall Together
Everything Went Numb
A Moment of Silence
A Moment of Violence
Somewhere in the Between

Bei Joey Cape's Bad Loud ging es dann nicht so ab und die Probleme mit dem Basssound zu Beginn des Auftritts machten es nicht gerade besser. "Steht ihr auf schnellen Punk mit vielen Schimpfwörtern? Dann seid ihr hier richtig!" riefen A Wilhelm Scream dem Publikum entgegen und die Jungs, die sich nach dem berühmten Filmschrei benannt haben, hielten ihr versprechen. Zu den etlichen freiwilligen Crowdsurfern wurden zwei als Hühner verkleidete Fans zusätzlich aufgefordert über die Menge zu schweben. Energie geladen und voller Spaß, so muss das.

Setlist A Wilhelm Scream
The King Is Dead
Skid Rock
The Kids Can Eat A Bag Of Dicks
We Built This City! (On Debts and Booze)
Me vs. Morrissey in the Pretentiousness Contest (The Ladder Match)
Mute Print
Boat Builders
The Horse
Famous Friends and Fashion Drunks

Stark angetrunken musste man wohl für die Performance bei The Aquabats! Sein, denn als die Kalifornier in ihren Superheldenkostümen die Bühne traten ging es mit der musikalischen Qualität rapide abwärts. Okay, es sah sehr lustig aus, aber für meine Ohren klang das was die Herren da fabrizierten einfach nur unnötig, sodass ich mir den Rest des Auftritts ersparte.

Setlist The Aquabats!
The Shark Fighter!
Look at Me, I'm a Winner!
Fashion Zombies!
Cat With Two Heads
Red Sweater!
Martian Girl!
Pizza Day!
Pool Party

Aktuell in aller Munde ist Frank Turner mit seiner Band The Sleeping Souls und das mit Recht, wie ich auf dem Groezrock Festival feststellen durfte. Etwas weniger hart als die Durchschnittskapelle auf dem eher krachlastigen Festival aber kein bisschen ruhiger beschallte er die Hauptbühne in Meerhout. Gleich beim ersten Song „Four Simple Words“ machte er mit den Lyrics „I Want To Dance“ klar in welche Richtung der Auftritt gehen sollte und das Publikum leistete keinen Widerstand.

Setlist Frank Turner & The Sleeping Souls
Four Simple Words
The Road
Peggy Sang the Blues
Reasons Not to Be an Idiot
Glory Hallelujah
I Am Disappeared
Plain Sailing Weather
Try This at Home
If Ever I Stray
Recovery
I Still Believe
Photosynthesis

Die Mischung verschiedener Metal- und Punk-Stile auf dem Groezrock Festival wurde auch von Hatebreed gelobt, bevor sie mit Nummern wie „Destroy Everythiny“ ihr bestes taten das Festival zu zerlegen. Wer auf Moshpits und Hardcore steht, war mit ziemlicher Sicherheit auch beim Hatebreed Auftritt anzutreffen, denn die Shows der Amerikaner sollte man sich nicht entgehen lassen.

Setlist Hatebreed
Everyone Bleeds Now
This Is Now
As Diehard as They Come
In Ashes They Shall Reap
Live for This
Destroy Everything
I Will Be Heard


Weiter ging es mit ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead, deren Musik zwar hörenswert war, aber deren Bühnenepräsenz mit unter aller Sau noch beschönigt beschrieben wäre. Der Bassist stand die meiste Zeit mit dem Rücken zum Publikum und ob die Band überhaupt mitbekommen hat, dass Zuschauer anwesend waren, darf bezweifelt werden. Dann lieber direkt von CD. Schön dass es dann noch Bands gibt auf die man sich verlassen kann: Pennywise beispielsweise wurden schon Minuten vor dem Gig durch „Bro Hymn“ Fangesänge angekündigt und als sie dann mit 2012 zurückgekehrten Sänger Jim Lindberg auf die Bühne kamen gab es kein Halten mehr.

Setlist Pennywise
My Own Country
Can't Believe It
Same Old Story
T.N.T
Unknown Road
Fuck Authority
Gimmie Gimmie Gimmie (Black Flag cover)
Territorial Pissings (Nirvana cover)
Pennywise
Broken
Society
Stand by Me (Ben E. King cover)
Bro Hymn

Auch eine sichere Nummer sind Rise Against, die auch nicht zum ersten Mal das Groezrock besuchten. Immer wieder rocken die Mannen um Sänger Tim McIlrath das Publikum, welches sich trotz stark gesunkener Temperaturen noch im T-Shirt in den Pogo wirft. Frei nach dem Motto: Schwitzen werd‘ ich da so oder so. Musikalisch boten Rise Against natürlich auch viele Bewegungsmöglichkeiten, brillierten aber durchaus auch mit den ruhigen Songs wie „Hero Of War“ oder „Swing Life Away“. Alles in allem ein gebührender Abschluss des ersten Festivaltages.


