Von Autoreifen und Boobs!

Es ist Montagabend in Köln und der Winter beschert uns eine fröhliche Kälte.
Doch der Kälte zum Trotz pilgern einige Metalheads gen Essigfabrik, um ein fünfstündiges Konzert zu erleben. Vier Bands geben sich heute die Ehre.

Schon um 18.30 Uhr geht es mit den 5 sympathischen jungen Italienern von Vexillum los.
Da es noch recht früh ist, befinden sich im Publikum erst ca. 70 bis 80 Zuschauer. Also fordert Sänger „Dario Valessi“, nach ihrem Eröffnungshit „The Wanderers Note“, alle auf nach vorne zu kommen. Natürlich lässt man sich so was nicht zweimal sagen. Besonders die weiblichen Fans haben allen Grund dieser Aufforderung Folge zu leisten. Schließlich sorgen diese Musiker nicht nur für musikalische Ohrenschmeichler, sondern machen auch optisch ganz schön was her.
Als sich die Besucher als zu leise erweisen, rät ihnen Dario doch noch etwas mehr Bier zu trinken. Auch um dies lässt man sich nicht lange bitten. Und tatsächlich steigt der Lärmpegel hörbar an.
Die Bandmitglieder selber bleiben bei Wasser.
Nach und nach tauen auch die frierenden Glieder auf und lassen sich von den musizierenden Kiltträgern langsam einheizen. Zum Schluss hüpfen nicht nur die Musiker auf der Bühne, sondern auch die meisten Zuschauer, deren Zahl sich langsam und stetig erhöht.

Setlist Vexillum
The Wanderers Note
Dethron The Tyrant
Avalon
Megiddo
The Marketsquare Of Dooley

Während der Umbaupause und dem Instumentestimmen, wird man dann mit lustigen Schmankerln, wie dem A-Team Titelsong auf Klavier, bespaßt.
Als das Power und Folk Metal Quartett Orden Ogan die Bühne betreten, fällt das Hauptaugenmerk sofort auf Sänger Sebastian "Seeb" Levermann. Dieser lieferte die ultimative Antwort auf die häufige Frage: Wohin mit den alten Autoreifen?
Seeb integriert sie kunstvoll in sein Bühnenoutfit. Das schont nicht nur die Umwelt, sondern wirkt auch noch außergewöhnlich.
Die vier Arnsberger geben richtig Stoff und wirbeln über die Bühne. Dabei stellen sie ihr ganzes Können unter Beweis.
Zu „The Things We Belive In“ fordert man volle Unterstützung. „So, ihr singt gleich diese Worte. Also: Cold, Dead and Gone und wir singen dann weiter“, weist Seeb die Menge ein. Zur Hilfe werden den Fans die Worte Cold, Dead, And Gone angezeigt. Doch der erste Versuch fällt eher kläglich aus.„Also wir haben schon vor 35 Leuten gespielt und die waren laute“, erzählt Sebb kopfschüttelnd. „Da steht doch alles. Und wer nicht lesen kann, der macht wenigstens mit dem Finger so“, dabei fuchtelt er wild mit dem Zeigefinger in der Luft.
Das Publikum ist nun schon über 100 Mann stark und scheint begeistert. Immer wird die Menge Teil des Geschehens und unterstützt mit „Gesang“ und Gestik.
Die Band macht begeistert Fotos des Spektakels, für ihre Facebookseite. Außerdem fordert man das Publikum auf, ihnen bei ihrem Video zum Song „Angel War“ zu helfen. Schon 2 Jahre basteln sie an dem guten Stück und im Frühjahr soll es erscheinen. Es soll aus mitgeschnittenen Videos der Fans bestehen. Jeder Mitschnitt wird dankbar angenommen und mit etwas Glück ist man dabei.
Zum Abschluss bietet man den Zuschauern noch ein Meet & Greet nach dem Auftritt von Rhapsody an. Dann räumt man gemeinsam, mit den Musikern von Vexillum und den folgenden „Freedom Call“, die Bühne auf und um. Dabei machen sie ununterbrochen Faxen und allerhand Blödsinn, sodass die Wartezeit wie im Fluge vergeht.

Setlist Orden Ogan
To New Shores Of Sadness
We Are Pirates
The Things We Belive In
Masks
To The End
Angels War

