Am Montag, den 14. Januar war die Berliner Rock-Band Jennifer Rostock zu Gast in Köln, um im Rahmen ihrer „*_*“ Tour ein Konzert in der restlos ausverkauften Live Music Hall zu spielen. Mit ihrem aktuellen Album „Mit Haut und Haar“ (2011, höchster Chartplatz: 4) und der kürzlich veröffentlichten Live-DVD „Live in Berlin“ (2012, höchster Chartplatz: 3) sind die fünf Musiker zurzeit auf Erfolgskurs.


Bevor es jedoch mit dem Hauptact des Abends losgehen konnte, waren „Aufbau West“ aus Geseke in Nordrhein-Westfalen an der Reihe um dem Publikum ordentlich einzuheizen. Schon wenige Sekunden nachdem Florian Berres (Gesang und Gitarre), Martin Kuntze (Keyboard), Jendrik Leismann (Bass) und Sebastian Gödde (Schlagzeug) die Bühne betraten, ertönten die ersten „Ausziehen“ Rufe aus der ersten Reihe. Dem überwiegend weiblichen Publikum schien zu gefallen, was es sah. Aber auch musikalisch konnten Aufbau West teils mit Liedern ihrer EP „Schüsse in Öfen“ und teils anderem Material überzeugen.

Besonders „Die sicher schlimmste Wahl“, welches im Original mit Jennifer Weist von Jennifer Rostock aufgenommen wurde, konnte von den anwesenden Kölnern gut mitgesungen werden, was wohl auch daran lag, dass der Song auf der Facebook Seite der Band zum kostenlosen Download bereit steht. Allerdings wurde der Song ohne Jennifer vorgetragen, was dem Lied aber keinen Abbruch tat.

Aufbau West schafften es problemlos das Kölner Publikum aufzuwärmen und sogar zum Springen zu bewegen. Allerdings schienen sie selber auch beeindruckt zu sein von den rund 1.200 Zuschauern, welche dicht an dicht gedrängt ihren Indie-Rock Klängen lauschten.

Setlist Aufbau West

Intro
Faust
Zeit zu verstehen
Vietnam
Lichter Aus
Die Sicher Schlimmste Wahl
Bockweizen


Als zweite Vorband des Abends waren Heisskalt aus Stuttgart angereist, um mit ihrem Alternative-Rock die angeheizte Stimmung aufzugreifen, die ihre Vorgänger ihnen hinterlassen hatten. Für den ersten Song „Hallo“ nahm Bassist Lucas Mayer anstatt seines eigentlichen Instrumentes eine Tomtom zur Hand und trommelte fleißig drauf los. Mathias Bloech (Gesang und Gitarre), Philipp Koch (Gitarre), Lucas Mayer (Bass) und Marius Bornmann (Schlagzeug) konnten die Kölner Zuschauer schnell für sich und ihre Musik erwärmen.

Heisskalt zeigten sich fannah, denn wer eine CD kaufte bekam ein Autogramm mit dazu. Der glückliche Käufer eines zufällig ausgewählten Exemplars  konnte ein Wohnzimmerkonzert für sich und seine Freunde gewinnen. Aber auch wer kein Geld für eine CD oder T-Shirt ausgeben wollte, konnte sich nach dem Konzert an den Merchandisestand der Band bewegen, um ein bisschen mit ihnen zu plaudern.

Setlist Heisskalt

Intro
Hallo
Der Mond
Wer keine Liebe gibt ist tot
Schatz (Du willst ein Lied, ich will ans Meer)
Bewegungsdrang


Nach einer letzten Umbaupause war es soweit und Jennifer Rostock betraten die Kölner Bühne. Was ganz natürlich erschien war bis wenige Tage vor dem Auftritt nicht sicher, denn Frontfrau Jennifer war gesundheitlich angeschlagen, was dazu führte, dass die beiden Konzerte in Dresden und Leipzig verlegt werden mussten. Glücklicherweise konnte der Kölner Termin wie geplant stattfinden und Jennifer machte auch keinen kranken Eindruck mehr.

