Am 10. November 2012 waren Callejon zu Gast in der Kölner Live Music Hall um den Abschluss Gig ihrer „Blitzkreuz“ Tour mit den heimischen Fans ordentlich zu feiern. Die Band, die zwei Jahre zuvor noch in der Werkstatt spielte und ein Jahr zuvor auch erst ins Underground geschickt werden sollte, schaffte es problemlos die deutlich größere Halle bis ans Limit zu füllen.

Doch bevor Callejon die Bühne betraten, war es an den beiden Supportacts WassBass aus Berlin und Eskimo Callboy aus Castrop-Rauxel die Menge gebührend vorzuheizen, was beiden Formationen mühelos gelang.


WassBass um Nico Seyfrid von K.I.Z. ist ein Techno-Projekt und passte daher eigentlich nicht so richtig in das vom Metalcore geprägte Programm des Abends. Doch wie auch schon die Hip-Hopper von K.I.Z. schafften es WassBass von vielen Metalfans akzeptiert und abgefeiert zu werden. Mit Mitgröhlsongs wie „Sex auf Toilette“ konnten sie dem Kölner Publikum die ersten Klänge entlocken. Für mich persönlich waren die selbsternannten „The Germans from the Future“ allerdings nichts, wenn schon exotisch dann doch lieber K.I.Z..


Als nächstes standen die Musiker von Eskimo Callboy auf der Bühne, die es in den letzten Jahren geschafft haben eine beachtliche Fangemeinde aufzubauen. Sie stehen zwar wegen Sexismus Vorwürfen regelmäßig in der Kritik, was ihre Fans (von denen sehr viele weiblich sind) jedoch nicht im Geringsten stört. Auf Konzerten oder Festivals konnten sie in der letzten Zeit wiederholt beweisen, was für energiegeladene Shows sie auf die Bühne bringen können.  

Dementsprechend groß war dann auch die Begeisterung als Sebastian „Sushi“ Biesler (Gesang), Kevin Ratajczak (Gesang, Synthesizer), Daniel Haniß (Gitarre), Pascal Schillo (Gitarre), Daniel Klossek (Bass) und Michael „Micha“ Malitzki (Schlagzeug) teils kostümiert die Kölner Bühne betraten. Die Stimmung war schon auf Headliner Niveau und so konnte der Opener „Is Anyone Up“ richtig zünden. „5$ Bitchcore“ brachte direkt im Anschluss das eng gestellte Publikum weiter ins Schwitzen, denn es wurde gesprungen was die geringe Bewegungsfreiheit hergab. Die Wall Of Death beim folgenden Song „Hey Mrs. Dramaqueen“ war nur die konsequente Weiterführung des bisher geschehenen und wurde auch ordentlich begangen. Auch bei den folgenden Songs wie „Muffin Purper-Gurk“ oder dem Katy Perry Cover „California Gurls“ fraß das Publikum den Jungs auf der Bühne aus der Hand. Nach circa einer halben Stunde Spielzeit verließen die Eskimos die Bühne und hinterließen ein verschwitztes und bestens vorgewärmtes Publikum für den Headliner des Abends: Callejon.


Callejon betraten nach einer  kurzen Umbaupause die Bühne und die Party war sofort im Gange. Das Publikum drehte direkt voll auf, als Bastian „BastiBasti“ Sobtzick (Gesang), Thorsten "Totti" Becker (Bass), Bernhard "Bernie" Horn (Gitarre), Christoph „Kotsche“ Koterzina (Gitarre) und Maximilian "Kotze" Kotzmann (Schlagzeug) die ersten Töne des Titeltracks „Blitzkreuz“ des aktuellen Albums durch die Boxen jagten.

Die Fans rockten von der ersten Sekunde ordentlich mit und die Temperatur stieg immer weiter an. Die Luftfeuchtigkeit war bei gefühlten 100%, sodass das Kameraequipment der Fotografen beim Betreten der Halle sofort anlief und das Schießen von Fotos fast unmöglich machte. Der relativ jungen Partygesellschaft war dies egal und so gingen sie auch bei „Dieses Lied macht betroffen“ ordentlich ab.

Obwohl es der Tourabschluss war, konnte man den fünf Bandmitgliedern keinerlei Müdigkeit ansehen: Callejon waren in Bestform und das Publikum offensichtlich auch. Schönes klares Licht und der zum Blitzkreuz geformte Monitor hinter der Band rundeten den visuellen Eindruck des Spektakels ab. Ein vorzeitiges Highlight der Show war „Porn From Spain“ mit Gastsänger Nico der Vorgruppe WassBass, denn auf seine Gesangsbeteiligung muss bei den meisten Callejon Shows leider verzichtet werden...

Nach „Zombiefied“ kam eine Anti-Nazi-Ansage, welches das Die Ärzte Cover „Schrei nach Liebe“ einläuten sollte, doch bevor es mit dem eigentlichen Song losgehen konnte, fielen Teile der Decke in die Zuschauermenge. Was von hinten im ersten Moment wie zu früh runter fallendes Konfetti aussah, entpuppte sich schnell als circa 25 Quadratmeter Gipskartonplatten. Callejonsänger BastiBasti reagierte schnell und besonnen und navigierte die Fans aus dem Gefahrenbereich, bevor er zum ruhigen und geordneten Verlassen der Halle aufforderte. Die Sicherheitskräfte hatten schnell die Notausgänge geöffnet und die Fans strömten ruhig und ohne Panik aufkommen zu lassen ins Freie.

Schnell trafen Polizei, Rettungswagen und Feuerwehr ein um die Verletzten zu versorgen und sich die Halle anzusehen. Es gab nur elf Leichtverletzte, was bei der Menge an heruntergekommenen Deckenmaterial und der bis ans Maximum gefüllten Halle, durchaus als Glück im Unglück gesehen werden kann. Die Live Music Hall wurde wie erwartet an diesem Abend nicht mehr frei gegeben, so dass die Fans nach dem Dreiviertelkonzert mit einem großen Schock nach Hause gingen.

Die Band kündigte an das Konzert zu wiederholen, Ein Termin steht noch nicht fest.

Setlist Callejon
Blitzkreuz
Dieses Lied macht betroffen
Atlantis
Und wenn der Schnee
Lass mich gehen!
Bring mich fort
Snake Mountain
Drum Solo
Porn from Spain
Koyote U.G.L.Y.
Zombiefied