Sabaton gehören gefühlt zu den oberen 10% der Metalbands, wenn es um Tour Freudigkeit geht. Manchmal stellt man sich die Frage, ob sie daheim noch ihr eigenes Haus erkennen, so selten scheinen sie dort zu sein. Diese Tour Freudigkeit hat aber auch einen großen Teil dazu beigetragen, dass Sabaton in den letzten Jahren einen rasanten Aufstieg vom Power-Metal Geheimtipp zu einer der meist gehören Bands dieses Genres erlebt haben. Am 16. Oktober machten die Mannen um Joakim Brodén einen Stopp in Köln, um ein Konzert ihrer "Swedish Empire" Tour in der Essigfabrik direkt am Rhein zu geben. Als Support konnten neben den Schweizer Folk-Metalern von Eluveitie auch Wisdom aus Ungarn engagiert werden.

Den Anfang machten die Jungs aus Ungarn, deren Diskografie bisher drei komplette Alben aufweist. Gábor Nagy (Gesang), Gábor Kovács (Gitarre), Zsolt Galambos (Gitarre), Máté Molnár (Bass) und Balázs Ágota (Schlagzeug) spielten passend zum Headliner Power-Metal, der stellenweise sehr stark an HammFall erinnerte, doch auf der anderen Seite auch härtere Facetten aufwies.

Obwohl die Truppe den meisten Anwesenden kein Begriff gewesen sein dürfte, konnten sie das feierwütige Publikum von der ersten Sekunde an überzeugen, sodass ihnen ein mitklatschendes, headbangendes und nach Möglichkeit mitsingendes Publikum sicher war. War das mit dem Mitsingen bei den meisten Liedern eher schwierig, da das Publikum die Lieder nicht kannte, so erübrigte sich dieses Problem als sie mit "Wasted Years" ein Iron Maiden Cover spielten.

Sollten die äußerst positiven Reaktionen der Fans in Köln so ähnlich auch in anderen Städten der Tour vorgekommen sein, so wird man mit Sicherheit in Kürze mehr von Wisdom hören. Für den Fünfer aus Ungarn also ein voller Erfolg, denn wann wird eine eher unbekannte Vorband schon vom Publikum so gut angenommen?

Setlist Wisdom
Falling Away From Grace
Somewhere Alone
Live Forevermore
Wasted Years (Iron Maiden Cover)
Wisdom
Heaven And Hell
Judas


Als zweiter Supportact waren Eluveitie mit dabei und das Problem unbekannt zu sein hatten sie nicht, denn spätestens mit dem Wechsel zu NuclearBlast stehen die Zeichen bei Eluveitie auf Erfolg. So verwunderte es nicht, dass Christian „Chrigel“ Glanzmann (Gesang, div. Instrumente), Anna Murphy (Gesang, Drehleier), Meri Tadic (Fiedel, Gesang), Merlin Sutter (Schlagzeug), Ivo Henzi (Gitarre), Patrick „Päde“ Kistler (Sackpfeife, Whistles, Gitarre), Kay Brem (Bass) und Rafael Salzmann (Gitarre) gebührend empfangen wurden.

Nach dem Intro ging es mit "Helvetios", einem Song des gleichnamigen, neuen Albums direkt in die Vollen. Das Publikum war durch Wisdom gut vorgewärmt und lies sich daher vom ersten Ton direkt mitreißen. Der Sound war perfekt und alle Instrumente kamen in gebührendem Maße zur Geltung.

Durch den Aufbau von Sabaton war die Bühne schon ziemlich voll, sodass Eluveitie nur ein wenig Platz davor blieb. War es bei den fünf Jungs von Wisdom noch nicht so aufgefallen, so standen Eluveitie doch eher wie die Hühner auf der Stange. Dadurch, dass nun acht Personen und deutlich mehr Instrumente auf der Bühne waren blieb den einzelnen Musikern nur ein sehr kleiner Bewegungsradius. Viel Action gab es daher auf der Bühne nicht, aber dafür konnten die Schweizer nicht verantwortlich gemacht werden, denn immerhin bewegte sich das Publikum.

Es folgten mit „Luxtos“, „Neverland“ und „A Rose For Epona“ drei weitere Lieder aktuellen CD. Letzteres ist zusammen mit dem wenige Lieder später folgenden „Alesia“ eines der Stücke die besonders von der weiblichen Stimme Anna Murphys leben, da Christian „Chrigel“ Glanzmann doch meist den überwiegenden Teil von Eluveities Gesang übernimmt.

Mit Rafael Salzmann wurde dem Kölner Publikum der neue Live Gitarrist vorgestellt, welcher Simeon „Sime“ Koch ersetzt, da dieser nach acht Jahren Eluveitie aus beruflichen und familiären Gründen verlassen hat. Die Besucher der Essigfabrik hießen ihn herzlich willkommen und auf die Aufforderung seitens Sänger Chrigel zeigten sie „dem Neuen“ mal ordentlich, wie „richtige Metalfans feiern“.

Es folgte einer der ersten Eluveitie Songs überhaupt - „Devico“ - und der bisher größte Hit der Band „Inis Mona“, der auch vom Publikum ordentlich abgefeiert wurde. Der Fokus der Show lag eindeutig auf der neuen CD, denn von eben genannten zwei Songs abgesehen, wurden nur Songs von „Helvetios“ gespielt. Es ist natürlich immer schön, wenn Bands zu ihren aktuellen Alben stehen und sie nicht nur als Vorwand nutzen wieder auf eine Tour zu gehen, aber ein paar mehr ältere Songs hätten das gute Gesamtbild noch ein wenig weiter abgerundet.