Auch wenn es öfters ein wenig untergeht ist Jennifer Rostock keine Solokünstlerin mit Musikern im Hintergrund sondern eine normale Rockband, sodass auch die Männer neben Jennifer Weist (Gesang) nicht unerwähnt bleiben dürfen: Johannes „Joe“ Walter (Keyboard), Alex Voigt (Gitarre), Christoph Deckert (Bass) und Christopher „Baku“ Kohl (Schlagzeug) komplettieren die Band, überließen die meiste Interaktion mit den Fans jedoch ihrer Frontfrau.

Die Show von Jennifer Rostock war geprägt von Jennifers mehr als einzigartiger Weise mit dem größtenteils weiblichen Publikum umzugehen. Neben ihrer derben, häufig auf Sex bezogenen, Ausdrucksweise  und der Angewohnheit ihre Zuschauer mit „Schatz“, „Schnecke“ oder ähnlichem zu bezeichnen hat sie jede Gelegenheit genutzt um das Kölner Publikum mit in die Show zu integrieren.

Egal ob sie Teile des Publikums auf die Bühne holte, um einfach nur bei einem Getränk der Musik zu lauschen, oder beim geschlechtergetrennten Mitsingen beim Song „Mikrofon“ (Das Signal zum Mitsingen war, wenn Jennifer sich in den Schritt fasst), die Begeisterung der Fans war stets gewaltig. Doch die Begeisterung für die Musik wurde nur übertroffen durch die Begeisterung für Jennifer Weist selbst, denn obwohl das Publikum überwiegend weiblich war, wurde sie von vielen Besuchern lüstern beschaut. Die sehr transparente Kleiderwahl verstärkte diesen Effekt noch, wobei so die Zuschauer auch einen guten Blick auf Jennifers dutzende Tattoos hatten. Doch Jennifer dämpfte gleich die Erwartungen besonders begeistert dreinschauender Lesben, denn mit ihren kurzen Haaren würde das so nichts werden.

Ein besonders unmoralisches Angebot unterbreiteten Jennifer Rostock, denn Damen über 18 Jahren konnten sich durch das Zeigen ihrer „Titten“ einen Whiskey Cola verdienen: Jede Dame die auf den Schultern ihres Nachbarn für mindestens fünf Sekunden blank zog, sollte so ein kostenloses Getränk ergattern können. Gegen jegliche Erwartungen war auch hier der Andrang dabei zu sein mehr als groß und auch ein junger Mann wollte sich den kostenlosen Drink nicht entgehen lassen. Bei ihm ließ Jennifer ein bloßes oben ohne nicht gelten, sodass bei ihm direkt die Hose fallen musste, was dann auch geschah. Erstaunlich was einige Leute für ein bisschen Alkohol und Aufmerksamkeit tun...

Zu „Kopf oder Zahl“ gab es eine weitere Möglichkeit für das Publikum sich einzubringen, denn es wurden zwei Sängerinnen für diesen Titel gesucht. Kim und Carmen traten gegeneinander an und sangen jeweils eine Strophe und einen Refrain. Es fing gut an, denn eine Kontrahentin konnte noch nicht einmal mit dem Begriff „Refrain“ etwas anfangen. Dementsprechend  war auch ihre Leistung am Mikrofon, sodass ihre Gegnerin das Duell spielend gewann. So gelang es ihr einen Merchgutschein und zwei Backstagekarten zu ergattern. Aber auch der Trostpreis in Form von signierten Drumsticks konnte sich sehen lassen.

Nach „Mach mich nicht verliebt“ und „Blut geleckt“ war der Pflichtteil des Konzertes vorbei, doch natürlich hatten Jennifer Rostock noch ein paar Zugaben im Gepäck. Als gegen Ende des Auftrittes noch einmal die Vorbands auf die Bühne kamen um sich gebührend vom Publikum zu verabschieden war vermutlich niemand im Publikum nicht zufrieden mit der großartigen Show, die die drei Bands an diesem Abend in der Kölner Live Music Hall abgeliefert hatten.

Setlist Jennifer Rostock
Intro
Fuchsteufelswild
Der Kapitän
Es tut wieder weh
Du willst mir an die Wäsche
Zwischen Laken und Lügen
Joe Song
Mein Mikrofon
Der Gärtner
Unplugged Set (3 Millionen Schatten, Ich kann nicht mehr, Himalaya)
Meine bessere Hälfte
Insekten im Eis
Kopf oder Zahl
Mach mich nicht verliebt
Blut geleckt
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Wo willst Du hin
Feuer
Es war nicht alles schlecht