3 Tage kühles und graues Regenwetter. So in etwa sah die Prognose für das diesjährige Rock Hard Festival im Amphitheater Gelsenkirchen aus. Entsprechend gedämpft waren demzufolge auch unsere Hoffnungen auf ein tolles und entspanntes Festival. Allerdings hielt Dio wohl seine wohlwollende Hand über dem Festival, denn anders lässt es sich nicht erklären dass das Mistwetter von Freitag bis Sonntag eine Pause einlegte. Zugegeben: Freitag war es noch nicht wirklich schön, aber es war trocken, dafür gab es dann Samstag und vor allem Sonntag Sonne satt, so dass man im Laufe des Wochenendes noch so einige krebsrote Gestalten durch das Amphitheater torkeln sah.

Traditionell begann das Festival am Freitag mit Trashmetal, dieses Mal in Gestalt der Nürnberger Combo Hellish Crossfire. Nachdem der Einlass durch die Securities relativ zügig von statten ging, konnte das Konzert auch pünktlich beginnen. Da kann sich der ein oder andere Veranstalter eine dicke Scheibe von abschneiden. Obwohl 15 Uhr für einen Freitag noch relativ früh ist, schaffte es die Band ein recht ansehnliches Publikum vor der Bühne zu sammeln und sorgte für eine Bombenstimmung.
Die „schwäbischen Schweden“ von Fleshcrawl folgten als zweite Band und verwirrten das Publikum zunächst erst mal mit einer Rockversion des Songs „Diamonds“ von Rhianna bevor der Song dann nahtlos in die Fleshcrawl-Deathmetal-Variante „Blood rains from the sky“ einfügte. Bei Fleshcrawl ging schon gut was ab vor der Bühne. Aber Fronter Sven sah hier durchaus noch Potential, was er auch gleich mit seiner Aufforderung zum Headbangen (gerne auch im Sitzen) äußerte. Dass die Band inzwischen schon auf eine 23 jährige Historie zurückblicken kann merkte man deutlich an der routinierten Show.
Nachdem Nachtmystium ihren Auftritt auf dem diesjährigen Rock Hard Festival wegen eines plötzlichen Anfalls von spontaner Bandauflösung absagen mussten zauberten die Festival Macher kurzerhand den dänischen Black Metal Geheimtipp Denial of God aus dem Hut. Die Dänen präsentierten eine atmosphärisch dichte Show mit sehr melodiösem aber finsterem Black Metal fernab von stumpfem Geschraddel. Auch das Publikum ließ sich problemlos von der Bühnendarstellung mit kleinen Showelementen mitreißen und der bleierne Himmel tat ein Übriges um die eindrucksvolle Show zu untermalen.
Bei Audrey Horne, die schon vor ein paar Jahren auf dem Rock Hard zu Gast waren ging es nicht minder atmosphärisch aber auch wesentlich rockiger zu. Allgemein scheint es als hätte sich die Band einem krassen Makeover unterzogen. Neues Logo, neuer Look.. Und der Sound klingt nun auch wesentlich erdiger als vor vier Jahren. Inzwischen hat sich der Raum vor der Bühne schon ordentlich gefüllt, kein Wunder bei einer so prallen Ladung Gute Laune. Eigentlich hätte nur noch strahlender Sonnenschein diesen Gig besser machen können, aber auch bei verhangenem Himmel heizt die Band um Toschie dem Publikum ordentlich ein.
Das die Messlatte für Matt Barlow‘s neue Band Ashes of Ares hier relativ hoch liegt dürfte schnell klar gewesen sein. Matt Barlow? Hatte der nicht bei Iced Earth aufgehört um mehr Zeit für Job und Familie zu haben? Eigentlich schon.. Aber offenbar hatte der Rotschopf dann doch genügend Hummeln im Hintern um ein neues Projekt aus dem Boden zu stampfen. Warum eine Band, die noch keine nennenswerten Veröffentlichungen auf den Markt geworfen hat dann gleich den Status des Co-Headliners zugewiesen bekommt ist mir allerdings nicht so ganz ersichtlich. Abgesehen davon dass die Setlist keinen einzigen bekannten Song enthielt (der ein oder andere hätte sich vermutlich Melancholy gewünscht) kamen auch noch technische Probleme (fast den kompletten ersten Song hatte wohl jemand gepennt und den Mikrokanal nicht freigegeben) und ein stimmlich nicht ganz astreiner Matt Barlow dazu. Alles in allem konnte Ashes of Ares nicht richtig zünden und wandelte sich so von der Festival-Hoffnung zur herben Enttäuschung. Schade eigentlich, ich hätte es Matt gewünscht dem Publikum ordentlich den Arsch weg zu rocken.
U.D.O. hatten es da schon wesentlich leichter, schließlich erwartete man hier keine bahnbrechenden Neuerungen. Udo machte das besser, was Barlow versiebt hat, seine Setlist war mit neben eigenen Stücken natürlich mit einigen Klassikern aus der Accept Ära gespickt. Aber auch neuere Songs standen auf Udo’s Programm und so war für jeden etwas dabei. Seine Jungs (vor allem die beiden neuen) machten auf der Bühne ordentlich Dampf und sorgten so für einen perfekten Ausklang des Abends.

