Zwölf Tourtermine hatte sich die Letzte Instanz aus Dresden für den Herbst 2012 ausgesucht. Ein Dutzend Konzerte in Deutschland, Österreich und der Schweiz um nach der konzertarmen Festivalsaison wieder richtiges Leben in die Konzerthallen des deutschsprachigen Raumes zu bringen. Mit an Bord hatte die Instanz neben dem neuen Album „Ewig“, welches auch den Namen der Tour vorgab, auch mit Lord Of The Lost eine aufstrebende Supportband.

Die Live Music Hall in Köln war am 10. Oktober die erste Haltestelle auf der „Ewig“ Tour. Von der Halle war durch Vorhänge ein kleiner Teil abgetrennt, da der Veranstalter offensichtlich kein ausverkauftes Haus erwartete.  Zwar nicht ausverkauft, doch schon gut gefüllt präsentierte sich die Location, als ich sie eine halbe Stunde vor Konzertbeginn betrat. Direkt vor der Bühne hatten sich schon viele Fans versammelt um bei Showbeginn ganz vorne in der Menge mit dabei zu sein. Andere hingegen zogen das gemütliche Beobachten des Ganzen von hinten vor und vergnügten sich vor Beginn mit einem kühlen Getränk oder beim Stöbern am Merchstand.


Pünktlich um 20:00 Uhr war es dann soweit und die 2007 gegründete Dark-Rock/Metal Band Lord Of The Lost aus Hamburg betrat die Kölner Bühne. Lord Of The Lost bestehen zurzeit aus Bandgründer und Frontmann Chris „The Lord“ Harms (Gesang, Gitarre, Cello), Bo Six (Gitarre), Class Grenayde (Bass), Gared Dirge (Piano, Synthesizer, Percussion, Gitarre) und Christian "Disco" Schellhorn (Schlagzeug). Mit im Gepäck hatten Lord Of The Lost ihr aktuelles Album „Die Tomorrow“ (VÖ: 31. August 2012), von dem auch circa die Hälfte der an diesem Abend gespielten Stücke stammten.

Mit Musik von der aktuellen Scheibe ging es auch direkt los, als mit „Die Tomorrow“ und „Black Lolita“ die ersten beiden Stücke durch die Live Music Hall schallten. Das Publikum schien zu großen Teilen bereits mit der Band vertraut zu sein, denn die Stimmung war schon zu Beginn bemerkenswert gut. Spätestens als mit „This Is The Life“, einem Cover der Hitsingle der britischen Singer-Songwriterin Amy Maydonald ertönte konnten wirklich alle mitsingen. Es war ein unerwartetes aber interessantes Lied, was sich die Hamburger zum covern ausgesucht hatten.

An den T-Shirts und mitgebrachten Flaggen der Konzertbesucher war zu erkennen, dass sicherlich auch die eine oder andere Person in der Halle insbesondere wegen der gut gewählten Vorband angereist war. Aber auch die Fans der Letzten Instanz hatten ordentlich Spaß mit der Mischung aus HIM und härteren Klängen, welche Lord Of The Lost auf der Bühne präsentierten. Passend zum angestrebten Image der Band und dem aktuellen Albumcover hatte sich die Band ordentlich „dreckig“ angemalt und trat teilweise oben ohne auf. Dem Geschrei nach zu urteilen war für die eine oder andere Dame einer der Konzerthöhepunkte gekommen als Frontmann Chris Harms seine Oberbekleidung entfernte.

Nach rund 40 Minuten Spielzeit hinterließen Lord Of The Lost ein begeistertes und für die Letzte Instanz bestens aufgewärmtes Publikum. Doch bevor die Band im Backstage verschwand musste noch die kommende Co-Headliner Tour mit Unzucht (auch mit Station in Köln) angekündigt werden. Zudem gaben sie das Versprechen ab, nach der Show des Headliners am Merchstand zu erscheinen, um das ein oder andere Bier zu trinken. Eine Gruppe aus Kölner Zuschauern mit einer Band aus Sankt Pauli wird wohl einiges vertragen scherzte Sänger Chris, bevor die Band die Bühne für die Umbauarbeiten räumte.

