Das kleine Auto bis zum Anschlag vollgepackt, starteten wir Dienstag gegen Vormittag unseren Trip zum Mekka des Nordens. Kaum 15 Minuten auf der Autobahn, noch 600km entfernt, trafen wir auch schon die ersten Gleichgesinnten mit dem amtlichen Kennzeichen W:O:A auf der Heckscheibe.  Mit guter Laune und lauter Musik  in den Ohren verging die Zeit doch recht schnell und langsam aber sehr stetig verdichteten sich die Autos mit Panzertape, bis wir alle eingereiht die Autobahn verließen. Es kam immer wieder zu Gerüchten, dass das Gelände noch nicht freigegeben wurde, wegen der  Regenschauern der vergangen Tage, aber wir hatten wohl Glück. Wie sich später herausstellte hatten deswegen einige Besucher ihr Auto separat vom Campingplatz abstellen müssen.

Nachdem wir zügig eingewiesen  wurden und jeder schnell sein Zelt hinter sein Auto geschmissen hatte, wurde nach gemeinsamen und hilfsbereiten Aufbauen fleißig auf gute Nachbarschaft angestoßen. Ein „ Wacken ihr seid zu früh“ –Bändle zierte nun knalle Orange unser Handgelenk. Lange hielt es allerdings nicht, denn die Bändchenausgabe hatte zum Glück schon Nachts offen und verteilte fleißig bunte Festivalgeschenkkörbe an die Besucher. Okay sagen wir sehr sehr dunkel bunte Festivaltaschen. Ich rede hier natürlich von den Full Metal Bags mit viel nützlichen Kleinigkeiten die mittlerweile standardmäßig jeder Besucher erhält. Warum kommt nicht jedes Festival  auf die Idee, Regencapes von vorn herein an jeden Besucher auszuteilen?

Mittwoch. Das Wetter ist bewölkt. Da wir noch Grillfleisch brauchten, gingen wir auf große Erkundungstour des noch größeren Festivalgeländes. Das ganze Dorf befand sich in heller Euphorie der ankommenden Pilger. Einzig ein alter Mann mit seinem „So wie du lebst kommst du in die Hölle“ Plakat wusste Nichts so recht mit sich anzufangen. Immerhin  hatte er viele schwarz gekleidete Anhänger gefunden, die ihn anfeuerten.

Gut gestärkt ging es dann aufs Gelände selbst, lediglich das Infield um die 3 großen Bühnen war noch gesperrt, was man allerdings nicht merkte, denn es waren schon zig Tausende unterwegs . Nun erschloss sich auch der Sinn die Bändchenausgabe schon des Nachts zu beginnen, denn man musste nun cirka eine Stunde anstehen. So schlimm ist das aber nicht, falls man an ein wenig Wegzerrung gedacht hat. Aber abgesehen davon, gab es auch gleich die neue Kulisse zu sehen. Das große Trash Of The Titans Field, was liebevoll von Pyrotechnikern und Künstlern im Bereich Alien/Monster der Marke Eigenbau aufgebaut und zusammengeschustert wurde. Sehr unterhaltsam gab es Nachmittags ein paar Events mit ausgefallen Stories, abends als alle Künstler gleichzeitig ihre Monster und Endzeitschiffe in Szene setzen kam auch die Pyrotechnik so richtig zur Geltung und selbst von den Zeltplätzen aus, hatte man das Gefühl, da hinten fackelt das ganze Wackinger Village ab. Der Hammer.

Natürlich brannte es nicht, es herrschte reges Treiben bei den Einwohnern, so wie man es gewohnt ist. Spektakulum, Händler mit Leder und Glitzerkram und natürlich leckeres Essen den ganzen Tag lang. Aber was ist das daneben? Ein riesiges weißes Zelt, der „Bullhead City Circus“ hüllte die W.E.T & Headbanger Stage ein. Natürlich inklusive Wrestling-Playground. Und auch wenn sich dort noch niemand die Köpfe einhaute, war das Metal Battle schon voll im Gange mit sehr verschiedenen aber sehenswerten Bands aus aller Welt. Und wir kommen zum eigentlichen – der Musik!