Am Samstag begann es dann rockig mit Slingblade. Es ist wohl auch dem kühlen Wetter zu verdanken dass sich schon relativ viele Leute vor der Bühne versammelt hatten, denn eigentlich ist der erste Slot immer der undankbarste. Wie dem auch sei, akuten Publikumsschwund brauchte Kristina Karlsson jedenfalls nicht zu fürchten, denn das anwesende Publikum fraß der Rockröhre bereits nach den ersten Takten aus der Hand.
Stark rocklastig ging es dann auch mit Horisont weiter, die direkt aus den 70ern entsprungen zu sein schienen. Sowieso hatten die progressiv-rockigen Bands am Samstag deutlich die Nase vorne und sorgten durchweg für eine geniale Stimmung vor der Bühne.
Einer meiner Top-Favoriten für den Samstag waren allerdings Mustasch, die wie die beiden Bands zuvor auch aus Schweden kommen. Ich weiß nicht was die den Schweden ins Wasser tun, aber anscheinend macht es jeden zu einer Rampensau. Bei den sympathischen Kerlen fällt es echt schwer nicht mitgerissen zu werden. So rocking rotzig wie die Herren rüber kommen, hauen sie genau in die gleiche Kerbe wie am Tag zuvor Audrey Horne. Für einen kleinen Schock bei der Security sorgte dann auch gleich Frontmann Ralf, der am liebsten die Fotografen gar nicht erst aus dem Fotograben gelassen hätte. „Mehr Fotos! Mehr Fotos von mir!“ Gar nicht eitel der Kerl... Die Security nahm es aber mit Humor.
Die Jungs der deutschen Black-Trash Institution Desaster traten dem Rock Hard Publikum ordentlich in den Arsch und schafften es zu guter Letzt auch noch den Himmel frei zu blasen, so dass dann auch letztendlich die Sonne ihre ganze Kraft entfalten kann während der Moshpit vor der Bühne total ausrastet.
Kurz darauf ist dann auch schon die nächste Kapelle an der Reihe die jetzt nicht unbedingt für Sonnenschein steht.
Naglfar haben es endlich aus dem fernen Schweden nach Gelsenkirchen geschafft, nachdem ihnen 2007 ein Strich durch die Rechnung gemacht wurde und der damalige Gig auf dem Rock Hard ausfallen musste. Kein Wunder also dass die Schweden schon sehnlichst erwartet wurden und sich der Raum vor der Bühne auch recht flott füllte, bevor dann düsterster Black Metal durch das Amphitheater peitschte.
Auch Naglfar’s Nachfolger Ensiferum konnten problemlos punkten, auch wenn die Finnen stilistisch eher in die Ecke Viking-Folk passen. Das die Truppe beim Auftritt ordentlich Spaß hatte, tat sein Übriges dazu. Nahezu die ganze Bandbreite von Songs war vertreten und kam gut an, allerdings war der Gig viel zu schnell vorbei.
Nach der Metal-Salve wurde es dann wieder gemäßigt rockig, denn die Dänen von
D-A-D standen auf dem Programm und hatten bereits im Vorfeld versprochen eine ganz besondere Show zu liefern. Dass die Dänen ihr Versprechen halten würden, daran bestand kein Zweifel und so wurden auch gleich Unmengen von Gas für die Pyros hinter die Bühne gekarrt. Für D-A-D Bassist Stig war der Gig eh etwas ganz besonderes, handelte es sich hierbei doch um seine ganz private Geburtstagsparty. Die wurde dann auch ordentlich zelebriert und natürlich durfte der Raketenhelm und das um 90* gekippte Schlagzeug nicht fehlen. Einziger Wehmutstropfen war das Jespers Gitarrenrack wohl Probleme machte und so die Gitarre zu Beginn kaum zu hören war.
Über den Samstagsheadliner kann man sich sicher streiten. Die Performance war sicher okay und auch das Licht war perfekt auf eine grandiose Show ausrichtet, doch mich hat die Combo aus Seattle nicht so richtig vom Hocker gerissen. Beim Publikum kam der Auftritt allerdings gut an.