Setlist Lord Of The Lost:

Die Tomorrow
Black Lolita
This Is The Life (Amy Macdonald Cover)
Break Your Heart
Prologue
Prison
Dry The Rain
See You Soon
Blood For Blood
Sex On Legs
Credo


Kurz nach neun Uhr war es dann soweit und zum  Intro „Aeternitas“ betrat die Letzte Instanz die Kölner Live Music Hall. Dazu passend spielten Rainer Stefan "Holly" Loose (Gesang), Holger "Holly D." Lieberenz (Akustikgitarre, Gesang), Oliver "Oli" Schmidt (E-Gitarre), Rico "M. Stolz" Schwibs (Violine), Benni "Cellini" Gerlach (Cello), Michael Ende (Bass) und David Pätsch (Schlagzeug) mit „Ewig“ direkt den dazu auch auf der CD folgenden Titelsong der aktuellen Scheibe.

Gut vorgewärmt von Lord Of The Lost war das Publikum auch von der ersten Sekunde mit großer Begeisterung dabei. Als Sänger Holly die Halle kurzerhand für den Augenblick zur Welt erklärte, die er „Nur für uns“ haben wollte, war den Besuchern klar, dass sie noch einiges für diesen Abend zu erwarten hatten. Im Anschluss folgte „Blind“, jedoch natürlich ohne Gastsängerin Eisblume, sodass schon direkt zu Beginn des Konzertes auch die ersten vier Tracks der aktuellen Scheibe in der richtigen Reihenfolge zu hören waren.

„Unerreicht“ war der erste ältere Titel, der den Weg in die Setlist gefunden hatte. Die Band betonte während ihres Auftrittes jedoch, dass der Abend von der Trilogie („Schuldig“ VÖ: 2009, „Heilig“ VÖ: 2010 und „Ewig“ VÖ: 2012) dominiert sein wird, obwohl natürlich auch der ein oder andere Klassiker wie „Ohne dich“ dabei sein musste.

Als „Brachialromantik“ bezeichnen die Mannen um Sänger Holly ihre Musik und es ist etwas dran: Metallische und rockige Klänge gepaart mit starken Texten machen den Reiz aus und begeisterten auch die Kölner Zuhörer. Zusammen mit dem souveränen Auftreten auf der Bühne, bei dem man den Beteiligten den Spaß direkt ansah entstand eine perfekte Mischung für ein Konzert. Optisches Highlight war wie immer der headbangende Benni Cellini, welcher auch während des Gigs ein kleines Bad in der Menge nahm.

Das Kölner Publikum zeigte viel Begeisterung und war wenn es darum ging mit zu singen, mit zu klatschen oder sonstiges zu tun sofort mit von der Partie. So ließen sie es auch bereitwillig über sich ergehen, als sie vor „Der letzte Tag“ aufgefordert wurden sich hinzuknien und aufzustehen und sich hinzuknien und aufzustehen und sich hinzuknien ...

Nach knapp über zwei Stunden Letzte Instanz verhallten die letzten Töne von  „Silber im Stein“ dem fünften Zugaben Song und die Fans traten sichtlich zufrieden den Heimweg an.

Setlist Letzte Instanz:
Aeternitas
Ewig
Nur für uns
Blind
Unerreicht
Wieder einmal Rot
Morgenrot
Traumlos
Schwarzer Sand
Et in Arcadia
Regenbogen
Der Garten
Schlaf, Schlaf
Von Anfang an
Ohne Dich
Kopfkino
Schuld
Der letzte Tag
Sing!
Tausendschön

Flucht ins Glück
Finsternis
Wir sind allein

Rapunzel
Silber im Stein