Es war der 11. Januar 2013, der Tag an dem die fünfköpfige Metalcore-Band Callejon mit „Man Spricht Deutsch“ ihr fünftes Studioalbum über Four Music veröffentlichte und auch der Tag an dem passend zur neuen Platte im Düsseldorfer Stahlwerk eine Release-Show stattfand. „Man Spricht Deutsch“ ist sowohl Titel, als auch Programm, denn die Jungs von Callejon haben für diese Platte tief in der Mottenkiste gekramt und deutschsprachige Pop- und Hip-Hop-Hits gefunden und sie ordentlich durch den Fleischwolf gedreht.

Lange vor Beginn der Show wuchs die Schlange der vorm Stahlwerk wartenden Callejon Fans. Doch nicht nur Fans waren unter den Wartenden, denn offensichtlich hatten auch viele Freunde und ein paar Verwandte der Bandmitglieder beschlossen die Show in der Heimatstadt der Band zu besuchen. Bevor den begeistert wartenden Fans jedoch das Highlight des Abends präsentiert wurde waren mit April Uprising und „A Tale Of Amity“ zwei Supportbands mit von der Partie.


April Uprising aus Wuppertal, bestehend aus Bobby, Max, Marvin, Norman und Tim, waren als erstes an der Reihe. Zu Beginn war die Bühne ein wenig  leer, doch der Sound war trotzdem fett und die Zuschauer stellten sich berechtigt die Frage, wo der ganze Sound herkam. Ein Blick über die Schulter offenbarte, dass zwei Bandmitglieder das erste Lied vom hinteren Hallenende spielten.

April Uprising sorgten schon früh am Abend für Bewegung, denn sowohl auf der Bühne als auch davor ging ordentlich die Post ab. Wenn die Bandmitglieder das Publikum zum Circle Pit aufforderten, waren sie sich nicht zu schade auch in die Menge zu hüpfen und ein wenig mitzumachen.

In den dreißig Minuten Spielzeit, die April Uprising zustand, konnten die fünf Jungs Stimmung machen und neue Fans für sich gewinnen. Insbesondere der Sänger ging gerne auf Tuchfühlung mit den Anwesenden und bewegte sich besonders gerne im Bühnengraben direkt vor den Zuschauern.


Als nächster Supportact war die Indie-Hardcore Truppe A Tale Of Amity aus Düsseldorf am Start. Marco (Gesang), Torsten (Gitarre), Petros (Bass), Julian (Schlagzeug) und Nico (Gitarre) bezeichnen sich selber als „die Venga Boys des Hardcore“ und eben diese Partystimmung versuchen die Jungs auch auf die Bühne zu bringen.

Das Konzept ging auf und die Jungs brachten ordentlich Stimmung in das sehr gut gefüllte Stahlwerk. Insbesondere der jugendliche Teil des Publikums ging stark ab und feierte die Düsseldorfer gebührend. In Sachen Bewegung auf der Bühne standen A Tale Of Amity ihren Vorgängern April Uprising in nichts nach und auch die Zuschauer konnten nicht lange still stehen, sodass die Spielzeit der fünf wie im Fluge verging.


Um kurz vor halb zehn war es dann soweit und die Männer des Tages Kallejon, die degenerierte Sippschaft der Band Callejon, verkörpert durch GeorgGeorg, Heinrich, Ernst Hänsel, Wolfgang und das Mäxlein, betraten die Düsseldorfer Bühne. Mit dabei war ein bärtiger, tätowierter Mann, welcher an einen Stuhl gefesselt und geknebelt in der Bühnenmitte Platz nahm.

Kenner der kürzlich veröffentlichten Musikvideos wussten natürlich sofort, dass die Show mit dem Fettes Brot Cover „Schwule Mädchen“ beginnen würde. Auch die fünf Bauern von Kallejon waren in die aus dem Musikvideo bekannten Outfits gekleidet und die Bühne war passend dazu mit Stroh verziert.