Donnerstag. Die Sonne ballert. Pünktlich um 16uhr eröffnen Skyline, zur Abwechslung mal mit Doro ;), dass 23. Wacken Open Air. In Richtung Infield stapfend hören wir aus der Ferne schon „We Are The Metalheads“ – die Wackenhyme. Die Stimmung ist schon angekommen und auch wir kommen pünktlich zu unserer ersten Verabredung an diesem Nachmittag. Sepultura & Les Tambours du Bronx – das französische Percussion-Ensemble, dass Sepultura schon seit 2011 bei Rock in Rio begleitet. Das Publikum in bester Laune mit fettem Getrommel und Liedern wie „Refuse Resist“, so macht Wacken Spaß. U:D:O feierte sein Jubiläum und danach war es Zeit für die englische Heavy Metal Legende Saxon, die in Höchstform zum nun sechsten Mal ihre Klassiker zum Besten gaben, angefangen mit „Heavy Metal Thunder“. Spätestens bei „Crusader“ wird nicht nur wild mit den Haaren geschüttelt, sondern auch lautstark mitgegröhlt.

Setlist Saxon:

Heavy Metal Thunder
Hammer of the Gods
Power and the Glory
20,000 Ft
Never Surrender

Dogs of War

Motorcycle Man
I've Got to Rock (To Stay Alive)
Crusader
Rock the Nations
Drum Solo
Battalions of Steel
The Eagle Has Landed
Wheels of Steel
To Hell and Back Again
Denim and Leather
Strong Arm of the Law
747 (Strangers in the Night)
Princess of the Night

Der Nachmittag nahm seinen Lauf und es wurde zunehmend voller. Der Grund dafür waren die Rockabilly Typen aus Dänemark. Volbeat. Das der Gitarrist Thomas Bredahl die Band verlassen hatte, fiel gar nicht auf und Hank Shermann machte eine lässige Figur. Neben Gastauftritten von Mille Petrozza (Kreator) und Mark Greenway (Napalm Death), gab es auch einen kurzen Vorgeschmack auf das nächste Album, was wohl noch bis nächstes Jahr dauert. Der Bass wummerte wie blöde, als sich die Dänen durch ihre gesammten Alben spielten. Mit dem Auftakt ihrer Zugabe „A Warrior’s Call“ ging es dann nochmal richtig zur Sache bis man getrost ausgepowert den Zeltplatz heimsuchte.

Setlist Volbeat:

The Human Instrument
Guitar Gangsters & Cadillac Blood
Another Day, Another Way
Sad Man's Tongue
A Moment Forever / Hallelujah Goat
Mary Ann's Place
Who They Are
Fallen
7 Shots
Heaven nor Hell
16 Dollars
Radio Girl
Sweet Unicorns
Evelyn
The Mirror and the Ripper
A Warrior's Call
I Only Want to Be with You
Pool of Booze, Booze, Booza
Still Counting
Raining Blood

