Am 23. November 2012 kamen die Mannen von Ost+Front aus Berlin nach Nordrhein-Westfalen, um in der Krefelder Kulturfabrik ein Konzert zu geben. Vor Einlass tummelten sich knapp ein Dutzend Menschen vor der Halle und begehrten Einlass, um dem feuchten und kalten Herbstwetter zu entgehen und in der Kulturfabrik ein erstes Getränk zu sich zu nehmen. Pünktlich öffneten sich die Pforten und die Halle konnte betreten werden. Wie schon der äußerst geringe Andrang vor Einlassbeginn nahelegte fand das Konzert nicht im großen Saal der Kulturfabrik, sondern im vom Eingang aus gesehen rechts gelegenen kleinen Club statt. Die Tür hierhin war aber noch verschlossen, da der Soundcheck und Teile der Aufbauarbeiten im vollen Gange waren.

Die Stuttgarter von Remember Twilight nennen ihre Musik Kammermusik-Core und bestehen aus den acht Mitgliedern Timo (Gesang/Gitarre), Anna (Violine), Anne (Violine), Chriz (Cello), Florian (Oboe), Felix (Gitarre), Jogo (Bass) und Sascha (Schlagzeug).

Gegen 20:55 Uhr kamen die acht Bandmitglieder mit Verspätung auf die Krefelder Bühne. Anfangs ein wenig skeptisch beäugt, passte die Musik von Remember Twilight doch eher nicht zum Programm von Ost+Front, fanden die Musiker dann schnell den Zugang zum Publikum.

Sänger Timo animierte die wenigen anwesenden Fans sehr und schaffte es dadurch sie auch zum ausgelassenen Tanzen zu verleiten. Vorgruppen haben selten einen guten Stand und gerade bei wenig Publikum ist das Interesse an der spielenden Band meist gering, doch nicht hier: Kaum einer konnte sich der Show der sympathischen Musiker entziehen und so wurde gegen Ende sogar eine Zugabe gefordert, welche es mit "Künstler der Dekadenz" auch gab.

Das Set endete gegen 21:40 und die Musiker ernteten beim Verlassen der Bühne gehörig Applaus. Im Hinausgehen hörte ich einige sagen, dass der Abend sich zum jetzigen Zeitpunkt sogar schon ohne den Headliner Ost+Front gelohnt habe.


Setlist Remember Twilight
Intro
Das Geschenk
K.O.
Die Feder
Ich komme nicht mit
Ich suche Gott & Mäckie Messer
Zu real
An meinem Tod
König Koks
Welten zu entdecken
--
Künstler der Dekadenz


Weiter deutschsprachig blieb es beim Headliner Ost+Front, welcher nach einer übertrieben langen Wartezeit die Krefelder Bühne betrat. Ost+Front aus Berlin sind Gernhardt von Brün (Gitarre), Eva Edelweiß (Keyboard und Trommeln), Herrmann Ost+Front (Gesang), Wilhelm Rotlauf (Bass), Siegfried Helm (Gitarre) und Fritz Knacker (Schlagzeug). 2011 gegründet treten sie in die Fußstapfen Rammsteins und präsentieren Neue Deutsche Härte.

Zu Beginn des Auftrittes war die kleine Bühne komplett vernebelt, ein Umstand der sich leider auch während des Konzertes nur selten (und dann nur kurzzeitig) verbesserte. Schade, denn zu sehen gab es viel. Die Outfits erinnerten an Kämpfermontur und die Masken taten den Rest um dem harten und kompromisslosen Image der Band gerecht zu werden.

Der Auftritt begann mit dem Song "911" und das Krefelder Publikum war von der ersten Sekunde an mit dabei und der Unmut über die ewig erscheinenden Wartezeiten war sofort vergessen. Zu "Heimkind" betritt ein Kleinwüchsiger, welcher zuvor als Verkäufer am Merchtisch in Erscheinung getreten war, mit Ukulele die Bühne und wird passend zu den Lyrics des Songs fertig gemacht und umgestoßen.

Ost+Front haben sich nicht nur musikalisch, textlich und optisch etwas von den Kollegen Rammstein abgeguckt: Auch was Bühnenpräsenz angeht sind deutliche Parallelen zu erkennen, denn auf großartige Interaktion mit dem Publikum, ein Lächeln oder ausschweifende Liedansagen wartete man vergebens. Ost+Front ziehen wie eine Maschine ihr Programm durch und bleiben auch ihr ihrer kompromisslos harten Linie treu. Auch beim Betrachten der Länge der Songnamen fällt auf, dass Effizienz und Punktgenauigkeit ohne viel Drumherum die Mittel der Wahl sind.

Mit am lautesten wurde vermutlich das "Denkelied" mitgesungen, denn immerhin gibt es dazu einen Clip auf Youtube und anderen Videoplattformen. Passend zum Thema Kannibalismus folgte im Anschluss "Fleisch" wo der Kleinwüchsige erneut die Bühne betrat und Fleisch und Wurst an die Zuschauer verteilte. Als in der ersten Reihe keiner mehr Interesse zeigte wurde der Rest einfach nach hinten geworfen.

Dem Publikum machten es Ost+Front offensichtlich genau recht, denn jeder einzelne Song wurde abgefeiert und gerne lauthals mitgesungen. Einen weiteren Auftritt hatte der Zwergwüchsige bei " Ein alter Mann", wo er diesmal in Begleitung und mit Dudelsack bewaffnet die Bühne betrat.

Kalt, hart und emotionslos präsentierten sich Ost+Front, was auch sicherlich Absicht war und sowohl zur Show als auch zur harten und kompromisslosen Musik passte. Eine stimmige Show mit gutem Sound, zwei bemerkenswerten Bands und wenigen aber dafür sehr engagierten Fans machten diesen Abend zu einem Erfolg.


Setlist Ost+Front
911
Heimat Erde
Dein Kanal
Heimkind
Dawaj Dawaj
Denkelied
Fleisch
Schlag Mich
Silikon
Ein alter Mann
1&1
Gang Bang
Ich liebe es