„Warum liegt denn da Stroh?“ dürfte sich der ein oder andere Besucher gefragt haben, während die Musiker auf der Bühne mit „Alles neu“ von Peter Fox den zweiten neuen alten Song aus dem Ärmel zogen. Als Düsseldorfer Band bei einem Düsseldorfer Auftritt durfte selbstverständlich auch eine der Hymnen aus Düsseldorf nicht fehlen: „Hier kommt Alex“ von Die Toten Hosen war als nächstes an der Reihe.

„Alles nur geklaut“ von Die Prinzen war vermutlich der passendste Cover-Song des Abends, denn der erste Teil des Konzertes war ein reiner Cover Block. Das Düsseldorfer Publikum zeigte sich - wie man es von Callejon Shows kennt - bewegungs- und mitsingfreudig, was für ordentlich Action vor der Bühne sorgte. Aber auch auf der Bühne war allerlei Bewegung, denn Callejon - nein Kallejon - zeigten sich von ihrer besten Seite  und hatten sichtlich Spaß an ihrem Auftritt.

Mit dem Die Ärzte Cover „Schrei nach Liebe“ setzten Callejon ein Zeichen gegen Nazis und während auf den Leinwänden an der Bühnenrückseite die Flagge des dritten Reiches (jedoch mit Callejons Blitzkreuz in der Mitte) gezeigt wurde, schrie wirklich der ganze Saal den Liedtext im Chor und zeigte dem braunen Gesocks was sie von ihnen halten.

Mit diesem Song endete auch der insgesamt sechs Songs umfassende Cover-Song Block, welcher durch ein Drum-Solo vom Rest des Sets abgetrennt wurde. Die kurze Pause nutzten die anderen Mitglieder um sich wieder in ihre normalen Outfits zu kleiden und als Callejon die Bühne ein zweites Mal zu betreten.

Mit „Porn From Spain“ und „Kojote U.G.L.Y.“ starteten die „echten“ Musiker in das Set, welches eine bunte Mischung aus ihren bisherigen Alben enthielt: „Dieses Lied macht betroffen“ und „Lass mich gehen!“ gehören beispielsweise zu den besten Songs von „Videodrom“ und mit „Snake Mountain“ war auch ein Song von ihrem Erstlingswerk „Willkommen im Beerdigungscafé“ mit von der Partie.

Natürlich wollte das Publikum mehr als nur langweiliges Runterspielen der Setlist, aber ohne ein wenig zusätzliche Unterhaltung würden Callejon ihre Fans wohl kaum stehen lassen. Die Beteiligung beim „Macht mal wie Zombies, wie machen Zombies?" vor „Zombiefied“ oder dem geschlechtergetrennten Mitsingen bei „Sommer, Liebe, Kokain““ konnte sich durchaus sehen lassen.


Zwei starke Vorbands und Callejon - wie immer akustisch und visuell Spitzenklasse - sorgten für einen kurzweiligen Abend mit viel lauter Musik, Bewegung und Spaß. Nur das Publikum war minimal (!) weniger ausgelassen, als ich es von  anderen Callejon Konzerten kenne, was vermutlich mit dem hohen Teil von Freunden und Familie zu tun hatte. Zudem hätte ich mir noch ein paar mehr Cover-Songs gewünscht. Für ein normales Konzert sind sechs auf jeden Fall zu viel, doch da es sich um die Release-Party eines Cover Albums handelte, hätte man ruhig etwas mehr als die Hälfte der neuen Songs spielen können. Aber sei’s drum, es war ein toller Abend.


Setlist Kallejon/Callejon
Schwule Mädchen (Fettes Brot Cover)
Alles neu (Peter Fox Cover)
Hier kommt Alex (Die Toten Hosen Cover)
Alles nur geklaut (Die Prinzen Cover)
Mein Block (Sido Cover)
Schrei nach Liebe (Die Ärzte Cover)
Drum Solo
Porn from Spain
Kojote U.G.L.Y.
Dieses Lied macht betroffen
Lass mich gehen!
Blitzkreuz
Snake Mountain
Atlantis
Outro Spiel mir das Lied vom Sterben
Und wenn der Schnee
Zombiefied
Sommer, Liebe, Kokain
Kind im Nebel
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VI
Videodrom
Porn from Spain II