Setlist Rise Against
Collapse (Post-Amerika)
Re-Education (Through Labor)
The Good Left Undone
Heaven Knows
Long Forgotten Sons
Help Is on the Way
Survive
Drones
Prayer of the Refugee
Alive and Well
The Dirt Whispered
Satellite
Audience of One
Ready to Fall
Hero of War
Swing Life Away
Make It Stop (September's Children)
Give It All
Savior


Der Sonntag begann wieder enorm früh, wobei ich mich erst zu Adept richtig motivieren konnte. Die Schweden haben mit „Silence The World“ dieses Frühjahr ein, meines Erachtens, sehr starkes Album heraus gebracht, sodass ich sehr gespannt auf den Auftritt war (leider kam aber wenig  Neues). Nicht nur ich sondern auch die Band freute sich hier, auf „Europes finest festival“ zu sein, welches die Band 2004 sogar schon als reguläre Fans besuchte. Als die Band „The Ivory Tower“ ankündigte, gab es zu so früher Stunde schon kein Halten mehr für die Fans und spätestens bei „Sound The Alarm“ sprangen alle auf und ab.

Setlist Adept
Forever and a Day
Secrets
The Ivory Tower
The Ocean Grave
An Era of Treachery
Sound the Alarm
Dead Planet
The Lost Boys

Während bei Narrows auf der Hauptbühne zu Beginn nicht gerade viele Leute standen ging kurz darauf bei Attack Attack! ordentlich die Post ab. Die zwei Sänger gepaart mit Technomelodien sorgten für ordentlich Publikumsandrang und Bewegung und machen dabei noch ordentlich Spaß. Leider kündigte die Band kurz vor dem Groezrock Festival ihre letzte Tour an, sodass sich der gute Auftritt auf dem Festival wohl nie wiederholen wird. Less Than Jake konnten die gute Stimmung mit auf die nächste Bühne nehmen, als sie mit ihrem Ska-Punk das Groezrock mal wieder zum Tanzen brachten.

Setlist Less Than Jake
Automatic
The Ghosts of You and Me
Scott Farcas Takes It on the Chin
The New Auld Lang Syne
Look What Happened
Sugar in Your Gas Tank
The Science of Selling Yourself Short
History of a Boring Town
All My Best Friends Are Metalheads
Goodbye, Mr. Personality
Help Save the Youth of America from Exploding
Johnny Quest Thinks We're Sellouts
Plastic Cup Politics

Bring Me The Horizon waren mir bis dato nur namentlich ein Begriff, aber die Performance auf dem Groezrock war wirklich Spitzenklasse. Wenn man sich komplett ohne Erwartungen eine Show anguckt und sowohl von der Band als auch von den Fans überwältigt wird, spricht das eindeutig für die Kapelle. Da hatte ich bisher wirklich etwas verpasst und ich gelobe Besserung und werde die Band ab jetzt im Auge behalten, denn verdient hat sie es alle mal.

Setlist Bring Me The Horizon

Shadow Moses
Chelsea Smile
Alligator Blood
The House of Wolves
It Never Ends
Diamonds Aren't Forever
Blessed with a Curse
Sleepwalking
Empire (Let Them Sing)
Antivist

Zugegebenermaßen bin ich kein großer Billy Talent Fan. Dieses Rumgekreische, was Sänger Benjamin Kowalewicz fabriziert, verdirbt den ansonsten guten Eindruck, der von den Instrumentalisten bleibt. Dementsprechend überrascht war ich, als Billy Talent live gar nicht so übel waren. Ich werde vermutlich nie ein großer Fan der Band, aber wie sie ihr Publikum im Griff hatten muss ihnen hoch angerechnet werden.

Setlist Billy Talent

Devil in a Midnight Mass
Viking Death March
The Ex
Line & Sinker
Love Was Still Around
This Suffering
Rusted from the Rain
Runnin' Across the Tracks
Man Alive!
This Is How It Goes
Try Honesty
Devil on My Shoulder
Fallen Leaves
Surprise Surprise
Red Flag

Auch die Mannen von Killswitch Engage waren mit einem neuen Album am Start und schafften es die Massen zu überzeugen. Mit altem neuen Sänger Jesse Leach und einer gehörigen Portion Spaß, wie beispielsweise einem Gitarristen mit Badminton-Schläger, rockten sich durch ein von Hits gespicktes Set.

Setlist Killswitch Engage
The Hell in Me
A Bid Farewell
Fixation on the Darkness
The New Awakening
Life to Lifeless
No End in Sight
This Is Absolution
All We Have
Rose of Sharyn
Self Revolution
Take This Oath
In Due Time
My Curse
The End of Heartache
My Last Serenade


Es war ein großartiges Festival, mit vorbildlicher Organisation und verhältnismäßig gutem Wetter. Was will man da mehr? Ich freue mich schon auf 2014!


(Die Setlisten stammen von setlist.fm und geben einen guten Überblick über das Geschehen auf der Bühne. Sie sind oft - aber nicht zwingendermaßen - vollständig.)