Es ist der 13.04.’13 und der erste brauchbare Frühlingstag in Westdeutschland und das ist auch  gut so! Denn vor der Live Music Hall hatte sich an diesem Tag bereits um 17.30 eine riesig lange Schlange von Menschen gebildet und Leute würden bestimmt nicht so ausgelassen und enthusiastisch Aussehen, wenn es in Strömen regnen würde. Aber sie alle tun es und sie alle eint ein Ziel, möglichst weit vorne bei dem Silverstein Konzert an diesem Tag zu stehen. Diese sind nämlich momentan auf Welttournee, haben dabei vier Stopps in Deutschland und glückerweise auch einen in der Kölner Live Music Hall. Mitgebracht haben sie dabei ihr brandneues Studioalbum „This is how the wind shifts“ und ihren neuen Gitarristen und schon jahrelangen Freund der Band, Paul Marc Rousseau.

Das Konzert ist schon seit Tagen ausverkauft und dadurch war die Vorfreude auf einen tollen Musikabend für die meisten sicherlich nochmal deutlich höher. Dies freute aber nicht nur die Fans, sondern auch im besonderen Maße die Band, denn der Auftritt in Köln war der Größte ihrer bisherigen Tour. Doch wie üblich sollten vor der Hauptband an diesem Abend erst noch Supportacts die Gelegenheit bekommen die Halle samt den Fans aufzuheizen. Das Vergnügen hatten an diesem Abend The Tidal Sleep und Funarel for a Friend.

Es begann mit The Tidal Sleep, eine noch etwas jüngere deutsche Post-Hardcoreband. Mit einem rasanten Einstieg und einer außergewöhnlichen Dynamik des Sängers auf der Bühne, hatte sie sofort die Aufmerksamkeit der Menge für sich gewonnen. Tolle Shouts, eingängige Rhythmen und dazu an den passenden Stellen Breaks, waren ihre bevorzugte Stilmittel mit denen sie sich auskannten und umzugehen wussten. Nach dem ersten Lied bedankte sich der Frontmann der Band für das frühzeitige, zahlreiche Erscheinen und ergänzte, dass es für ihn und seine Band eine tolle Erfahrung sei, vor einer so großen Menge spielen zu können. Auch im weiteren Verlauf führten sie ihren oben beschrieben Stil fort und lieferten eine gute Show ab.

Ziemlich am Ende ihres Auftrittes berichtete der Sänger von einem Projekt, in dem sie Tapes ihrer aktuellen EP verkaufen, wobei der komplette Erlös an eine Stiftung für afrikanische Kinder gehe. Eine tolle Geste für eine noch nicht so ganz erfolgreiche Band!

Danach spielten sie noch ein Lied und überließen die Bühne nach einer kurzen Umbauzeit Funeral For A Friend.  Auch sie lieferten einen progressiven, lauten Einstieg, wie es nicht anders zu erwarten war. Sie eröffneten ihren Auftritt mit dem Hit „Conduit“ ihres aktuellen Albums. Die walisische Post-Hardcore /Alternative Rock-Band war sichtlich von der tobenden Menge beeindruckt und forderte ihr noch mehr ab. So forderte der Frontmann die Menge auf, bei jedem „jump“ zu springen und wenn er „moshpit“ sagte, dieses zu generieren.  Dies taten sie auch, nie fragend warum und wofür und sich nur durch die Worte ihrer Idole auf der Bühne treiben lassen, denn die wissen sicherlich, was gut für sie ist. Was sie wahrscheinlich in der Situation auch wussten, denn zu „Roses for the Dead“, sah es nach sehr viel Lebensfreude in der Halle aus. Selbst der Sänger war von dem, was er da unten sah tief beeindruckt und symbolisierte das mit einem andächtigen Blick und einem Schlag seiner flachen Hand auf sein Herz. Was für schöne und ehrliche Emotionen Live-Musik doch auslösen kann, ist immer wieder beeindruckend bei solchen Konzert miterleben zu dürfen!