Sonntags werden sich dann einige die Augen ungläubig gerieben haben: Strahlend blauer Himmel und mehr Sonne als man sich wünschen konnte. Vielleicht sogar ein bisschen zu viel, denn zu Attic hätte der bleigraue Himmel vom Freitag wesentlich besser gepasst. Die Gelsenkirchener Combo, die stilistisch stark an Mercyful Fate und King Diamond angelehnt ist lieferte eine ganz passable Show ab obwohl es auch hier einige technische Probleme gab. Dennoch sorgten die Jungs um Meister Cagliostro für düstere Stimmung und Calisostro’s Falsettgesang diente als perfekte Einstimmung auf den Abend, der ganz im Zeichen des Kings stand.
Der nächste Kracher aus dem Underground sind
Gospel of the Horns welche ursprünglich aus Australien kommen, aber inzwischen hier in Deutschland verwurzelt sind. Routiniert zünden die Jungs um Howitzer ein wahres Old-School Trashfeuerwerk, obwohl ihr Fronter wegen einer Handverletzung gelegentlich mal ein paar Takte aussetzen muss.
Mit
Orden Ogan segeln dann alte Bekannte auf der Bühne des Rock Hard vorbei. Für alle die beim letzten Mal Orden Ogan verpasst haben, hatte Seeb dann auch gleich den gleichen halblustigen Spruch wie vor drei Jahren parat. Dafür hat sich bei den Jungs aus dem Sauerland aber einiges getan. Ohne Keyboard, dafür aber mit „neuem“ Bühnenoutfit, welches an einen Autounfall in einem Altreifen-Lager erinnerte sorgte die Combo für eine ganz ordentliche Stimmung auf dem Festival. Gewürzt wurde der Auftritt mit einigen neueren Songs sowie dem All-Time Klassiken „We are pirates“ und „Angels War“. Schön wenn man einer Band die Spielfreude anmerkt.
Vom Powermetal ging es dann schnurstracks wieder zurück in die 70er. Schlaghosen und Schellenkranz durften natürlich auch nicht fehlen als
Orchid die Bühne sichtlich nervös betraten. Dass sich die Jungs aus San Francisco ordentlich bei den Kollegen von Black Sabbath bedient haben störte keinen. Ich hätte mir zwar ein wenig mehr Bewegung auf der Bühne gewünscht, musikalisch gab es aber nichts zu meckern.
Dass
Tank früher mal wie ein Panzer daher gerollt sind glaube ich gerne, allerdings wirkte die Show mit Ersatzsänger ZP Theart nicht ganz so rotzig brutal wie angekündigt. Stattdessen verpasste ZP der Band einen glatteren Klang. Der Ex-Sänger von Dragonforce gab ordentlich Gas auf der Bühne aber so richtig wollte der Funke beim Publikum nicht überspringen, warum kann ich allerdings nicht wirklich sagen. Mir gefiel die Band soweit eigentlich ganz gut.
Dafür haben
Threshold aber ganz gute Karten beim Publikum. Progressive-Gedudel ist eigentlich so gar nicht meine Baustelle, aber besonders Fronter Damien Wilson wirkt eine ganz besondere Magie, der man sich nur schwer entziehen kann. Allgemein kommen die Jungs so dermaßen sympathisch rüber, dass man sie einfach gut finden muss. Damien bedankt sich dann auch gleich gefühlte 1000 Mal beim tollen Publikum bevor er von der Bühne flüchtet um ein Ründchen durchs Publikum zu drehen und um einige Hände zu schütteln. Bei so viel Publikumsnähe verwundert es nicht das Threshold Stimmungstechnisch so gut abräumen konnten und bis zu Letzt ordentlich abgefeiert wurden.
Wesentlich brutaler ging es dann bei
Sepultura zu, die dann auch problemlos den größten Moshpit des Festivals veranstalteten und damit den Hexenkessel des Amphitheaters so richtig zum kochen brachten. Zwar sind Sepultura nicht so wirklich meine Kragenweite, das Publikum gibt aber alles. Man kann der Band ansehen dass sie gute Laune hat und den Herren Kisser und Green ist das Grinsen förmilch ins Gesicht gemeißelt.
Nach
Sepultura gibt es zunächst eine etwa einstündige Verschnaufpause bevor der King die Bühne betritt, denn diese will schließlich noch gebührend vorbereitet werden. Das aufwändige Bühnenbild versprach schon eine recht aufregende Show. Ein riesiger Zaun, Treppen mit Laufsteg und das Ambiente einer alten Burg gab es zu bestaunen. Relativ pünktlich ging es los und dann stellte King Diamond unter Beweis warum er so sehnsüchtig erwartet wurde. Der King schaffte eine schaurig schöne Atmosphäre die ich so noch nicht erlebt habe. Zwar lag der Falsettgesang das ein oder andere Mal kräftig daneben und erinnerte zwischenzeitlich eher an eine Katze im Mixer, das Publikum fraß der Metal-Ikone aber dennoch aus der Hand. Die Band um den King war musikalisch top, und konnte voll und ganz überzeugen. Trotz der stimmlichen Patzer war der Gig ein wahres Meisterwerk, das wohl niemand so schnell vergessen wird. Showeinlagen mit Voodoo-Tänzerinnen oder der Grandma im Rollstuhl gab es zuhauf während der King seine mystisch gruselige Story wob.