Setlist Eluveitie
Intro
Helvetios
Luxtos
Neverland
A Rose for Epona
Divico
Inis Mona
Alesia
The Uprising
Havoc
Outro


Zwanzig vor Zehn war es dann soweit und Europes „The Final Countdown“ tönte aus den Boxen der Essigfabrik. Für eingefleischte Sabaton Fans ist dies ein untrügliches Zeichen für baldiges Erscheinen der Band, die sie sehnsüchtig erwarteten. Besonders spannend war dies, da vor kurzem ein ordentlicher Besetzungswechsel stattgefunden hat, denn ganze vier von sechs Bandmitgliedern haben sich verabschiedet (und mit Civil War eine neue Band gegründet). Am 2. April diesen Jahres wurden Chris Rörland (Gitarre), Thobbe Englund (Gitarre) und Robban Bäck (Schlagzeug) als Ersatz angekündigt. Sie stoßen somit zu den beiden verbleibenden Gründungsmitgliedern Joakim Brodén (Gesang) und Pär Sundström (Bass). Für Keyboarder Daniel Mÿhr konnte bis dato kein geeigneter Ersatz gefunden werden.

Zu „The March To War“ kamen sie dann einzeln auf die Bühne und Drummer Robban Bäck schaffte es direkt den unsympathischen Eindruck, den er bei mir beim Vorstellungsvideo hinterlassen hatte, zu bestätigten. Aber persönliche Meinung hin oder her, es war für alle anwesenden Fans schon komisch Sabaton zu hören, aber im überwiegenden Teil nicht zu sehen, wobei sich dieses Problem in einigen Monaten gegeben haben wird. Nur wenn von einem Konzert auf’s andere plötzlich zwei Drittel der Band fehlen ist das schon irgendwie komisch.

Nun zur Musik: Den Anfang machte „Ghost Division“ vom „The Art Of War“ Album und mit „Gott mit uns“ und „Poltava“ schossen die Schweden direkt zwei Songs von der aktuellen Scheibe „Carolus Rex“ hinterher. Fußballfans hatten es an diesem Dienstagabend besonders schwer, denn sie verpassten zu Gunsten der Sabaton Show das Fußballspiel Deutschland gegen Schweden - wie passend. Sabaton schienen an dem Spiel auch interessiert und vermeldeten zähneknirschend, dass die Deutschen mit 2:0 vorne liegen und sie daher für jedes deutsche Tor einen Song von der Setlist streichen würden.

Wer schon mal einer Sabaton Show beigewohnt hat kennt die „noch ein Bier“ Rufe des Publikums, die sonst meist dafür sorgen, dass Sänger Joakim ein Bier nach dem anderen kippt. In der Kölner Essigfabrik lief das jedoch anders, denn immer wenn die Rufe aufkamen verschenkte die Band ein Bier an eine Person im Publikum. Doch wie es so ist im Leben, bekommt man nichts geschenkt, sodass die Beschenkten das Bier direkt runterkippen mussten, während ein Sabaton Techniker die Zeit maß. Ob Sabaton daraus eine statistische Erhebung zum Bierkonsum in Europa oder nur eine einfache Rangliste erstellen wollen ist unklar. Hauptsache das Publikum wurde mit kühlen Getränken versorgt und hatte Spaß.

Das aktuelle Studioalbum „Carolus Rex“ ist in schwedischer und englischer Fassung erschienen und so wurde in E-Mails und Social Networking Nachrichten der Wunsch laut auch einmal eine schwedische Version auf der Bühne darzubieten. Dies geschah mit „Karolinens bön”, dessen englische Version „The Caroleans's Prayer“ heißt.

Mittlerweile stand es 4:0 für Deutschland und während sich das Publikum einerseits freute wuchs doch die Angst, ob Sabaton wirklich vier Songs von der Setlist streichen würden. Immerhin floss reichlich Bier und Joakim verschenkte einer seiner Westen. Dem Publikum wurde an ein paar Stellen die Möglichkeit gegeben die Setlist aktiv mitzugestalten, indem aus einer Vorauswahl seitens Sabaton der Kölner Favorit bestimmt wurde.

Während die Stimmung in Köln immer weiter stieg und Sabaton immer mehr Hits aus dem Ärmel zauberten, schaffte es die schwedische Nationalmannschaft die Deutschen derart zu überrumpeln, dass das Spiel letztendlich 4:4 endete - gut für die Sabaton Fans.

Als nach „Attero Dominatus“ der Pflichtteil endete war natürlich klar, dass die eine oder andere Zugabe folgen würde und dem war auch so, sodass Köln bei „Primo Victoria“ noch einmal Sprungfähigkeit beweisen konnte, indem die letzten Reserven aktiviert wurden.

Als nach „Metal Crüe“ die letzten Töne verhallten gab es wohl kaum ein trockenes T-Shirts in der Essigfabrik. Die Fans strömten ausgepowert Richtung Frischluft und hatten ein abwechslungsreiches und gutes Konzert hinter sich. Alle drei Bands - sogar der erste Supportact - konnten spielerisch auf ganzer Linie überzeugen. Einziger Wermutstropfen war der Sound, der bei Sabaton (zumindest da wo ich stand) ziemlich schlecht und blechern war. Phasenweise konnte man Joakim kaum verstehen. Dies ist insbesondere schade, da bei Wisdom und Eluveitie alles perfekt geklappt hatte...


Setlist Sabaton
The March To War (Intro)
Ghost Division
Gott Mit Uns
Poltava
White Death
Carolus Rex
Karolinens bön
40:1
Cliffs of Gallipoli
Coat of Arms
Dominium Maris Baltici
The Lion From the North
The Hammer Has Fallen
Attero Dominatus
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The Art of War
Primo Victoria
Metal Crüe