Freitag. Das Wetter weiß noch nicht was es werden soll. Schon zum Frühstück gibt es Blackmetal von Endstille, während Betontod nebenan für Abwechslung sorgt. Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig, was sich schon verblüffend viele dachten. Mit schnellen Schritten nährte sich der Mittag und mit ihm kam Symphonic Metal von Kamelot und sogar die Sonne, was allerdings auch an den hübschen Mädels gelegen haben könnte, die mit auf der Bühne…performen. Klingt nach nem Festivaltag wie er sein sollte, aber es kommt, wie wir es kennen. Den Wolken ist es zu heavy und lassen alles fallen was geht. Wer sich nicht auf den Zeltplatz flüchtet, macht bald mit dem schönen Torfboden rund um Wacken Bekanntschaft. Habe ich schon von dem überdachten Pressezelt erzählt? Egal. Der Schauer zieht schnell vorbei und alle die dort geblieben sind, wurden mit Overkill belohnt, die sofort die Stimmung wieder einheizen und ihr neues Album "The Electric Age" promoten, bevor sie Klassiker wie "Ironbound", "Old School" und  "Fuck You" raushauen. Nach dem Übergang von The Bosshoss, spielte dann die einzige Band, die man aus Schweden wirklich kennen muss, wie Frontmann Mikael Akerfeldt gerne erzählt. Opeth. Ohne Schminke und Gepose, Progressive Rock/Metal vom feinsten, mit anspruchsvollen Riffs und Soli. Im Anschluss folgten ihre Brüder von Hammerfall die mit „Patient Zero“ ihr 15-jähriges Wackenjubiläum begannen. „Bang Your Head“ muss man der Meute eh nicht sagen, sie konnten eh nicht anders. So ging das schöne Konzert der Schweden im strahlenden Sonnenschein auch bald zu Ende, denn ein absolutes Highlight wartete. Dimmu Borgir machte es wahr und kam samt Chor und vollständigem Orchester. Zum ersten Mal auf einem Festival. Um es kurz zu machen, es war der Hammer! Trotz der besonderen Herausforderung für die Tontechniker und natürlich der Musiker, war das mein absolutes Highlight an diesem Tag auch wenn noch eine meiner Lieblingsbands kam.

Jesters, darf ich vorstellen, In Flames aus Schweden. Das Tageslicht war schon verschwunden und auf der Bühne war ein großes Gerüst aufgebaut, an dem eine große Leinwand herunterhing auf das ein Gerüst projiziert wurde. Anders Friden, Sänger der Band, kam im Anzug aufs Gerüst, setzte sich an ein Klavier und sang nüchtern „Jester’s Door“.  Er erhob sich und ging, als in diesem Moment das projizierte Gerüst in sich zusammenviel. Einfach nur episch. Nach einer kurzen Pause und einem zweiten Intro zu „Cloud Connected“ wurden auch die anderen Anzugträger, die auf dem Gerüst verteilt standen, beleuchtet. Zu „Trigger“ kamen sie dann endlich auf die Bühne um sich fotografieren zu lassen – versteht sich. Sie lieferten eine klasse Show mit Feuerwerk und servierten eine geballte Portion Melodic-Death-Metal.

 

Setlist In Flames:

Jester's Door
Cloud Connected
Trigger
Where the Dead Ships Dwell
Only for the Weak
Reroute to Remain
Crawl Through Knives
Delight and Angers
The Quiet Place
The Chosen Pessimist
Fear Is the Weakness
Alias
The Mirror's Truth
System
Deliver Us
Take This Life
My Sweet Shadow

Wer immer noch  im Matsch stehen blieb, war entweder zu tief eingesunken, oder wollte sich das gute Nacht Konzert von In Extremo anschauen, die eh für viel Spektakulum und Feuershow bekannt sind. Als absoluter aber schöner Rausschmeißer wurde D-A-D ins Rennen geschickt, um uns alle ins Traumland zu befördern. Die Herren mögen alt sein, wissen aber genau was man hören möchte. Nicht mehr allzu schwere Kost, das wir auch morgen auch früh aufstehen.