Fazit: Gewinner des Festivals waren für mich ganz klar Audrey Horne und Threshold wobei natürlich auch King Diamond nicht ganz unerwähnt bleiben sollte. Ansonsten war eigentlich alles beim Alten. Eine absolut freundliche, kompetente und hilfsbereite Security (CCS), mit der man gerne zusammen arbeitet, sorgte für einen reibungslosen Ablauf des Festivals. Etwas ärgerlich sind allerdings die relativ hohen Getränkepreise, die das Festival wohl seitens der Gastro aufgedrückt bekommt. 3 Euro für ein Wasser sind schon deftig (und auch die Food-Stände langten den Gästen ordentlich in die Tasche). Sprite gab es übrigens nur zum Mischen. Auch unschön ist die ständige Klauerei auf dem Camping Gelände, die anscheinend nur sehr schwer in den Griff zu bekommen ist. Einer Kollegin wurde der MetalTigger gestohlen (der fast schon eine kleine Berühmtheit ist). Zum Glück tauchte das Tierchen später wieder auf, was zum einem der Security und zum anderen dem Einsatz zahlreicher Fotokollegen zu verdanken ist, die spontan für ein Kopfgeld sammelten. Das Wetter war viel besser als erwartet und auch sonst hatten wir eine Menge Spaß und sind mit Sicherheit auch im nächsten Jahr wieder auf dem Rock Hard Festival vertreten.

Setlist von Hellish Crossfire

  1. Conquerors of black souls
  2. Into the old and evil
  3. Orgasmic rush
  4. Eternal tyranny
  5. Claw of the reaper
  6. Too tough to die
  7. Night of the possessed

Setlist von Fleshcrawl:

  1. As blood rains from the sky
  2. Soulskinner
  3. Dark dimension
  4. Structures of death
  5. Damned in fire
  6. Into the fire of hell
  7. Beneath a dying sun
  8. Written in blood
  9. Flesh bloody flesh
  10. Made of flesh
  11. Day man lost

Setlist von Denial of God:

  1. Funeral
  2. Behind the coffin’s lid
  3. The book of Oiufael
  4. The Cursed chamber
  5. Robbing the grave of the priest
  6. Black Dethe

Setlist von Audrey Horne:

  1. Redemption Blues
  2. Bridges And Anchors
  3. Youngblood
  4. Show And Tell
  5. There Goes A Lady
  6. Cards With The Devil
  7. Pretty Little Sunshine
  8. Threshold
  9. Blaze Of Ashes
  10. This Ends Here
  11. Straight Into Your Grave

Setlist von Ashes of Ares:

  1. Messenger
  2. Move the chains
  3. On warriors wings
  4. Punishment
  5. This is my hell
  6. Dead mans plight
  7. Chalice of man
  8. The answer
  9. What i am
  10. One-eyed king

Setlist von U.D.O.:

  1. Steelhammer
  2. Rev raptor
  3. They want war
  4. Meatal Machine
  5. Leatherhead
  6. Screaming for a love bite
  7. Vendetta
  8. Head over Heels
  9. Git. Solo Kasperi
  10. Burning heat
  11. Man and machine
  12. 24/7
  13. Thunderball
  14. Git. Solo Andrey
  15. Animal house
  16. Break the rules
  17. Timebomb
  18. Metal heart
  19. Balls to the wall
  20. Fast as a shark

Setlist von Slingblade:

  1. Nature of evil
  2. Back to class
  3. Tie her to the cross
  4. Demon
  5. Slasher
  6. This dream
  7. Molly
  8. Give back

Setlist von Horisont:

  1. Visa Vägen
  2. On the run
  3. Unseen
  4. Crusaders of death
  5. Time warrior
  6. Mange Kills
  7. Thunderflight
  8. Nightrider
  9. Second assault

Setlist von Naglfar:

  1. Pale horse
  2. The darkest road
  3. Bring out your dead
  4. I am vengeance
  5. The perpetual horriors
  6. As the twilight gave birth
  7. A swarm of plagues
  8. Harvest

 

Setlist von King Diamond:

  1. Candle
  2. Welcome home
  3. At the graves
  4. Up from the grave
  5. Voodoo
  6. Let it be done
  7. Dreams
  8. Sleepess nights
  9. Instrumental
  10. Drumsolo
  11. Shapes of black
  12. Come to the sabbath
  13. Evil
  14. Eye of the witch
  15. Family ghost
  16. Halloween
  17. Black horsemen