Und so geht es schon bald weiter im Programm, „Freedom Call“ beziehen Stellung und beginnen mit gleichnamigem Titel. Vom ersten Ton an liegt ausgelassene Partystimmung in der Luft und die Zuschauerzahl wächst weiter an.
Die Power-Metaler um Sänger, Gitarrist und Keyboarder „Chris Bay“ legen viel Wert auf Fankontakt und  haben lockere Sprüche, so wie lustige Späße auf den Lippen. „Ich hatte einen Traum“, erzählt Chris. „In dem Traum hatten wir ein Konzert wie dieses und ALLE Fans haben die Arme hochgerissen.“ Die Menge reagiert sofort und erfüllt ihm den Traum. „Oh, Moment. Der Traum war noch etwas anders. Also wir hatten dieses Konzert und alle WEIBLICHEN Fans kamen an die Bühne und zeigten uns ihre BOOBS!“ Erwartungsvoll sehen sich alle um, doch nichts passiert. „Hm, manches wird eben dann doch nicht war. Das wäre anders, wären wir fucking Rockstars“, seufzt Chris, wobei er das letzte Wort ins Mikro brüllt, um den nächsten Titel einzuläuten.
Aber auch den verliebten wird heute einen kleinen Augenblick Aufmerksamkeit geschenkt. Natürlich ganz uneigennützig.
„Sind Leute hier die sich kürzlich verliebt haben?“, fragt man neugierig in die Runde. Den Pärchen wird auch schön brav gratuliert. „Nun sind denn auch Singlefrauen hier?“, wird weiter gefragt.
Eine hübsche junge Dame hebt den Arm. „Aha“, grinst Chris. „Warst du schon mal in Zoetermeer in den Niederlanden? Nein? Ja dann gibt der Frau mal nen Backstagepass. Morgen wirst du dann schon mal dort gewesen sein.“ Der Saal grölt. Sogar die Bandmitglieder von Vexillum haben sich unters Volk gemischt um die Show der Kollegen zu sehen. Bis zum Ende strotzen die vier vor Dynamik und Spaß und übertragen dies auf die Zuschauer. Diese feiern ausgelassen. Und wie es sich für gute Schwiegersöhne nun mal gehört, räumen die Musiker am Ende wieder gemeinsam auf.

Setlist Freedom Call
Freedom Call
The Eyes Of The World
Rockstars
Tears Of Babylon
The Quest
Power &Glory
Warriors
Land Of Light

Nach dem Umbau, finden Vexillum sich wieder in der Menge ein und genießen dass worauf alle gewartet haben. Die als „multivisuell“ angekündigte Show von „Luca Turillis Rhapsody“. Das Licht geht aus und das Nuclear Blast Logo wird, mit dem Beamer, auf den Bühnenhintergrund projizierend. Unter Jubel betreten „Rhapsody“ die Bühne.
Hierbei bildet der gewählte Standort des Schlagzeugs eine Besonderheit, denn es befindet sich nicht, wie bei den meisten Bands, in der Mitte sondern auf der rechten Seite.
Schon zum Eröffnungssong „Riding the Winds of Eternity“ singen die Fans fleißig mit und werden von Sänger Luca Turilli tatkräftig dirigiert. Übrigens erstrahlt sein Mikroständer in rotem LED-Licht, welches im Laufe des Abends die Farbe wechselt und bildet einen echten Blickfang.
Den nächsten bietet eine junge Dame, die auf der dunklen Bühne, in einem schwarzen Kleid mit blauen LED-Lichtern einen eleganten Tanz vollführt, bei dem sie wie ein Nachtfalter mit den weiten Ärmeln schwungvoll flattert. Das Publikum ist fasziniert und belohnt die Darbietung mit lauten Applaus.
Dann tritt Turilli nach vorne und schaut in den Zuschauerraum. „Hallo Köln“, ruft er ins Mikro. „Es ist schön hier zu sein. A lot of ladies here“, grinst er zufrieden und die Damenwelt kreischt.
Aber auch auf der Bühne ist zeitweise Damenbesuch, denn die Power- und Symphonic-Metaler haben sich weibliche Gesangsunterstützung geholt. „Sassy Bernert“ bereichert, unter anderem, den Song „Warrior's Pride“ in einer netten Duettversion.
Da zeigt sich die Band dann ganz gefühlvoll und auf Kuschelkurs.
Auch zum Thema multivisuell haben sie nicht zu viel versprochen und kredenzen dem Publikum eine ausgezeichnete Auswahl an perfekt auf die Musik abgestimmten, kunstvollen Videoeinblendungen.
Diese unterstreichen die verklanglichten Emotionen visuell und begeistern die Zuschauer.
Beim Song „Son Of Pain“ lassen sie es sogar schneien und zaubert Gänsehaut in den Saal.
Alles in allem liefern sie eine interessante und abwechslungsreiche Show mit vielen verschiedenen Eindrücken.
Doch alles hat einmal ein Ende und nach 5 Stunden Konzert sind die Fans auch langsam erschöpft. Also noch schnell zum angekündigten Meet & Greet und dann zufrieden nach Hause.

Setlist Rhapsody
Quantum X (Intro)
Riding the Winds of Eternity
Clash of the Titans
Tormento E Passione
Demonheart
The Village of Dwarves
Excalibur
Drum Solo
Forest of Unicorns
Warrior's Pride
The Ancient Forest Of Elves
Bass Solo
Of Michael the Archangel and Lucifer's Fall
Son of Pain
Dawn of Victory
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Dark Fate of Atlantis
Emerald Sword
Ira Tenax
Warrior of Ice