 

Samstag. Jeder der gestern doch noch zu tief ins Glas geschaut hat wird nun unsanft von der Mutter des Grindcores‘ aus dem Schlaf gerissen. Napalm Death pöbeln rum, bis jeder weiß weswegen er eigentlich hier ist. Und Six Feet Under legen nach. Aus der damaligen Band ist nur noch der Sänger Chris Barnes übrig, aber auch die junge Band weiß, wo es langgeht. Nachdem das Publikum also seinen eigenen Zuckungen, oder der der Musiker gefolgt ist, kommt  nun der  Trash-Metal Nachschlag mit Testament. Wer seit 30 Jahren im Geschäft ist, weiß wie man die Leute animiert, zu beobachten an den größer werdenden Moshpits.  Das neue Album „Dark Roots Of Earth“ erklingt in alter Trash-Metal Manier und wird gut angenommen.  Das Wetter schien gegen aller Erwarten zu halten und während wir uns gediegen im Wackinger Village an einem Babarenspieß labten, hörte man in der Ferne die unverkenntliche Stimme von Dani Filth, Frontkreischer von Cradle of Filth. Ich hab mich immer gefragt, ob er das Live wirklich durchhält – jap! Tut er.

Danach wurde zu unser aller Erstaunen und für meinen Geschmack viel zu kurzfristig die weitere Running Order geändert und so kamen leider noch im Hellen die Wikinger von Amon Amarth. Wieder mit Pyroeffekten die noch gar nicht richtig zur Geltung kamen und schönem Bühnenbild wurde also auf die alte Welt verteidigt. Doch der Masse war das recht egal, denn ihre Helden werden zu jeder Tageszeit gefeiert. Bei Liedern wie  „Guardians Of Asgaard“ und „The Pursuit Of Vikings“ kann man auch nur zusammenstehen und sich die Seele aus dem Leib zu gröhlen. Den Platz in der Running Order nahmen sie für The Scorpions ein, die immer noch 10 Minuten zu spät anfingen. „Wind Of Change“ durften sie vertraglich nicht spielen, was mich weniger störte. Kultstatus haben sie zwar, dennoch fand ich sie etwas deplatziert auf einem Metal-Festival. Wem die Hannoveraner nicht zusagten fand sich vor der Partystage bei Schandmaul wieder,  die eine willkommene Abwechslung an diesem Tag darstellten. Das Publikum wurde tatkräftig mit eingebunden um beispielsweise zu versteinern, doch diese Ruhe wurde durch einen ordentlichen Gewitterschauer zerstört. Doch es gab kein Ausweg, denn alle warteten auf den Headliner und der war niemand anderes als... Machine fucking Head. Neo-Trash a la carte. Heiß serviert! Circle Pits im Schlamm blieben weitestgehend aus, aber Robert Flynn sagt ja eh immer: „Headbang! HEADBANG MOTHERFUCKER!“ Und genau das taten 75.000 begeisterte Metalheads schon ab dem ersten Lied. Mit Videos im Backdrop und allem drum und dran wurde also heftig gebangt ohne an die Nackenschmerzen zu denken. Klamm und schlammig war eh schon alles. Wem nicht fröstelte, schaute danach noch den Surprise Act an, der aber seit Ausgabe der ersten Wacken-T-Shirts mit Lineup feststand – Edguy. Während der Wattwanderung zum Zeltplatz hörten wir lauthals die Menge schreien, anscheinend waren die noch guter Laune und bereit noch einmal alles zu geben, wir jedoch versuchten unser Auto heile und ohne Abschlepper vom Zeltplatz zu karren, was uns auch besser gelang als erwartet. Morgens früh um halb acht waren wir dann alle wieder daheim, einzig der Tinitus und der Matsch ist uns gefolgt.

Ich sach ma…bis nächstes Jahr – dieses Festival steckt an!

Der Veranstalter hat an alles gedacht und selbst der Ort ist mit Herz und Seele dabei. Sehr positiv finde ich, dass egal was du vergessen hast, du bekommst es dort! Für die Hilfskräfte ist es inzwischen Alltag, sie wissen genau was auf sie zukommt und auch Kleinigkeiten wie eine kostenlose Wacken Open Air App mit der du dich auf den Zeltplätzen genau Orten kannst, die dich an eine Band erinnert die du gleich sehen wolltest und noch viel mehr nette Sachen zu bieten hat, runden das Festival ideal für den Besucher ab.