Anschließend rockten sie natürlich ordentlich weiter und dies auch nicht zu knapp mit einer zehn Titel zählenden Setlist, waren sie recht gut aufgestellt für eine Vorband. Mit dabei waren mit „Conduit“, „The Distance“, „Grey“ und „High Castle“, genau vier Lieder ihres aktuellen Albums, der Rest war ein guter Mix ihrer alt bewährten Stücke. Nach einer beeindruckenden Performance der Band verschwanden sie, unter tosendem Applaus der Menge, wieder hinter der Bühne und die Umbauarbeiten für den Silverstein-Auftritt konnten beginnen.

Setlist Funeral For A Friend
Conduit
The Distance
Roses for the Dead
You Want Romance?
The End of Nothing
Grey
Damned If You Do, Dead If You Don't
High Castles
Juneau
Escape Artists Never Die


Nach einer etwas längeren Umbauzeit, die ungefähr so schnell verging wie die letzte Schulstunde am Freitagnachmittag, war es dann soweit, jemand vom Staff-Team auf der Bühne zeigte dem Soundtechniker mit einem Blinksignal seiner Taschenlampe, dass das Konzert beginnen soll. Sofort danach stoppte die Hintergrundmusik, die Musiker der Band kamen auf die Bühne und stimmten zu „Stand Amid the Road“ an, der Opener ihres aktuellen Albums. Pünktlich zum Vokalpart kam Shane Told, der Frontmann der Band, auf die Bühne und es ging endlich richtig los.

Viele Leute in der Menge stürmten sofort zur Hallenmitte, in der sich schon ein Moshpit gebildet hatte und legten richtig los. Die Bühnenshow der fünf Jungs aus Ontario Kanada war irre, ob es unverstärkte, stark emotionale Shouts von Shane oder das gegenseitige Riff greifen an den Gitarren der zwei Gitarristen waren, die Band rockte ordentlich auf der Bühne. Die Fans standen ihren Idolen aber auch in nichts nach, eine unglaubliche Dynamik der Menge herrschte quasi in der gesamten Bühnenmitte, von der nur die wenigsten verschont blieben.

Als zweites Lied an diesem Abend spielten sie mit „Sacrifice“ eines aus ihrem 2011 erschienenen Album „Rescue“. Es folgte mit „Bleeds no more“ einer ihrer Klassiker, welcher auf ihrem Debütalbum „When Broken is easily fixed“ erschien. So fuhren sie mit einem guten Mix aus den besten Songs von der Band fort, wobei bei dieser Tour der Fokus zum ersten Mal stärker auf dem aktuellen Album Lag. Um dies in Zahlen auszudrücken, fünf von vierzehn Liedern der regulären Setlist, kamen von „This is how the Wind shifts“.

Nach den erwähnten vierzehn Liedern kam Shane zunächst allein, lediglich mit einer Akustikgitarre bewaffnet, auf die Bühne zurück. Dies gefiel einigen Fans so gar nicht, denn die wollten etwas Härteres, um weiter feiern zu können. Die Mädels in der Halle hingehen freute es sichtbar. Wie dem auch sei, Shane spielte das gesamte Lied „Call it Carma“, sowie die erste Hälfte von „Depatures“ ohne seine Bandkollegen. Erst in der zweiten Hälfte zu „Depatures“ kamen diese wieder auf die Bühne und unterstützen ihn. Danach wurde es nochmal richtig laut in der Halle, denn die Band stimmte mit „My Heroine“ zu dem wohl bekanntesten Lied von Silverstein an. Danach gab es noch „Smile in your Sleep“ und ein toller Musikabend fand sein Ende.

Man kann an diesem Abend einfach nur allen drei Bands ein großes Kompliment aussprechen, sie alle lieferten eine großartige Show ab! Aber es sei an der Stelle auch vermerkt, dass sie vielleicht auch ein stückweit von einem sehr energetischen Publikum gelebt haben, ohne welches das Konzert nicht ein solcher Erfolg geworden wäre!

Setlist Silverstein:
Stand Amid the Roar
Sacrifice
Bleeds No More
Your Sword Versus My Dagger
SOS
American Dream
On Brave Mountains We Conquer
In Silent Seas We Drown
Vices
In a Place of Solace
The Artist
Smashed into Pieces
Massachusetts
Broken Stars
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Call It Karma (Acoustic)
Departures
My Heroine
Smile in Your Sleep